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Narmer

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colspan="2" style="background:#Vorlage:Ägyptologie Farbe; color:inherit; padding: 0 .5em;"| Namen von Narmer
colspan="2" class="center" style="padding: .2em; font-size:11px; color:#Vorlage:Ägyptologie Farbe;" | Datei:King Narmer.jpg
Darstellung des Narmer (Prunkpalette des Narmer)
style="background:#Vorlage:Ägyptologie Farbe; color:inherit; padding: 0 .5em;" | Horusname
<hiero>G5</hiero> Datei:Narmer-catfish.png <hiero>U23</hiero> Datei:Srxtail2 transparent.svg
Nar-mer<ref name="WoHe" />
Nˁr-mr
Furchterregender Wels<ref name="WoHe" />

<hiero>G5</hiero> Datei:Narmer-catfish.png <hiero>U23-G47</hiero> Datei:Srxtail2 transparent.svg
Narmer-tjai
Nˁrmr-ṯ3j
Narmer, der Männliche<ref name="RaHa" />

Narmer (eigentlich Hor-Narmer) ist der Name eines altägyptischen Königs (Pharao) der Frühdynastischen Periode. Er war nach Meinung einiger Ägyptologen der letzte König der sogenannten 0. Dynastie oder, nach Meinung anderer Forscher, der erste Herrscher der 1. Dynastie. Narmer war der Vorgänger von König Hor-Aha. Er regierte ungefähr zwischen 3100 und 3000 v. Chr. und ist vielleicht mit dem legendären Ahnenkönig Menes späterer Quellen gleichzusetzen.<ref>Nicolas Christophe Grimal: A history of Ancient Egypt. Oxford u. a. 1994, S. 36–39.</ref>

Obgleich Narmer archäologisch sehr gut belegt ist (selbst über die Grenzen Ägyptens hinaus), weiß man über die Herkunft und Identität dieses Herrschers noch immer wenig, weshalb viele kontroverse Thesen um ihn aufgestellt wurden. Weder ist bekannt, mit wem er liiert war, noch, wie lange er geherrscht hat. Zeitgenössische Artefakte legen zumindest nahe, dass Narmer vor allem militärisch sehr aktiv war und viele Fürstentümer unter sich vereinte. Er war auch außenpolitisch aktiv und unterhielt Handelskontakte zur Levante und bekämpfte zahlreiche fremdländische Völker, die regelmäßig in Ägypten einzufallen versuchten. Zu den bedeutendsten Funden aus Narmers Epoche zählen vor allem seine Prunkpalette und sein Prunkkeulenknauf.

Name und Identität[Bearbeiten]

Zum Horusnamen[Bearbeiten]

Datei:Narmer Palette verso serekh.png
Narmers Serech auf seiner Prunkpalette.

Narmer ist ausschließlich durch seinen Horusnamen belegt. Unter Narmer und seinem Vorgänger, König Ka, setzte sich die Tradition durch, den Namen des Königs innerhalb des sogenannten Serechs einzutragen und den Falkengott Horus darüber zu platzieren. Narmers Horusname setzt sich für gewöhnlich aus den Gardiner-Zeichen K13 und U23 zusammen. Dabei wurde K13 lange Zeit als Darstellung des Zitterwelses (Malapterurus electricus) identifiziert. Neuere Untersuchungen favorisieren hingegen den Wunduwels (Heterobranchus longifilis).<ref>Douglas J. Brewer, Renée F. Friedman: Fish and fishing in ancient Egypt. The American University Press in Cairo, Kairo 1990, ISBN 977-424-224-6, S. 63.</ref> Das zweite Zeichen, U23, zeigt einen Kupfermeißel. Obwohl Narmers Name schon lange bekannt ist, konnte er bis heute nicht zufriedenstellend übersetzt werden. Besonders die Phonetik des sogenannten Nar-Welses, des Wappentiers des Herrschers, bereitet Linguisten und Ägyptologen gleichermaßen Schwierigkeiten. Was der Wels symbolisch bedeutet, ist völlig unbekannt, für das Meißel-Symbol bieten sich mehrere Transkribierungs- und Lesungsmöglichkeiten an.<ref name="JoFi">Joachim Friedrich Quack: Zum Lautwert von Gardiner Sign-List U 23. In: Lingua Aegyptia – Studia Monographica. 11. Band. Widmaier, Hamburg 2003, ISSN 0946-8641, S. 113–116.</ref>

Als gängigste Lesung ist heute „Narmer“ (beziehungsweise „Hor-Narmer“) akzeptiert, als gängigste Deutung hat sich gemeinhin „Wütender Wels“ oder „Furchterregender Wels“ durchgesetzt<ref name="WoHe">Wolfgang Helck: Geschichte des Alten Ägypten. Brill, Leiden 1981, ISBN 90-04-06497-4, S. 22.</ref>, obgleich es von jeher Vorschläge von abweichenden Lesungen gab.<ref>Gérard Godron: A propos du nom royal. In: Annales du service des antiquités de l’Égypte. (ASAE) Band 49, Ausgabe 1976, S. 217 ff. und S. 547.; Vladimir Vikentieff: NAR-BA-THAI. In: Journal of Egyptian Archaeology. (JEA) Nr. 17, S. 67 ff (Digitalisat).</ref> Hartwig Altenmüller erklärt in diesem Zusammenhang das bisher zumeist angewendete Rebusprinzip, woraus sich durch das Aneinanderfügen der Begriffe „nar“ (für den Wels) und „m(eh)er“ (für den Meißel) die gängige Lesung als „Narmer“ ergab.<ref name="A59" /><ref name="JoFi" />

