Mosche de Leon
Mosche ben Schem Tov de León ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value), Akronym RAMDAL, geboren um 1240 in Guadalajara oder León;<ref>Nach einigen Historikern ist León sein Geburtsort.</ref> gestorben 1305<ref name="maier-s13f">Johann Maier: Die Kabbalah. Einführung – Klassische Texte – Erläuterungen. C.H. Beck, München 1995, ISBN 3-406-39659-3, S. 13–14.</ref>, in Arévalo) war ein spanischer Rabbiner. Ursprünglich ein Anhänger des Maimonides,<ref name="maier-s13f" /> wurde er später ein Kabbalist. Er lebte unter anderem in Guadalajara, Valladolid und Ávila.
Leben[Bearbeiten]
Mosche ist der Sohn von Schem Tov de León, er wurde wahrscheinlich in León geboren.<ref>Boaz Huss: Art. Moshe ben Shem Tov de Leon. In: Andreas Kilcher, Otfried Fraisse (Hrsg.): Metzler Lexikon jüdischer Philosophen. Philosophisches Denken des Judentums von der Antike bis zur Gegenwart. Metzler, Stuttgart 2003, ISBN 3-476-01707-9 (online, abgerufen am 2. Oktober 2024).</ref><ref>Zum Geburtsort Moses ben Shem-Tov de Leóns besteht in der Forschung keine Einigkeit. Sein Name Moses ben Shem-Tov de León (משה בן שם־טוב די־ליאון) bedeutet „Moses, Sohn des Shem-Tov de León“. Umstritten ist insbesondere, ob „de León“ seinen eigenen Herkunftsort bezeichnet oder bereits zum Namen seines Vaters Shem-Tov de León gehörte und von Moses übernommen wurde. Die ältere Forschung, etwa die Jewish Encyclopedia, nimmt León als Geburtsort an; siehe hierzu Kaufmann Kohler, Meyer Kayserling: „Leon, Moses (ben Shem-Ṭob) De“. In: Jewish Encyclopedia, Bd. 8, 1904, S. 7. Demgegenüber wird in der neueren Forschung auch Guadalajara als möglicher Geburtsort erwogen. Dabei könnte „de León“ auf den Vater zurückgehen. Diese Deutung ist jedoch nicht durch einen eindeutigen Quellenbefund gesichert. Avishai Bar-Asher und Jeremy Phillip Brown ordnen Moses de León in ihrer Studie Light is Sown ausdrücklich als „Moses de León of Guadalajara“ ein; siehe hierzu Avishai Bar-Asher, Jeremy Phillip Brown: Light is Sown: The Cultivation of Kabbalah in Medieval Castile. Oxford University Press, New York 2025, S. 161–198, hier Kap. 5: „Light of the West: Moses de León of Guadalajara“, doi:10.1093/oso/9780197744819.003.0005.</ref> Eine lange Zeit, bis ungefähr zum Jahr 1291, wohnte und wirkte er in Guadalajara. Dort verfasste er auch die meisten seiner Schriften.<ref>Moses De León Spanish Kabbalist. Also known as: Moses ben Shem Tov. Encyclopaedia Britannica, auf britannica.com britannica.com</ref>
Mosche war mit den Philosophen des Früh- und Hochmittelalters und der gesamten mystischen Literatur vertraut und kannte und verwendete die Schriften von Solomon ibn Gabirol, Judah ha-Levi, Maimonides, Moses ben Nachman usw.<ref name="Jewish Encyclopedia">Kaufmann Kohler, Meyer Kayserling: Art. Leon, Moses (ben Shem-Ṭob) De. In: Jewish Encyclopedia, Band 8: Leon – Moravia, 1904, S. 7 (online).</ref>
Mosche de León lernte durch seine Bekanntschaft mit Josef Gikatilla dessen prophetische Kabbala kennen; davon beeinflusst entwickelte er sich nach dem Studium neuplatonischer Texte zu einem einflussreichen Vertreter der theosophischen (sephiroth-theologischen) Richtung.<ref name="maier-s13f" />
