Nitrendipin
| Strukturformel | ||||||||||||||||||||||
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| Struktur von Nitrendipin | ||||||||||||||||||||||
| Vereinfachte Strukturformel ohne Angabe der Konfiguration – 1:1-Gemisch (Racemat) | ||||||||||||||||||||||
| Allgemeines | ||||||||||||||||||||||
| Freiname | Nitrendipin | |||||||||||||||||||||
| Andere Namen |
(RS)-Ethyl-5-(methoxycarbonyl)-2,6-dimethyl-4-(3-nitrophenyl)-1,4-dihydropyridin-3-carboxylat (IUPAC) | |||||||||||||||||||||
| Summenformel | C18H20N2O6 | |||||||||||||||||||||
| Externe Identifikatoren/Datenbanken | ||||||||||||||||||||||
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| Arzneistoffangaben | ||||||||||||||||||||||
| ATC-Code | ||||||||||||||||||||||
| Wirkstoffklasse | ||||||||||||||||||||||
| Wirkmechanismus | ||||||||||||||||||||||
| Eigenschaften | ||||||||||||||||||||||
| Molare Masse | 360,36 g·mol−1 | |||||||||||||||||||||
| Aggregatzustand |
fest | |||||||||||||||||||||
| Schmelzpunkt |
158–160 °C<ref>Eintrag zu Nitrendipin. In: Römpp Online. Georg Thieme VerlagVorlage:Abrufdatum</ref> | |||||||||||||||||||||
| Löslichkeit |
sehr schwer in Wasser (77,2 mg·l−1 bei 25 °C)<ref name="ChemIDplus"/> | |||||||||||||||||||||
| Sicherheitshinweise | ||||||||||||||||||||||
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| Toxikologische Daten |
2540 mg·kg−1 (LD50, Maus, oral)<ref name="ChemIDplus">Eintrag zu Nitrendipine in der ChemIDplus-Datenbank der United States National Library of Medicine (NLM)Vorlage:Abrufdatum (Seite nicht mehr abrufbar)</ref> | |||||||||||||||||||||
| Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen (0 °C, 1000 hPa). | ||||||||||||||||||||||
Nitrendipin ist ein Arzneistoff aus der Gruppe der Calciumantagonisten vom 1,4-Dihydropyridin-Typ. Es senkt über eine Erweiterung der glatten Muskulatur der Gefäße den Blutdruck stark. Therapeutisch wird es eingesetzt zur Behandlung der arteriellen Hypertonie.
Stereochemie[Bearbeiten]
Die Moleküle von Nitrendipin enthalten ein Stereozentrum (Chiralitätszentrum). Daher gibt es zwei Enantiomere. Aufgrund der Synthese wird ein Racemat, also ein 1:1-Gemisch von (R)- und der (S)-Form gebildet.<ref name="Rote Liste">Rote Liste Service GmbH (Hrsg.): Rote Liste 2017 – Arzneimittelverzeichnis für Deutschland (einschließlich EU-Zulassungen und bestimmter Medizinprodukte). Rote Liste Service GmbH, Frankfurt/Main, 2017, Aufl. 57, ISBN 978-3-946057-10-9, S. 204.</ref>
| Enantiomere von Nitrendipin | |
|---|---|
| Datei:(R)-Nitrendipin Structural Formula V1.svg (R)-Nitrendipin |
Datei:(S)-Nitrendipin Structural Formula V1.svg (S)-Nitrendipin |
Erfindung[Bearbeiten]
Das Konstitutionsisomer von Nifedipin – mit der Nitrogruppe in 3-Stellung – wurde in den Laboratorien der Firma Bayer AG von Horst Meyer und Friedrich Bossert nach dem Prinzip der Hantzsch-Synthese hergestellt. Das Dihydropyridin wurde aus zwei Molekülbausteinen durch Addition und intramolekulare Kondensation (Cyclisierung) aufgebaut. Aus 3-Nitrobenzaldehyd wurde durch intermolekulare Kondensation mit Acetessigsäureethylester 3'-Nitrobenzyliden-acetessigsäure-ethylester erhalten. Dieser wurde mit dem zweiten Baustein – 3-Amino-2-butensäuremethylester (β-Aminocrotonsäuremethylester) – umgesetzt.<ref>Deutsches Patent DE2117571B2, Erfinder Horst Meyer, Friedrich Bossert, Kurt Vater, angemeldet für Bayer AG. Angemeldet am 10. April 1971.</ref> So wurde ein 1,4-Dihydropyridin mit ungleichen Carbonsäureestergruppen erhalten.
