Moschus
Moschus (deutsch seit dem 17. Jahrhundert; wie lateinisch muscus von griechisch μόσχος moschos und dies laut Walde und Hofmann<ref>Alois Walde: Lateinisches etymologisches Wörterbuch. 3. Auflage, besorgt von Johann Baptist Hofmann, I–III, Heidelberg 1938–1965, II, S. 134.</ref> über altpersisch musk von altindisch muskah, ‚Hoden‘), in älteren Texten<ref>Vgl. Otto Beßler: Prinzipien der Drogenkunde im Mittelalter. Aussage und Inhalt des Circa instans und Mainzer Gart. Mathematisch-naturwissenschaftliche Habilitationsschrift, Halle an der Saale 1959, S. 206: Muscus – bysum […] = Moschus (= Bisam), das eingetrocknete Präputialsekret aus dem Moschusbeutel des Bisam- oder Moschustieres.</ref> auch als (eine Art von) Bisam<ref>Vgl. etwa Wilhelm Hassenstein, Hermann Virl: Das Feuerwerkbuch von 1420. 600 Jahre deutsche Pulverwaffen und Büchsenmeisterei. Neudruck des Erstdruckes aus dem Jahr 1529 mit Übertragung ins Hochdeutsche und Erläuterungen von Wilhelm Hassenstein. Verlag der Deutschen Technik, München 1941, S. 111 (Bisam, moschus, muscus: „Der edle, wohlriechende Bisam wird moschus und muscus genannt. Er wird von einem Tierlein gesammelt, welches einem Rehgeislein gleich ist“).</ref> bezeichnet, ist das getrocknete, pulverförmige und stark riechende Sekret (Präputialsekret) aus dem haarigen Moschusbeutel (Präputialdrüse zwischen Nabel und Penis) vom männlichen Moschustier.<ref>Ruth Spranger: Zur Verwendung des Moschus (Bisam) und seiner Ersatzstoffe in der mittelalterlichen Medizin, insbesondere im ‚Breslauer Arzneibuch‘. In: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen. Band 17, 1998, S. 181–186, hier: S. 181 f.</ref>
Zur Sekretgewinnung musste man bis Ende der 1950er-Jahre noch die Moschushirsche töten; heute werden in China Moschusfarmen betrieben, in denen durch Ausschaben der Drüse jährlich etwa 10 Gramm Sekret pro Moschushirsch gewonnen werden. Allerdings ist hier die Qualität viel schlechter und die Menge deutlich geringer. Zudem werden die Hirsche traumatisiert und können dann auch sterben.<ref>Musk Deere bei Tibet Nature Environmental Conservation Network, abgerufen am 7. Juni 2018.</ref><ref>Anya H. King: Scent from the Garden of Paradise. Brill, 2017, ISBN 978-90-04-33624-7, S. 21.</ref> Die rötlich-braune, salbige Masse (der Moschus) wird nach dem Trocknen bröcklig und dunkelbraun. Die bis etwa 50 Gramm schweren Beutel enthalten bei wilden Tieren etwa zur Hälfte den Moschus.<ref>Fred Winter: Handbuch der gesamten Parfumerie und Kosmetik. Springer, 1927, ISBN 978-3-662-37394-1 (Reprint), S. 88.</ref> Heute werden industriell hergestellte Ersatzstoffe bei Herstellung von Parfüms und Seifen verwendet. Moschus enthält Bestandteile, die Strukturähnlichkeiten mit Pheromonen haben und aphrodisierend wirken sollen.<ref name="Johannes Friedrich Diehl">Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Literatur“ ist nicht vorhanden.</ref>
Moschusduft[Bearbeiten]