Altenmüller nennt allerdings noch eine alternative Lesung des Welses als „sab“ statt „nar“ und verweist auf zwischenzeitliche Zweifel anderer Ägyptologen hinsichtlich der bisherigen Übersetzung.<ref name="A59">Hartwig Altenmüller: Einführung in die Hieroglyphenschrift. Buske, Hamburg 2005, ISBN 3-87548-373-1, S. 59.</ref> Er folgt dabei Gelehrten wie Gérard Godron, Gunnar Sperveslage und Thomas C. Heagy, die ihrerseits zum Einen auf mehrere Tonsiegelabdrücke verweisen, die statt des gewohnten Welses ein stark abweichendes Zeichen zeigen. Dieses Zeichen weist einen elegant herabhängenden Tierschwanz auf und stellt sehr wahrscheinlich einen Tierbalg dar. Dieser wird tatsächlich „sab“ gelesen. Des Weiteren machen die Gelehrten darauf aufmerksam, dass das Kupfermeißel-Symbol U23 auch „abu“ gelesen werden kann. Insgesamt käme also auch eine Lesung von Narmers Namen als „Hor-Sab“ oder „Hor-Sabu“ in Frage.<ref>Gunnar Sperveslage, Thomas C. Heagy: A Tail’s Tale: Narmer, the Catfish, and Bovine Symbolism. In: The Journal of Egyptian Archaeology. Heft 109, Juli 2023. Egypt Exploration Society, ISSN 0307-5133, S. 65–75.</ref>

Eine ganz außergewöhnliche Deutung schlagen die französischen Ägyptologen Gérard Godron und Janine Monnet Saleh vor: sie lesen „Meher-Naru“ und übersetzen dies mit „Geliebter der Naru-Welsgötter“. Bei diesen Naru handelte es sich um Unterweltgötter im Dienste der Gottheiten Aker und Ra. In ganz ähnliche Richtung tendiert auch Winfried Barta, der eine Übersetzung als „Horus gehört zum Welsgott (Naru)“ vorschlägt.<ref>Ronald J. Leprohon: The Great Name: Ancient Egyptian Royal Titulary. (= Writings from the ancient world. Band 33). SBL Press, Atlanta 2013, ISBN 978-1-58983-736-2, S. 22–23.</ref><ref>András Bácskay, Erika Roboz: Motifs of Smiting in the Syro-Palestinian Iconography: Proofs of Intercultural Exchange between Egypt and the Levantine Region (A Comparative Study). University Press, Budapest 2021, S. 17–21 u. 66–68.</ref>

Narmers Horusname ist bereits auf zeitgenössischen Artefakten in abweichenden Varianten überliefert. So erscheint der Nar-Wels auf Gefäßritzungen gebrannter Tonvasen oft allein im Serech, wobei die Lesung des Symbols aufgrund mangelnder Details oft sehr unsicher ist. Auf mehreren Tonsiegelabdrücken hingegen erscheint der volle Horusname gemeinsam mit dem Gardiner-Zeichen G47 (piepsendes Entenküken) innerhalb des Serechs. Das Küken-Symbol wird tjai gelesen und bedeutet „männlich“ oder „dominant“. Es bleibt allerdings unklar, ob es sich um ein funktionelles Epitheton, oder nur um einen angehängten Titel mit ehrender Funktion handelt.<ref name="RaHa">Rainer Hannig: Die Sprache der Pharaonen (2800–950 v. Chr.) Teil 1: Großes Handwörterbuch, Ägyptisch – Deutsch. von Zabern, Mainz 1995, ISBN 3-8053-1771-9, S. 1253.</ref>

Aus einem Grab bei Tarchan (Grab 1100) stammt ein Gefäß, das ebenfalls eine ungewöhnliche Variante des Namens von Narmer aufweist.<ref>The Narmer Catalog: Inscription 0109. Auf: narmer.org ; zuletzt abgerufen am 4. Juli 2017.</ref> Unter dem Wels im Serech ist ein Zeichen zu sehen, das nach Meinung des Ägyptologen Wolfgang Helck entweder Gardiner-Zeichen U6 (eine Harke) oder U13 (ein Scharpflug) darstellt.<ref>Wolfgang Helck: Untersuchungen zur Thinitenzeit. Harrassowitz, Wiesbaden 1987, ISBN 3-447-02677-4, S. 90 (online).</ref> Edwin van den Brink hingegen, der die Serech-Schreibweise der Frühzeit untersuchte, kam zu dem Schluss, dass es sich hierbei vielleicht um den Namen eines anderen Herrschers aus früherer Epoche handeln könnte.<ref>Edwin C. M. van den Brink: The Pottery-Incised Serekh-Signs of Dynasties 0-1. Part 11: Fragments and Additional Complete Vessels. in Archéo-Nil: Revue de la société pour l’étude des cultures prépharaoniques de la vallée du Nil- Band 11, Dezember 2001. Société pour l'étude des cultures prépharaoniques de la vallée du Nil, Paris & Peeters Publishers, Leuven 2001, ISSN 1161-0492 (Volltext als PDF).</ref>

Gleichsetzung mit Menes[Bearbeiten]

Datei:Narmer-Menes seal impression.svg
Tonsiegelabdruck mit Narmers Serech und der Zeichengruppe Mn im Wechsel.

