Neutronendiffusion
Die Neutronendiffusion (lat. {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) ‚ausgießen‘, ‚verstreuen‘, ‚ausbreiten‘), ein Spezialfall in der rechnerischen Behandlung des allgemeinen Neutronentransports, ist hauptsächlich wichtig in der Berechnung von Kernreaktoren. Diffusion meint zwar auch hier einen ohne äußere Einwirkung eintretenden Vorgang, aber nicht nur den Ausgleich von Anzahldichteunterschieden; bei der Neutronendiffusion sind die Vorgänge vielgestaltiger, denn freie Neutronen können durch Kernreaktionen neu entstehen und durch Absorption verschwinden.
Vereinfachte Neutronen-Diffusionsgleichungen[Bearbeiten]
Ein Raumbereich sei homogen mit Material gefüllt, das sowohl Neutronen durch Kernspaltung erzeugen als auch Neutronen absorbieren kann.
Der Neutronenfluss lässt sich durch Lösung der Differentialgleichung der Neutronendiffusion gewinnen:<ref name="Glasstone_1952" />
- <math> \text{Zeitliche Änderung} = \text{Produktion} - \text{Leckage} - \text{Absorption}</math>
- <math> \frac{\partial n}{\partial t} = S + D \ \Delta\Phi - \Sigma_a \ \Phi</math>
Es bedeuten
Zeichen Einheit Benennung <math>n</math> 1/cm³ Neutronenanzahldichte <math>t</math> s Zeit <math>S</math> 1/cm³s Lokale Neutronenquelle <math>\Phi</math> 1/cm²s Neutronenfluss <math>D</math> cm Neutronendiffusionskoeffizient <math>\Delta</math> 1/cm² Laplaceoperator <math>\Sigma_a</math> 1/cm Makroskopischer Absorptionsquerschnitt
Die Neutronen-Diffusionsgleichungen sind Größengleichungen, also von Einheiten unabhängig. Aber es gibt übliche Einheiten in der Reaktorphysik, die in der zweiten Spalte der Tabelle angegeben worden sind. Jeder Term des obigen Differentialgleichungssystems, der als Produkt von makroskopischem Wirkungsquerschnitt und Neutronenfluss gebildet wird, z. B.
- <math>\Sigma_a \ \Phi= \{ \Sigma_a \ \Phi \} \cdot [ \Sigma_a \ \Phi] </math>,
besitzt als physikalische Größe die Einheit
- <math>[\Sigma_a \ \Phi] = \mathrm{\frac {1} {cm^3 \ s}}</math>.
Das ist die Einheit einer Kernreaktionsratendichte.
Eindimensionale Neutronen-Diffusionsgleichungen[Bearbeiten]
In einem Medium, das durch zwei parallele Flächen mit unendlicher Oberfläche begrenzt ist, dem sogenannten Plattenreaktor, ergibt sich die vereinfachte Neutronen-Diffusionsgleichung zu
- <math> \frac{\partial n}{\partial t} = S + D \ \frac{\partial^2 \Phi}{\partial x^2} - \Sigma_a \ \Phi</math>.
In zylindrischer Geometrie, einem Reaktor in der Form eines Zylinders von unendlicher Länge (Polarkoordinaten), lautet die vereinfachte Neutronen-Diffusionsgleichung
- <math> \frac{\partial n}{\partial t} = S + D \ \left( \frac{ \partial^2 \Phi}{\partial r^2} + \frac{1}{r} \ \frac{\partial \Phi}{\partial r} \right) - \Sigma_a \ \Phi</math>.
In sphärischer Geometrie entsprechend
- <math> \frac{\partial n}{\partial t} = S + D \ \left( \frac{\partial^2 \Phi}{\partial r^2} + \frac{2}{r} \ \frac{\partial \Phi}{\partial r} \right) - \Sigma_a \ \Phi</math>.
Im stationären Zustand ist die zeitliche Änderung der Neutronenanzahldichte Null, <math> \tfrac{\partial n}{\partial t} = 0 </math>. Von dieser Annahme gehen wir auch bei den stationären Vielgruppen-Neutronen-Diffusionsgleichungen aus (siehe unten).
Zeitunabhängige Neutronen-Diffusionsgleichung[Bearbeiten]
In einem Reaktor wird im stationären Zustand der Quellterm S durch <math> S = k_\infty \ \Sigma_a \ \Phi </math> beschrieben.
- <math> \Delta\Phi + (k_\infty - 1) \ \frac{\Sigma_a}{D} \ \Phi = 0 </math>.
Dabei ist <math> k_\infty </math> der Neutronenmultiplikationsfaktor im unendlich ausgedehnten Medium.
- <math> L^2 = \frac{D}{\Sigma_a} </math>
ist das Quadrat der Diffusionslänge <math> L </math>. Da im kritischen Reaktor <math> k_\infty > 1 </math> sein muss, kann man die Größe
- <math> B^2 = \frac{k_\infty - 1}{L^2} </math>
einführen; sie heißt in der Reaktorphysik Buckling, eingedeutscht Flusswölbung. Die vereinfachte Form der Neutronen-Diffusionsgleichung lautet damit
- <math> \Delta\Phi + B^2 \ \Phi = 0 </math>.
Diese Gleichung ist vom Typ Helmholtz-Gleichung.
