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Michael Seewald

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Michael Seewald am 24. Juli 2026 in Paderborn

Michael Seewald (* 13. Juli 1987 in Saarbrücken) ist ein deutsch-französischer Hochschullehrer und katholischer Geistlicher. Er ist Professor für Dogmatik und Dogmengeschichte an der Ludwig-Maximilians-Universität München<ref>Kontaktseite. Abgerufen am 10. April 2026.</ref> und Permanent Fellow am Wissenschaftskolleg zu Berlin.<ref>Wissenschaftskolleg zu Berlin. Abgerufen am 14. April 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Biographie[Bearbeiten]

Seewald, der in Kleinblittersdorf<ref>Bischof weiht zehn Männer zu Priestern. 28. Juni 2013, abgerufen am 2. Juni 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> aufwuchs und sowohl die deutsche als auch die französische Staatsangehörigkeit besitzt, besuchte das Ludwigsgymnasium in Saarbrücken, wo er die 10. Klasse übersprang und 2005 das Abitur ablegte. 2004 gewann er den Bundeswettbewerb Jugend debattiert in der Sekundarstufe II.<ref>Bundeswettbewerb Jugend debattiert 2004: Valentin Jeutner aus Hamburg und Michael Seewald aus Saarbrücken gewinnen das heutige Finale in Berlin. In: presseportal.de. (presseportal.de [abgerufen am 12. August 2018]).</ref>

Er studierte von 2005 bis 2009 Katholische Theologie (Diplom, „mit Auszeichnung“), Politikwissenschaft und Philosophie (Magister Artium, „mit Auszeichnung“) an der Eberhard Karls Universität Tübingen, in Pune (Indien) und an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen.

2011 wurde er an der Ludwig-Maximilians-Universität München bei Bertram Stubenrauch mit der Dissertation Verisimilitudo. Die epistemologischen Voraussetzungen der Gotteslehre Peter Abaelards zum Dr. theol. promoviert. 2012 empfing er die Diakonenweihe, 2013 die Priesterweihe; er ist in der Diözese Rottenburg-Stuttgart inkardiniert. Auf die Frage, warum er Priester geworden sei, antwortete er: „Weil es als Christ meine Form der Nachfolge Jesu ist“<ref>Ein Interview mit Prof. Dr. Michael Seewald: Gemeinnützige Hertie-Stiftung. Abgerufen am 26. Mai 2025.</ref> und weil es ihn „gereizt“ habe. Mit dem „Großbegriff Berufung“ hingegen könne er nichts anfangen, da ihm der „metaphysische Überbau“ fehle.<ref>Christina Rietz: Michael Seewald: "Ich befasse mich gern mit Ketzern". In: Die Zeit. 26. Februar 2025, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 18. August 2025]).</ref>

2015 habilitierte Seewald sich an der Ludwig-Maximilians-Universität München mit der Arbeit Theologie aus anthropologischer Ansicht. Der Entwurf Franz Oberthürs (1745-1831) als Beitrag zum dogmatischen Profil der Katholischen Aufklärung.<ref>Die katholische Aufklärungstheologie des 18. Jahrhunderts: Zu ihrem Profil und den Problemen ihrer Erforschung. Abgerufen am 10. April 2026.</ref>

Von 2016 bis 2026 hatte Seewald den Lehrstuhl für Dogmatik und Dogmengeschichte an der Universität Münster inne.<ref>Dirk Anger: Profilierter Theologe Michael Seewald verlässt Universität Münster. Abgerufen am 10. April 2026.</ref> Er wurde im Alter von 29 Jahren in der Nachfolge von u. a. Joseph Ratzinger und Karl Rahner<ref>WWU Münster Newsportal: "Münster ist ein besonderer Standort", abgerufen am 8. Januar 2023</ref> auf diesen Lehrstuhl berufen und war damit deutschlandweit einer der jüngsten Professoren Deutschlands in einer geisteswissenschaftlichen Disziplin. Seewald lehrte zuvor am Ambrosianum Tübingen, an der LMU München, an der Universität Bonn sowie am Saint John’s Seminary in Boston.<ref>Westfälische Wilhelms-Universität Münster, Katholisch-Theologische Fakultät: WWU Münster > Fachbereich 2 > Seminar für Dogmatik und Dogmengeschichte > Seewald, Michael, Prof. Dr. Abgerufen am 22. Mai 2017.</ref>

Im akademischen Jahr 2021/2022 war Seewald Fellow am Wissenschaftskolleg zu Berlin. Seit 2024 ist er dort Permanent Fellow.<ref>Wissenschaftskolleg zu Berlin: Michael Seewald, Dr. theol. Abgerufen am 12. Oktober 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Von 2022 bis 2026 war er als Nachfolger von Nils Jansen Sprecher des Exzellenzclusters „Religion und Politik“ an der Universität Münster.<ref>PM Theologe Seewald neuer Sprecher des Exzellenzclusters „Religion und Politik“. Abgerufen am 21. November 2022.</ref>