In der altägyptischen Ahnenkultur gilt König Menes als vergöttlichter Gründervater Ägyptens. Es gibt kaum eine Königsliste, die ihn nicht auflisten und ehren würde (Ausnahme bildet die Königsliste von Sakkara). In der Ägyptologie gibt es bis heute kontroverse Diskussionen darüber, ob Narmer und der Name des Königs Menes gleichgesetzt werden können.<ref>Thomas C. Heagy: Who was Menes? In: Archeo-Nil. Band 24, 2014, S. 59–92.</ref>

Für eine Gleichsetzung des Narmer mit Menes sprechen mehrere Tonsiegel aus Narmers Grab mit den Abdrücken von Narmers Horusnamen und einer Zeichengruppe, die als Menj gelesen werden kann. Die Zeichengruppe setzt sich aus den Gardiner-Zeichen Y5 (Spielbrett mit Spielfiguren darauf) und N35 (Wasserlinie) zusammen und erscheint in den Tonsiegelinschriften im Wechsel mit Narmers Serech. Da der Name des späteren Ahnenkönigs Menes auf genau dieses Wort (Menj) zurückgeht, liefern die Tonsiegel das bislang stärkste Indiz dafür, dass Narmer mit Menes identisch ist.<ref name="PEN" /> Dagegen mag sprechen, dass auf weiteren Tonsiegeln aus Narmers Grab die Personnennamen von Prinzen und Prinzessinnen in der selben Manier erscheinen. Bei allen Personennamen fehlt ein Titel (was allerdings daran liegt, dass viele Adelstitel, darunter der Königstitel Nesut-bitj, noch gar nicht eingeführt waren). Daher könne gemäß Wolfgang Helck nicht ausgeschlossen werden, dass Menj in Wahrheit der Name eines Prinzen ist und nicht der von Narmer selbst.<ref>Wolfgang Helck: Gab es einen König Menes? In: Zeitschrift der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft. (ZDMG) Band 103, Heft 2. F. Steiner, Wiesbaden 1953, S. 354–359.</ref> Dem wiederum halten Ägyptologen wie Jacques Kinnaer und Thomas C. Heagy entgegen, dass noch unter König Dewen, welcher ja den Nesut-Bitj Titel einführte, dessen Geburtsname Chasti auf Tonsiegeln ohne Nesut-Bitj neben dem Horusnamen erscheint. Demnach sei es möglich, dass auch spätere Könige ihre Geburtsnamen ohne Titel darstellen ließen.<ref name="TCH">Thomas C. Heagy: Who was Menes? In: Archéo Nil. Nr. 24, Januar 2014, ISSN 1161-0492, S. 59–92.</ref>

Datei:Naqad Label.svg
Elfenbein-Etikett des Hor-Aha mit dem umstrittenen Nebti-Namen Menj (ganz oben rechts).

Auf einem Elfenbeintäfelchen aus dem Grab des Aha bei Abydos ist eine der ältesten schriftlichen Darstellungen des Wappens der Beiden Herrinnen direkt gegenüber dem königlichen Serech des Aha eingraviert. Es befindet sich innerhalb eines zeltförmigen, dreifach ausgeführten Zierrahmens zusammen mit einer alten Form des Nebti-Namens. Das zeltähnliche Gebilde ist ein Pavillon, der für Gedenkfeiern bei dem Tod eines Herrschers errichtet wurde. Wenn das Mn-Symbol tatsächlich den Namen „Meni“ darstellen sollte, kann er nur Narmer meinen, denn Aha lebte laut Etikettenaufschrift noch, als der Pavillon aufgesucht wurde. Demzufolge stellt das Elfenbeinetkett dar, wie Aha seinen Vorgänger (Narmer) bestatten ließ.<ref name="PEN">Percy E. Newberry: Menes: the founder of the Egyptian monarchy (circa 3400 B.C.). In: Winifred Brunton: Great ones of ancient Egypt: Historical studies by various Egyptologists. Hodder & Stoughton, London 1929, S. 37–53.</ref>

Dagegen spricht, dass nicht gesichert ist, dass das Wort Men für einen Personennamen steht, er kann genauso gut der Name des Gebäudes sein. Demnach würde das Etikett König Aha bei einem Besuch des Schreins der Beiden Herrinnen namens Men-Nebti (deutsch „Die Beiden Herrinnen überdauern“) zeigen. In diesem Falle wäre das Elfenbeinetikett leider keine Hilfe bei der Frage um die Gleichsetzung von Narmer mit Menes.<ref>Jacques Kinnaer: The Naqada label and the identification of Menes. In: Göttinger Miszellen. (GM) Band 196. Seminar für Ägyptologie und Koptologie der Georg-August-Universität Göttingen, Göttingen 2003, ISSN 0344-385X, S. 23–30.</ref>

Auf einem Keulenkopf aus Hierakonpolis ist Narmer bei der Begehung einer Zeremonie dargestellt, die von Percy E. Newberry als Hochzeitszeremonie gedeutet wird. Narmer vermählt sich ihm zufolge mit der unterägyptischen Erbprinzessin Neithhotep. Diese Hochzeit hätte Narmer dann als Herrscher von Ober- und Unterägypten bestätigt. Gegen diese Deutung spricht, dass die einzige definitiv weibliche Person auf dem Prunkknauf nicht namentlich benannt ist, es muss sich also nicht zwangsläufig um Prinzessin Neithhotep handeln, zumal Narmer gewiss mehrere Ehefrauen hatte. Toby Wilkinson und Nicolas Grimal identifizieren die in Gewänder gehüllte und in einer überdachten Sänfte hockende Frauengestalt auch nicht als Prinzessin, sondern als Repit, die als eigenständige Gottheit jedoch erstmals im Mittleren Reich belegt ist. Wilkinson verweist in seinen Beschreibungen der „Repit“ auf eine nur bruchstückhaft erhaltene Lesung „[.]p[.]t“ und stellt aufgrund der Namensbestandteile eine Verbindung zum Reput-Schrein her.<ref>Toby A. H. Wilkinson: Early dynastic Egypt. Routledge, London 2000, ISBN 0-415-18633-1, S. 268 ff.</ref>

