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Mutwille

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Datei:Hans Deiters 001.jpg
Hans Deiters: Mutwille (der sein Füllhorn ausgießt), Residenztheater Wiesbaden

Der Mutwille ist im heutigen Verständnis eine „absichtliche, bewusste, vorsätzliche Boshaftigkeit oder Leichtfertigkeit“ (Online-Duden<ref>Online Duden.</ref>). Im Deutschen Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm wird Mutwille auf den „treibenden oder bewegenden Willen“ zurückgeführt,<ref name="DWB">Vorlage:Deutsches Wörterbuch</ref> wobei mehrere Bedeutungen historisch nachweisbar sind. Johann Christoph Adelung spricht von „einer Art der Freywilligkeit in bösen Dingen“.<ref>Johann Christoph Adelung. In: Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart. Wien 1811.</ref>

„Mutwille ist eigentlich Wille des Mutes, d. i. der Gesinnung, Stimmung; mutwillig ist also einer, der sich nach keinem anderen Willen richtet, als nach dem seiner eigenen Stimmung.<ref>So ähnlich auch Johann Christoph Adelung in: Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart. Wien 1811.</ref> Der Mutwillige beschränkt also sein inneres Kraftgefühl in keiner Weise, sondern läßt ihm völlig die Zügel schießen. In dieser ursprünglichen Bedeutung ist das Wort gleichviel mit Übermut, übermütig. Man sagt z. B.: das Füllen springt mutwillig umher, junge mutwillige Mädchen usw. Die Steigerung des Mutwillens sei der Frevel.“<ref>Siehe Johann August Eberhard. In: Synonymisches Handwörterbuch der deutschen Sprache für alle, die sich in dieser Sprache richtig ausdrücken wollen. Nebst einer ausführlichen Anweisung zum nützlichen Gebrauche desselben. Halle 1802; 13. Auflage von Lyon und Wilbrandt, Leipzig 1882. textlog.de 1910.</ref>

Im heutigen Sprachgebrauch ist überwiegend nur noch das Adjektiv mutwillig (als Gegensatz zu fahrlässig) in Verwendung, etwa in der Bezeichnung einer Tat als mutwilliger Zerstörung.

Wortbedeutung[Bearbeiten]

Das Wort Mut findet sich im Althochdeutschen und im Mittelhochdeutschen als muot mit der Bedeutung „Kraft des Denkens, Gemütszustand, Gesinnung“.

Wille lautete mittelhochdeutschen wille, althochdeutsch willo, germanisch *weljōn und bedeutete „gerichtete Handlung, bestimmendes Streben“. Das Wort ist seit dem 8. Jahrhundert belegt.<ref>Wille. In: Friedrich Kluge, bearbeitet von Elmar Seebold: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 24., durchgesehene und erweiterte Auflage. Walter de Gruyter, Berlin / New York 2001, ISBN 978-3-11-017473-1, S. 990.</ref>

Die weite Bedeutung des Wortes Mutwille auch in heutiger Zeit zeigt sich unter anderem in den dafür verwendbaren Synonymen wie z. B.: Ausgelassenheit, Absichtlichkeit, Ausschweifung, ausgelassene Fröhlichkeit, Frechheit, Gedankenlosigkeit, Humor, Intentionalität, Leichtsinn, Sorglosigkeit, Tollheit, Trotz, Unachtsamkeit, Unbedachtsamkeit, Unbekümmertheit, Unbesonnenheit, Überhebung, Übermut, Überschwänglichkeit, Zügellosigkeit, zügellose Laune, zügellose Lebensweise etc.

Die Mutwillensstrafe ist die Strafe für mutwilliges Handeln oder Verhalten.

Mutwille im Recht[Bearbeiten]

Das Deutsche Rechtswörterbuch (DRW) kennt mehrere Bedeutungen des Wortes Mutwillen bzw. Mutwilligkeit etc., wobei ab der Zeit um etwa 1400 vor allem das Verständnis im heutigen Sinne vorzuherrschen beginnt, während zuvor die Bedeutung negativer (im Sinne von Frevel, Rechtsbruch, Boshaftigkeit etc.) aber auch positiver (Mut) oder abgeschwächt (z. B. im Sinne von Streich) besetzt war.<ref>Siehe auch Johann Christoph Adelung in: Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart. Wien 1811.</ref> Im Sachsenspiegel (1220/1230) wird bereits Mutwillen als ein Gegensatz zu Recht und Gesetz gesehen.<ref>Siehe z. B.: Sachsensp. 1, 62, 7.</ref> Sowohl das DRW als auch das Deutsche Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm kennen den Begriff „in Mutwillen treiben“ auch im Sinne und als Umschreibung von „Unzucht treiben“, Notzucht treiben bzw. „in Wollust leben“ (siehe auch in der Bibel, Genesis, 39,17: „Der hebräische Sklave, den du uns gebracht hast, ist zu mir gekommen, um mit mir seinen Mutwillen zu treiben“ und Buch der Richter, 19.25: „Sie missbrauchten sie und trieben die ganze Nacht hindurch bis zum Morgen ihren Mutwillen mit ihr“).<ref>Siehe auch: Gen 49,5–7; Ri 20,6; Es. 30,12; Dan. 6,17; Ps. 140,9 (in verschiedenen Übersetzungen teilweise andere Worte gewählt).</ref>

In Varianten des Vorsatzbegriffes (Absicht, Wissentlichkeit, Ueberlegung, Böswilligkeit, Bosheit, Mutwille, Freventlichkeit und Arglist) von Hans-Heinrich Borchard<ref>Hans-Heinrich Borchard, Göttingen 1921, juristische Dissertation.</ref> wird der Mutwillen in einem engen Verständnis verwendet.

Biologie[Bearbeiten]

Der Name der Pflanze Raue Nelke (Dianthus armeria) soll nach Philipp Andreas Nemnich (1764–1822) und Hieronymus Bock (1498–1554) „an etlichen orten Mutwillen und Hochmut“ genannt worden sein.<ref name="DWB" />

Weblinks[Bearbeiten]

Wiktionary: Mutwille – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Wiktionary: mutwillig – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references />