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Misotsch

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Misotsch
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Wappen von Misotsch
Misotsch (Ukraine)
Misotsch (Ukraine)
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Misotsch ohne Koordinaten
Basisdaten
Staat: Ukraine Ukraine
Oblast: Oblast Riwne
Rajon: Rajon Riwne
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Verwaltungsgliederung: 1 Siedlung städtischen Typs, 25 Dörfer
Verwaltung
Bürgermeister: Bohdan Pochyljuk
Adresse: вул. Липки 12
35740 смт. Мізоч
Misotsch (Oblast Riwne)
Misotsch (Oblast Riwne)
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Misotsch ohne Koordinaten
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Misotsch ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value); {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)) ist eine Siedlung städtischen Typs in der westukrainischen Oblast Riwne mit etwa 3500 Einwohnern. Sie liegt am Fluss Stubaska, etwa 20 Kilometer südwestlich der ehemaligen Rajonshauptstadt Sdolbuniw und 27 Kilometer südwestlich der Oblasthauptstadt Riwne.

Datei:Мізоч.Парафіяльний костел.jpg
Kirche im Ort

Geschichte[Bearbeiten]

Der Ort wurde 1322 zum ersten Mal schriftlich erwähnt, bekam 1759 das Magdeburger Stadtrecht zugesprochen und lag als Teil der polnisch-litauischen Adelsrepublik in der Woiwodschaft Wolhynien. Nach der 3. Teilung Polens kam er 1795, als Teil des Russischen Reiches zum neugegründeten Gouvernement Wolhynien.<ref name="ukrssr.com">Ortsgeschichte Misotsch in der Geschichte der Städte und Dörfer der Ukrainischen SSR; abgerufen am 7. April 2018 (ukrainisch)</ref>

Im 18. Jahrhundert siedelten sich die ersten jüdischen Familien an. In den 1920er Jahren machten sie rund die Hälfte der Ortsbevölkerung<ref name=":0" /> aus. Seit 1940 hat die Ortschaft den Status einer Siedlung städtischen Typs. Bereits vor dem Ersten Weltkrieg wurde von der Bahnstrecke Lwiw–Sdolbuniw ausgehend ein Bahnanschluss zur lokalen Zuckerfabrik errichtet, diese Verbindung besteht bis heute.

Deutsche Massenmorde im Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten]

In der Nähe der Ortschaft fanden im Oktober 1942 Massenerschießungen der Sicherheitspolizei und der SD statt (Einsatzgruppen, Jüdischer Wohnbezirk Misotsch, Aufstand gegen die Erschießungen),<ref>Massenerschießungen. Der Holocaust zwischen Ostsee und Schwarzem Meer 1941–1944, S. 39, 47.</ref> die neben weiteren Massenerschießungen in der Umgebung die jüdische Gemeinde von Misotsch auslöschten. Im Februar 1944 beendete die Rote Armee die deutsche Besatzung in Misotsch und die früher polnische Stadt verblieb bei der Sowjetunion.

Judenpogrom in Misotsch[Bearbeiten]

Unmittelbar nach dem Einmarsch der Wehrmachtsverbände am 27. Juni 1941 begannen Ausschreitungen gegen Juden. Bei einer jüdischen Beerdigung wurden die Trauernden von Ukrainern mit Steinen beworfen.<ref name=":0" /> Bei einem Pogrom am 29. Juni 1941 wurden mehrere Juden ermordet.<ref name=":0" /> 1942 wurden Juden aus Misotsch, Sdolbuniw und Ostroh gezwungen, in von der SS so genannte Jüdische Wohnbezirke zu ziehen (eine Form der Sammellager vor den Massenmorden). Im August wurde der jüdische Metzger Sejde Gelman auf dem Marktplatz von Misotsch gehängt.<ref name=":0" />

Hermann Friedrich Gräbe, leitender Ingenieur der Firma Josef Jung, versuchte unter großem persönlichen Einsatz, Juden, darunter 60 Misotscher, zu retten.<ref name=":0">Massenerschießungen. Der Holocaust zwischen Ostsee und Schwarzem Meer 1941–1944, S. 35–51.</ref>

Massenerschießungen durch Einsatzgruppen der SS und SD[Bearbeiten]

Ende August 1942 wurde auf einer Tagung der Gebietskommissare mit dem Kommandeur der Sicherheitspolizei und des SD die Tötung aller Juden in Wolhynien beschlossen.