Als Bestandteil von Parfüms soll der Duft von Moschus eine „animalische“ und eine „strahlend-süße“ Duftnote vereinen. Das „animalische Element“ vermittle beim Menschen Wärme und damit Empfindungen der Geborgenheit sowie des sexuellen Reizes. Der Duftstoff soll dabei sparsam und unterhalb der Grenze bewusster Wahrnehmung eingesetzt werden.<ref>Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Internetquelle“ ist nicht vorhanden. In: Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Internetquelle“ ist nicht vorhanden. Skriptfehler: Ein solches Modul „DateTime“ ist nicht vorhanden. ehemals im Vorlage:Referrer (nicht mehr online verfügbar).Vorlage:Toter Link/Core (Seite nicht mehr abrufbar. Suche im Internet Archive)</ref> Moschusnoten werden nicht nur als Duftstoffe eingesetzt, sondern finden sich vereinzelt auch als Aromen in Lebensmitteln. So werden z. B. in Australien Süßigkeiten mit Moschusgeschmack vertrieben.<ref>Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Internetquelle“ ist nicht vorhanden. Ehemals im Vorlage:Referrer (nicht mehr online verfügbar)</ref><ref>Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Internetquelle“ ist nicht vorhanden. Ehemals im Vorlage:Referrer (nicht mehr online verfügbar) (Skriptfehler: Ein solches Modul „Multilingual“ ist nicht vorhanden.).Vorlage:Toter Link/Core (Seite nicht mehr abrufbar. Suche im Internet Archive)</ref>
Natürlicher Moschus[Bearbeiten]
Der deutsche Chemiker Heinrich Walbaum (1864–1946) konnte im Jahre 1906 die Hauptkomponente von Moschus in Form weißer Kristalle isolieren.<ref>H. Walbaum: Das natürliche Moschusaroma. In: Journal für Praktische Chemie. 73, 1906, S. 488, doi:10.1002/prac.19060730132.</ref> Er nannte die Verbindung Muscon, die Struktur wurde 1926 von Lavoslav Ružicka geklärt.<ref name="DOI10.1002/hlca.19260090197">L. Ruzicka: Zur Kenntnis des Kohlenstoffringes VII. Über die Konstitution des Muscons. In: Helvetica Chimica Acta. 9, 1926, S. 715, doi:10.1002/hlca.19260090197.</ref>
Moschus wurde früher auch zur Verfälschung des ebenfalls als Duftdroge gebrauchten Ambra verwendet. Moschus hingegen wurde mit trockenem Brot oder Bocksblut verfälscht.<ref>Otto Beßler: Prinzipien der Drogenkunde im Mittelalter. Aussage und Inhalt des Circa instans und Mainzer Gart. Mathematisch-naturwissenschaftliche Habilitationsschrift, Halle an der Saale 1959, S. 127.</ref> Natürliches Muscon wird aus Moschus gewonnen, der schon seit Jahrhunderten als Parfum dient. Es ist eine ölige Flüssigkeit, die in der Natur als Enantiomer (R)-(−)-3-Methylcyclopentadecanon vorgefunden wird. Ursprünglich wurde nur das Sekret aus einer Drüse am Bauch der Moschustiere vor den Geschlechtsorganen „Moschus“ genannt. Bereits im Altertum war Moschus über die Vermittlung durch die Perser bekannt; Moschushirsche lebten an den Ostgrenzen ihres Reiches.<ref name="Georg Schwedt">Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Literatur“ ist nicht vorhanden.</ref><ref name="Goutam Brahmachari">Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Literatur“ ist nicht vorhanden.</ref>