Auf dem Kairostein wird Djer, dritter König Ägyptens, als „Iteti“ bezeichnet. Im Umkehrschluss muss Teti I. als zweiter Name in den Königslisten König Aha meinen, weshalb der Name „Meni“ nur für Narmer übrig bleibt. In diesem Zusammenhang weist Toby Wilkinson darauf hin, dass die Horusnamen der 1. Dynastie auf zeitgenössischen Tonsiegelabdrücken sich zählgleich mit den Kartuschennamen des Turiner Königspapyrus und der Königsliste von Abydos decken (8 Horusnamen vs. 8 Kartuschennamen).<ref name="TWAK">Toby A. H. Wilkinson: Royal Annals of Ancient Egypt. London 2000, S. 186.</ref>

Aus dem Grab des altägyptischen Königs (Pharaos) Den<ref>Günter Dreyer: Ein Siegel der frühzeitlichen Königsnekropole von Abydos. In: Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Abteilung Kairo. Band 43, Mainz 1987, S. 33–45.</ref> in Abydos stammen mehrere Tonsiegel, auf denen vier frühzeitliche Herrscher bei ihren Horusnamen aufgelistet sind: Narmer, Aha, Djer und Wadji. Die Auflistung endet mit Titel und Namen der Königsmutter Meritneith.<ref>Werner Kaiser: Zum Siegel mit frühen Königsnamen von Umm el-Qaab. In: Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Abteilung Kairo. Band 43, Mainz 1987, S. 115–121.</ref><ref>The Narmer Catalog: Inscription 1553. Auf: narmer.org ; zuletzt abgerufen am 25. Juni 2017.</ref> Dass die Königsliste mit Narmer beginnt, könnte darauf hinweisen, dass er als erster legitimer Herrscher der 1. Dynastie angesehen wurde. Weitere Siegelabdrücke aus Abydos nennen Narmer und die sieben folgenden, auch zeitgenössisch belegten Herrscher der 1. Dynastie bis Qaa. Diesmal fehlt Meritneith. Auch auf diesem Siegel ist Narmer der erste Herrscher.<ref>The Narmer Catalog: Inscription 4048. Auf: narmer.org ; zuletzt abgerufen am 25. Juni 2017.</ref>

Gegen Wilkinsons und Kaisers Darlegungen spricht laut Walter Bryan Emery, dass Einträge zum Ende von Ahas Herrschaft und Djers Regierungsbeginn auf dem Kairostein Hinweise auf ein kurzfristiges Interregnum eines weiteren Königs liefern könnten. Dieser Umstand würde eine Gleichsetzung von „Teti“ mit Hor Aha unwahrscheinlich machen und beweist möglicherweise einen weiteren eigenständigen König.<ref>Walter Bryan Emery: Ägypten – Geschichte und Kultur der Frühzeit. Wiesbaden 1964, S. 28–33.</ref>

Familie und Herkunft[Bearbeiten]

Verheiratet war Narmer vielleicht mit der Prinzessin Neithotep. Allerdings ist die familiäre Zuordnung dieser Adligen strittig, denn sie könnte auch die Gemahlin von König Aha gewesen sein.<ref>Walter Bryan Emery: Ägypten – Geschichte und Kultur der Frühzeit. Wiesbaden 1964, S. 38–44.</ref> Ähnlich verhält es sich mit einer Dame namens Benerib (zu deutsch „Mit freundlichem Herz“). Sie wird wohl eher Narmers Tochter und Ahas Gemahlin gewesen sein. In diesem Falle steht die Identifizierung von Narmers Gemahlin noch aus.<ref>Günter Dreyer: Umm el-Qaab: Nachuntersuchungen im frühzeitlichen Königsfriedhof. 3./4. Vorbericht. In: Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Abteilung Kairo. Band 46, Mainz 1990, S. 71.</ref> Als ein Sohn von Narmer wird dessen Thronfolger, Hor-Aha, angesehen.

Es ist umstritten, wer Narmers Vorgänger war. Ein Teil der Ägyptologie bevorzugt König Ka, während der andere Teil König Skorpion II. als Vorgänger ansieht.<ref>Toby A. H. Wilkinson: Early Dynastic Egypt. London 1999, S. 53, 66.</ref>

Herrschaft[Bearbeiten]

Innenpolitik[Bearbeiten]

Datei:Narmer-Schrift.png
Gefäßaufschrift aus Tinte mit dem Namen des Narmer<ref>Peter Kaplony: Inschriften der Ägyptischen Frühzeit. Band III, Harrassowitz, Wiesbaden 1963, S. 1061ff.</ref>

Frühere Interpretationen der gefundenen Artefakte, insbesondere des Keulenknaufs und der Prunkpalette, vermittelten ein raues und von militärischen Kriegszügen geprägtes Bild von einer möglichen weiteren Reichseinigung unter Narmer. Ausschlaggebend für die früheren Deutungen war die Darstellung des Königs, wie er einen Gegner mit seiner Prunkkeule erschlägt, sowie die sich wiederholenden Bilder von zerstörten Bastionen und niedergemetzelten Feinden. Doch eben weil sich diese Darstellungen in ihrem Stil und ihrer inhaltlichen Aussage wiederholen und sich nachweislich weit bis vor die Zeit Narmers zurückverfolgen lassen, stellen sich Toby Wilkinson und Kathryn Bard die Frage, ob hier wirklich ein historisches Ereignis oder nicht eher ein symbolischer Wunsch des Herrschers nach Legitimierung seiner Machtansprüche als alleiniger Herrscher festgehalten ist. Bestärkt wird die Frage durch die Tatsache, dass besonders das Motiv des „Erschlagens des Feindes“ in späteren Dynastien auch für ganz andere Volksgruppen (zum Beispiel Nubier) und Anlässe herhalten musste.<ref>K. Bard: The emergence of an egyptian state. In: Ian Shaw: The Oxford history of Ancient Egypt. Oxford-University Press, Oxford 2002, S. 81.</ref>

