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Nicergolin

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Strukturformel
Strukturformel von Nicergolin
Allgemeines
Freiname Nicergolin
Andere Namen

[(8β)-10-Methoxy-1,6-dimethylergolin-8-yl]methyl-5-brompyridin-3-carboxylat

Summenformel C24H26BrN3O3
Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer Vorlage:CASRN
EG-Nummer 248-694-6
ECHA-InfoCard 100.044.252
PubChem 34040
ChemSpider 31373
DrugBank DB00699
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Arzneistoffangaben
ATC-Code

C04AE02

Eigenschaften
Molare Masse 484,4 g·mol−1
Schmelzpunkt

138–139 °C<ref name="römpp">Eintrag zu Nicergolin. In: Römpp Online. Georg Thieme VerlagVorlage:Abrufdatum</ref>

pKS-Wert

7,78<ref name="römpp"/>

Löslichkeit

sehr schwer in Wasser (0,013 mg/ml); löslich in Aceton, Chloroform, Ethanol und verdünnter Essigsäure<ref name="römpp"/>

Sicherheitshinweise
Bitte die Befreiung von der Kennzeichnungspflicht für Arzneimittel, Medizinprodukte, Kosmetika, Lebensmittel und Futtermittel beachten
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung<ref name="Sigma">Datenblatt Nicergoline, analytical standard, for drug analysis bei Sigma-AldrichVorlage:Abrufdatum (PDF).</ref>
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Achtung

H- und P-Sätze H: 302
P: keine P-Sätze<ref name="Sigma" />
Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen (0 °C, 1000 hPa).

Nicergolin ist ein Arzneistoff, der in der Behandlung von chronischen hirnorganisch-bedingten Leistungsstörungen eingesetzt wird. Nicergolin ist ein partialsynthetisch hergestellter Abkömmling der Lysergsäure.

Geschichte[Bearbeiten]

Nicergolin wurde in den 1960er Jahren auf der Suche nach Substanzen, die Adrenozeptoren blockieren, so genannten Alphablockern, abgeleitet von den Mutterkornalkaloiden, entwickelt. Es wurde 1966 von FarmItalia patentiert.<ref name="römpp"/> Das Ziel war – dem damaligen Verständnis der Ätiologie der Demenz folgend – ein Einsatz als durchblutungsfördernde Substanz zur Behandlung von Hirnleistungsstörungen im Alter.<ref name="Herrschaft (1999)">H. Herrschaft: Neuro-Psychopharmaka. Ein Therapie-Handbuch. Hrsg.: P. Riederer, G. Laux, W. Pöldinger. 2. Auflage. Vol. 5. Springer, Wien 1999, Nicergolin, S. 671–683.</ref> Seit den 1970er Jahren ist Nicergolin als Therapeutikum auf Markt. Heute wird es für verschiedene Formen von Gedächtnis-, Leistungs- und Verhaltensstörungen im Alter eingesetzt.

Chemie[Bearbeiten]

Darstellung[Bearbeiten]

Die Synthese von Nicergolin geht aus vom Lysergsäuremethylester und vollzieht sich über mehrere Schritte. Im ersten Reaktionsschritt wird an die Doppelbindung im Ring D dieses Tetracyclus Methanol photochemisch addiert, es entsteht dabei das sogenannte Lumi-ergolin 10-Methoxydihydrolysergsäuremethylester. Die Esterfunktion dieses Additionsprodukts wird mit Lithiumaluminiumhydrid zum Alkohol reduziert, so dass 10-Methoxydihydrolysergol erhalten wird. Dieser Alkohol wird mit 5-Brom-nicotinoylchlorid verestert. Abschließend wird der Indol-Stickstoff mit Kaliumamid deprotoniert und mit Methyliodid methyliert.<ref name="römpp"/> Eine analoge Synthese kann auch direkt von Lysergol ausgehen.<ref name="römpp"/>

Stereochemie[Bearbeiten]

Nicergolin besitzt drei Chiralitätszentren. Es existieren somit theoretisch 8 Stereoisomere des Nicergolins. Da die Synthese ausgehend von (5R,8R)-Lysergsäuremethylether erfolgt und die Methoxylierung in Position 10 ohnehin diastereoselektiv verläuft, findet nur das (5R,8R,10S)-Diastereomer des Nicergolins Anwendung.

Klinische Angaben[Bearbeiten]

Anwendungsgebiete (Indikationen)[Bearbeiten]

Nicergolin ist zur unterstützenden Behandlung von chronischen Hirnleistungsstörungen im Alter, insbesondere bei Patienten mit demenziellen Syndromen bei primär degenerativer, vaskulärer Demenz und Mischformen, zugelassen. Vor Behandlungsbeginn sollte eine spezifisch zu behandelnde Grunderkrankung ausgeschlossen werden.<ref name="Fachinformation ergobel 30">Fachinformation ergobel 30. Kwizda Pharma GmbH. Stand Dezember 2010.</ref> Eine Metaanalyse vorhandener klinischer Studien brachte „einige Hinweise“ auf eine Besserung der klinischen Symptome und des klinischen Gesamtbildes bei vorrangig älteren Patienten mit leichten bis moderaten Wahrnehmungs- und Verhaltensstörungen verschiedener Ursache, einschließlich zerebrovaskulärer Störungen und Alzheimer-Demenz.<ref name="Fioravanti & Flicker (2001)">M. Fioravanti, L. Flicker: Efficacy of nicergoline in dementia and other age associated forms of cognitive impairment. In: The Cochrane database of systematic reviews. Nr. 4, 2001, S. CD003159, doi:10.1002/14651858.CD003159, PMID 11687175.</ref>

