Moosweiblein
Moosweiblein sind weibliche Waldgeister der deutschen Sage.<ref>Wolfgang Golther: Germanische Mythologie. Wiesbaden 2011, S. 196.</ref> Sie werden zu den armen Seelen gezählt.<ref>Christa Agnes Tuczay: Geister, Dämonen – Phantasmen: Eine Kulturgeschichte. Wiesbaden 2015, S. 77.</ref>
Moosweiblein treten in Sachsen,<ref>Hans-Jörg Uther: Sächsische Sagen. München 1992, S. 223.</ref> Thüringen,<ref>Ludwig Bechstein: Thüringer Sagenbuch. Band 2, Bad Langensalza 2014, S. 49.</ref> an der Saale,<ref>Wilhelm Mannhardt: Wald und Feldkulte. Band I, 2005, S. 75.</ref> im Orlagau, im Harz,<ref>Wilhelm Mannhardt: Wald und Feldkulte. Band I, 2005, S. 74.</ref> im Vogtland,<ref>Leander Petzoldt: Deutsche Volkssagen. Wiesbaden 2007, S. 182.</ref> in der Oberpfalz,<ref>Leander Petzoldt: Deutsche Volkssagen. Wiesbaden 2007, S. 183.</ref> im Bayerischen Wald,<ref>Leander Petzoldt: Deutsche Volkssagen. Wiesbaden 2007, S. 185.</ref> in Franken,<ref>Wilhelm Mannhardt: Wald und Feldkulte. Band I, 2005, S. 83.</ref> in Oberfranken,<ref>Wilhelm Mannhardt: Wald und Feldkulte. Band I, 2005, S. 77.</ref> im Böhmerwald,<ref>Wilhelm Mannhardt: Wald und Feldkulte. Band I, 2005, S. 74.</ref> um Warnsdorf in Nordtschechien,<ref>Josef Virgil Grohmann: Sagen-Buch von Böhmen und Mähren. Berlin 2013, S. 87.</ref> im Riesengebirge<ref>Wilhelm Mannhardt: Wald und Feldkulte. Band I, 2005, S. 74.</ref> und in Westfalen<ref>Wilhelm Mannhardt: Wald und Feldkulte. Band I, 2005, S. 86.</ref> auf.
Namen[Bearbeiten]
Für Moosweiblein werden verschiedene Namen verwendet. Andere Namen mit dem Namensbestandteil Moos- sind beispielsweise Moosweibchen,<ref>Wilhelm Grimm, Jacob Grimm: Deutsche Sagen. Hamburg 2014, S. 75.</ref> Moosfräulein<ref>Ludwig Bechstein: Deutsches Sagenbuch. Meersbusch, Leipzig 1930, S. 379.</ref> und Moosfräule<ref>Jacob Grimm: Deutsche Mythologie. Wiesbaden 2014, S. 1044.</ref>.
Der Namensbestandteil Holz- kommt in den Namen Holzfräulein<ref>Wolfgang Golther: Germanische Mythologie. Wiesbaden 2011, S. 196.</ref>, Holzfrau<ref>Ludwig Bechstein: Deutsches Sagenbuch. Meersbusch, Leipzig 1930, S. 574.</ref>, Holzfräule<ref>Jacob Grimm: Deutsche Mythologie. Wiesbaden 2014, S. 1044.</ref>, Holzfralerl<ref>Wilhelm Mannhardt: Wald und Feldkulte. Band I, 2005, S. 75.</ref>, Holzfrala<ref>Wilhelm Mannhardt: Wald und Feldkulte. Band I, 2005, S. 77.</ref>, Hulzfral<ref>Wilhelm Mannhardt: Wald und Feldkulte. Band I, 2005, S. 77.</ref>, Holzweiblein<ref>Felix Dahn, Therese Dahn: Germanische Götter- und Heldensagen. Wiesbaden 2010, S. 593.</ref>. Holzweibchen<ref>Edmund Mudrak: Das große Buch der Sagen. Würzburg 2007, S. 132.</ref> und Holzweibel<ref>Ludwig Bechstein: Deutsches Sagenbuch. Meersbusch, Leipzig 1930, S. 378.</ref> vor.