Neuere Untersuchungen zeigen zudem, dass die Reichseinigungen nicht durch militärische Eroberungen vollzogen wurden, obgleich im Einzelfall kriegerische Auseinandersetzungen vorgekommen sind. Der beispielsweise früher öfter hergestellte Zusammenhang zwischen der Gesamtanzahl von Gefangenen unter Narmer in Verbindung mit einer militärischen Auseinandersetzung kann nicht mehr aufrechterhalten werden.<ref>Christiana E. Köhler: The State of Research on Late Predynastic Egypt: New Evidence for the Development of the Pharaonic State? In: Göttinger Miszellen (GM) Band 147, Göttingen 1995, S. 86–87.</ref> Eine Heeresgröße von mehr als 100.000 Personen lässt sich im Alten Reich nicht belegen, weshalb wahrscheinlich Narmer alle Bewohner einer Region zählte und diese dann durch das Determinativ als „Rebellen“ (sbj.w) bezeichnete; zudem lag keine Aufteilung zwischen Männern und Frauen vor. Auf dem „Keulenkopf des Narmer“ wird somit die insgesamt friedliche Übernahme oder Vereinigung mit einer größeren Region beschrieben, die gleichzeitig den Charakter einer Volkszählung aufweist.<ref>Jürgen Kraus: Die Demographie des Alten Ägypten: Eine Phänomenologie anhand altägyptischer Quellen. Göttingen 2004, S. 164.</ref>

Wolfgang Helck verweist beispielsweise anhand archäologischer Funde im Zusammenhang mit dem Horusgeleit auf die Möglichkeit, dass belegte Austauschlieferungen für das Bestehen eines zentral regierten Ägyptens bereits vor Narmer sprechen. Gefäßaufschriften und Tonritzungen aus Girga, Tarchan und Abydos belegen einen regen Austausch mit verschiedenen Waren und Gütern zwischen Ober- und Unterägypten. Sie gehören zu den frühesten Belegen für schriftliche Dokumente über Warenaustausch. Dieser Umstand lässt die Vermutung zu, dass es bereits vor Narmer eine praktizierte, friedliche Länderpolitik zwischen Nord und Süd gegeben hat, zumal ein Warenaustausch nur über eine zentrale Verwaltung funktioniert.<ref>Toby Wilkinson: Early dynastic Egypt. London 1999, S. 57–59.</ref> Ob es sich im Rahmen des Austausches um Handelsbeziehungen handelte oder rituelle Grundlagen als Anlass dienten, kann aufgrund fehlender Textquellen nicht entschieden werden. Die meisten dieser Gefäßaufschriften sind aus schwarzer Tinte gefertigt und wurden nachträglich eingebrannt.

Außenpolitik[Bearbeiten]

Datei:Narmerplakette.png
Elfenbein-Etikett mit der Darstellung eines Bewohners des Westdeltas<ref>Günter Dreyer, Ulrich Hartung, Thomas Hikade, E. Christiana Köhler, Vera Müller, Frauke Pumpenmeier: Umm el-Qaab. Nachuntersuchungen im frühzeitlichen Königsfriedhof 9./10. Vorbericht. In: Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Abteilung Kairo. Band 54, Mainz 1998, S. 139, Abbildung 29.</ref>

Unter Narmers Herrschaft gab es Kontakte zu Ländern außerhalb des ägyptischen Kernreichs, die durch den Herrschernamen auf verschiedenen Artefakten nachgewiesen sind. Im Südwesten des heutigen Israels (Tel Arad, En Besor, Rafiah, Tel Erani) fand man Gefäße mit Narmers Namen.<ref>Jochem Kahl: Das System der ägyptischen Hieroglyphenschrift in der 0.–3. Dynastie. In: Göttinger Orientforschungen. Wiesbaden 1994, S. 79–86.</ref> Dies mag sogar Feldzüge in diese Gegend andeuten.<ref>Wolfgang Helck: Untersuchungen zur Thinitenzeit (= Ägyptologische Abhandlungen. [ÄA] Band 45). Harrassowitz, Wiesbaden 1987, ISBN 3-447-02677-4, S. 132.</ref> Auf dem Sinai fand sich sein Name in einen Fels geritzt.<ref>Pierre Tallet, Damien Laisnay: Iry-Hor et Narmer au Sud-Sinaï (Ouadi 'Ameyra), un complément à la chronologie des expéditios minière égyptiene. In: Bulletin de l’Institut français d’archéologie Orientale. (BIFAO) Band 112, 2012, S. 387–389, Figur 10 (Online).</ref> Aus Abydos stammt außerdem eine Elfenbeinplakette mit der Darstellung eines Asiaten (anhand der Kleidung als solcher identifiziert) in kniender bzw. stolpernder Haltung. Die Plakette ist ein besonders früher Beleg für einen Kontakt zwischen Ägyptern und Asiaten.<ref name="wilkinson67-70">T. Wilkinson: Early Dynastic Egypt. London 1999, S. 67–70.</ref> Passend dazu fanden sich bei Hierakonpolis und Qustul Gefäße, deren Dekor und Beschriftung auf regen Handel zwischen Nubien und Ägypten hinweisen. Andere Objekte legen dagegen Auseinandersetzungen mit Libyen nahe, so zum Beispiel ein Elfenbeinzylinder aus Narmers Grab. Darauf zu sehen ist der Nar-Wels (Hauptelement von Narmers Namen), der in seinen Armen einen langen Schlagstock hält. Der Schlagstock erstreckt sich über drei Register, in denen gefesselte Männer mit langen, kegelförmigen Bärten hocken. Die Bärte weisen die Männer als Libyer aus.<ref>Toby A. H. Wilkinson: Early dynastic Egypt. London 1999, S. 162–163.</ref>

