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N-Nitrosamide

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Grundkörper mit blau markierter
funktioneller Gruppe
N-Nitrosamid-Derivate mit
blau markierter
funktioneller Gruppe

Datei:N-Nitrosamides General Formula V.1.svg

N-Nitrosamide

Datei:N-Nitrosocarbamates General Formula V.1.svg

N-Nitrosocarbamate

Datei:N-Nitrosoureas General Formula V.1.svg
N-Nitrosoharnstoffe

Datei:N-Nitrosoguanidine General Formula V.1.svg
N-Nitrosoguanidine

R1 bis R3 sind Wasserstoffatome oder organische Reste

N-Nitrosamide, auch Nitrosamide sind chemische Verbindungen, die wie die N-Nitrosamine zur Gruppe der Nitrosoverbindungen gehören.<ref name="Toxikologie1">Hans Marquardt, Siegfried G. Schäfer (Hrsg.): Lehrbuch der Toxikologie. 2. Auflage, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart, 2004, ISBN 3-8047-1777-2, S. 747.</ref> Sie leiten sich von Säureamiden, beispielsweise Carbonsäureamiden, Sulfonsäureamiden und Kohlensäureamiden, ab, die am Stickstoffatom nitrosiert sind.<ref name="Römpp">Eintrag zu Nitrosamide. In: Römpp Online. Georg Thieme VerlagVorlage:Abrufdatum</ref>

Nitrosierte Harnstoffe, Guanidine oder Carbamate sind chemisch reaktive und im Metabolismus instabile Verbindungen, bei denen es sich im Allgemeinen um Karzinogene handelt. In der Diskussion um Verunreinigungen, die aus der Umwelt resultieren, nehmen die N-Nitrosamide im Gegensatz zu den N-Nitrosaminen keinen Stellenwert ein.<ref name="Toxikologie1" />

Nutzen[Bearbeiten]

Als Mittel gegen maligne Tumoren werden diverse Chlorethylnitrosoharnstoffe eingesetzt, etwa Carmustin.<ref name="Toxilehrbuch1">Hans Marquardt, Siegfried G. Schäfer (Hrsg.): Lehrbuch der Toxikologie. 2. Auflage, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart, 2004, ISBN 3-8047-1777-2, S. 752–753.</ref> Vermutungen zur Wirksamkeit gegen Krebszellen basieren auf der Alkylierbarkeit von Guanin-Cytosin-Zentren in den Sequenzen des Erbguts, spezieller den Onkogenen.<ref name="Toxilehrbuch1" />

Synthese[Bearbeiten]

N-Nitrosamide lassen sich ausgehend von der Reaktion von N-monosubstituierten Säureamiden und dem, in Anwesenheit starker Säuren aus der salpetrigen Säure hervorgehenden, Nitrosylkation herstellen, hier beispielhaft anhand des N-Methylacetamids (1).<ref>Adalbert Wollrab: Organische Chemie. Eine Einführung für Lehramts- und Nebenfachstudenten. 4. Auflage, Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2014, ISBN 978-3-642-45144-7, S. 898.</ref><ref>Heinz G. O. Becker, Rainer Beckert, Werner Berger, Günter Domschke, Egon Fanghänel, Mechthild Fischer, Frithjof Gentz, Karl Gewald, Reiner Gluch, Wolf D. Habicher, Hans-Joachim Knölker, Roland Mayer, Peter Meth, Klaus Müller, Dietrich Pavel, Hermann Schmidt, Karl Schollberg, Klaus Schwetlick, Erika Seiler, Günter Zeppenfeld: Organikum. 24. Auflage, Wiley-VCH Verlag GmbH & Co.KGaA, Weinheim 2015, ISBN 978-3-527-33968-6, S. 648.</ref> Vom Säureamid erfolgt dabei ein nukleophiler Angriff auf das Nitrosylkation. Aus dem entstehenden Kation bildet sich nach der Abspaltung eines Protons ein N-Nitrosamid (2):

Synthese eines N-Nitrosamids ausgehend von N-Methylacetamid
Synthese eines N-Nitrosamids ausgehend von N-Methylacetamid

Toxizität[Bearbeiten]

Die Erbgut-schädigende Wirkung der N-Nitrosoverbindungen lässt sich auf die Entstehung reaktiver elektrophiler Teilchen im Metabolismus zurückführen.<ref name="Toxilehrbuch">Hans Marquardt, Siegfried G. Schäfer (Hrsg.): Lehrbuch der Toxikologie. 2. Auflage, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart, 2004, ISBN 3-8047-1777-2, S. 753–758.</ref> Durch den spontanen Zerfall von N-Nitrosoharnstoffen im wässrigen Medium des Metabolismus, hier am Beispiel des 1-Methylnitrosoharnstoffs (3), bilden sich Diazonium-, beziehungsweise Carbeniumionen.<ref name="Toxilehrbuch" /> Der Zerfall erfolgt in Isocyansäure und Methyldiazohydroxid. Durch die Umlagerung zum Diazoniumion und die anschließende Abspaltung von Stickstoff entsteht ein Carbeniumion (4), welches nukleophile Schnittpunkte der DNA alkylieren kann.<ref name="Toxilehrbuch" />

Zerfall eines N-Nitrosoharnstoffs zu einem alkylierenden Intermediat
Zerfall eines N-Nitrosoharnstoffs zu einem alkylierenden Intermediat

Im Organismus kann der Zerfall von N-Nitrosoharnstoffen mit höherem Substitutionsgrad ablaufen.<ref name="Toxilehrbuch" /> Eine alternative Entstehungsmöglichkeit von Diazonium- und Carbeniumionen ist durch die enzymatische Reaktion von Nitrosaminen gegeben.<ref name="Toxilehrbuch" />

Typische Begleiterscheinungen im Rahmen medizinischer Krebsbehandlung mittels N-Nitrosoharnstoffen sind die Beeinträchtigung des Knochenmarks (Schädigung des Stammzellkompartiments), des lymphatischen Gewebes und des Magen-Darm-Trakts.<ref name="Toxilehrbuch" />

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references />