Namensvariationen mit der Erstsilbe Busch- sind beispielsweise Buschweibchen<ref>Josef Virgil Grohmann: Sagen-Buch von Böhmen und Mähren. Berlin 2013, S. 87.</ref>, Buschweiblein<ref>Christa Agnes Tuczay: Geister, Dämonen – Phantasmen: Eine Kulturgeschichte. Wiesbaden 2015, S. 77.</ref>, Buschfräulein<ref>Wolfgang Golther: Germanische Mythologie. Wiesbaden 2011, S. 196.</ref> und Buschjungfer<ref>Wilhelm Mannhardt: Wald und Feldkulte. Band I, 2005, S. 86.</ref>.
Der Namensbestandteil Wald- kommt in den Namen Waldweiblein<ref>Felix Dahn, Therese Dahn: Germanische Götter- und Heldensagen. Wiesbaden 2010, S. 593.</ref>, Waldweibchen<ref>Edmund Mudrak: Das große Buch der Sagen. Würzburg 2007, S. 132.</ref>, Waldweibel<ref>Ludwig Bechstein: Deutsches Sagenbuch. Meersbusch, Leipzig 1930, S. 378.</ref>, Waldweib<ref>Karl de Wyl: Rübezahl-Forschungen. Paderborn 2012, S. 134.</ref>, Waldweibigen<ref>Karl de Wyl: Rübezahl-Forschungen. Paderborn 2012, S. 132.</ref>, Waldfrau<ref>Ludwig Bechstein: Deutsches Sagenbuch. Meersbusch, Leipzig 1930, S. 574.</ref> und Waldfräulein<ref>Karl de Wyl: Rübezahl-Forschungen. Paderborn 2012, S. 132.</ref> vor.
Weitere Namen sind Rüttelweib<ref>Wilhelm Grimm, Jacob Grimm: Deutsche Sagen. Hamburg 2014, S. 282.</ref>, Rüttelweiblein<ref>Leander Petzoldt: Kleines Lexikon der Dämonen und Elementargeister. München 1990, S. 190.</ref> und Lohjungfer<ref>Wilhelm Mannhardt: Wald und Feldkulte. Band I, 2005, S. 74.</ref>.
Aussehen[Bearbeiten]
Das Aussehen von Moosweiblein wird verschieden beschrieben. Allgemein sind sie von kleiner Gestalt.<ref>Wilhelm Grimm, Jacob Grimm: Deutsche Sagen. Hamburg 2014, S. 282 f.</ref> Die genauen Größenangaben schwanken von einer Höhe von drei Fuß<ref>Ludwig Bechstein: Thüringer Sagenbuch. Band 2, Bad Langensalza 2014, S. 49.</ref> bis zur Größe drei-, vier-,<ref>Christa Agnes Tuczay: Geister, Dämonen – Phantasmen: Eine Kulturgeschichte. Wiesbaden 2015, S. 77.</ref> oder fünfjähriger Kinder<ref>Leander Petzoldt: Deutsche Volkssagen. Wiesbaden 2007, S. 182.</ref>. Sie sind hässlich<ref>Ludwig Bechstein: Thüringer Sagenbuch. Band 2, Bad Langensalza 2014, S. 50.</ref>, bieten einen unschönen Anblick<ref>Ludwig Bechstein: Thüringer Sagenbuch. Band 2, Bad Langensalza 2014, S. 60.</ref>. Teilweise sind sie ganz moosig, wie Wickelwerg, ohne bestimmte Gestalt<ref>Wilhelm Mannhardt: Wald und Feldkulte. Band I, 2005, S. 75.</ref> oder zumindest zottig, struppig<ref>Ludwig Bechstein: Thüringer Sagenbuch. Band 2, Bad Langensalza 2014, S. 39.</ref>, am ganzen Körper behaart<ref>Wilhelm Mannhardt: Wald und Feldkulte. Band I, 2005, S. 75.</ref>. Manche Moosweiblein sind auch bucklig<ref>Leander Petzoldt: Deutsche Volkssagen. Wiesbaden 2007, S. 185.