Altägyptische Mythologie[Bearbeiten]

Unter Narmer sind die Götter Horus, Seth, Mafdet, Reput, Bat, Neith, Mehit, Ptah, Apis und Min recht gut belegt. Besonders die Göttinnen Bat und Neith wurden verehrt. Von Min fanden sich bei Koptos Großstatuen aus Sandstein, die aufgrund ihrer eindeutigen Körperhaltung zugeordnet werden können und vermutlich aus Narmers Epoche stammen.<ref>Walter Bryan Emery: Ägypten – Geschichte und Kultur der Frühzeit. Wiesbaden 1964, S. 134–137.</ref>

Besondere Funde[Bearbeiten]

1897/98 stieß der Ägyptologe James Edward Quibell in Hierakonpolis auf bedeutende Stücke aus der ägyptischen Frühgeschichte. Dort, in einem der ältesten Tempel des Landes, fand er eine Reihe von Votivgaben, darunter prächtige Paletten, unter anderem die des Königs Narmer, und Keulenköpfe. Aber auch zahlreiche Elfenbeinzylinder, Tonsiegel und Gefäße tragen Narmers Namen.

Die Prunkpalette des Narmer[Bearbeiten]

Datei:NarmerPallette-Front.jpg
Vorderseite der Narmerpalette
Datei:NarmerPallette-Back.jpg
Rückseite der Narmerpalette

Die bekannteste Darstellung ist die „Prunk-“ beziehungsweise „Schmink-“ oder „Narmerpalette“, die als Weihgabe dem oberägyptischen Horustempel in Hierakonpolis gestiftet wurde.<ref name="A59" /> Sie besteht aus poliertem Schiefer und ist etwa 64 Zentimeter groß. Die Palette ist beidseitig verziert und fast gänzlich unbeschädigt. Auf beiden Seiten ist König Narmer abgebildet: Einmal mit der roten Krone von Unterägypten, ein weiteres Mal mit der weißen Krone von Oberägypten. Narmer trägt stets ein prachtvolles Gewand aus Leinen in Kombination mit einem Schurz aus Pantherfell und einem am Gurt befestigten Krokodilschwanz.

Narmer wird beim traditionellen Erschlagen eines Feindes dargestellt, der durch die beiden übereinanderstehenden Hieroglyphen <hiero>T21:Aa12</hiero> als „Wasch“ (W3š) betitelt wird. Zusätzlich sind Papyrusstauden zu erkennen, die aus dem Rücken des Feindsymbols darüber sprießen. Hinter Narmer ist ein Sandalenträger zu erkennen, der dem König auf das Schlachtfeld folgt. Toby Wilkinson hält es für möglich, dass die in der Beischrift stehenden Zeichen (Goldrosette und Wäscheprügel) den Sandalenträger als „Hem“ bezeichnen, ein Titel, der in späteren Zeiten das Amt des Hem-nisuts („Diener des Königs“) beschreibt. Die Goldrosette liest Wilkinson als Symbol für „König“, weshalb sich daraus der volle Titel des Sandalenträgers als Hem-nesu ergeben würde („Oberster Diener des Königs“).<ref>Toby A. H. Wilkinson: Early Dynastic Egypt. London 1999, S. 191.</ref>

Nach Thomas Schneider besitzt die Goldrosette zu Narmers Zeit den Lautwert neb („Herr“), der neben nesu als Titel für damalige Könige diente. Im weiteren Verlauf der altägyptischen Geschichte wurde die Goldrosette auch für die Göttin Seschat verwendet, weshalb Schneider es für möglich hält, dass ursprünglich ihre Eigenschaften des Pantherfells beziehungsweise der Pantherkatze dargestellt werden. Sollte diese Vermutung zutreffen, ergibt sich eine Lesung als nebit („Pantherkatze“). Gestützt wird diese Annahme durch den im Pyramidentext 426 genannten Gott „Neb-kau“.<ref>Die Altaegyptischen Pyramidentexte nach den Papierabdrucken und Photographien des Berliner Museums. PJ1553.A1 1908 cop3. S. 426 Auf: lib.uchicago.edu, abgerufen am 6. September 2014.</ref> Alternativ zieht Schneider auch die Lesung als „Fluchtstab“ („nebit“) in Erwägung, wodurch ein heiliges Gründungsritual ausgedrückt sein könnte.<ref>Thomas Schneider: Das Schriftzeichen „Rosette“ und die Göttin Seschat. In: Studien zu altägyptischen Kultur (SAK) Nr. 24, 1997, S. 241–267.</ref> Othmar Keel sieht die Handlung Narmers ebenfalls als heiliges Ritual, das Narmer barfüßig auf geweihtem Boden vollzieht, während der Sandalenträger mit einem wassergefüllten Gefäß wahrscheinlich für die spätere „Reinigung“ bereitsteht.<ref>Othmar Keel: Die Welt der altorientalischen Bildsymbolik und das Alte Testament. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1996, ISBN 3-525-53638-0, S. 271.</ref>