2025 erhielt Seewald einen Ruf an die Ludwig-Maximilians-Universität München, die einen neuen Lehrstuhl für Dogmatik und Dogmengeschichte für ihn eingerichtet hat.<ref>Joachim Frank: Theologe Michael Seewald: „Der Teufel ist doch eine höchst interessante Figur“. 2. April 2026, abgerufen am 10. April 2026.</ref> Zum Sommersemester 2026 wechselte Seewald als Professor an die LMU München.<ref>Deutscher Star-Theologe wechselt nach München an die LMU. 28. Januar 2026, abgerufen am 10. April 2026.</ref>

Arbeitsschwerpunkte[Bearbeiten]

Michael Seewald interessiert sich für Theorien dogmatischer Entwicklung, für die Stabilität und Dynamik religiöser Menschenbilder sowie für Methodenfragen ökumenischer und interreligiöser Theologie. Im Schnittfeld von Theologie und Politikwissenschaft erforscht er „Religion als transzendente Zweitwertung und ihre politischen Folgen.“<ref>WWU Münster > Fachbereich 2 > Seminar für Dogmatik und Dogmengeschichte > Seewald, Michael, Prof. Dr. Abgerufen am 28. März 2019.</ref> In seinen dogmengeschichtlichen Forschungen widmet sich Seewald der Theologie der Aufklärung des 18. Jahrhunderts.

Seewalds Bücher wurden in 11 Sprachen übersetzt. Sein Werk Dogma im Wandel: Wie Glaubenslehren sich entwickeln, das 2018 auf Deutsch erschien, wurde ins Italienische, Spanische, Portugiesische (mit einer eigens bearbeiteten Sonderausgabe für Brasilien), sowie ins Französische, Polnische, Ungarische und Englische übersetzt, wobei die englische Ausgabe bei Cambridge University Press erschien.<ref>Universität Münster, Katholisch-Theologische Fakultät: Seewald, Michael, Prof. Dr. 27. Oktober 2016, abgerufen am 12. Oktober 2024.</ref>

Im Jahr 2025 hat Seewald von Peter Hünermann die Herausgeberschaft des Enchiridion Symbolorum (kurz: Denzinger) übernommen. Es handelt sich dabei um die wichtigste Quellensammlung lehramtlicher Texte der katholischen Kirche weltweit.<ref>Neuer Herausgeber für kirchliches Standardwerk "Denzinger". Abgerufen am 10. April 2026.</ref> Mit den Mitteln aus dem Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis soll eine kritische, mehrsprachige und digitale Neuedition des Denzingers in Angriff genommen werden.<ref>News - Research in Germany. Abgerufen am 10. April 2026.</ref>

In der Debatte um die Zulassungsbedingungen zum Priesteramt forderte Seewald 2017, die Diskussion nicht auf den Zölibat zu verengen, sondern sich offensiv für die Zulassung von zölibatär lebenden Frauen einzusetzen. Der Ausschluss von Frauen sei schwieriger zu begründen als die zölibatäre Lebensform der Amtsträger, weil es sich beim Nein zur Frauenordination um eine geschlechtsspezifische Diskriminierung, beim Zölibat hingegen um eine freiwillig gewählte Lebensform handele.<ref>Michael Seewald Zölibatäre Frauen weihen in Herder Korrespondenz Juni 2017, S. 49ff, ISSN 0018-0645</ref><ref>Kirche+Leben: Münsteraner Professor will neue Debatte über Frauenpriestertum. Abgerufen am 29. Mai 2017.</ref> Im Februar 2019 äußerte Seewald die Ansicht, eine räumlich begrenzte Aufhebung des Zölibats der Priester sei seiner Auffassung nach möglich: Ob Priester ehelos leben müssten oder es auch verheiratete Priester geben dürfe, brauche man weltkirchlich nicht einheitlich zu lösen. Allerdings erscheine dann das Eintreten eines „Dominoeffektes“ als wahrscheinlich.<ref>katholisch.de: Bätzing: Zölibat wertvoll, aber besser freiwillig, abgerufen am 20. Februar 2019.</ref>

Seewald sieht Demokratiedefizite in allen Religionen. Das Christentum sei darin nicht grundlegend besser als der Islam, habe sich historisch aber ein positives Verhältnis zur Demokratie erarbeitet, wozu der Islam auch fähig sei. Seewald fordert, dass dem Islam in Deutschland die gleiche rechtliche Stellung zuerkannt wird wie den Kirchen.<ref>Michael Seewald: Was Islam bedeutet. In: Süddeutsche Zeitung, 20. Dezember 2016 (Nr. 294), S. 2.</ref> „Religionen sind zutiefst ambivalent. Sie können aus Fremden Freunde machen, sie können aber auch aus Freunden Feinde machen. Sie können Demokratien stärken, und sie können Diktaturen legitimieren. Man sollte nicht immer nur die positive, konstruktive Rolle von Religion sehen. Das wäre naiv. Religion kann auch zerstörerisch wirken. Diese Zerstörungskraft ist nicht einfach eine von außen kommende Instrumentalisierung der Religion, sondern sie wohnt Religionen inne.“<ref>Joachim Frank: Theologe Michael Seewald: „Der Teufel ist doch eine höchst interessante Figur“. 2. April 2026, abgerufen am 10. April 2026.</ref>