Am 13. Oktober 1942 wurde um 3:30 Uhr das Misotscher Ghetto abgeriegelt. Auf Anordnung der Deutschen mussten sich die Gefangenen auf dem Marktplatz versammeln.<ref name=":0" /> Bereits am 13. Oktober ist bezeugt, dass Hunderte ermordeter Juden am Straßenrand lagen.<ref name=":0" /> Die auf dem Marktplatz Versammelten wurden zum Fußballplatz getrieben, nach abweichenden Erinnerungen bereits an den Erschießungsort geführt.<ref name=":0" /> Am 14. Oktober morgens traf das Tötungskommando der Einsatzgruppe C ein. Die festgehaltenen Juden wurden gruppenweise in eine Geländesenke getrieben und gezwungen, ihre Kleider abzulegen.<ref name=":0" /> Am 14. Oktober wurden Kinder, Frauen und Männer durch Genickschüsse getötet. Manche Opfer mussten zuvor über ein Brett gehen und fielen dann getroffen in vorbereitete Gruben, während andere gezwungen wurden, sich auf die Toten oder Verletzten zu legen, bevor das Mordkommando auch sie erschoss.<ref name=":0" /> Unter den am 14. Oktober 1942 im Dorf erschossenen 1500 und im Januar 1943 etwa 3500 Menschen befanden sich auch sowjetische Kriegsgefangene.<ref name="ukrssr.com" />

Die Juden wurden von der nichtjüdischen Bevölkerung und den Deutschen gejagt, die Kleidungsstücke der Toten eingesammelt und das ehemalige Ghetto geplündert,<ref name=":0" /> während überlebende ortsansässige Juden Zuflucht in der Umgebung suchten. Nachdem die Ukrainische Aufständische Armee Ende 1942 an Zulauf gewann, bekämpfte sie die Deutschen, polnische und sowjetische Partisanen und ermordete versteckte Juden, derer sie habhaft wurde.<ref name=":0" />

Aufarbeitung der Massenerschießungen[Bearbeiten]

Von den Massenerschießungen entblößter, wehrloser Frauen in Misotsch sind fünf Fotografien erhalten. Nach den Ermittlungen der bundesdeutschen Justiz kann als bewiesen angesehen werden, dass der deutsche Gendarm Gustav Hille sie aufnahm. Drei Zeitzeugen erwähnen ihn namentlich im Zusammenhang mit der Ghettoräumung 1942. Sein Verhalten bei den Ereignissen wird im 1963 stattfindenden Prozess gegen deutsche Polizisten und Angehörige der Zivilverwaltung im Raum Sdolbuniw nicht mehr untersucht, da er bereits verstorben war.<ref>Massenerschießungen. Der Holocaust zwischen Ostsee und Schwarzem Meer 1941–1944, S. 71.</ref>

Eine Untersuchungskommission der Sowjetunion ermittelte nach dem Ende der deutschen Besatzung wegen der Verbrechen. Die Erschießungen im Raum Zdolbunów fanden im Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozess durch eine Aussage Hermann Gräbes Erwähnung. In der Bundesrepublik Deutschland begann die juristische Aufarbeitung erst Ende der 1950er Jahre. Ein Prozess gegen Angehörige des KdS (Kommandeur der Sicherheitspolizei und des SD) Riwne kam nicht zustande.<ref>Massenerschießungen. Der Holocaust zwischen Ostsee und Schwarzem Meer 1941-1944. S. 42, 69.</ref>

Sofia Gorstein, die von Oktober 1942 bis Juli 1943 mit Hilfe von Sidor und Justina Slobodjuk sowie deren Tochter Maria überlebte, nachdem sie aus dem brennenden Ghetto fliehen konnte, erreichte die Ehrung der Familie als Gerechte unter den Völkern.

Vor Ort wurde in den 1980er Jahren ein Denkmal errichtet. Die Dokumentation der Verbrechen ist ein Verdienst des Historikers Roman Michaltschuk, der seine Ergebnisse 2010 in einem Buch veröffentlicht. Forschungen gingen 2007/08 auch von Yahad – in Unum (hebräisch und lateinisch gemeinsam) aus.

Der Ort Misotsch steht im Mittelpunkt der in Berlin, Köln und Ludwigsburg 2016–2018 gezeigten Ausstellung Massenerschießungen. Der Holocaust zwischen Ostsee und Schwarzem Meer 1941–1944. Der Journalist Sven Felix Kellerhoff fasst dies in dem Satz zusammen: „Misotsch war, anders als die Riesenmassaker von Babyn Jar ein normales, im deutsch besetzten Ostmitteleuropa fast alltägliches Verbrechen.“<ref>Sven Felix Kellerhoff: Tausendfacher Mord als Belustigung, welt.de, veröffentlicht am 30. September 2016, abgerufen am 22. Februar 2022.</ref>

Nachkriegszeit[Bearbeiten]

Von 1939/1945 bis 1959 war der Ort das Zentrum des gleichnamigen Rajons Misotsch. 1945 kam die Ortschaft endgültig zur Sowjetunion und wurde in die Ukrainische SSR eingegliedert. Seit der Unabhängigkeit der Ukraine 1991 ist Misotsch ein Teil derselben.