Isaak ben Samuel von Akkon ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)) war ein aus der südlichen Levante stammender Kabbalist.<ref>Kaufmann Kohler, Max Seligsohn: Isaac ben Samuel of Acre. Jewish Encyclopedia, auf jewishencyclopedia.com jewishencyclopedia.com</ref> Akkon gehörte bis zu seiner Eroberung durch die Mamluken 1291 zum Königreich Jerusalem. Nach dem Fall der Stadt verließ Isaak die Region und gelangte schließlich nach Kastilien, wo er 1305 Mosche de León in Valladolid begegnete.<ref>Efraim Gottlieb: Isaac ben Samuel of Acre Encyclopaedia Judaica, auf encyclopedia.com encyclopedia.com</ref> Die Begegnung zwischen Mosche de León und Isaak von Akkon fällt in die letzten Monate von Mosche de Leóns Leben. Nachdem sich Mosche längere Zeit in Kastilien aufgehalten hatte und zuletzt in Ávila lebte, trafen beide 1305 in Valladolid aufeinander. Die Begegnung wird in der Überlieferung des Sefer Yuḥasin von Abraham Zacuto berichtet.<ref>יוחסין השלם - זכות, אברהם בן שמואל S. 92 von 322, auf hebrewbooks.org hebrewbooks.org</ref> Mosche erklärte ihm, in seinem Haus in Ávila befände sich eine alte Handschrift des Sohars, die Schimon bar Jochai zugeschrieben werde. Auf der Reise nach Ávila erkrankte Mosche und starb noch im selben Jahr in Arévalo. Nach seinem Tod erkundigte sich Isaak in Ávila nach der von Mosche erwähnten Handschrift. Nach der von Isaak überlieferten Darstellung erfuhr er dort über mehrere Vermittlungsstufen u. a. einen Mann namens David Dafan Korpo<ref>Z'ev ben Shimon Halevi: The Kabbalah: The Essential Texts from the Zohar. Watkins Publishing, London 2021, ISBN 978-1-78678-552-7, S. V–X „Foreword“</ref>, dass Mosches Witwe und Tochter gegenüber der Frau eines gewissen Joseph von Ávila erklärt hätten, Mosche habe den Sohar selbst verfasst und es habe kein älteres Originalmanuskript gegeben. Die Aussage ist somit nur indirekt überliefert.<ref>Die Episode wird unter anderem von Heinrich Graetz, Yeshayahu Leibowitz, Gershom Scholem und Daniel C. Matt als relevante historische Überlieferung zur Entstehung und Autorschaft des Sohars herangezogen. Die historische Aussagekraft und die Zuverlässigkeit der darin überlieferten Aussagen werden aber in der Forschung unterschiedlich beurteilt.</ref>
Isaak erhielt jedoch auch gegenteilige Aussagen, so von Todros ben Joseph Abulafia ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)) und Jakob, ein Schüler Mosches, beide versicherten ihm unter Eid, dass Mosche nicht der Verfasser des Werkes sei.<ref>Joseph Jacobs, Isaac Broydé: Zohar (called also in the earlier literature Midrash ha-Zohar and Midrash de-Rabbi Shim'on ben Yoḥai):(Redirected from Joseph de Avila.), Jewish Encyclopedia, auf jewishencyclopedia.com jewishencyclopedia.com Abschnitt: „Authenticity“</ref> Isaak führt somit widersprüchliche Zeugnisse zur Herkunft des Sohar an. Seine eigene abschließende Beurteilung ist in der überlieferten Textfassung nicht eindeutig erkennbar. Die Darstellung wurde später von Abraham Zacuto<ref>Nissan Mindel: Rabbi Abraham Zacuto (1450 - 1515; 5210 - 5275). Jüdische Persönlichkeiten, die frühen Achronim, Jüdische.Info, auf de.chabad.org de.chabad.org</ref> im Sefer Yuḥasin überliefert, der damit eine auf Isaak von Akkon zurückgeführte Tradition aus dem frühen 14. Jahrhundert wiedergibt.