</ref>, zumindest oft zusammengeschrumpft<ref>Hans-Jörg Uther: Sächsische Sagen. München 1992, S. 223.</ref> oder tiefgebückt<ref>Josef Virgil Grohmann: Sagen-Buch von Böhmen und Mähren. Berlin 2013, S. 88.</ref>. Im Allgemeinen werden sie als alt<ref>Hans-Jörg Uther: Sächsische Sagen. München 1992, S. 223.</ref> und grau<ref>Ludwig Bechstein: Thüringer Sagenbuch. Band 2, Bad Langensalza 2014, S. 50.</ref> beschrieben, manchmal sogar steinalt genannt.<ref>Josef Virgil Grohmann: Sagen-Buch von Böhmen und Mähren. Berlin 2013, S. 88.</ref>
Ihre Gesichter sind alt und runzlig<ref>Wilhelm Mannhardt: Wald und Feldkulte. Band I, 2005, S. 75.</ref>, manchmal auch grau<ref>Ludwig Bechstein: Thüringer Sagenbuch. Band 2, Bad Langensalza 2014, S. 49.</ref>, mit schwarzen Augen<ref>Christa Agnes Tuczay: Geister, Dämonen – Phantasmen: Eine Kulturgeschichte. Wiesbaden 2015, S. 77.</ref>, die zum Teil auch halb verblindet sein können<ref>Leander Petzoldt: Deutsche Volkssagen. Wiesbaden 2007, S. 185.</ref>. Der Kopf, wenn er angefasst wird, fühlt sich eiskalt an.<ref>Josef Virgil Grohmann: Sagen-Buch von Böhmen und Mähren. Berlin 2013, S. 88.</ref> Moosweiblein haben lange schneeweiße Haare in wilder Unordnung<ref>Josef Virgil Grohmann: Sagen-Buch von Böhmen und Mähren. Berlin 2013, S. 88.</ref>, seltener auch schwarze Haare<ref>Christa Agnes Tuczay: Geister, Dämonen – Phantasmen: Eine Kulturgeschichte. Wiesbaden 2015, S. 77.</ref> oder gelbe Haare<ref>Wilhelm Mannhardt: Wald und Feldkulte. Band I, 2005, S. 76.</ref>. Auf Gesichtern<ref>Ludwig Bechstein: Thüringer Sagenbuch. Band 2, Bad Langensalza 2014, S. 50.</ref> oder Füßen wächst manchmal Moos<ref>Josef Virgil Grohmann: Sagen-Buch von Böhmen und Mähren. Berlin 2013, S. 88.</ref>. Die Moosweiblein haben feine, quäkende Stimmen.<ref>Ludwig Bechstein: Thüringer Sagenbuch. Band 2, Bad Langensalza 2014, S. 60.</ref>
Auch die Kleidung der Moosweiblein kann so verschiedenartig sein wie ihr Aussehen. Manchmal sind sie zerlumpt oder sogar nackt<ref>Christa Agnes Tuczay: Geister, Dämonen – Phantasmen: Eine Kulturgeschichte. Wiesbaden 2015, S. 77.</ref>, sind schwarz gekleidet<ref>Christa Agnes Tuczay: Geister, Dämonen – Phantasmen: Eine Kulturgeschichte. Wiesbaden 2015, S. 77.</ref> oder tragen alte graue Kleidung<ref>Ludwig Bechstein: Thüringer Sagenbuch. Band 2, Bad Langensalza 2014, S. 49 f.</ref>. Am häufigsten jedoch sind sie mit Moos bekleidet.<ref>Wilhelm Grimm, Jacob Grimm: Deutsche Sagen. Hamburg 2014, S. 282 f.</ref> Sie tragen Kleider aus Moos<ref>Christa Agnes Tuczay: Geister, Dämonen – Phantasmen: Eine Kulturgeschichte. Wiesbaden 2015, S. 77.</ref>, insbesondere aus Baummoos<ref>Wilhelm Mannhardt: Wald und Feldkulte. Band I, 2005, S. 76.