Verwaltungsgliederung[Bearbeiten]

Am 12. Juni 2020 wurde die Siedlung städtischen Typs zum Zentrum der neugegründeten Siedlungsgemeinde Misotsch ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)). Zu dieser zählen auch die 39 in der untenstehenden Tabelle aufgelisteten Dörfer,<ref>Кабінет Міністрів України Розпорядження від 12 червня 2020 р. № 722-р "Про визначення адміністративних центрів та затвердження територій територіальних громад Рівненської області"</ref> bis dahin bildete die Siedlung zusammen mit den Dörfern Klopit, Misotschok sowie Oserko die gleichnamige Siedlungsratsgemeinde Misotsch (Мізоцька селищна рада/Misozka selyschtschna rada) im Zentrum des Rajons Sdolbuniw.

Am 17. Juli 2020 wurde der Ort Teil des Rajons Riwne.<ref>Верховна Рада України; Постанова від 17.07.2020 № 807-IX "Про утворення та ліквідацію районів"</ref>

Folgende Orte sind neben dem Hauptort Misotsch Teil der Gemeinde:

Name
ukrainisch transkribiert ukrainisch russisch polnisch
Bilaschiw Білашів Белашов (Belaschow) Białaszów
Borschtschiwka Druha Борщівка Друга Борщовка Вторая (Borschtschowka Wtoraja) Borszczówka Czeska
Borschtschiwka Perscha Борщівка Перша Борщовка Первая (Borschtschowka Perwaja) Borszczówka Włościańska
Buderasch Будераж Будераж Buderaż
Buschtscha Буща Буща Buszcza
Derman Druha Дермань Друга Дермань Вторая (Derman Wtoraja) Dermań
Derman Perscha Дермань Перша Дермань Первая (Derman Perwaja) Dermań
Klopit Клопіт Клопот (Klopot) Kłopot
Mala Moschtschanyzja Мала Мощаниця Малая Мощаница (Malaja Moschtschaniza) Moszczanica Mała
Misotschok Мізочок Мизочек (Misotschek) Mizoczek
Mosty Мости Мосты Mosty
Nowa Moschtschanyzja Нова Мощаниця Новая Мощаница (Nowaja Moschtschaniza) Moszczanica Nowa
Nowyj Swit Новий Світ Новый Свет (Nowy Swet) Nowy Świat
Oserko Озерко Озерко Jeziorko
Pidhajne Підгайне Подгайное (Podgainoje) Sołtanówka, Sułtanówka
Piwtsche Півче Певче (Pewtsche) Piwcze
Salibiwka Залібівка Залибовка (Salibowka) Zalibówka, Zalubówka
Selenyj Dub Зелений Дуб Зелёный Дуб (Seljony Dub) Zielony Dąb
Spassiw Спасів Спасов (Spassow) Spasów
Stara Moschtschanyzja Стара Мощаниця Старая Мощаница (Staraja Moschtschaniza) Moszczanica Stara
Stebliwka Стеблівка Стеблевка (Steblewka) Stubło
Stupno Ступно Ступно Stupno
Sujmy Суйми Суймы (Suimy) Sujmy
Swjate Святе Святое (Swjatoje) Swiate
Zurkiw Цурків Цурков (Zurkow) Curków

Literatur[Bearbeiten]

  • Mizocz. In: Guy Miron (Hrsg.): The Yad Vashem encyclopedia of the ghettos during the Holocaust. Jerusalem : Yad Vashem, 2009, ISBN 978-965-308-345-5, S. 486.
  • Die Zerstörung einer Gemeinde – Mizocz in Wolhynien 1941–1944, in: Massenerschießungen. Der Holocaust zwischen Ostsee und Schwarzem Meer 1941–1944 (Ausstellungsband) (Hrsg.): Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas, Stiftung Topographie des Terrors, ISBN 978-3-941772-22-9, S. 316.

Weblinks[Bearbeiten]

Commons: Misotsch – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references />

Vorlage:Navigationsleiste Orte in der Oblast Riwne

Vorlage:Hinweisbaustein