Synthese von Nitrendipidin (Formelschema)
Wirkmechanismus[Bearbeiten]
Nitrendipin blockiert den Calcium-Einstrom in die Herzmuskelzellen, die glatte Muskulatur und in das Erregungsbildungs- und Leitungssystem des Herzens. Dies führt am Herz zu einer herabgesetzten Kontraktilität (negativ inotrop) und einem reduzierten O2-Verbrauch. An der glatten Muskulatur bewirkt es eine Erweiterung der kleinen Arterien (Arteriolen) und damit eine Nachlastsenkung. Nitrendipin ist ein Dihydropyridin. Unter therapeutischen Dosen liegt die Wirkung von Nitrendipin und anderen Dihydropyridin-Calciumantagonisten kaum am Herzen, sondern fast ausschließlich an Gefäßen.
Indikationen[Bearbeiten]
Nitrendipin ist in Deutschland zugelassen zur Therapie der essentiellen arteriellen Hypertonie und als Bayotensin® akut zur Behandlung des hypertensiven Notfalls.
Nebenwirkungen[Bearbeiten]
Häufig kommt es zum Auftreten von Unterschenkelödemen, Kopfschmerzen sowie Flush, sowie gelegentlich zu Schwindel, Müdigkeit und Hypästhesien.
Seltene Nebenwirkungen sind Tachykardie, Palpitation, Übelkeit, Völlegefühl, Durchfall und vermehrter Harndrang.
Kontraindikationen[Bearbeiten]
Bei kardiogenem Schock, instabiler Angina Pectoris, Herzinfarkt (innerhalb der ersten 4 Wochen) und Kindern (keine ausreichenden Erfahrungen) ist die Gabe von Nitrendipin kontraindiziert.
Handelsnamen[Bearbeiten]
Bayotensin (D), Baypress (A, CH), Jutapress (D), zahlreiche Generika (D). Der Vertrieb von Bayotensin® akut zur Behandlung der hypertensiven Krise wird ab Mitte 2021 aus „produktionstechnischen Gründen“ eingestellt. Die Kunststoffphiolen sind nicht mehr verfügbar.<ref>Bayer stellt Vertrieb von Bayotensin akut ein Deutsche Apotheker Zeitung am 6. Mai 2021, abgerufen am 20. Mai 2021.</ref>
Baroprine (A), Cenipres (A), Eneas (D)
Literatur[Bearbeiten]
- Friedrich Bossert, Horst Meyer, Egbert Wehinger: 4-Aryldihydropyridine, eine neue Klasse hochwirksamer Calcium-Antagonisten. In: Angewandte Chemie, 93, 1981, S. 755, doi:10.1002/ange.19810930906; Angewandte Chemie International Edition in English. 20, 1981, S. 762, doi:10.1002/anie.198107621.
- The Merck Index, 11. Auflage, 1989, S. 1040, Eintrag Nr. 6493.
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references/>
- Wikipedia:Seite mit Skriptfehlern
- Wikipedia:Defekter Dateilink
- Wikipedia:Wikidata-Wartung:EG-Nummer abweichend
- Wikipedia:Wikidata-Wartung:ECHA-InfoCard-ID abweichend
- Wikipedia:Wikidata-Wartung:PubChem abweichend
- Wikipedia:Wikidata-Wartung:ChemSpider abweichend
- Wikipedia:Wikidata-Wartung:DrugBank abweichend
- ATC-C08
- Gesundheitsschädlicher Stoff bei Hautkontakt
- Gesundheitsschädlicher Stoff bei Einatmen
- Wikipedia:Wikidata-Wartung:CAS-Nummer fehlt lokal
- Calciumkanalblocker
- Arzneistoff
- Nitrobenzol
- Dicarbonsäureester
- Dihydropyridin
- Carbonsäuremethylester
- Carbonsäureethylester