</ref> wie auch aus anderen Waldgewächsen<ref>Josef Virgil Grohmann: Sagen-Buch von Böhmen und Mähren. Berlin 2013, S. 86.</ref>, oder sind in Moos gekleidet, welches sie wie eine Decke oder ein Fell umgibt<ref>Wilhelm Mannhardt: Wald und Feldkulte. Band I, 2005, S. 75.</ref>. Sie kleiden sich zudem in Flachshalme, sind manchmal ganz in Flachshalme eingewickelt.<ref>Wilhelm Mannhardt: Wald und Feldkulte. Band I, 2005, S. 77.</ref> Zur Ausstattung des Moosweibleins gehört oft auch eine heraufgebundene Schürze<ref>Josef Virgil Grohmann: Sagen-Buch von Böhmen und Mähren. Berlin 2013, S. 88.</ref>, die manchmal von gelbbrauner Farbe sein kann<ref>Ludwig Bechstein: Thüringer Sagenbuch. Band 2, Bad Langensalza 2014, S. 60.</ref>. Moosweiblein laufen stets barfuß.<ref>Christa Agnes Tuczay: Geister, Dämonen – Phantasmen: Eine Kulturgeschichte. Wiesbaden 2015, S. 77.</ref>
Sie tragen manchmal eine Hocke Holz im Korb auf dem Rücken oder Reisholz in Schürze.<ref>Hans-Jörg Uther: Sächsische Sagen. München 1992, S. 223.</ref> Diese Rückenkörbe bestehen aus ungeschälten Weiden.<ref>Ludwig Bechstein: Thüringer Sagenbuch. Band 2, Bad Langensalza 2014, S. 50.</ref> Außerdem stützen sich Buschweibchen und Holzfräulein auf einen knotigen Stock, der ihren wankenden Gang stützt.<ref>Josef Virgil Grohmann: Sagen-Buch von Böhmen und Mähren. Berlin 2013, S. 88.</ref>
Leben im Wald[Bearbeiten]
Die Moosweiblein leben im Wald. Sie wohnen auf der Heide, an dunklen Orten im Holz<ref>Wilhelm Grimm, Jacob Grimm: Deutsche Sagen. Hamburg 2014, S. 75.</ref> oder im tiefsten Wald<ref>Josef Virgil Grohmann: Sagen-Buch von Böhmen und Mähren. Berlin 2013, S. 87.</ref>. Ihre Behausung ist ein Erdloch<ref>Wilhelm Grimm, Jacob Grimm: Deutsche Sagen. Hamburg 2014, S. 75.</ref>, ein hohler Baum<ref>Christa Agnes Tuczay: Geister, Dämonen – Phantasmen: Eine Kulturgeschichte. Wiesbaden 2015, S. 77.</ref>, ein Häuslein aus Baumwurzeln<ref>Ludwig Bechstein: Thüringer Sagenbuch. Band 2, Bad Langensalza 2014, S. 50.</ref> oder eine Mooshütte<ref>Wilhelm Mannhardt: Wald und Feldkulte. Band I, 2005, S. 76.</ref>. Sie schlafen auf Moos<ref>Wilhelm Grimm, Jacob Grimm: Deutsche Sagen. Hamburg 2014, S. 75.</ref> und betten auch ihre Kinder auf Moos oder Rinde<ref>Wilhelm Mannhardt: Wald und Feldkulte. Band I, 2005, S. 76.</ref>.
Moosweiblein leben häufig in Großfamilien und können Kinder bekommen.<ref>Christa Agnes Tuczay: Geister, Dämonen – Phantasmen: Eine Kulturgeschichte. Wiesbaden 2015, S. 77.</ref> Oft sind sie mit Holzmännlein verheiratet<ref>Ludwig Bechstein: Thüringer Sagenbuch. Band 2, Bad Langensalza 2014, S. 50.</ref>, gehen aber auch Liebschaften mit Menschen ein<ref>Ludwig Bechstein: Thüringer Sagenbuch. Band 2, Bad Langensalza 2014, S. 91.</ref>.