Der Begriff „Moschus“ wird auch auf Drüsensekrete anderer Tiere und auf Pflanzensäfte, die einen ähnlichen Geruch haben, angewandt.<ref>Ruth Spranger: Zur Verwendung des Moschus (Bisam) und seiner Ersatzstoffe in der mittelalterlichen Medizin, insbesondere im ‚Breslauer Arzneibuch‘. In: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen. Band 17, 1998, S. 181–186.</ref> Unter den Tieren sondern Moschusochsen, Moschusböcke, Bisamratten, Desmane und Moschusenten solchen „falschen Moschus“ ab; bei den Pflanzen sind dies beispielsweise der Abelmoschus, Olearia argophylla (australisches Bisamholz), die Duftende Bisamblume, die Gauklerblume, die Moschus-Malve, die Rosa moschata (gefüllte Sorten), das Moschuskraut oder die Muskatnuss.<ref>Eduard Martiny: Naturgeschichte der für die Heilkunde wichtigen Thiere... Leske, 1847, S. 75, eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden..</ref> Hypoestes moschata aus Australien sondert einen starken Moschusduft ab, sowie auch Trichilia moschata.<ref>The Victorian Naturalist. Band 8, Walker, May, 1892, S. 66.</ref><ref>Eduard Winkler: Vollständiges Real-Lexikon. Zweiter Band: M–Z, Brockhaus, 1842, S. 800.</ref>
Geschichte[Bearbeiten]
Die europäischen Medizinschriftsteller der Antike, so auch Dioskurides, Plinius und Galen, erwähnten den Moschus nicht. Erst die arabischen Ärzte berichteten über diese als äußerst kostbar angesehene Droge, die von einem in „Indien“, also im Himalaya, lebenden gazellenähnlichen Tier stamme, das „zwei weiße lange Zähne wie zwei Hörner“ habe. Im 4. Jahrhundert gelangte dann der mittelpersische Name muschk als muscus auch ins Abendland (so bei Hieronymus und später im Circa instans<ref>Martin-Dietrich Glessgen: Die Falkenheilkunde des ‹Moamin› im Spiegel ihrer volgarizzamenti. Studien zur Romania Arabica. Band I: Edition der neapolitanischen und der toskanischen Version mit philologischem Kommentar. Max Niemeyer, Tübingen 1996 (= Zeitschrift für romanische Philologie; Beihefte. Band 269), ISBN 3-484-52269-0, S. 882–884.</ref><ref>Konrad Goehl: Beobachtungen und Ergänzungen zum ‘Circa instans’. In: Medizinhistorische Mitteilungen. Zeitschrift für Wissenschaftsgeschichte und Fachprosaforschung. Band 34, 2015 (2016), S. 69–77, hier: S. 70.</ref>). Gemäß Zekert wurden besondere Zuckerzeltchen (Trochisci Aliptae moschatae) mit Moschus hergestellt.<ref>Otto Zekert (Hrsg.): Dispensatorium pro pharmacopoeis Viennensibus in Austria 1570. Hrsg. vom österreichischen Apothekerverein und der Gesellschaft für Geschichte der Pharmazie. Deutscher Apotheker-Verlag Hans Hösel, Berlin 1938, S. 158 (alipta muscata ist Mischung mit Moschus)</ref> Ein zusammengesetztes Arzneimittel (Kompositum), das meist in Form von Zeltchen (Trochisci) aufbewahrt bzw. angeboten wurde, wurde lateinisch Gallia muscata genannt und wurde unter Zusatz von Moschus – etwa nach dem Rezept eines Mesue – aus verschiedenen aromatischen Drogen hergestellt.<ref>Otto Beßler: Prinzipien der Drogenkunde im Mittelalter. Aussage und Inhalt des Circa instans und Mainzer Gart. Mathematisch-naturwissenschaftliche Habilitationsschrift, Halle an der Saale 1959, S. 188 (zu „Gallia muscata – ... eyn confeccio... von wolrichenden cruden und von musco“).</ref> Nach der Säftelehre wurde der Moschus als „warm und trocken im zweiten Grad“ eingestuft. Man schrieb ihm bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts zu, allgemein kräftigend und belebend sowie nervenstärkend und krampflösend zu wirken.