Ergänzend ist die Siegesfeier Narmers zu sehen. In Begleitung des Horusgeleits, dargestellt als voranschreitende Prozession, die aus Standartenträgern besteht, betrachtet er die getöteten Feinde. Auch diesmal wird er von einem Sandalenträger begleitet. Vor ihm findet sich die älteste Abbildung eines Tjet. Interessant ist die Darstellung zweier „Schlangenhalspanther“ im darunterfolgenden Fenster, die Narmer im Rahmen des Vereinigungsfestes als Herrscher über beide Landesteile Ägyptens repräsentieren. Im untersten Fenster erkennt man einen Mann und eine beschädigte Bastion, welche beide von einem Stier überrannt werden. Der Stier steht dabei stellvertretend für den König.<ref>Nicolas Christophe Grimal: A history of Ancient Egypt. Oxford u. a. 1994, S. 37–38.</ref> Eine ähnliche Szene findet sich auf einem Fragment der sogenannten „Stierpalette“.<ref>Stierpalette (Bull palette), Louvre E 11255 (englisch) Auf xoomer.virgilio.it ; abgerufen am 6. September 2014.</ref>

Der Keulenkopf[Bearbeiten]

Dieses Fundstück stammt ebenfalls aus Hierakonpolis und zeigt Narmer bei der Begehung des Sed-Festes. Er sitzt in einem Pavillon und trägt ein hautenges Gewand sowie die Rote Krone von Unterägypten. Zu diesem Zeitpunkt scheint Narmer bereits beide Teile Ägyptens eingenommen zu haben. Vor ihm ist der göttliche Reput-Schrein aufgebaut. Manche Ägyptologen sehen im „Reput-Kultbild“ die Darstellung einer Göttin oder der Prinzessin Neithotep, was sie veranlasste, diese Szene als Hochzeitszeremonie zu interpretieren. Werner Kaiser und Günter Dreyer verwiesen in diesem Zusammenhang jedoch auf den Umstand, dass es sich nicht um eine Göttin, sondern um ein Ritualbildnis handele.

Über dem Königspavillon schwebt die Geiergöttin Nechbet, dem Herrscher werden mehrere Gefangene sowie erbeutetes Vieh vorgeführt. Des Weiteren ist auf dem Keulenkopf der Tempel von Buto zu sehen, erkennbar an der Abbildung eines Kranichs auf einem Altar, dessen Podest ganz vorne mit einem Standkrug geschmückt ist. Außerdem ist eine Domäne erkennbar, deren Name mit einer Kuh und ihrem Kalb geschrieben wird.<ref>Toby A. H. Wilkinson: Early Dynastic Egypt. London 1999, S. 68–69.</ref>

Die Pavian-Figur[Bearbeiten]

Im Ägyptischen Museum Berlin befindet sich eine Figur aus Kalzit-Alabaster (Travertin) in Gestalt eines Mantelpavians, die vermutlich den Ahnengott Wer-wadjet darstellt. Die Figur ist etwa 51,7 cm hoch. Der dargestellte Pavian wird auf einem Podest sitzend gezeigt, seine Gesichtszüge sind vergleichsweise rudimentär ausgeführt. Die Augenhöhlen deuten an, dass hier möglicherweise Modellaugen aus abweichendem Material (zum Beispiel Schmuckstein) eingelegt waren.<ref>Erika Schott: Die Sockelinschrift des Narmeraffen. In: Revue d’Égyptologie. (RdE), Nr. 21. La Société française d ́egyptologie, Paris 1969, S. 77–83.</ref> An der Sockelfront ist der Serechname des Narmer eingraviert. Bemerkenswerterweise ruhen die Hände des Pavians genau über dem Serech des Narmer, was vielleicht sogar eine tiefere, religiöse Bedeutung haben mag: Wer-wadjet beschützt oder segnet Narmer.<ref>Ludwig David Morenz: Der Pavian des Narmer als ein besonderer Königsgott. Göttingen 2014, S. 143–145.</ref> Links neben Narmers Serech erscheint die Gestalt eines Widders. Hier sind die Ägyptologen unsicher, ob es sich um einen Beinamen des Narmer oder um eine besonders frühe Darstellung des Gottes Cherti handelt.<ref>Rolf Krauss: Bemerkungen zum Narmer-Pavian (Berlin 22607) und seiner Inschrift. In: Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts (MDAIK), Abteilung Kairo. Band 50. von Zabern, Mainz 1994, S. 223–230.</ref>

Das Felsbild von Nag el-Hamdulab[Bearbeiten]

Bei Nag el-Hamdulab, nördlich von Assuan, befindet sich ein Ende des 19. Jahrhunderts entdecktes und 2008 wieder aufgefundenes Felsbild, das eine Darstellung eines Königs der späten prädynastischen oder der frühdynastischen Zeit zeigt. Da das Bild keinerlei hieroglyphische Texte aufweist, ist unklar, welcher König hier tatsächlich abgebildet wurde. Allerdings weist die Szene sowohl kompositorisch als auch stilistisch sehr starke Parallelen zum Keulenkopf von Skorpion II. sowie zum Keulenkopf und zur Palette des Narmer auf, wodurch es plausibel erscheint, dass einer dieser beiden Herrscher abgebildet ist. Das Felsbild zeigt eine nach links blickende männliche Person, die einen Stab hält und durch eine hohe weiße Krone und einen spitzen Bart als König identifiziert wird. Hinter dem Herrscher steht ein Wedelträger und vor ihm ein Hund und zwei Standartenträger. Diese königliche Darstellung wird von fünf Booten umrahmt.<ref>Stan Hendrickx, Maria Carmela Gatto: A rediscovered Late Predynastic-Early Dynastic royal scene from Gharb Aswan (Upper Egypt). In: Sahara. Band 20, 2009, S. 147–150 (Online).</ref>