Sie spinnen Baummoos mit Spindeln<ref>Leander Petzoldt: Deutsche Volkssagen. Wiesbaden 2007, S. 183.</ref>, sitzen an Kreuzwegen spinnend oder strickend im Busch<ref>Hans-Jörg Uther: Sächsische Sagen. München 1992, S. 223.</ref>. Ihre Kleider waschen sie an kleinen Teichen, sind dabei jedoch am liebsten unbeobachtet.<ref>Ludwig Bechstein: Thüringer Sagenbuch. Band 2, Bad Langensalza 2014, S. 49.</ref>
Moosweiblein verstehen sich aufs Kuchenbacken. Wenn sie backen, dann dampfen die Berggipfel.<ref>Hans-Jörg Uther: Sächsische Sagen. München 1992, S. 224 f.</ref> Aufsteigender Bergnebel im Frühling und Herbst wird als Herdrauch des Buschweibchens angesehen.<ref>Josef Virgil Grohmann: Sagen-Buch von Böhmen und Mähren. Berlin 2013, S. 88.</ref> Wenn sie danach gefragt werden, schenken die Moosweiblein ihren Kuchen auch den Menschen.<ref>Ludwig Bechstein: Thüringer Sagenbuch. Band 2, Bad Langensalza 2014, S. 60.</ref> Bei Brotmangel ernähren sie sich allerdings eher von Baumwurzeln.<ref>Ludwig Bechstein: Thüringer Sagenbuch. Band 2, Bad Langensalza 2014, S. 50.</ref>
Die Moosweiblein singen lieblich, doch unverständlich, meist zur Mittagszeit oder um Mitternacht.<ref>Ludwig Bechstein: Thüringer Sagenbuch. Band 2, Bad Langensalza 2014, S. 38.</ref> Wenn es im April hagelt, so steigt das Buschweibchen über das Gebirge.<ref>Josef Virgil Grohmann: Sagen-Buch von Böhmen und Mähren. Berlin 2013, S. 88.</ref> Im Wirbelwind fliegen hingegen die Buschjungfern.<ref>Wilhelm Mannhardt: Wald und Feldkulte. Band I, 2005, S. 86.</ref> Manche Moosweiblein verlassen den Wald nur alle hundert Jahre einmal.<ref>Josef Virgil Grohmann: Sagen-Buch von Böhmen und Mähren. Berlin 2013, S. 87.</ref> Wenn der Bast vom Baum geschält wird bedeutet das zugleich immer, dass ein Moosweiblein sterben muss.<ref>Jacob Grimm: Deutsche Mythologie. Wiesbaden 2014, S. 375.</ref>
Kontakte mit den Menschen[Bearbeiten]
Moosweiblein sind kräuterkundig und verstehen sich sowohl auf die Sendung als auch auf die Heilung von Krankheiten.<ref>Wolfgang Golther: Germanische Mythologie. Wiesbaden 2011, S. 197.</ref> Werden sie von Menschen verspottet, so schicken sie ihnen Gebrechen.<ref>Hans-Jörg Uther: Sächsische Sagen. München 1992, S. 223.</ref> Das kann auf verschiedene Arten geschehen. Sie können die Leute dermaßen drücken, dass sie krank und elend werden<ref>Wilhelm Grimm, Jacob Grimm: Deutsche Sagen. Hamburg 2014, S. 75.</ref> und sich ihnen aufhocken, sodass die Leute lahm werden. Sie können sie aber auch anhauchen, wovon die Menschen Beulen oder Geschwüre im Gesicht bekommen.<ref>Hans-Jörg Uther: Sächsische Sagen. München 1992, S. 223.</ref> Außerdem besitzen Moosweiblein das Wissen um die Zukunft.<ref>Christa Agnes Tuczay: Geister, Dämonen – Phantasmen: Eine Kulturgeschichte. Wiesbaden 2015, S. 77.</ref>
Moosweiblein lohnen Menschen, indem sie ihnen Holzspäne<ref>Ludwig Bechstein: Thüringer Sagenbuch. Band 2, Bad Langensalza 2014, S. 61.</ref> oder Laub schenken, welches sich in Gold verwandelt<ref>Ludwig Bechstein: Deutsches Sagenbuch. Meersbusch, Leipzig 1930, S. 378.</ref>. Sie schenken auch Garnknäuel, die nicht enden, wenn ihr Ende nicht vorsätzlich gesucht wird, oder Gespinste und Strickwaren, die Glück und Segen ins Haus bringen.<ref>Hans-Jörg Uther: Sächsische Sagen. München 1992, S. 223 f.</ref> Ihren Dank zeigen die Moosweiblein auch mit gutgemeinten Ratschlägen und Warnungen. Zudem behüten sie die Kinder im Wald<ref>Ludwig Bechstein: Thüringer Sagenbuch. Band 2, Bad Langensalza 2014, S. 72.</ref>, führen die Leute nachts ohne Irrwege aus dem Wald oder lassen sie Hirsch- und Rehgeweihe finden<ref>Wilhelm Mannhardt: Wald und Feldkulte. Band I, 2005, S. 84.</ref>.