Quellen (Auswahl)[Bearbeiten]
- Arabisches Mittelalter Avicenna, 10.–11. Jh.<ref>Avicenna, 10.–11. Jh. Kanon der Medizin. Überarbeitung durch Andrea Alpago (1450–1521). Basel 1556. Buch II. Einfache Arzneimittel, Kapitel 460: De Muscho (Digitalisat).</ref> − − − Konstantin der Afrikaner, 11. Jh.<ref>Konstantin der Afrikaner. 11. Jh. Liber des gradibus simplicium = Übersetzung von Liber des gradibus simplicium des Ibn al-Dschazzar. 10. Jh. Druck. Opera. Basel 1536, S. 354, (Digitalisat).</ref> − − − Circa instans, 12. Jh.<ref>Circa instans, 12. Jh. Druck. Venedig 1497, Blatt 203v (Digitalisat).</ref> − − − Pseudo-Serapion, 13. Jh.<ref>Pseudo-Serapion, 13. Jh. Druck. Venedig 1497, Blatt 123r (Digitalisat)</ref> − − − Abu Muhammad ibn al-Baitar, 13. Jh.<ref>Abu Muhammad ibn al-Baitar, 13. Jh. Kitāb al-jāmiʿ li-mufradāt al-adwiya wa al-aghdhiya – Große Zusammenstellung über die Kräfte der bekannten einfachen Heil- und Nahrungsmittel. Übersetzung. Joseph Sontheimer unter dem Titel Große Zusammenstellung über die Kräfte der bekannten einfachen Heil- und Nahrungsmittel. Hallberger, Stuttgart Band II 1842, S. 513–516, (Digitalisat).</ref>
- Lateinisches Mittelalter Konrad von Megenberg, 14. Jh.<ref>Konrad von Megenberg, 14. Jh. Hauptquelle: Thomas von Cantimpré, Liber de natura rerum. Ausgabe. Franz Pfeiffer. Konrad von Megenberg. Buch der Natur. Aue, Stuttgart 1861, S. 151, (Digitalisat).</ref> − − − Gart der Gesundheit, Mainz 1485<ref>Gart der Gesundheit. Peter Schöffer, Mainz 1485, Kapitel 272, (Digitalisat).</ref> − − − Hortus sanitatis, Mainz 1491<ref>Hortus sanitatis. Jacobus Meydenbach, Mainz 1491, De animalibus, Kapitel 100 (Digitalisat).</ref> − − − Hieronymus Brunschwig, Straßburg 1512<ref>Hieronymus Brunschwig. Liber de arte distillandi de compositis. Johann Grüninger, Straßburg 1512, S. 80r (Digitalisat).</ref>
- 17.–18. Jahrhundert − − − Nicolas Lémery, 1699<ref>Nicolas Lémery: Dictionnaire universel des drogues simples, contenant leurs noms, origines, choix, principes, vertus, étymologies, et ce qu’il y a de particulier dans les animaux, dans les végétaux et dans les minéraux. Laurent d'Houry, Paris, 1699 Deutsche Übersetzung: Vollständiges Materialien-Lexicon. Vollständiges Materialien-Lexicon. Zu erst in Frantzösischer Sprache entworffen, nunmehro aber nach der dritten, um ein grosses vermehreten Edition […] ins Hochteutsche übersetzt / Von Christoph Friedrich Richtern, […]. Leipzig: Johann Friedrich Braun, 1721, S. 744–746 (Digitalisat).</ref> − − − Johann Baptista du Halde, 1749<ref>Johann Baptista du Halde. Ausführliche Beschreibung des Chinesischen Reichs und der grossen Tartarey. 3. Teil. Johann Christian Koppe, Rostock 1749, S. 517–519: Von dem Musc oder Bisam (Digitalisat)</ref> − − − William Cullen, 1781<ref>William Cullen. Lectures on the materia medica. Deutsch. J. P. Ebeling, Weygand, Leipzig 1781, S. 429, (Digitalisat).</ref>
- 19.–20. Jahrhundert − − − Philipp Lorenz Geiger 1839<ref>Philipp Lorenz Geiger: Pharmaceutische Zoologie. Winter, Heidelberg 2. Auflage 1839, S. 246–256: Moschus moschiferus (Digitalisat)</ref> − − − Theodor Husemann, 1883<ref>Theodor Husemann.: Handbuch der gesammten Arzneimittellehre. Springer, Berlin 1873–1875, Springer, 2. Auflage, Berlin 1883, Band II, S. 930–933 (Digitalisat) 3. Aufl., Springer, Berlin 1892, S. 490–492 (Digitalisat).</ref> − − − Hagers Handbuch der pharmazeutischen Praxis, 1920<ref>Hagers Handbuch der pharmazeutischen Praxis. 9. unveränderter Abdruck, Julius Springer, Berlin 1920, S. 406–409, (Digitalisat).</ref>