Gegenanzeigen (Kontraindikationen)[Bearbeiten]

Nicergolin ist bei einer bekannten Überempfindlichkeit gegen diesen Wirkstoff oder ein anderes Mutterkornalkaloidderivat kontraindiziert. Weitere Anwendungsbeschränkungen schließen einen frischen Herzinfarkt, schwere Bradykardie, Kollapsneigung, orthostatische Hypotonie und akute Blutungen ein. Nicergolin darf auf Grund pharmakodynamischer Wechselwirkungen nicht zeitgleich mit α- oder β-Sympathomimetika angewendet werden.<ref name="Fachinformation ergobel 30" />

Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten[Bearbeiten]

Dank seiner Wirkung auf das adrenerge System zeigt Nicergolin pharmakodynamische Wechselwirkungen mit vielen anderen Arzneistoffen. So führt Nicergolin zu einer verstärkten Blutdruck senkenden Wirkung bei gleichzeitiger Anwendung mit Antihypertensiva. Auch die Wirkungen von Betablockern am Herz können durch Nicergolin verstärkt werden. Die Wirkung von α- oder β-Sympathomimetika wird durch Nicergolin hingegen abgeschwächt.<ref name="Fachinformation ergobel 30" />

Nicergolin hemmt die Thrombozytenaggregation.<ref name="Fachinformation ergobel 30" /> Pharmakologische Wechselwirkungen mit anderen Thrombozytenaggregationshemmern sind daher möglich.

Unerwünschte Wirkungen (Nebenwirkungen)[Bearbeiten]

Für Nicergolin liegen nur wenige Daten über das Auftreten und die Häufigkeit unerwünschter Arzneimittelwirkungen vor. Als häufig (1 bis 10 %) werden Schlaflosigkeit, Müdigkeit, Kopfdruck, Hautrötungen und Hitzegefühl angegeben. Die Häufigkeit von Blutdruckabfall, Schwindel und Magenbeschwerden kann nicht abgeschätzt werden.<ref name="Fachinformation ergobel 30" />

Pharmakologische Eigenschaften[Bearbeiten]

Wirkungsmechanismus (Pharmakodynamik)[Bearbeiten]

Wie viele Ergoline vermittelt Nicergolin seine Wirkung über verschiedene pharmakologische Mechanismen. Nicergolin ist primär ein α1-Adrenozeptorantagonist und vermittelt als solcher eine Erweiterung durch den Sympathikustonus verengter Blutgefäße und somit eine Erhöhung des arteriellen Blutflusses. Zudem besitzt es blutgerinnungshemmende Eigenschaften. Darüber hinaus beeinflusst Nicergolin auch die Funktion anderer Neurotransmitter. Positiv wirkt sich auch die metabolische Funktion des Nicergolins, verbunden mit einer verbesserten Nutzung von Sauerstoff und Glucose aus. Darüber hinaus soll Nicergolin neurotrophe und antioxidative Eigenschaften besitzen.<ref name="Winblad et al. (2008)">Bengt Winblad u. a.: Therapeutic use of nicergoline. In: Clinical Drug Investigation. Band 28, Nr. 9, 2008, S. 533–552, PMID 18666801.</ref>

Aufnahme und Verteilung im Körper (Pharmakokinetik)[Bearbeiten]

Nach oraler Verabreichung wird Nicergolin schnell und nahezu vollständig aus dem Darm resorbiert. Wie andere von Mutterkornalkaloiden abgeleitete Substanzen unterliegt Nicergolin einem ausgeprägten First-Pass-Effekt. Im Blutplasma liegt Nicergolin überwiegend an das Saure Alpha-1-Glycoprotein gebunden vor. Nicergolin wird im Organismus nahezu vollständig unter Esterhydrolyse oder N-Demethylierung zu den zum Teil noch biologisch aktiven Phase-I-Metaboliten verstoffwechselt. Die dominierenden Phase-II-Metaboliten sind die Konjugate mit Glucuronsäure. Die Ausscheidung erfolgt zum überwiegenden Teil über den Urin. Die biologische Halbwertzeit liegt bei 2,5 Stunden.<ref name="Fachinformation ergobel 30" /> Die Halbwertzeit der aktiven Metaboliten kann individuell schwanken.<ref name="Herrschaft (1999)" />

Handelsnamen[Bearbeiten]

Nicergolin ist in über 50 Ländern unter verschiedenen Handelsnamen auf dem Markt.<ref name="Fioravanti & Flicker (2001)" />

Monopräparate: Sermion (D, A, CH); Ergobel (D), Ergotop (A), Nicergin (A), Nicerium (D) sowie weitere Generika (D)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references />

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