Andererseits stehlen Moosweiblein Brot und Knödel von den Menschen, das Brot frisch aus dem Ofen, die Klöße aus den Töpfen. Kümmelbrot vertragen sie jedoch nicht, weshalb sie ausrufen: Kümmelbrot, unser Tod.<ref>Ludwig Bechstein: Deutsches Sagenbuch. Meersbusch, Leipzig 1930, S. 378.</ref> Gleiches gilt für „gepiptes“ Brot, also Brot, in welches die Fingerspitze gedrückt wurde.<ref>Jacob Grimm: Deutsche Mythologie. Wiesbaden 2014, S. 375.</ref> Auch gezählte Backwaren können sie nicht anrühren.<ref>Ludwig Bechstein: Thüringer Sagenbuch. Band 2, Bad Langensalza 2014, S. 38.</ref> Hingegen gehören den Moosfräulein rechtmäßig ein Teil des Heuschnittes und das Wasser, welches beim Schöpfen Tropfen am Gefäßrand bildet<ref>Jacob Grimm: Deutsche Mythologie. Wiesbaden 2014, S. 1044.</ref>, außerdem ein Teil der Leinsaat, der Flachshalme, der Getreideähren und des Baumobstes<ref>Wilhelm Mannhardt: Wald und Feldkulte. Band I, 2005, S. 77 f.</ref> sowie das Mehl, welches am Kübelrahmen hängenbleibt, und die übriggebliebenen Brotkrümel<ref>Wilhelm Mannhardt: Wald und Feldkulte. Band I, 2005, S. 82.</ref>.
Moosweiblein erlauben das Holzsammeln im Wald, wenn sie zuvor ein Brotstück oder einen Kloß als Gabe erhalten.<ref>Ludwig Bechstein: Deutsches Sagenbuch. Meersbusch, Leipzig 1930, S. 378.</ref> Sie springen auf Heuschober und spielen wie Kinder.<ref>Ludwig Bechstein: Deutsches Sagenbuch. Meersbusch, Leipzig 1930, S. 378.</ref>
Manchmal gehen Moosweiblein den Menschen hilfreich mit Tat und Rat zur Hand.<ref>Jacob Grimm: Deutsche Mythologie. Wiesbaden 2014, S. 375.</ref> Sie kehren in den Häusern der Menschen ein und verrichten verschiedene Arbeiten, so spinnen sie des Nachts Flachs und Wolle<ref>Christa Agnes Tuczay: Geister, Dämonen – Phantasmen: Eine Kulturgeschichte. Wiesbaden 2015, S. 77.</ref>, sie scheuern, füttern, melken, mähen<ref>Ludwig Bechstein: Thüringer Sagenbuch. Band 2, Bad Langensalza 2014, S. 109.</ref>, helfen beim Heumachen und Kornschneiden<ref>Wilhelm Mannhardt: Wald und Feldkulte. Band I, 2005, S. 79.</ref>. Erhalten die Moosweiblein Speisen von Hirten, so segnen sie deren Kühe, die daraufhin mehr Milch geben. Anderen schützen sie ihr Arbeitsgerät vor Dieben.<ref>Ludwig Bechstein: Thüringer Sagenbuch. Band 2, Bad Langensalza 2014, S. 38.</ref> Als Hausgeister bringen Moosweiblein Glück und Segen, erhalten dafür aber auch Speiseopfer. Das Fluchen und die Laster der Menschen sind ihnen zuwider.<ref>Christa Agnes Tuczay: Geister, Dämonen – Phantasmen: Eine Kulturgeschichte. Wiesbaden 2015, S. 77.</ref> Sie lieben die Stille, hassen Zank und Flüche, werden dadurch auch vertrieben<ref>Ludwig Bechstein: Thüringer Sagenbuch. Band 2, Bad Langensalza 2014, S. 72.</ref>, wie sie auch auf Nimmerwiedersehen verschwinden, wenn sie neue Kleidung geschenkt bekommen<ref>Ludwig Bechstein: Deutsches Sagenbuch. Meersbusch, Leipzig 1930, S. 378.</ref>.
