Mitteldestillat
Mitteldestillat nennt man die Produkte, die bei der Raffination von Rohöl im „mittleren“ Siedebereich (140 °C bis 370 °C) gewonnen werden.<ref name="Rüdiger Düsing">Rüdiger Düsing: Multidimensionale Fluoreszenzspektroskopie in der Umweltanalytik. Herbert Utz Verlag, 2002, ISBN 978-3-8316-0092-2, S. 5 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref> Sie fallen in zwei Primärfraktionen als Kerosin mit einem Siedebereich von 140–250 °C und Gasöle mit einem Siedebereich von etwa 250–350 °C an.<ref name="Jochen Latz">Jochen Latz: Entschwefelung von Mitteldestillaten für die Anwendung in mobilen Brennstoffzellen-Systemen. Forschungszentrum Jülich, 2008, ISBN 978-3-89336-535-7, S. 7 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref> Über den Mitteldestillaten liegen die Benzinfraktionen (Naphtha) und Gase. Darunter die Rückstände.
Zu diesem „Mittelbereich“ (140–350 °C) zählen die Fraktionen:
- Kerosin (ähnlich und veraltet: „Petroleum“)
- Leichtes Gasöl (LGO)
- Schweres Gasöl (SGO)
- Spindelöl
- Vakuumgasöl
Oder die Produkte:
- Heizöl
- Straight-run Gasöl
- Diesel
- Jet Fuel: ein kerosinbasierter Kraftstoff für Strahltriebwerke, der nach Luftfahrt-Spezifikationen formuliert ist.<ref>DefStan 91-091 Issue 18. In: Joint Inspection Group (JIG). 7. Februar 2025, abgerufen am 26. Juni 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Politische Vorgaben wie ReFuelEU Aviation bestimmen ebenfalls die zukünftige Zusammensetzung.<ref>ReFuelEU aviation - Mobility and Transport - European Commission. Abgerufen am 26. Juni 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Zusammensetzung[Bearbeiten]
Bei den Mitteldestillaten bilden die Alkane mit 70–80 % den Hauptbestandteil, unter ihnen die Naphthene mit 20–25 % und die iso-Paraffine. In der Aromatenfraktion (20–30 %) herrschen die Alkylbenzole vor (bis etwa 15 %), gefolgt von den Alkylnaphthalinen. Auch die Indane (Benzolkern mit Cyclopentan kondensiert) sind mit 4–6 % noch durchaus deutlich vertreten. In Mitteldestillaten findet man Alkylbenzole, Alkylnaphthaline und Alkylanthracene. Aus massenspektroskopischen Untersuchungen lässt sich zusätzlich die symmetrische C-Verteilung um C18 bis C20 entsprechend dem Destillationsschnitt der Mitteldestillate zeigen. Indane und Indene gleicher Siedelage sind als Begleitsubstanzen vorhanden.<ref name="Hubert Hellmann">Hubert Hellmann: Umweltanalytik von Kohlenwasserstoffen. John Wiley & Sons, 2009, ISBN 3-527-62445-7, S. 9 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref>
| Verbindungen | Gewichts-% |
|---|---|
| n- und iso-Alkane | 50–53 |
| Monocyclische Alkane | 10–16 |
| Dicyclische Alkane | 6–9 |
| Tetracyclische Alkane | 1,5–4 |
| Alkylbenzole | 4–12 |
| Indane, Tetraline | 4–6 |
| Indene | 0,5–1,5 |
| Naphthalin | 0,1–0,2 |
| Alkylnaphthaline | 7–9 |
| Acenaphthene | 0,5–1,5 |
| Tricyclische Aromaten | 0,1–0,9 |
Gewinnung der Mitteldestillate bei der Rohöldestillation[Bearbeiten]
Bei der Destillation von Erdöl werden verschiedene Rohstoffe gewonnen. Das vom Röhrenofen erhitzte Rohöl fließt in den Destillationsturm (auch Destillations-Kolonne genannt). Dieser enthält eine große Anzahl von Böden, in denen sich von unten nach oben sinkende Temperaturen einstellen. Sobald die Öldämpfe nach oben steigen, kühlen sie ab und kondensieren. Je nach der Siedetemperatur geschieht das auf unterschiedlichen Böden der Kolonne.
Die Mitteldestillate werden durch Seitenabzüge aus der Destillationskolonne abgezogen. Schweres Gasöl wird knapp oberhalb des Rohöleintritts in die Kolonne abgezogen, Leichtgasöl wird einige Böden darüber, Kerosin kurz unterhalb des Kolonnenkopfes. In nachfolgenden Seitenstrippern werden ggf. leichte Anteile aus der jeweiligen Mitteldestillatfraktion entfernt. Hierdurch wird der Flammpunkt der jeweiligen Komponente erhöht.
Aufbau einer Haupttrennsäule in der Erdölraffination[Bearbeiten]
(Der komplette Aufbau ist unter dem Eintrag Erdölraffinerie beschrieben.)
- Die Kopffraktion wird in die Überdrucktrennsäule geleitet, in der Raffineriegas, Flüssiggase und Benzin gewonnen werden.
- Der erste Seitenabzug wird in den ersten Seitenstripper geleitet, wobei Kerosin produziert wird.
- Der zweite und dritte Seitenabzug sind die Mitteldestillatabzüge, die in den jeweils zweiten und dritten Seitenstripper geleitet werden. Hier werden die Gasölfraktionen gewonnen.
- Die Sumpffraktion wird entweder direkt als schweres Heizöl verwendet oder in der Vakuumdestillation in Bitumen und Vakuumgasöl aufgetrennt.
Zusammengefasst entstehen die Destillationsfraktionen (gemeint sind hier alle, nicht nur der Mittelbereich) bei der atmosphärischen Destillation (CDU) sowie der Vakuumdestillation (VDU). Sie dienen als Zustrom für weitere Prozesse, beispielsweise die Fließbettspaltung (FCC) von schweren Gasölfraktionen (LGO/SGO). Kerosin und Diesel werden einer Entschwefelung und Entaromatisierung unterzogen, bei dem der Schwefel entfernt wird. Die Naphtafraktionen werden durch weitere Prozesse (Reforming, Isomerisierung, Alkylierung) oder Zusätze (MTBE, ETBE oder TAME) zu marktfähigen Benzinkraftstoffen aufbereitet.
Literatur[Bearbeiten]
Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Siehe auch“ ist nicht vorhanden.
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references />
Externe Links zu erwähnten Verbindungen[Bearbeiten]
<references group="S" />