Ehrungen und Preise[Bearbeiten]

2005 erhielt Seewald zum Abitur als Primus Omnium den Scheffelpreis, den Preis des Präsidenten des Stadtverbandes Saarbrücken sowie den Preis des Landtagspräsidenten des Saarlandes.<ref>Universität Münster, Katholisch-Theologische Fakultät: Seewald, Michael, Prof. Dr. 27. Oktober 2016, abgerufen am 26. Mai 2025.</ref>

2011 erhielt Seewald für seine Dissertation den Kardinal-Wetter-Preis der Katholischen Akademie in Bayern „für herausragende theologische Dissertations- und Habilitationsarbeiten“<ref>Universität Münster, Katholisch-Theologische Fakultät: Seewald, Michael, Prof. Dr. 27. Oktober 2016, abgerufen am 23. Mai 2025.</ref>.

Seewalds Studien zur Aufklärung des 18. Jahrhunderts in der katholischen Dogmatik wurden mit dem Karl-Rahner-Preis für theologische Forschung 2016 ausgezeichnet.<ref>Michael Seewald erhält Karl-Rahner-Preis – Diözese Rottenburg Stuttgart. Abgerufen am 22. Mai 2017.</ref>

Als erstem Theologen wurde ihm 2017 der Heinz-Maier-Leibnitz-Preis verliehen, mit dem die Deutsche Forschungsgemeinschaft und das Bundesministerium für Bildung und Forschung „herausragende wissenschaftliche Leistungen“ junger Forscher aller Disziplinen würdigen. Zur Begründung hieß es, Seewald sei „in mehrfacher Hinsicht ein Ausnahmewissenschaftler“, der sich in seinen „intellektuellen Grenzgängen“ den „Irritationen“ und dem „spannungsgeladenen Verhältnis“<ref>http://www.dfg.de/download/pdf/gefoerderte_projekte/preistraeger/hml-preis/2017/laudatio_seewald.pdf</ref> zwischen Religion und Moderne widme.

2023 wurde Seewald Mitglied der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste.

2025 wurde Seewald der mit 2,5 Millionen Euro dotierte Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis zugesprochen. In der Begründung der Deutschen Forschungsgemeinschaft heißt es, Seewald sei „eine Schlüsselfigur der Dogmenhermeneutik, die die aktuellen theologischen Debatten über Reform, Glaubenswandel und Tradition maßgeblich prägt.“<ref>Prof. Dr. Michael Seewald – Gottfried Wilhelm Leibniz-Preisträger 2025. Abgerufen am 21. April 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Fellowships, Mitgliedschaften und universitäre Ämter[Bearbeiten]

Publikationen (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Dogma im Wandel. Wie Glaubenslehren sich entwickeln. Herder, Freiburg i. Br. 2018, ISBN 978-3-451-37917-8.
  • Einführung in die Systematische Theologie. wbg Academic, Darmstadt 2018, ISBN 978-3534270446.
  • Reform. Dieselbe Kirche anders denken. Herder, Freiburg i. Br. 2019, ISBN 978-3-451-38349-6.
  • Welche Sprache spricht Gott? Versuche aus Judentum, Christentum und Islam. Zusammen mit Thomas Bauer und Alfred Bodenheimer. wbg Theiss, Darmstadt 2022, ISBN 978-3-8062-4494-6.
  • Theories of Doctrinal Development in the Catholic Church. Cambridge University Press, Cambridge 2023, ISBN 978-1-009-27197-4.

Literatur[Bearbeiten]

  • Christoph Bruns: Mehr Spielraum als gedacht? Eine kritische Auseinandersetzung mit Michael Seewalds Buch „Dogma im Wandel“. In: Theologie und Philosophie, Jg. 95 (2020), S. 72–82.
  • Christoph Bruns: Zur Kernproblematik des Reformdiskurses in der katholischen Kirche. In: Theologie und Philosophie, Jg. 95 (2020), S. 224–244 (Replik auf Seewalds Gegenkritik ebd., S. 83–92).
  • Thomas Marschler: „Zukunftsorientierte Umgestaltung“? Zu Michael Seewalds „Reform – Dieselbe Kirche anders denken“. In: Herder Korrespondenz. Jg. 73 (2019), Haft 12, S. 47–50.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references />

Vorlage:Navigationsleiste Lehrstuhlinhaber für Dogmatik und Dogmengeschichte an der Westfälischen Wilhelms-Universität

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