Verhältnis zur wilden Jagd[Bearbeiten]
Moosweiblein werden erbarmungslos vom wilden Jäger und der wilden Jagd gejagt und getötet.<ref>Edmund Mudrak: Das große Buch der Sagen. Würzburg 2007, S. 132.</ref><ref>Ludwig Bechstein: Deutsches Sagenbuch. Meersbusch, Leipzig 1930, S. 378.</ref><ref>Wilhelm Grimm, Jacob Grimm: Deutsche Sagen. Hamburg 2014, S. 75.</ref> Der sie verfolgende Jäger und seine Schar haben je nach Region unterschiedliche Namen, so Nachtjäger<ref>Wilhelm Grimm, Jacob Grimm: Deutsche Sagen. Hamburg 2014, S. 282.</ref> oder Holzhetzer<ref>Wilhelm Mannhardt: Wald und Feldkulte. Band I, 2005, S. 82.</ref>. Johannes Praetorius, der den Nachtjäger mit Rübezahl gleichsetzte, übertrug auf diesen auch das Sagenmotiv der Jagd auf Moosweiblein und Rüttelweiber. Er berichtete auch von einem Kampf, den Rübezahl mit einem Moosweiblein um sein Territorium gehalten haben soll.<ref>Karl de Wyl: Rübezahl-Forschungen. Paderborn 2012, S. 134.</ref>
Das Einzige, was Moosweiblein Schutz vor der wilden Jagd gewährt, ist ein Baumstumpf, in welchen ein Holzfäller mit der Axt das Kreuzzeichen geschlagen hat.<ref>Edmund Mudrak: Das große Buch der Sagen. Würzburg 2007, S. 132.</ref> Manchmal müssen es jedoch auch drei Kreuze sein<ref>Wilhelm Grimm, Jacob Grimm: Deutsche Sagen. Hamburg 2014, S. 75.</ref> oder es muss dabei „Gott wael's!“ (Gott walte es) gesprochen worden sein. Bei „Wael's Gott!“ hat der Baumstumpf keine Schutzwirkung.<ref>Wilhelm Grimm, Jacob Grimm: Deutsche Sagen. Hamburg 2014, S. 282.</ref> Bei drei Kreuzen heißt es manchmal, dass zwei Holzfäller die Kreuze einschlagen müssen, ehe der Baum ganz zu Boden gefallen ist.<ref>Ludwig Bechstein: Thüringer Sagenbuch. Band 2, Bad Langensalza 2014, S. 38.</ref> Auch bekreuzte Gebrauchsgegenstände, beispielsweise Karrendeichseln<ref>Ludwig Bechstein: Thüringer Sagenbuch. Band 2, Bad Langensalza 2014, S. 101.</ref> Eggen und Pflüge<ref>Wilhelm Mannhardt: Wald und Feldkulte. Band I, 2005, S. 83.</ref>, gewähren Moosweiblein Schutz. Auch werden die letzten Flachshalme bei der Ernte zusammengebunden, damit die Moosweiblein darunter Zuflucht finden können.<ref>Wilhelm Mannhardt: Wald und Feldkulte. Band I, 2005, S. 77.</ref>
Von den bekreuzten Baumstümpfen heißt es des Weiteren unabhängig von der wilden Jagd, dass die Moosweiblein durch das Kreuzeinhauen ihre Wohnung im Baum behalten können oder gar auf diese Weise selbst unschädlich gemacht werden.<ref>Wilhelm Mannhardt: Wald und Feldkulte. Band I, 2005, S. 83.</ref>
Buschgroßmutter[Bearbeiten]
Als Herrin der Moosweiblein wird an der Saale die Buschgroßmutter bezeichnet. Die Buschgroßmutter ist genau genommen die Mutter der Moosweiblein (hier: Moosfräuleins), mit welchen sie im Lande umherzieht, meist in einem kleinen Rollwagen. Sie hat wirres Haar und einen starren Blick. Die Buschgroßmutter ist auch ein Kinderschreck. Sie entspricht der andernorts verbreiteten Frau Holle oder Perchta.<ref>Ludwig Bechstein: Deutsches Sagenbuch. Meersbusch, Leipzig 1930, S. 379 f.</ref> Die Buschgroßmutter tritt auch in Schlesien auf und heißt dort Pusch-Grohla.<ref>Richard Beitl: Untersuchungen zur Mythologie des Kindes Münster/New York/München/Berlin 2007, S. 16.</ref> Während sie von den Mythologen des 19. Jahrhunderts als Königin der Moosleute betrachtet wurde<ref>Jacob Grimm: Deutsche Mythologie. Wiesbaden 2014, S. 375.</ref>, wird sie doch eher als primitiver Walddämon gesehen<ref>Richard Beitl: Untersuchungen zur Mythologie des Kindes. Münster/New York/München/Berlin 2007, S. 16.</ref>.