Anwendung im Sport[Bearbeiten]
Die orale Anwendung von Moschus gehört zur chinesischen Volksmedizin, erhöht den Testosteronspiegel und gilt daher als Doping. Das fanden Forscher des Kölner Anti-Doping-Labors eher zufällig heraus, die bei erhöhten Testosteronwerten die Personen nach der Quelle befragten und dann mit Hilfe des Kölner Zoos Original-Moschus testeten und die Aussagen überprüften.<ref>M. Thevis, W. Schänzer, H. Geyer u. a.: Traditional Chinese medicine and sports drug testing: identification of natural steroid administration in doping control urine samples resulting from musk (pod) extracts. In: Br. J. Sports Med. 47(2), 2013, S. 109–114, vgl. Arnd Krüger: Naturmedizin. In: Leistungssport. 42, 5, 2012, S. 31. (PDF).</ref>
Künstliche Moschus-Ersatzstoffe und künstlicher Moschus[Bearbeiten]
Künstliche Ersatzstoffe[Bearbeiten]
Die künstlichen Ersatzstoffe haben einen dem Moschus ähnlichen Duft. Sie gehören aber zu anderen Stoffklassen, d. h. diese Stoffe haben eine andere Molekülstruktur und kommen in der Regel nicht natürlich vor.
Nitroaromaten[Bearbeiten]
Dem Chemiker Albert Baur gelang 1888 als erstem die Herstellung eines Moschusduft-Ersatzstoffes.<ref name="Legrum">Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Literatur“ ist nicht vorhanden.</ref> Die erste von ihm synthetisierte und vertriebene Substanz, das „Musc Baur“, auch „Tonquinol“ genannt, war Ausgangspunkt einer ganzen Klasse von Moschusersatzstoffen, die zu den Nitroaromaten zählen. Albert Baur brachte noch drei weitere Nitroaromaten, auch als „nitro musks“ bezeichnet, auf den Markt: Das noch heute verwendete Moschus-Keton, das seit 2014 verbotene Moschusxylol und das Moschus-Ambrette.<ref name="Legrum" /> Diese künstlichen Ersatzstoffe sind allerdings nicht ganz unbedenklich.<ref>Künstliche Moschus-Duftstoffe (PDF), bei Greenpeace, abgerufen am 7. Juni 2018.</ref> Die Nitroaromaten Moschus-Ambrette, Moschus-Mosken und Moschus-Tibeten wurden daher 1995 bzw. 2000 in EU-Verordnungen verboten.<ref name="Legrum" />
Polycyclische Ersatzstoffe und ihre Umweltverträglichkeit[Bearbeiten]
Industriell werden für Kosmetika und die Parfümierung von Waschmitteln statt des natürlichen Moschus und statt der Nitroaromaten heute vor allem polycyclische Moschusersatzstoffe eingesetzt. Es handelt sich dabei meist um Gemische aus Substanzen mit den Handelsnamen Galaxolid (HHCB) und Tonalid, seltener auch Celestolid und Pantolid.<ref name="Peter Brandt">Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Literatur“ ist nicht vorhanden.</ref><ref name="Günter Fred Fuhrmann">Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Literatur“ ist nicht vorhanden.</ref>
Polycyclische Moschusersatzstoffe (vgl. Cashmeran) sind kaum wasserlöslich und haben eine geringe Polarität.<ref name="Umweltbundesamt">Umweltbundesamt: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Skriptfehler: Ein solches Modul „WLink“ ist nicht vorhanden. ( vom 12. November 2011 im Internet Archive) (PDF; 35 kB).</ref> Durch diese lipophilen Eigenschaften reichern sie sich im Fettgewebe an (Bioakkumulation).<ref name="Umweltbundesamt" /> Ihre Verwendung in Kosmetikprodukten ist daher umstritten. Aufgrund ihrer schweren Abbaubarkeit werden sie durch die Abwasseraufbereitungsprozesse in kommunalen Kläranlagen nur teilweise aus den Abwässern entfernt. Daher sind Galaxolid und Tonalid, untergeordnet auch Celestolid und Pantolid, in Wasser, Sedimenten und Schwebstoffen aller deutschen Flüsse nachweisbar.
