Mohamed Mbougar Sarr
Mohamed Mbougar Sarr (* 20. Juni 1990 in Dakar) ist ein senegalesischer Schriftsteller. Sein Roman La plus secrète mémoire des hommes wurde 2021 mit dem Prix Goncourt ausgezeichnet.
Leben[Bearbeiten]
Mohamed Mbougar Sarrs Vater ist Arzt. Er verbrachte seine Kindheit in einer großen Familie in Diourbel<ref>Littérature : le Sénégalais Mohamed Mbougar Sarr remporte le prix Kourouma pour « Terre Ceinte » (französisch)</ref> – Sarr ist der älteste von sieben Brüdern.<ref name="fforg">Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.2017 Grand Prizie Winner ( vom 27. Januar 2022 im Internet Archive). In: face-foundation.org (abgerufen am 3. November 2021).</ref> Er studierte an der Militärprytaneion von Saint-Louis und später in Frankreich am Lycée Pierre-d'Ailly von Compiègne und der École des Hautes Études en Sciences Sociales (EHESS).<ref>Sénégal – Mohamed Mbougar Sarr : « Lire apporte un surplus de vision politique » (französisch)</ref> Sarr lebt in Paris.<ref>Irene Binal: Mohamed Mbougar Sarr öffnet schwindelerregende Abgründe. In: Neue Zürcher Zeitung. 30. November 2022, ISSN 0376-6829 (nzz.ch [abgerufen am 20. Mai 2024]).</ref>
Wirken[Bearbeiten]
Bereits Sarrs erstes veröffentlichtes Werk La cale (dt. etwa „Der Keil“) wurde 2014 mit dem Prix Stéphane-Hessel ausgezeichnet. Seine folgenden preisgekrönten Romane werden der politischen Literatur zugeordnet. So handelt Terre ceinte (2015, „Erde umkreist“ bzw. auch als "Erde umzingelt" lesbar. Der französische Titel lässt aber zugleich die Lesart von "heiliger Erde" zu) vom Dschihadismus in der Sahelzone. Silence du chœur (2017, „Schweigen des Chores“. Auch hier ist im französischen Original eine alternative Lesart des Titels als "Schweigen des Herzens" möglich) behandelt die Migration nach Sizilien, während Homosexualität im Senegal das Thema von De purs hommes (2018, „Reine Männer“) ist.<ref name="nm">Kai Nonnenmacher: Afrika, Europa und der dritte Kontinent. In: rentree.de, 17. Oktober 2021 (abgerufen am 3. November 2021).</ref>
Im Jahr 2021 veröffentlichte Sarr seinen vierten Roman La plus secrète mémoire des hommes (dt. Die geheimste Erinnerung der Menschen). Das Werk, gewidmet Yambo Ouologuem,<ref name="nm" /> stellt den jungen senegalesischen Schriftsteller Diégane Latyr Faye in den Mittelpunkt, der in Paris Recherchen zu einem mysteriösen Autor namens TC Elimane betreibt. Elimane und Mohamed Mbougar Sarr sind dadurch miteinander verbunden, dass Elimane als mythische Schriftstellerfigur im Roman die radikale, zerstörerische Möglichkeit von Literatur verkörpert, während Sarr selbst diese Figur reflektierend reinszeniert, um die Bedingungen, Gefahren und Grenzen des Schreibens – insbesondere im afrikanischen und postkolonialen Kontext – sichtbar zu machen.<ref>Kai Nonnenmacher: Das Werk, das fehlt: Xavier Garnier und Mohamed Mbougar Sarr im Dialog. In: Rentrée littéraire: französische Literatur der Gegenwart. 30. Mai 2026, abgerufen am 6. Juli 2026.</ref> Elimane, dieser als „schwarzer Rimbaud“ betitelte Schriftsteller hatte 1938 mit der Veröffentlichung des Buches Le labyrinthe de l’inhumain („Das Labyrinth des Unmenschen“) einen Skandal ausgelöst und war seitdem aus dem kollektiven Gedächtnis verschwunden. Parallel reflektiert die Hauptfigur Faye das Wesen der Literatur, u. a. aus dem Exil heraus.<ref name="lh" /> La plus secrète mémoire des hommes besteht aus verschiedenen Textsorten, so aus Erzählung, Arbeitstagebuch, Zeitungsausschnitten, Interviews und Zitaten. In Frankreich wurde das Buch fernab der bekannten Verlagshäuser in Kooperation mit dem Pariser Philippe Rey und dem senegalesischen Verlagshaus Jimsaan veröffentlicht.<ref name="nm" /> Die Erstauflage belief sich auf 5000 Exemplare.<ref>Olivia Snaije: Mohamed Mbougar Sarr wins the 2021 Prix Goncourt, publishingperspectives.com, veröffentlicht und abgerufen am 3. November 2021.</ref>
