Murchison (Meteorit)
Murchison ist ein CM2-Chondrit, der am 28. September 1969 in der Nähe von Murchison in Victoria, Australien, fiel. Es wurden etwa 100 kg an Material von diesem Meteoriten geborgen.
Murchison ist ein sehr primitiver kohliger Chondrit und damit für die Forschung besonders interessant, da das Material von Murchison zu den ursprünglichsten Stoffen des Sonnensystems gehört, welches zur Verfügung steht. Dementsprechend oft wurde er untersucht. In diesem Meteoriten wurden sehr viele organische Verbindungen entdeckt, darunter auch Aminosäuren, welche für biologische Prozesse des irdischen Lebens wichtig sind. Außerdem wurden Diaminosäuren nachgewiesen, die als Vorläufer des ersten genetischen Materials auf der Erde diskutiert werden.<ref name="Meierhenrich" /> Dies war der erste Nachweis von Aminosäuren in extraterrestrischem Material.<ref name="diamino acids" /> Wichtig war hier auch, dass die Fragmente nach dem beobachteten Fall schnell aufgesammelt wurden, sodass eine Verunreinigung mit irdischem Material weitgehend verhindert wurde.
Daneben konnten in diesem Meteoriten bisher rund 40 verschiedene Minerale bzw. deren Varietäten nachgewiesen werden (Stand 2026). Für die Minerale Machiit, Warkit und der nach dem Meteoriten benannte Murchisit gilt der Meteorit zudem als Typlokalität.<ref name="Typlokalität" /> Weitere Mineralfunde sind unter anderem Calcit, Chromit, Diamant, gediegenes Eisen und dessen nickelhaltige Varietät Kamacit (Balkeneisen), Eskolait, Graphit, Greenalith, Nephelin, Nierit, Pentlandit, Perowskit, Schreibersit, Spinell, Tochilinit und Whewellit sowie verschiedene Olivine, Klionpyroxene (Davisit-reiche Diopsid-Kushiroit-Grossmanit-Mischkristalle<ref name="Simon et al. 1996" />) und Serpentine.<ref name="Typlokalität" /> Eine weitere Besonderheit ist der Nachweis von Fullerenen.<ref name="Fullerene" />
Im Januar 2020 veröffentlichten Wissenschaftler in der Fachzeitschrift PNAS Forschungsergebnisse, denen zufolge Siliciumcarbid-Partikel des im Murchison-Meteoriten enthaltenen Sternenstaubs vor etwa sieben Milliarden Jahren entstanden und der Meteorit damit präsolare Minerale enthält – das älteste Material, das bis dato auf der Erde gefunden wurde.<ref name="Heck2020" /><ref name="Temming" /><ref name="Sciencedaily" /><ref name="Weisberger" />
Im April 2022 wurde eine vervollständigte Liste der Nukleinsäurebasen veröffentlicht, die in dem Meteoriten gefunden wurden.<ref name="Oba2022" /><ref name="Podbregar" />
Weblinks[Bearbeiten]
- Eintragung in der Datenbank des Meteoritical Bulletin
- Sarah S. Zeichner, José C. Aponte, Surjyendu Bhattacharjee, Guannan Dong, John M. Eiler et al.: Polycyclic aromatic hydrocarbons in samples of Ryugu formed in the interstellar medium. In: Science, Band 382, Nr. 6677, 21. Dezember 2023, S. 1411–1416; doi:10.1126/science.adg6304 (englisch). Dazu:
- Enrico de Lazaro: Polycyclic Aromatic Hydrocarbons in Asteroids Predate Our Solar System, New Study Shows. Auf: Sci.News vom 22. Dezember 2023.
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references> <ref name="diamino acids"> </ref> <ref name="Fullerene"> </ref> <ref name="Heck2020"> Philipp R. Heck, Jennika Greer, Levke Kööp, Reto Trappitsch, Frank Gyngard: Lifetimes of interstellar dust from cosmic ray exposure ages of presolar silicon carbide. In: Proceedings of the National Academy of Sciences. 10. Januar 2020, ISSN 0027-8424, doi:10.1073/pnas.1904573117, PMID 31932423. </ref> <ref name="Meierhenrich"> Uwe Meierhenrich: Amino Acids and the Asymmetry of Life. Springer, Berlin, Heidelberg 2008, ISBN 978-3-540-76885-2. </ref> <ref name="Oba2022"> </ref> <ref name="Podbregar"> Nadja Podbregar: DNA-Basen in Meteoriten entdeckt. Cytosin und Thymin vervollständigen Nachweis aller fünf Erbgut-Buchstaben in Meteoriten. In: scinexx.de. 27. April 2022, abgerufen am 26. September 2026. </ref> <ref name="Sciencedaily"> Meteorite contains the oldest material on Earth: 7-billion-year-old stardust: The ancient stardust reveals a 'baby boom' in star formation. In: sciencedaily.com. Field Museum, 14. Februar 2020, abgerufen am 26. September 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Simon et al. 1996"> Steven B. Simon, Andrew M. Davis, Lawrence Grossman: A unique ultrarefractory inclusion from the Murchison meteorite. In: Meteoritics & Planelay Science. Band 31, 1996, S. 106–115, doi:10.1111/j.1945-5100.1996.tb02060.x. </ref> <ref name="Temming"> Maria Temming: This ancient stardust is the oldest ever to be examined in a lab. In: sciencenews.org. Science News, 13. Januar 2020, abgerufen am 26. September 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Typlokalität"> Typlokalität Murchison-Meteorit beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 26. September 2026. </ref> <ref name="Weisberger"> Mindy Weisberger: 7 Billion-Year-Old Stardust Is Oldest Material Found on Earth. In: Live Science. 13. Januar 2020, abgerufen am 26. September 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> </references>