Ähnliche Sagengestalten[Bearbeiten]
Den Moosweiblein ähnliche Gestalten der deutschsprachigen Sagenwelt sind einerseits die wilden Weiber in Hessen, im Rheinland und in Baden,<ref>Wilhelm Mannhardt: Wald und Feldkulte. Band I, 2005, S. 87 f.</ref> andererseits die Fanggen<ref>Wilhelm Mannhardt: Wald und Feldkulte. Band I, 2005, S. 89.</ref> und die saligen Frauen in Tirol<ref>Wilhelm Mannhardt: Wald und Feldkulte. Band I, 2005, S. 99.</ref>.
Literatur[Bearbeiten]
Sagensammlungen[Bearbeiten]
- Wilhelm Grimm, Jacob Grimm: Deutsche Sagen: Vollständige Ausgabe mit Illustrationen von Otto Ubbellohde. Kassel 1818. (Nachdruck: Nikol, Hamburg 2014, ISBN 978-3-86820-245-8)
- Ludwig Bechstein: Deutsches Sagenbuch. Leipzig 1853. (Nachdruck im F. W. Hendel Verlag, Meersbusch / Leipzig 1930)
- Ludwig Bechstein: Thüringer Sagenbuch. 2 Bände, Wien / Leipzig 1858. (Nachdruck: Verlag Rockstuhl, Bad Langensalza 2014, ISBN 978-3-936030-08-2)
- Edmund Mudrak: Das große Buch der Sagen. Ensslin, Würzburg 2007, ISBN 978-3-401-45307-1.
- Hans-Jörg Uther: Sächsische Sagen. Eugen Diederichs Verlag, München 1992.
- Josef Virgil Grohmann: Sagen-Buch von Böhmen und Mähren. Prag 1863. (Nachdruck: Holzinger, Berlin 2013, ISBN 978-1-4849-7919-8)
- Leander Petzoldt: Deutsche Volkssagen. Marix Verlag, Wiesbaden 2007, ISBN 978-3-86539-138-4.
Mythologische Forschung und Lexika[Bearbeiten]
- Jacob Grimm: Deutsche Mythologie: Vollständige Ausgabe. Berlin 1844. (Nachdruck: Marix-Verlag, Wiesbaden 2014, ISBN 978-3-86539-143-8)
- Wolfgang Golther: Germanische Mythologie: Vollständige Ausgabe. Leipzig 1859. (Nachdruck: Marix-Verlag, Wiesbaden 2011, ISBN 978-3-937715-38-4)
- Felix Dahn, Therese Dahn: Germanische Götter- und Heldensagen. Leipzig 1919. (Nachdruck: Marix-Verlag, Wiesbaden 2010, ISBN 978-3-937715-39-1)
- Wilhelm Mannhardt: Wald und Feldkulte. Band I, Danzig 1874. (Nachdruck: Elibron Classics, 2005, ISBN 1-4212-4740-2)
- Karl de Wyl: Rübezahl-Forschungen: Die Schriften des Johannes Praetorius. Breslau 1909. (Nachdruck: Salzwasser Verlag, Paderborn 2012, ISBN 978-3-8460-1198-0)
- Richard Beitl: Untersuchungen zur Mythologie des Kindes: herausgegeben von Bernd Rieken und Michael Simon. Teilw. zugl.: Berlin, Univ., Habil.-Schr. R. Beitl, 1933, Waxmann Verlag, Münster / New York / München / Berlin 2007, ISBN 978-3-8309-1809-7.
- Christa Agnes Tuczay: Geister, Dämonen – Phantasmen: Eine Kulturgeschichte. Marix Verlag, Wiesbaden 2015, ISBN 978-3-7374-0972-8.
- Leander Petzoldt: Kleines Lexikon der Dämonen und Elementargeister. Verlag C.H. Beck, München 1990, ISBN 3-406-34019-9.
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references responsive />