La plus secrète mémoire des hommes gewann im Jahr seiner Veröffentlichung den Prix Goncourt mit sechs Jurystimmen<ref name="lh" /> und machte Sarr zum ersten senegalesischen Autor, der Frankreichs wichtigsten Literaturpreis gewann.<ref>Wichtigster französischer Literaturpreis geht erstmals an einen senegalesischen Autor. In: spiegel.de, 3. November 2021 (abgerufen am 3. November 2021).</ref> Der Roman war bereits zuvor in die Auswahl aller wichtigen französischen Literaturpreise gelangt, hatte aber nur den Prix Transfuge erhalten. Die Rechte an Sarrs Buch wurden in mehr als 22 Sprachen verkauft. In Deutschland sicherte sich der Verlag Hanser die Verwertungsrechte mit einem sechsstelligen Betrag.<ref name="lh">Le prix Goncourt 2021 pour Mohamed Mbougar Sarr. In: livreshebdo.fr, 3. November 2021 (abgerufen am 3. November 2021).</ref>
2023 erhielten Sarr und seine Übersetzer Holger Fock und Sabine Müller den Internationalen Literaturpreis für den Roman Die geheimste Erinnerung der Menschen, der vom Haus der Kulturen der Welt und der Stiftung Elementarteilchen verliehen wurde.<ref>Mohamed Mbougar Sarr erhält Internationalen Literaturpreis. In: FAZ.NET. 9. September 2023, ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 21. September 2023]).</ref>
Werke[Bearbeiten]
- 2014: La cale
- 2015: Terre ceinte
- 2017: Silence du chœur (Éditions Présence Africaine)
- 2018: De purs hommes (Éditions Philippe Rey)
- 2021: La plus secrète mémoire des hommes (Éditions Philippe Rey)
- Die geheimste Erinnerung der Menschen. Übersetzung Holger Fock, Sabine Müller. Hanser, München 2022, ISBN 978-3-446-27411-2.
Auszeichnungen[Bearbeiten]
- 2014: Prix Stéphane-Hessel für La cale
- 2015: Prix Ahmadou-Kourouma für Terre ceinte
- 2015: Grand prix du roman métis für Terre ceinte
- 2017: French Voices Award für Brotherhood (englische Übersetzung von Terre ceinte)<ref name="fforg" />
- 2018: Prix littéraire de la Porte dorée für Silence du chœur
- 2021: Prix Transfuge für La plus secrète mémoire des hommes
- 2021: Prix Goncourt für La plus secrète mémoire des hommes
- 2023: Internationaler Literaturpreis, Preis für übersetzte Gegenwartsliteraturen, für Roman Die geheimste Erinnerung der Menschen (La plus secrète mémoire des hommes)
Literatur[Bearbeiten]
- Kai Nonnenmacher, Afrika, Europa und der dritte Kontinent, über La plus secrète mémoire des hommes, in: Rentrée littéraire, 17. Oktober 2021.
- Sigrid Löffler: Der Vergessene. Rezension, in: Süddeutsche Zeitung, 24. November 2022, S. 9
- Sandra Folie: Mohamed Mbougar Sarrs »Die geheimste Erinnerung der Menschen« im Zeichen von Ästhetik und Politik. In: ZfL Blog, 24. März 2025, https://doi.org/10.13151/zfl-blog/20250324-01
Weblinks[Bearbeiten]
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Sarr, Mohamed Mbougar |
| ALTERNATIVNAMEN | Mbougar Sarr, Mohamed |
| KURZBESCHREIBUNG | senegalesischer Schriftsteller |
| GEBURTSDATUM | 20. Juni 1990 |
| GEBURTSORT | Dakar |