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Musketier mit Hieb und Stich

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Produktionsland Frankreich, Italien, Rumänien
Originalsprache Französisch
Erscheinungsjahr 1971
Länge 98 Minuten
Altersfreigabe
Stab
Regie Jean-Paul Rappeneau
Drehbuch Jean-Paul Rappeneau
Maurice Clavel
Claude Sautet
Daniel Boulanger
Produktion Alain Poiré
Musik Michel Legrand
Kamera Claude Renoir
Schnitt Pierre Gillette
Besetzung

Musketier mit Hieb und Stich (Originaltitel: Les Mariés de l’an Deux) ist ein Abenteuerfilm von Jean-Paul Rappeneau, der in Frankreich am 24. April 1971, in der Bundesrepublik Deutschland am 14. September 1972 in die Kinos kam. Bundesdeutscher Fernsehtitel war Der Teufelskerl, der DDR-Verleihtitel Das Brautpaar des Jahres II.

Handlung[Bearbeiten]

South Carolina, im Herbst 1793: Sechs Jahre nach seiner Ankunft in den jungen USA, als blinder Passagier an Bord eines Schiffes der französischen Ostindienkompanie, hat es hat es der gebürtige Franzose Nicolas Philibert mit Getreidehandel zu einem Vermögen gebracht. Jetzt ist er im Begriff, Margaret Davison, die Tochter des reichsten örtlichen Großhändlers und Großreeders, zu ehelichen. Vor dem Traualtar stellt sich jedoch heraus, dass Nicolas bereits seit sieben Jahren in Frankreich verheiratet ist. Doch der Pastor weiß Rat: Dank der Französischen Revolution existiert in der alten Heimat des verhinderten Bräutigams seit kurzem das Institut der Zivilscheidung. Nicolas müsste nur nach Frankreich reisen und dort seine bisherige Ehe auflösen lassen, um seine offenbar nicht-katholische Braut (für gläubige Katholiken ist das Ehesakrament bzw. Eheband nicht zivilrechtlich auflösbar) doch noch zu heiraten.

Gesagt, getan: Mit 1000 Doppelzentnern Weizen an Bord, segelt Nicolas alsbald nach Nantes, um nicht nur seinem privaten Glück auf die Beine zu helfen, sondern um mit der kriegsgebeutelten und hungernden Grande Nation lukrative Geschäfte abzuschließen. Kaum in Frankreich angelangt, wo man inzwischen das Jahr II republikanischer Zeitrechnung schreibt, erhält Nicolas' Optimismus gleich mehrere Dämpfer: Tot im Hafenbecken treibende Zivilisten verweisen auf das Terrorregime jakobinischer Fanatiker; kaum an Land, verhaftet man Nicolas als vermeintlichen englischen Spion und der paranoide oberste Volksvertreter (eine Karikatur des brutalen Représentant en mission Jean-Baptiste Carrier) verdächtigt ihn, mit seinem angeblich vergiftetem Weizen das Volk vernichten zu wollen. So nimmt denn Nicolas bei erster sich bietenden Gelegenheit Reißaus. Bei einer Zufallsbegegnung mit Jugendfreund Simon, inzwischen Offizier der Nationalgarde, kommt schließlich Nicolas' Grund seiner Auswanderung nach Amerika zur Sprache: Noch zu Zeiten des Ancien Régime tötete er, rund ein Jahr nach seiner im Februar 1786 gehaltenen Hochzeit, einen adeligen Nebenbuhler und floh im Frühjahr 1787 nach Amerika – unter Zurücklassung seiner (mutmaßlich untreuen) Gattin Charlotte. Im weiteren Verlauf der Handlung ist zu erfahren, dass die Eheleute zugleich Ziehgeschwister sind. Denn Nicolas wurde als Findelkind am Namenstag des heiligen Philibert von dem Weinhändler Gosselin gefunden und gemeinsam mit dessen Tochter Charlotte aufgezogen. Noch im Kindesalter hatte ihnen eine Zigeunerin geweissagt, dass Charlotte einmal eine Prinzessin werden und Nicolas sein Glück in einer neuen Welt machen würde.

Auf der Suche nach Charlotte stößt Nicolas auf die adelige Pauline de Guérandes. Ihr rettet er das Leben, als sie auf einer Revolutionsfeier mit einem Anschlag auf den obersten Volksvertreter scheitert. Pauline gelingt mit einigen Gefährten die Flucht, während Nicolas vor einem Revolutionstribunal landet, bei dem sogar der Anwalt die Todesstrafe für seinen Mandanten fordert. Einmal mehr gelingt Nicolas die Flucht, die ihn nun, jetzt als falscher Adeliger, in die Arme der königstreuen Chouans treibt. Dort trifft er abermals auf Pauline. Deren Bruder, der Marquis Henri de Guérandes, führt in Grand-Champ eine große Schar der Aufständischen an – und ist zudem Charlottes Liebhaber. Diese hofft seit drei Jahren vergebens auf eine Hochzeit und hat dazu ihren ersten Mann, Nicolas, wahrheitswidrig für tot erklärt. Erst das Erscheinen eines in Charlotte verliebten (namenlos bleibenden) älteren Prinzen und Seigneurs motiviert den Marquis, die Hochzeit mit seiner Kurtisane bereits auf den nächsten Morgen anzusetzen. Daraufhin erklärt die ganz offensichtlich eifersüchtige Pauline, ebenfalls am nächsten Tag heiraten zu wollen – den ihr kaum bekannten Nicolas. Bald wird dem Zuschauer klar, dass Pauline und Henri de Guérandes ein inzestiöses Liebesverhältnis verbindet, das sie als Blutsgeschwister, anders als die Ziehgeschwister Nicolas und Charlotte, jedoch nicht ausleben dürfen. Als Nicolas sein inkognito schließlich aufgibt, nutzen er und Charlotte die daraus entstehende kurzeitige allgemeine Verwirrung zur Flucht. Während Pauline und Henri de Guérandes nun einer ungewissen Zukunft entgegenreiten, gelangen Charlotte und Nicolas zurück nach Nantes. Unter Mitwirkung des als Bürger verkleideten Prinzen, unterzeichnen sie, inmitten eines aus der Verhaftung des Volksvertreters durch Gesandte des Pariser Wohlfahrtsaussschusses entstehenden Tumults, endlich die ersehnte Scheidungsurkunde.