Grab[Bearbeiten]

Datei:Chambers B17 and B18 (Umm el-Qa'ab).jpg
Das Grab des Narmer (B 17/18)

Flinders Petrie lokalisierte das Grab des Narmer in der Struktur B10, die er in der Nekropole Umm el-Qaab bei Abydos ausgrub.<ref>Flinders Petrie: The royal tombs of the earliest dynasties: 1901. Part II (= Memoir of the Egypt Exploration Fund. Band 21). Egypt Exploration Fund u. a., London 1901 (Digitalisierung), S. 7.</ref> Heute wird B10 als Teil des Grabes von Hor-Aha angesehen, wohingegen das eigentliche Grab des Narmer in den beiden Gruben B 17/18 vermutet wird. Das Grab besteht aus zwei aus Lehmziegeln gemauerten Kammern mit einer Fläche von jeweils 10 × 3 m .<ref>Werner Kaiser, Günter Dreyer: Umm el-Qaab. Nachuntersuchungen im frühzeitlichen Königsfriedhof. 2. Vorbericht. In: Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Abteilung Kairo. Band 38, Mainz 1982, S. 211–269.</ref>

Diese Grabräume wurden nicht getrennt errichtet, sondern liegen direkt aneinander und sind nur durch eine Mauer abgegrenzt. Im Grab fanden sich einige Siegelabrollungen des Narmer,<ref>W. M. Flinders Petrie: The royal tombs of the earliest dynasties: 1901. Part II. London 1901, Tafel XIII, S. 91–93.</ref> Elfenbeinobjekte mit seinem Namen und die ältesten Jahrestäfelchen eines ägyptischen Herrschers.<ref>W. M. Flinders Petrie: The royal tombs of the earliest dynasties: 1901. Part II. London 1901, Tafel II, S. 4–5.</ref> Weitere Objekte des Narmer aus Umm el-Qaab sind Fragmente von Alabastervasen mit seinem Namen in erhabenen Reliefs.<ref>W. M. Flinders Petrie: The royal tombs of the first dynasty: 1900. Part I (= Memoir of the Egypt Exploration Fund. Band 18). Egypt Exploration Fund u. a., London 1900, (Digitalisierung), Tafel IV, S. 2; W. M. Flinders Petrie, Francis Llewellyn Griffith: The royal tombs of the first dynastys, Part II. London 1901, Tafel II, 3, 5.</ref>

Siehe auch[Bearbeiten]

Liste der Pharaonen

Literatur[Bearbeiten]

  • Günter Dreyer: Ein Gefäß mit Ritzmarke des Narmer. In: Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Abteilung Kairo (MDAIK) Band 55, von Zabern, Mainz 1999, ISSN 0342-1279.
  • Walter Bryan Emery: Ägypten – Geschichte und Kultur der Frühzeit. Fourier, Wiesbaden 1964, ISBN 0-415-18633-1.
  • Nicolas Christophe Grimal: A history of Ancient Egypt. Wiley-Blackwell, Oxford u. a. 1994, S. 36–39.
  • Jochem Kahl: Das System der ägyptischen Hieroglyphenschrift in der 0.–3. Dynastie. (= Göttinger Orientforschungen. [GOF] Band 29). Harrassowitz, Wiesbaden 1994, ISBN 3-447-03499-8.
  • Ludwig David Morenz: Anfänge der ägyptischen Kunst: Eine problemgeschichtliche Einführung in ägyptologische Bild-Anthropologie. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2014, ISBN 978-3-525-54389-4.
  • Thomas Schneider: Lexikon der Pharaonen. Artemis & Winkler, München 1997, ISBN 3-7608-1102-7.
  • Siegfried Schott: Altägyptische Festdaten. Verlag der Akademie der Wissenschaften und der Literatur, Mainz u. a. 1950.
  • Toby A. H. Wilkinson: Early Dynastic Egypt. Routledge, London 1999, ISBN 0-415-18633-1.

Weblinks[Bearbeiten]

Commons: Narmer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Margret Pirzer, J. H. Pirzer: Biografie Narmer. In: nefershapiland.de. 13. Dezember 2016;.
  • Wolfram Grajetzki, Stephen Quirke: Digital Egypt for Universities: Narmer. In: ucl.ac.uk. 4. November 2014; (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).
  • Horus Narmer. In: The Ancient Egypt Site. 5. Oktober 2014; (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).
  • Francesco Raffaele: Horus Narmer. In: xoomer.virgilio.it. 5. Oktober 2014; (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).
  • Francesco Raffaele: Dynasty 0. (Volltext als PDF; 540 kB) In: Aegyptiaca Helvetica. Band 17. Hrsg. von S. Bickel und A. Loprieno, 23. April 2003, S. 99–141; (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).
  • André Dollinger: The Bull Palette. In: reshafim.org.il. Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 27. April 2001; (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value), die Stierpalette (Zuordnung unsicher)).
  • Ilona Regulski: Database of Early Dynastic inscriptions. In: ivv1.uni-muenster.de. Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 2. September 2017;.
  • Thomas C. Heagy: The Narmer Catalog. In: narmer.org. (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).
  • Stan Hendrickx: Narmer Palette Bibliography. (Volltext als PDF; 401 kB) In: narmer.org. 29. September 2018; (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

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VorgängerAmtNachfolger
unsicherKönig von Ägypten
0. Dynastie (Ende)
Aha

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