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Milchversorgung Rheinland

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Milchversorgung Rheinland eG (MVR) war eine genossenschaftlich organisierte Molkerei mit Sitz in Köln. Sie entstand ab 1965 durch den Zusammenschluss von mehr als 30 Molkereigenossenschaften des Rheinlandes. Hauptproduktionsstätte war der Milchhof an der Geldernstraße 46 in Köln-Bilderstöckchen. 1971 wurde auch der Milchhof Düsseldorf in die MVR eingegliedert.<ref name="KSTA">Kölner Stadt-Anzeiger: Milchhof: Kurz vor 100. Geburtstag – Tuffi in Köln ist bald Geschichte, 2023.</ref>

Die MVR verarbeitete die von ihren Mitgliedern angelieferte Milch und stellte daraus verschiedene Milchprodukte her. In den 1990er Jahren ging sie in den Milchwerken Köln/Wuppertal eG auf. Der Europäische Gerichtshof bezeichnete die Milchwerke Köln/Wuppertal 1994 als Rechtsnachfolger der Milchversorgung Rheinland.<ref name="EuGH">Europäischer Gerichtshof: Urteil vom 14. Juli 1994, Rechtssache C-352/92.</ref>

Geschichte[Bearbeiten]

Vorgänger in Köln[Bearbeiten]

Die Geschichte der Kölner Milchversorgung reicht bis in die 1920er Jahre zurück. 1924 wurde die Milchversorgung Köln gegründet. Der zentrale Milchhof befand sich an der Geldernstraße 46 im heutigen Stadtteil Bilderstöckchen.<ref name="KSTA" />

Eine 1953 erschienene Veröffentlichung beschreibt an derselben Adresse die Milch-Verwertung Köln e. G. m. b. H. Die Schrift gehörte zu einer Reihe über großstädtische Milchversorgungsbetriebe in Deutschland und nennt als Anschrift Köln-Nippes, Geldernstraße 46.<ref>Deutsche Molkerei-Zeitung (Hrsg.): Milch-Verwertung Köln e. G. m. b. H. – Einzelbeschreibungen Großstädtischer Milchversorgungsbetriebe Deutschlands. Kempten (Allgäu), 1953.</ref>

Entstehung der MVR[Bearbeiten]

Ab 1965 schlossen sich mehr als 30 Molkereigenossenschaften aus dem Rheinland zur Milchversorgung Rheinland zusammen. Zu den Vorgängerunternehmen gehörte auch die Kölner Milchversorgung.<ref name="KSTA" />

Die Milchversorgung Rheinland war als Genossenschaft organisiert. Die Milch liefernden Landwirte waren Mitglieder der Genossenschaft und lieferten ihre Milch an das Unternehmen. Die Bedeutung der Genossenschaft für die Milchvermarktung wird auch in einem späteren Verfahren vor dem Europäischen Gerichtshof deutlich. Dort wird die MVR als Unternehmen beschrieben, das Milch von angeschlossenen Erzeugern bezog, die zugleich Mitglieder der Genossenschaft waren.<ref name="EuGH" />

1971 wurde der Milchhof Düsseldorf in die MVR eingegliedert.<ref name="KSTA" />

Die MVR in den 1980er Jahren[Bearbeiten]

1984 veröffentlichte die Milchversorgung Rheinland eine Broschüre unter dem Titel Milchversorgung Rheinland eG – eine Kurzinformation. Sie wurde anlässlich des 50-jährigen Bestehens des Unternehmens für Mitglieder und Freunde des Hauses herausgegeben.<ref name="MVR1984">Milchversorgung Rheinland eG: Milchversorgung Rheinland eG – eine Kurzinformation. Köln, Juni 1984.</ref>

In der Broschüre werden unter anderem die Marken Vita, Tiffany, Eifel-Milch und Optiva genannt. Zum Sortiment gehörten verschiedene Milchprodukte wie Frischmilch, Sahne, Joghurt, Quark und Butter.<ref name="MVR1984" />

Die Milchversorgung Rheinland bezeichnete 1984 das Jahr als ihr 50-jähriges Bestehen. Gleichzeitig nennen andere Quellen für die Kölner Milchversorgung das Jahr 1924 als Gründungsjahr. Die unterschiedlichen Angaben stehen im Zusammenhang mit den verschiedenen Vorgängerunternehmen und Zusammenschlüssen der späteren MVR.

1982 wurde die MVR in einer Darstellung des Bundeskartellamtes als eine der fünf größten Molkereien der Bundesrepublik Deutschland bezeichnet.<ref>Deutscher Bundestag: Drucksache 10/243.</ref>

Milch in Mehrwegflaschen[Bearbeiten]

Ein besonderes Kapitel der Unternehmensgeschichte war der Vertrieb von Milch in wiederverwendbaren Glasflaschen. Die MVR gehörte Anfang der 1980er Jahre zu den letzten großen Anbietern von Flaschenmilch in der Bundesrepublik.

