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Nitrendipin

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Strukturformel
Struktur von Nitrendipin
Vereinfachte Strukturformel ohne Angabe der Konfiguration – 1:1-Gemisch (Racemat)
Allgemeines
Freiname Nitrendipin
Andere Namen

(RS)-Ethyl-5-(methoxycarbonyl)-2,6-dimethyl-4-(3-nitrophenyl)-1,4-dihydropyridin-3-carboxylat (IUPAC)

Summenformel C18H20N2O6
Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer
EG-Nummer 254-513-1
ECHA-InfoCard 100.049.540
PubChem 4507
ChemSpider 4351
DrugBank DB01054
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Arzneistoffangaben
ATC-Code

C08CA08

Wirkstoffklasse

Antihypertensiva

Wirkmechanismus

Calciumantagonist

Eigenschaften
Molare Masse 360,36 g·mol−1
Aggregatzustand

fest

Schmelzpunkt

158–160 °C<ref>Eintrag zu Nitrendipin. In: Römpp Online. Georg Thieme VerlagVorlage:Abrufdatum</ref>

Löslichkeit

sehr schwer in Wasser (77,2 mg·l−1 bei 25 °C)<ref name="ChemIDplus"/>

Sicherheitshinweise
Bitte die Befreiung von der Kennzeichnungspflicht für Arzneimittel, Medizinprodukte, Kosmetika, Lebensmittel und Futtermittel beachten
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung<ref name="Sigma">Datenblatt Nitrendipine ~98 % bei Sigma-AldrichVorlage:Abrufdatum (PDF).</ref>
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Achtung

H- und P-Sätze H: 312​‐​332
P: 280<ref name="Sigma" />
Toxikologische Daten

2540 mg·kg−1 (LD50, Maus, oral)<ref name="ChemIDplus">Eintrag zu Nitrendipine in der ChemIDplus-Datenbank der United States National Library of Medicine (NLM)Vorlage:Abrufdatum (Seite nicht mehr abrufbar)</ref>

Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen (0 °C, 1000 hPa).

Nitrendipin ist ein Arzneistoff aus der Gruppe der Calciumantagonisten vom 1,4-Dihydropyridin-Typ. Es senkt über eine Erweiterung der glatten Muskulatur der Gefäße den Blutdruck stark. Therapeutisch wird es eingesetzt zur Behandlung der arteriellen Hypertonie.

Stereochemie[Bearbeiten]

Die Moleküle von Nitrendipin enthalten ein Stereozentrum (Chiralitätszentrum). Daher gibt es zwei Enantiomere. Aufgrund der Synthese wird ein Racemat, also ein 1:1-Gemisch von (R)- und der (S)-Form gebildet.<ref name="Rote Liste">Rote Liste Service GmbH (Hrsg.): Rote Liste 2017 – Arzneimittelverzeichnis für Deutschland (einschließlich EU-Zulassungen und bestimmter Medizinprodukte). Rote Liste Service GmbH, Frankfurt/Main, 2017, Aufl. 57, ISBN 978-3-946057-10-9, S. 204.</ref>

Enantiomere von Nitrendipin
Datei:(R)-Nitrendipin Structural Formula V1.svg
(R)-Nitrendipin
Datei:(S)-Nitrendipin Structural Formula V1.svg
(S)-Nitrendipin

Erfindung[Bearbeiten]

Das Konstitutionsisomer von Nifedipin – mit der Nitrogruppe in 3-Stellung – wurde in den Laboratorien der Firma Bayer AG von Horst Meyer und Friedrich Bossert nach dem Prinzip der Hantzsch-Synthese hergestellt. Das Dihydropyridin wurde aus zwei Molekülbausteinen durch Addition und intramolekulare Kondensation (Cyclisierung) aufgebaut. Aus 3-Nitrobenzaldehyd wurde durch intermolekulare Kondensation mit Acetessigsäureethylester 3'-Nitrobenzyliden-acetessigsäure-ethylester erhalten. Dieser wurde mit dem zweiten Baustein – 3-Amino-2-butensäuremethylester (β-Aminocrotonsäuremethylester) – umgesetzt.<ref>Deutsches Patent DE2117571B2, Erfinder Horst Meyer, Friedrich Bossert, Kurt Vater, angemeldet für Bayer AG. Angemeldet am 10. April 1971.</ref> So wurde ein 1,4-Dihydropyridin mit ungleichen Carbonsäureestergruppen erhalten.

Synthese von Nitrendipidin (Formelschema)

Wirkmechanismus[Bearbeiten]

Nitrendipin blockiert den Calcium-Einstrom in die Herzmuskelzellen, die glatte Muskulatur und in das Erregungsbildungs- und Leitungssystem des Herzens. Dies führt am Herz zu einer herabgesetzten Kontraktilität (negativ inotrop) und einem reduzierten O2-Verbrauch. An der glatten Muskulatur bewirkt es eine Erweiterung der kleinen Arterien (Arteriolen) und damit eine Nachlastsenkung. Nitrendipin ist ein Dihydropyridin. Unter therapeutischen Dosen liegt die Wirkung von Nitrendipin und anderen Dihydropyridin-Calciumantagonisten kaum am Herzen, sondern fast ausschließlich an Gefäßen.

Indikationen[Bearbeiten]

Nitrendipin ist in Deutschland zugelassen zur Therapie der essentiellen arteriellen Hypertonie und als Bayotensin® akut zur Behandlung des hypertensiven Notfalls.

Nebenwirkungen[Bearbeiten]

Häufig kommt es zum Auftreten von Unterschenkelödemen, Kopfschmerzen sowie Flush, sowie gelegentlich zu Schwindel, Müdigkeit und Hypästhesien.

Seltene Nebenwirkungen sind Tachykardie, Palpitation, Übelkeit, Völlegefühl, Durchfall und vermehrter Harndrang.

Kontraindikationen[Bearbeiten]

Bei kardiogenem Schock, instabiler Angina Pectoris, Herzinfarkt (innerhalb der ersten 4 Wochen) und Kindern (keine ausreichenden Erfahrungen) ist die Gabe von Nitrendipin kontraindiziert.

Handelsnamen[Bearbeiten]

Monopräparate

Bayotensin (D), Baypress (A, CH), Jutapress (D), zahlreiche Generika (D). Der Vertrieb von Bayotensin® akut zur Behandlung der hypertensiven Krise wird ab Mitte 2021 aus „produktionstechnischen Gründen“ eingestellt. Die Kunststoffphiolen sind nicht mehr verfügbar.<ref>Bayer stellt Vertrieb von Bayotensin akut ein Deutsche Apotheker Zeitung am 6. Mai 2021, abgerufen am 20. Mai 2021.</ref>

Kombinationspräparate

Baroprine (A), Cenipres (A), Eneas (D)

Literatur[Bearbeiten]

  • Friedrich Bossert, Horst Meyer, Egbert Wehinger: 4-Aryldihydropyridine, eine neue Klasse hochwirksamer Calcium-Antagonisten. In: Angewandte Chemie, 93, 1981, S. 755, doi:10.1002/ange.19810930906; Angewandte Chemie International Edition in English. 20, 1981, S. 762, doi:10.1002/anie.198107621.
  • The Merck Index, 11. Auflage, 1989, S. 1040, Eintrag Nr. 6493.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references/>

Vorlage:Hinweisbaustein