Künstliches Muscon und künstlicher Moschus[Bearbeiten]
Heutzutage wird Muscon, der Hauptduftstoff des Moschus, und dem Moschus entsprechende Mischungen aus Gründen des Umwelt- und des Artenschutzes auch synthetisch hergestellt. Ähnlich den naturidentischen Aromen bei Lebensmitteln können durch möglichst naturidentische Duftstoffmischungen Nachteile naturfremder Stoffe (wie der Nitroaromaten) vermieden werden. Der Begehrtheit des tierischen Originalmoschus tut dies allerdings wenig Abbruch, vor allem, da er auch in der Traditionellen Chinesischen Medizin Bedeutung hat und dort kein synthetischer Ersatzstoff eingesetzt wird. Synthetisch hergestelltes Muscon ist ein Racemat, besteht also aus einem 1:1-Gemisch von (R)-(−)-3-Methylcyclopentadecanon und (S)-(+)-3-Methylcyclopentadecanon.<ref name="Schäfer" />
Zusammensetzung[Bearbeiten]
Die Zusammensetzung von Moschus ist variabel. Dabei wird häufig Muscon als Hauptduftstoff angegeben.
Als wichtige Bestandteile wurden Muscon, Heptadecanal, Prasteron-3-sulfat, Cholesta-3,5-dien, Cholest-2-en, Lanosteryltosylat, 4-Methyl-3α-cholest-4-en-3-ol, Cholesterinpentafluorpropionat, Cholestan-3-on, Cholest-4-en-3-on, Pentadecanal, Docosylpentafluorpropionat und Octadecyltrifluoracetat nachgewiesen.<ref>Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Literatur“ ist nicht vorhanden.</ref><ref>Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Literatur“ ist nicht vorhanden.</ref>
Diese Analyse variiert jedoch. So ergab die qualitative und quantitative Analyse der Zusammensetzung der wichtigsten Lipidbestandteile des Präputialdrüsensekrets des sibirischen Moschustiers (Moschus moschiferus) mit Hilfe der Hochleistungsflüssigkeitschromatographie, dass Sekretionslipide hauptsächlich aus freien Fettsäuren und Phenolen (10 %), Wachsen (38 %) und Steroiden (38 %) bestehen. Cholestanol, Cholesterin, Androsteron, Δ(4)-3α-Hydroxy-17-ketoandrosten, 5β, 3α-Hydroxy-17-ketoandrostan, 5α,3β,17α-Dihydroxyandrostan, 5β,3α,17β-Dihydroxyandrostan und 5β,3α,17α-Dihydroxyandrostan wurden nachgewiesen. 3-Methylpentadecanon (Muscon) wurde unter den Sekretionslipiden nicht identifiziert.<ref>Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Literatur“ ist nicht vorhanden.</ref>
Untersuchungen des Moschus von in Gefangenschaft lebenden, geschlechtsreifen männlichen Chinesischen Moschustieren vor und nach der Kopulation mit Gaschromatographie und Massenspektrometrie (GC/MS) ergaben die folgende Zusammensetzung.<ref>Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Literatur“ ist nicht vorhanden.</ref>
| Name | Summenformel | CAS-Nr. | Diethylether-Extrakt (%) | Ethylalkohol-Extrakt (%) | ||