Stationäre Vielgruppen-Neutronen-Diffusionsgleichungen[Bearbeiten]
Der reale Fall eines heterogenen Reaktors wird durch die stationären Vielgruppen-Neutronen-Diffusionsgleichungen beschrieben.<ref name="McCallien_1993" /><ref name="Reuss_2008" /> Der stationäre Neutronenfluss <math>\Phi^g(\vec r)</math> für die Energiegruppe <math>g</math> am Ort <math>\vec r</math> genügt den homogenen, zeitunabhängigen Vielgruppen-Neutronen-Diffusionsgleichungen
- <math> -\nabla (D^g(\vec r) \nabla \Phi^g(\vec r)) + \Sigma^g_r(\vec r) \Phi^g(\vec r) = Q^g(\vec r)</math>
mit der Quellratendichte <math>Q^g(\vec r)</math>, einer Summe von Spaltraten- und Streuquelldichten, in der Form
- <math>Q^g(\vec r) = \frac{\chi^g} {k_\text{eff}} \sum_{h=1}^G \nu \Sigma^h_f(\vec r) \Phi^g(\vec r) \; + \sum_{h=1 , \ h \neq g}^G \Sigma^{gh}_s(\vec r) \Phi^g(\vec r)</math>
- für <math>g = 1,\ 2, \ldots, G</math>
und alle Orte <math>\vec r</math> im Raumbereich, für die diese Differentialgleichungen zu lösen sind.
Diese Gleichungen bilden ein System von <math>G</math> partiellen, elliptischen Differentialgleichungen 2. Ordnung. In der hier dargestellten Form wurde die kontinuierliche Energievariable bereits in Intervalle, in Energiegruppen, unterteilt. Die sog. Gruppenkonstanten, die in die Koeffizienten des Gleichungssystems eingehen, sind (bis auf Ausnahmen) material-, orts- und energieabhängig. Bevor man mit der Lösung der Vielgruppen-Neutronen-Diffusionsgleichungen beginnen kann, müssen diese Koeffizienten mit einem Zellprogramm berechnet worden sein und zahlenmäßig als Eingabedaten vorliegen.
Es bedeuten
Zeichen Einheit Benennung <math>\vec r</math> cm Ort, die Koordinaten eines Punkts im Lösungsbereich <math>\Phi^g(\vec r)</math> 1/cm²s Neutronenfluss der Energiegruppe <math>g</math> am Ort <math>\vec r</math>, die fundamentale Eigenfunktion des Differentialgleichungssystems <math>k_\text{eff}</math> 1 Effektiver Multiplikationsfaktor, der Eigenwert, der zur fundamentalen Eigenfunktion gehört <math>g</math> und <math>h</math> 1 Nummer der Energiegruppe <math>G</math> 1 Anzahl der Energiegruppen <math>\nabla</math> 1/cm Nabla- oder Gradientenoperator <math>D^g(\vec r)</math> cm Neutronendiffusionskoeffizient der Gruppe <math>g</math> am Ort <math>\vec r</math> <math>\Sigma^g_r(\vec r)</math> 1/cm Makroskopischer totaler Verlustquerschnitt der Gruppe <math>g</math> am Ort <math>\vec r</math>, auch als makroskopischen Removalquerschnitt bezeichnet (daher Index r) <math>\nu \Sigma^h_f(\vec r)</math> 1/cm Makroskopischer Neutronen-Produktionsquerschnitt der Gruppe <math>h</math> am Ort <math>\vec r</math>. Das ist ein Produkt aus der mittlere Anzahl <math>\nu</math> der Neutronen pro Spaltung und dem makroskopischen Spaltquerschnitt <math>\Sigma^h_f(\vec r)</math> (Index f von fission). <math>\Sigma^{gh}_s(\vec r)</math> 1/cm Makroskopischer Streuquerschnitt von der Gruppe <math>h</math> in die Gruppe <math>g</math> am Ort <math>\vec r</math>. Beachte, dass die Matrixindizes oft in der Form <math>h \to g</math> geschrieben werden (Index s von scattering oder Streuung) <math>\chi^g</math> 1 Spaltspektrum der Gruppe <math>g</math>. Ist im allgemeinen ortsunabhängig
Jede einzelne der <math>G</math> Stück Gleichungen des Systems ist die differentielle Form einer Erhaltungsgleichung für die Anzahl der Neutronen im Raum am Ort <math>\vec r</math>, deren Energien in dem Intervall liegen, das durch die Grenzen der Energiegruppe <math>g</math> festgelegt ist.
Das Differentialgleichungssystem wird vervollständigt durch zwei Stetigkeitbedingungen und eine Bedingung für alle Punkte, die auf äußeren Randflächen liegen. Ist das System symmetrisch, besitzt es zum Beispiel Spiegelebenen, dann kommen spezielle Randbedingungen an diesen Ebenen hinzu.
Anmerkungen und Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references> <ref name="Glasstone_1952"> Samuel Glasstone, Milton C. Edlund: The elements of nuclear reactor theory. MacMillan, London 1952 (VII, 416 S.). Diese Monografie hat wie keine andere die damals junge Generation der Reaktorphysiker in West und Ost und die späteren Lehrbuchschreiber geprägt. Ihr 6. Druck vom Februar 1957 ist vollständig online einsehbar.[1]. Volltextsuche ist möglich. Neutronendiffusion ist auf S. 106 behandelt. </ref> <ref name="McCallien_1993"> C. W. J. McCallien: SNAP, Multigroup 3-D Neutron Diffusion in XZ, R-Theta-Z, Hexagonal-Z, Triangular-Z Geometry. AEA-RS-1214, 1993. </ref> <ref name="Reuss_2008"> Paul Reuss: Neutron physics. EDP Sciences, Les Ulis, France 2008, ISBN 978-2-7598-0041-4 (xxvi, 669, eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.). Reuss behandelt die Neutronendiffusion u. a. auf S. 650. </ref> </references>