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Nestwurzen

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Nestwurzen
Datei:Illustration Neottia nidus-avis0.jpg

Vogel-Nestwurz (Neottia nidus-avis), Illustration

Systematik
Ordnung: Spargelartige (Asparagales)
Familie: Orchideen (Orchidaceae)
Unterfamilie: Epidendroideae
Tribus: Neottieae
Untertribus: Neottinae
Gattung: Nestwurzen
Wissenschaftlicher Name
Neottia
Guett.

Die Nestwurzen bilden die Pflanzengattung Neottia in der Familie der Orchideen (Orchidaceae). Wie anhand der Blütenmorphologie schon lange vermutet und durch genetische Untersuchungen 2003 bestätigt, umfasst die Gattung auch die Arten der früheren Gattungen Listera (Zweiblatt) und Holopogon.

Beschreibung und Ökologie[Bearbeiten]

Datei:Neottia convallarioides USDA-FS1.jpg
Neottia convallarioides

Vegetative Merkmale[Bearbeiten]

Neottia-Arten<ref name="GeneraOrchidacearum2005" /> sind relativ kleine, ausdauernde krautige Pflanzen. Diese Rhizom-Geophyten bilden unverzweigte, kurze, dünne, horizontal kriechende Rhizome. Der Stängel ist entweder mit nur zwei gegenständigen oder fast gegenständigen Laubblättern beblättert oder völlig blattlos, diese Arten ernähren sich parasitisch von Pilzen (holomykotroph, früher oft auch Saprophyten genannt). Die beblätterten Arten wurden früher zur Gattung Listera und nur die unbeblätterten zur Gattung Neottia gerechnet. Zusätzlich befinden sich an der Stängelbasis mehrere zu Blattscheiden reduzierte Niederblätter. Die Laubblätter sind, wenn vorhanden, etwa in der Mitte des Stängels sitzend und eiförmig, dreieckig-eiförmig bis herzförmig.

Generative Merkmale[Bearbeiten]

Die meist relativ kleinen Blüten sitzen in einem endständigen, traubigen Blütenstand, ausnahmsweise kann dieser zu einer einzigen Blüte reduziert sein. Die haltbaren, häutigen Tragblätter sind kürzer als der gewöhnlich gedrehte (resupinate) Fruchtknoten.

Die zwittrigen Blüten sind zygomorph und dreizählig. Die Blütenhüllblätter sind gelbbraun, purpurfarben, rötlich oder grün. Die Sepalen sind frei, ausgebreitet und untereinander gleich gestaltet. Die Petalen sind meist etwas kleiner und kürzer als diese. Die Lippe ist deutlich länger und an der Spitze ausgerandet bis tief zweigespalten. Sie besitzt keinen Sporn, an ihrer Basis kann sich aber eine nektarführende Einsenkung befinden. Die Griffelsäule ist gerade oder schwach gebogen. Die Anthere sitzt auf einem extrem kurzen, unauffälligen Staubfaden am Hinterrand eines eingesenkten Antherenfachs (Clinandrium). Die beiden Pollinien sind längs gefurcht.

Systematik und Verbreitung[Bearbeiten]

Die Gattung Neottia wurde 1754 durch Jean Étienne Guettard in Histoire de l'Academie Royale des Sciences. Avec les Mémoires de Mathematique & de Physique "1750", Seite 374 aufgestellt. Typusart ist Neottia nidus-avis Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.(L.) Rich., Basionym Ophrys nidus-avis Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.L.. Da der Gattungsname Neottia früher publiziert wurde als Listera (1813 durch Robert Brown in W.T.Aiton), wurde bei der Vereinigung beider Gattungen dieser Name verwendet, obwohl die frühere Gattung Neottia in die frühere Gattung Listera eingeschachtelt ist und diese auch deutlich mehr Arten umfasst. Eine Festschreibung des Gattungsnamens Listera war durch die Arbeitsgruppe um den britischen Botaniker Richard M. Bateman erwogen worden, wurde aber verworfen, da unabhängig von ihnen bereits 12 Jahre vorher Dariusz L. Szlachetko die Gattungen aufgrund rein morphologischer Argumente unter Neottia vereinigt hatte.<ref name="Bateman2009" /> Beide Gattungen waren vorher als Subtribus Listerinae vereinigt worden. Bereits 1990 hatte Robert Louis Dressler festgestellt, dass beide auch als saprophytische und autotrophe Formen einer einzigen Gattung behandelt werden könnten<ref name="Dressler1990" />, hatte aber vor der formalen Synonymisierung noch zurückgeschreckt.