Dieweil sich Charlotte mit dem ältlichen Prinzen davonmacht, gelangt Nicolos zurück auf sein Schiff. Gosselin hat die Weizenladung inzwischen für 7000 Livres in Gold verkauft (statt für wertlose Assignaten), 700 Fässer Rot- und Weißwein zum Verkauf an Bord genommen und die Rückkehr nach Amerika vorbereitet. Als noch im Hafen ein Windstoß das Scheidungspapier ins Meer hinausträgt, scheint alle Mühe vergebens gewesen zu sein. Tatsächlich stopft sich Nicolas rasch die Taschen mit Geld voll und schwimmt dann zurück an Land – abermals auf der Suche nach Charlotte. Er erfährt, dass sich der Prinz mit ihr nach Koblenz absetzen will, dem Hauptquartier der royalistischen Emigrantenarmee. Bei Zabern im Elsass (im Film französisch Saverne genannt) entführt er sie hinter die Linien der feindlichen Österreicher. Nicolas, der inzwischen beschlossen hat, in seiner von inneren und äußeren Feinden bedrohten Heimat Frankreich zu bleiben, verfolgt beide hartnäckig. Dabei reißt er ungewollt die bedrängten Truppen der jungen Republik zu einem erfolgreichen Angriff mit.

Fünfzehn Jahre später: Gegen alle Wahrscheinlichkeit sind Charlotte und Philibert noch immer vereint, streitlustig, aber glücklich. Mit ihren beiden Kindern residieren sie sogar auf einem eigenen Schloss. Denn die Prophezeiung aus Kindertagen hat sich erfüllt, wenn auch auf gänzlich andere Weise, als zunächst zu erwarten war: Nicolas machte als Kriegsheld in der neuen Welt des Ersten Kaiserreichs sein Glück und wurde Marschall von Frankreich. Als ihn Napoleon 1809 zum Fürsten (französisch Prince) erhebt, steigt damit auch seine Gattin Charlotte zur Prinzessin auf.

Besetzung[Bearbeiten]

Jean-Paul Rappeneau wollte ursprünglich Claude Jade und Michel Duchaussoy für das inzestuöse Geschwisterpaar besetzen. Er entschied sich dann als Kontrast zum Paar Belmondo/Jobert für das dunkelhaarige Paar Laura Antonelli (damals Belmondos Verlobte) und Sami Frey. Der junge Patrick Dewaere ist in einer kleinen Nebenrolle als Revolutionsfreiwilliger zu sehen.

Produktion[Bearbeiten]

Ein Großteil des Films entstand, aufgrund der dortigen niedrigen Kosten, in Rumänien. Als Kulisse des Rathauses von Nantes diente allerdings Schloss Compiègne. Ein weiterer Drehort für Außenaufnahmen war hinter der Kirche Notre-Dame-de-la-Nativité in Moret-sur-Loing, am Ufer des Loing.

Verleihtitel[Bearbeiten]

Der Originaltitel war bei wörtlicher Übersetzung nach Auffassung des westdeutschen Verleihs für das deutschsprachige Durchschnittspublikum weitgehend unverständlich, denn die Zählung des Revolutionskalenders (römische Zahlen, beginnend mit der Kanonade von Valmy von 1792, also an II „Jahr 2“ d. h. 1793) ist in Deutschland weitgehend unbekannt. Um den Zuschauern zumindest klarzumachen, dass es sich um einen Abenteuerfilm handelte, kam der Verleih auf den Zusatz Musketier. Die Musketiere der Garde waren zur Zeit der Filmhandlung jedoch bereits aufgelöst und die einzigen im Film gezeigten Musketiere waren die österreichischen Linieninfanteristen.

Im englischen Sprachraum wählte man für die Vermarktung aus ähnlichen Überlegungen The Scarlet Buccaneer, The Scoundrel und The Swashbuckler.

Beim Progress Film-Verleih entschied man sich hingegen für eine wörtliche Übersetzung des Titels der beim Studio für Synchronisation der DEFA erstellten DDR-Fassung (Sprecher: Kurt Kachlicki, Helga Piur, Winfried Wagner, Barbara Adolph, Martin Flörchinger, Helmut Müller-Lankow, Hans-Peter Minetti, Wolfgang Lohse; Dialoge: Manfred Heidicke; Regie: Hella Graf; Schnitt: Katarina Klafki; Ton: Heinz Baldin).<ref>Progress-Filmheft 27/73: Das Brautpaar des Jahres II.</ref>

Kritiken[Bearbeiten]

„Gute Unterhaltung in einem handfesten, geschickt und mit einigem Witz arrangierten Abenteuerfilm“, urteilte das Lexikon des internationalen Films.<ref>Musketier mit Hieb und Stich. In: Lexikon des internationalen Films. Filmdienst, abgerufen am 19. Februar 2020.</ref>

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Der Film war 1971 für die Goldene Palme in Cannes nominiert.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references />

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