Über Moses de Leóns Ehefrau ist aus der Überlieferung nur wenig bekannt, sie wird in der Forschung teilweise als Tami Musaphia Heni aus Tihama (um 1250–1305) identifiziert, beide hatten Kinder.<ref>Genealogie der Familie gw.geneanet.org</ref>
Moses de León und der Sohar[Bearbeiten]
Mosche de León wird der größte Teil des Werkes Sohar zugeschrieben. Es ist in aramäischer Kunstsprache verfasst. Mosche de León verbreitete den Sohar ab etwa 1275 „als angeblich altes Werk des Rabbinen Shim`on bar Jochaj“ aus dem frühen 2. Jahrhundert; danach verfasste er auch unter eigenem Namen kabbalistische Schriften „und zitierte darin aus dem Zôhar wie aus einem alten Buch“.<ref name="maier-s13f" /> Obgleich dieses zum Hauptwerk der Kabbala avancierte und dabei die übrigen kabbalistischen Schriften in den Hintergrund drängte,<ref>Johann Maier: Die Kabbalah. Einführung – Klassische Texte – Erläuterungen. Verlag C.H. Beck, München 1995, ISBN 3-406-39659-3, S. 15.</ref> ist über ihn als mutmaßlichen Verfasser recht wenig bekannt.<ref name="Jewish Encyclopedia" />
Der Sohar legt in teils umfangreichen, diversen Traktaten Auslegungen zur Tora dar, erzählt Geschichten zu Gestalten des Judentums, so zu Rabbi Schimon ben Jochai und dessen Schülern, sowie Spekulationen zu Zahlen (Gematrie) und Buchstaben als Teil des Hebräischen und damit zu den Fundamenten der Welt.
Der Autor oder Redaktor des Sohar de León zeigt in seinem Werk keinen direkten Einfluss des antiken Philosophen Plotin,<ref>Michael Erler: Plotin. Eine Einführung in den „Neuplatonismus“. Vorlesungsskript, Universität Wuppertal 2015 (online, abgerufen am 27. November 2025).</ref> weder aus dessen Werken, noch aus seinen Philosophemen, auch finden sich aus dem Umfeld des Neuplatonismus keine direkten Zitate oder andere expliziten Beziehungen, dennoch enthält der Sohar viele Konzepte, die stark mit neuplatonischen Ideen übereinstimmen. Es gibt Anhaltspunkte, dass de León von jüdischen Philosophen und Mystikern beeinflusst wurde, die wiederum durch die spätantike Philosophie, einschließlich des Neuplatonismus geprägt waren.<ref>Lenn E. Goodman: Neoplatonism and Jewish thought.(= Band 7, Studies in Neoplatonism), State University of New York Press, New York 1992, ISBN 0-7914-1339-X, S. 305 und 361.</ref><ref>Joshua Abelson: Jewish Mysticism: An Introduction to the Kabbalah. Dover Publications, Mineola (New York) 2001, ISBN 978-0-486-41996-1, S. 156.</ref>
Literatur[Bearbeiten]
- Angel Sáenz-Badillos, Judit Targarona Borrás: Diccionario de autores judios. (Sefarad. Siglos X-XV). El Almendro, Córdoba 1988, ISBN 84-86077-69-9, (Estudios de Cultura Hebrea 10), S. 71 f.
- Carl A. Keller: Moshe Ben Shem Tov De Leon. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 6, Bautz, Herzberg 1993, ISBN 3-88309-044-1, Sp. 194–196.
Weblinks[Bearbeiten]
Einzelnachweise und Anmerkungen[Bearbeiten]
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Mosche de Leon |
| ALTERNATIVNAMEN | Mosche ben Schem Tov de Leon (vollständiger Name); Akronym RAMDAL |
| KURZBESCHREIBUNG | Kabbalist, ursprünglich Anhänger des Maimonides |
| GEBURTSDATUM | um 1250 |
| GEBURTSORT | Guadalajara oder León |
| STERBEDATUM | 1305 |
| STERBEORT | Arévalo |