Neottia bildet mit den Gattungen Aphyllorchis, Cephalanthera, Epipactis, Limodorum und Palmorchis die Tribus Neottieae innerhalb der Unterfamilie Epidendroideae<ref name="GeneraOrchidacearum2005" /> (die früher ebenfalls dazugerechnete monotypische ostasiatische Gattung Thaia mit der einzigen Art Thaia saprophytica Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Seidenf. erwies sich in späteren Analysen als nicht dazugehörig<ref name="Xiang2012" />), die knapp 200 Arten umfasst. Die Neottieae sind ein basaler Abzweig der Unterfamilie, deren Arten zahlreiche plesiomorphe Merkmale aufweisen. Innerhalb der Neottieae sind mixotrophe Arten, die neben der Ernährung durch Photosynthese Nährstoffe von Pilzen erhalten, weit verbreitet, es haben sich mehrfach konvergent daraus „saprophytische“ (mykotrophe, auch mykoheterotrophe oder holomykotrophe) Arten entwickelt, die die autotrophe Ernährung über grüne Blätter komplett aufgegeben haben.<ref name="Roy2003" />

Nach den genetischen Daten<ref name="Zhou2018" /> bildet die Gattung Neottia (unter Einschluss von Listera und Holopogon) eine klar abgegrenzte und deutlich durch die Daten unterstützte monophyletische Klade. Die mykotrophen Arten der ehemaligen Gattung Neottia s. str. (und Holopogon) bilden darin vermutlich eine monophyletische, in die frühere Gattung Listera eingeschachtelte Unterklade.

Datei:Listera cordata 130506.jpg
Kleines Zweiblatt (Neottia cordata)
Datei:Neottia nipponica 4.JPG
Neottia nipponica
Datei:Neottia smallii - Flickr 003.jpg
Neottia smallii

Es gibt etwa 60 Neottia-Arten, davon 14 mykotrophe ohne Blattgrün. Hier eine Auswahl:<ref name="WCSP" />

Quellen[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references> <ref name="WCSP"> Rafaël Govaerts, 2003: World Checklist of Monocotyledons Database in ACCESS: 1-71827. The Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew. Vorlage:WCSP </ref> <ref name="Dressler1990"> Robert R. Dressler: The Neottieae in Orchid Classification. In: Lindleyana, Volume 5, Issue 2, 1990, S. 102–109. </ref> <ref name="Roy2003"> M. Roy, C. Gonneau, A. Rocheteau, D. Berveiller, J.-C. Thomas, C. Damesin, M.-A. Selosse: Why do mixotrophic plants stay green? A comparison between green and achlorophyllous orchid individuals in situ. In: Ecological Monographs, Volume 83, Issue 1, 2003, S. 95–117. doi:10.1890/11-2120.1 (open access) </ref> <ref name="GeneraOrchidacearum2005"> Alec M. Pridgeon, Phillip Cribb, Mark W. Chase, Finn N. Rasmussen: Genera Orchidacearum. Volume 4: Epidendroideae (Part 1). Oxford University Press, 2005. ISBN 9780198507123. 389. Gattung Neottia, S. 508–512. </ref> <ref name="Bateman2009"> Richard M. Bateman: Evolutionary classification of European orchids: the crucial importance of maximising explicit evidence and minimising authoritarian speculation. In: Journal Europäischer Orchideen, Volume 41, Issue 2, 2009, S. 243–318. </ref> <ref name="Xiang2012"> Xiao-Guo Xiang, De-Zhu Li, Wei-Tao Jin, Hai-Lang Zhou, Jian-Wu Li, Xiao-Hua Jin: Phylogenetic placement of the enigmatic orchid genera Thaia and Tangtsinia: Evidence from molecular and morphological characters. In: Taxon, Volume 61, Issue 1, 2012, S. 45–54. </ref> <ref name="Zhou2018"> Ting Zhou, Xiao-Hua Jin: Molecular systematics and the evolution of mycoheterotrophy of tribe Neottieae (Orchidaceae, Epidendroideae). In: PhytoKeys, Volume 94, 2018, S. 39–49. doi:10.3897/phytokeys.94.21346 </ref> </references>

Weblinks[Bearbeiten]

Commons: Nestwurzen (Neottia) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

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