Die Reinigung und Abfüllung der Mehrwegflaschen erfolgte in einer Anlage in Aachen. 1981 wurde dort ein Modellversuch zur Wiedereinführung von Mehrwegflaschen für den Frischmilchvertrieb unter Beteiligung des Umweltbundesamtes abgeschlossen. Der Absatz von Flaschenmilch ging danach jedoch deutlich zurück.<ref>Deutscher Bundestag: Drucksache 10/1652 vom 22. Juni 1984.</ref>

Im Juni 1984 wurde die Aachener Abfüllanlage stillgelegt. Die zeitgenössische Presse berichtete, dass die MVR damals der letzte große Anbieter von Flaschenmilch gewesen sei. Als Grund für die Stilllegung wurde die stark gesunkene Nachfrage genannt; die Anlage war zuletzt nur noch unzureichend ausgelastet.<ref>Die Zeit: Manager und Märkte, 27. April 1984.</ref>

Zusammenschluss mit den Milchwerken Köln/Wuppertal[Bearbeiten]

In den folgenden Jahren setzte sich die Konzentration der Molkereiwirtschaft fort. Die Milchversorgung Rheinland fusionierte mit den Milchwerken Köln/Wuppertal eG.

Der Europäische Gerichtshof befasste sich 1994 mit einem Rechtsstreit zwischen den Milchwerken Köln/Wuppertal und dem Hauptzollamt Köln-Rheinau. In dem Verfahren wird ausdrücklich festgestellt, dass die Milchwerke Köln/Wuppertal Rechtsnachfolger der Milchversorgung Rheinland waren, die mit ihnen fusioniert hatte.<ref name="EuGH" />

Die Milchwerke Köln/Wuppertal betrieben mehrere Molkereistandorte in Nordrhein-Westfalen. Zu ihrem Unternehmensverbund gehörten unter anderem Werke in Köln, Wuppertal, Iserlohn, Hommerich und Niedermörmter. Die einzelnen Standorte hatten unterschiedliche Produktionsschwerpunkte.<ref>Milchwerke Köln/Wuppertal eG: Unternehmensbroschüre, 1990er Jahre.</ref>

Tuffi und Campina[Bearbeiten]

Eine wichtige Marke der Milchwerke Köln/Wuppertal war Tuffi. Der Name geht auf die Elefantenkuh Tuffi zurück, die 1950 bei einem Werbeauftritt aus der Wuppertaler Schwebebahn in die Wupper sprang. Die Milchwerke Köln/Wuppertal verwendeten den Namen seit Ende der 1950er Jahre für Milchprodukte.<ref>Hochwald Foods: Tuffi – Unsere Historie.</ref>

1997 stimmte die Vertreterversammlung der Genossenschaft einer Zusammenarbeit mit dem niederländischen Molkereikonzern Campina Melkunie zu. Daraus entstand die Tuffi Campina Milchwerke GmbH & Co. KG.<ref>Lebensmittel Zeitung, 4. Juli 1997.</ref>

Mit der Integration in die Strukturen von Campina endete die eigenständige Geschichte der MVR. Die Entwicklung der ehemaligen Milchversorgung Rheinland setzte sich anschließend innerhalb des Tuffi-Campina-Verbundes fort.

Milchhof Köln-Bilderstöckchen[Bearbeiten]

Der Milchhof an der Geldernstraße 46 war über Jahrzehnte der wichtigste mit der MVR verbundene Standort in Köln. Die Lage des Betriebes war unter anderem durch die Nähe zu den Eisenbahnstrecken für die Milchversorgung der Stadt und der Umgebung günstig.<ref name="KSTA" />

Der Standort wurde auch nach dem Zusammenschluss mit den Milchwerken Köln/Wuppertal als Molkerei genutzt. Später gehörte das Werk zum Tuffi-Campina-Verbund und schließlich zur FrieslandCampina-Gruppe.

FrieslandCampina verkaufte den Kölner Standort 2023 zusammen mit den Produktionsstätten in Heilbronn und Schefflenz an die Unternehmensgruppe Theo Müller.<ref>FrieslandCampina: Handover of the FrieslandCampina plants in Heilbronn, Cologne and Schefflenz, 2023.</ref>

Im Oktober 2023 wurde die Milchverarbeitung an der Geldernstraße eingestellt. Damit endete die industrielle Milchverarbeitung an dem traditionsreichen Kölner Standort nach fast 100 Jahren.<ref name="KSTA" />

Das ehemalige Firmengelände an der Geldernstraße 46 umfasst rund 4,7 Hektar. Die Stadt Köln plant für das frühere Tuffi-Campina-Gelände eine städtebauliche Neuordnung und neue Nutzungen.<ref>Stadt Köln: Gewerbeflächenkonversion Geldernstraße in Köln-Bilderstöckchen, 2025.</ref>

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references />

Literatur[Bearbeiten]

  • Heinz-Detlef Dunkel: Bilderstöckchen … auch ein Stadtteil. Sb-Verlag, Köln 1993, S. 203.
  • Deutsche Molkerei-Zeitung (Hrsg.): Milch-Verwertung Köln e. G. m. b. H. – Einzelbeschreibungen Großstädtischer Milchversorgungsbetriebe Deutschlands. Kempten (Allgäu), 1953.
  • Milchversorgung Rheinland eG: Milchversorgung Rheinland eG – eine Kurzinformation. Köln, Juni 1984.
  • Milchwerke Köln/Wuppertal eG: Unternehmensbroschüre, 1990er Jahre.