|---|---|---|---|---|---|---|
| verpaart | unverpaart | verpaart | unverpaart | |||
| 1,1-Diethoxyethan (Acetal) | C6H14O2 | Vorlage:CASRN | 22,8 | 19,6 | – | – |
| m-Kresol | C7H8O | Vorlage:CASRN | 1,1 | 0,7 | 1,8 | 1,4 |
| 6-Methylheptan-1,6-diol | C8H18O2 | Vorlage:CASRN | 0,9 | 0,4 | 1,8 | 0,8 |
| 1,2,6-Hexantriol | C6H14O3 | Vorlage:CASRN | – | – | 0,3 | 1,4 |
| Phenylessigsäure | C8H8O2 | Vorlage:CASRN | 1,6 | 1,0 | 3,5 | 3,9 |
| 2,6,10,15-Tetramethylheptadecan | C21H44 | Vorlage:CASRN | 0,5 | 0,5 | – | – |
| 8-n-Hexylpentadecan | C21H44 | Vorlage:CASRN | 0,9 | 0,5 | – | – |
| 3-Methylcyclopentadecanon (Muscon) | C16H30O | Vorlage:CASRN | 18,6 | 22,6 | 26,2 | 35,8 |
| Normuscon | C15H28O | Vorlage:CASRN | 0,4 | 0,7 | 0,6 | 1,0 |
| (Z)-14-Methyl-8-hexadecenal | C17H32O | Vorlage:CASRN | 1,8 | 1,7 | 4,1 | 2,8 |
| Olealdehyd | C18H34O | Vorlage:CASRN | 0,4 | 0,3 | 1,5 | 0,9 |
| 12-Methyl-E,E-2,13-octadecadien-1-ol | C19H36O | – | 0,4 | 0,7 | 0,1 | 0,1 |
| 13-Tetradecenal | C14H26O | Vorlage:CASRN | 0,3 | 0,4 | 1,1 | 0,9 |
| Docosahexaensäure | C22H32O2 | Vorlage:CASRN | 0,4 | 0,2 | 3,1 | 2,2 |
| Prasteron-3-sulfat | C19H28O5S | Vorlage:CASRN | 0,9 | 0,4 | 12,1 | 9,0 |
| Resibufogenin | C24H32O4 | Vorlage:CASRN | – | 0,6 | – | – |
| 3α-Hydroxy-5β-androstan-17-on (Etiocholanolon) | C19H30O2 | Vorlage:CASRN | – | – | 11,1 | – |
| 5α-Androstan-3α,17β-diol | C19H32O2 | Vorlage:CASRN | 3,4 | – | 3,2 | 0,8 |
| Androsterontrifluoracetat | C21H29F3O3 | – | 1,0 | 0,9 | 2,1 | 1,3 |
| Dihydroandrosteron | C19H32O2 | – | – | – | 2,3 | 0,7 |
| 3-Ethyl-3-hydroxy-5α-androstan-17-on | C21H34O2 | Vorlage:CASRN | 21,6 | 13,0 | – | 5,3 |
| 2-tert-Butyl-4,6-bis(3,5-di-tert-butyl-4-hydroxybenzyl)phenol | C40H58O3 | Vorlage:CASRN | – | 1,1 | 1,4 | – |
| Cholesterol | C27H46O | Vorlage:CASRN | 11,4 | 12,4 | 8,7 | 9,4 |
| Cholestan-3-ol | C27H48O | Vorlage:CASRN | 3,1 | 8,1 | 2,4 | 5,6 |
| Cholest-7-en-3β-ol | C27H46O | Vorlage:CASRN | 0,6 | 1,5 | 0,5 | 1,0 |
| 4α-Methyl-5α-cholest-8(14)-en-3β-ol | C28H48O | Vorlage:CASRN | – | 0,7 | – | 0,4 |
Literatur und Medien[Bearbeiten]
- Lukas Schröck: Historia moschi. Ad normam academiæ naturæ curiosorum conscripta. Göbel, Augsburg 1682.
- E. Th. Guericke: De moscho. Erfurt 1776.
- Tilman Achtnich: Der Geruch des Todes. Moschus – vom teuersten Duft der Welt. Südwestrundfunk, 2001 (Filmdokumentation).
- D. J. Rowe: Chemistry and technology of flavors and fragrances. Blackwell, Oxford u. a. 2005, S. 143–165 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).
Weblinks[Bearbeiten]
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Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references />