Nordmetall
Nordmetall (vollständig Nordmetall – Verband der Metall- und Elektroindustrie e. V.) ist ein regionaler Arbeitgeberverband in Norddeutschland. Er vertritt nach Verbandsangaben rund 280 Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie mit etwa 130.000 Beschäftigten in Hamburg, Bremen, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern sowie im nordwestlichen Niedersachsen.<ref name="homepage">Über Nordmetall. Nordmetall e. V., abgerufen am 4. Juni 2025.</ref>
Nordmetall ist Mitglied des Bundesarbeitgeberverbandes Gesamtmetall.<ref>Mitgliedsverbände. Gesamtmetall, abgerufen am 17. September 2026.</ref>
Geschichte[Bearbeiten]
Vorgängerverbände[Bearbeiten]
Die Tradition organisierter Metallarbeitgeber im norddeutschen Raum geht auf das ausgehende 19. Jahrhundert zurück. Der 1890 gegründete Verband Deutscher Metallindustrieller – der Vorläufer des heutigen Dachverbands Gesamtmetall – umfasste von Beginn an auch regionale Gruppen in Norddeutschland.<ref name="gesamtmetall-historie">Historie. Gesamtmetall, abgerufen am 17. September 2026.</ref>
Nach der Zerschlagung der freien Wirtschaftsverbände im Nationalsozialismus gründeten die Unternehmen nach 1945 in den alliierten Besatzungszonen eigenständige regionale Organisationen neu. In Hamburg entstand im August 1945 der Verband der Eisen-, Metall- und Elektro-Industrie der Hansestadt Hamburg, in Bremen wurde 1950 der Arbeitgeberverband der Metallindustrie im Unterwesergebiet e. V. ins Leben gerufen.<ref name="uvhb">Historie der Unternehmensverbände im Lande Bremen. Unternehmensverbände im Lande Bremen e. V., abgerufen am 17. September 2026.</ref>
Der Verband für Hamburg und Schleswig-Holstein war unter anderem Verhandlungspartner im Metallarbeiterstreik um die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall (1956/1957), dem mit 114 Tagen längsten Arbeitskampf in der Geschichte der Bundesrepublik.<ref>Uwe Danker, Utz Schliesky (Hg.): Schleswig-Holstein 1800 bis heute – Eine historische Landeskunde. Husum Druck- und Verlagsgesellschaft, Husum 2014, ISBN 978-3-89876-748-4, S. 318–327.</ref><ref>Metallarbeiterstreik 1956–57. Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte, abgerufen am 17. September 2026.</ref> Nach der deutschen Wiedervereinigung wurde das Tarifgebiet auf Mecklenburg-Vorpommern ausgedehnt.
Fusion 2007[Bearbeiten]
Im April 2007 fusionierten drei regionale Vorgängerverbände zum heutigen Gesamtverband:
- das bisherige Nordmetall (Hamburg, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern),
- der Arbeitgeberverband der Metallindustrie im Unterwesergebiet e. V. (Bremen, Bremerhaven) sowie
- der Verband der Metallindustriellen des Nordwestlichen Niedersachsens e. V. (Oldenburg, Ostfriesland, Wilhelmshaven).
Zum Zeitpunkt des Zusammenschlusses vertrat der neue Verband rund 150.000 Beschäftigte in etwa 400 Unternehmen. Erster Präsident des fusionierten Verbands war der Bremerhavener Unternehmer Ingo Kramer, der 2013 an die Spitze der BDA wechselte.<ref name="welt-fusion">Nordmetall fusioniert drei Verbände. In: Die Welt. 22. April 2007, abgerufen am 17. September 2026.</ref><ref name="uvhb" />
Aufgaben[Bearbeiten]
Nordmetall verhandelt Flächentarifverträge für den Tarifbezirk Küste der Metall- und Elektroindustrie und vertritt seine Mitgliedsunternehmen gegenüber der Gewerkschaft IG Metall (Bezirk Küste) sowie gegenüber Politik und Öffentlichkeit in den norddeutschen Bundesländern. Der Verband bietet seinen Mitgliedern darüber hinaus arbeits- und sozialrechtliche Beratung sowie Prozessvertretung an.<ref name="homepage" />
Neben der regulären Mitgliedschaft mit voller Tarifbindung bietet Nordmetall – wie die meisten Arbeitgeberverbände der Metall- und Elektroindustrie – eine OT-Mitgliedschaft (ohne Tarifbindung) an, bei der Unternehmen nicht an die Flächentarifverträge gebunden sind, aber die arbeitsrechtlichen und arbeitswissenschaftlichen Dienstleistungen des Verbandes nutzen können.<ref name="homepage" /><ref>OT-Mitgliedschaft. Gesamtmetall, abgerufen am 17. September 2026.</ref>
2004 errichtete der Verband die Nordmetall-Stiftung, die regionale Projekte in Bildung, Wissenschaft und Kultur fördert.<ref>Über uns. Nordmetall-Stiftung, abgerufen am 17. September 2026.</ref> Weiterbildungs- und Qualifizierungsangebote bündelt der Verband seit 2009 in der gemeinnützigen Gesellschaft Nordbildung – Bildungsverbund für die Metall- und Elektroindustrie.<ref>Nordbildung. Nordbildung gGmbH, abgerufen am 17. September 2026.</ref>
Pilotabschluss 2024[Bearbeiten]
Im November 2024 fungierte der Verband erstmals als bundesweiter Pilotbezirk für die Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie. Nordmetall und die IG Metall (Bezirk Küste) einigten sich am 12. November 2024 in Hamburg gemeinsam mit dem bayerischen vbm auf einen Tarifabschluss mit 25 Monaten Laufzeit für die rund 3,9 Millionen Beschäftigten der Gesamtbranche, der anschließend bundesweit übernommen wurde. Historisch waren richtungsweisende Leitabschlüsse zuvor fast ausnahmslos in den Tarifbezirken Baden-Württemberg oder Nordrhein-Westfalen erzielt worden.<ref>Pilotabschluss in der Metall- und Elektroindustrie 2024. IG Metall, 12. November 2024, abgerufen am 17. September 2026.</ref><ref>Tarifabschluss 2024. Gesamtmetall, 12. November 2024, abgerufen am 17. September 2026.</ref><ref>Andreas Kempf: Metall-Tarifabschluss: Erfolgreicher Kompromiss bei Löhnen und Arbeitszeiten. In: Markt und Mittelstand. 12. November 2024, abgerufen am 17. September 2026.</ref>
Organisation[Bearbeiten]
Nordmetall ist als eingetragener Verein organisiert und hat seinen Sitz in Hamburg (City Nord).<ref name="homepage" />
- Präsident: Folkmar Ukena (seit November 2020), geschäftsführender Gesellschafter der Leda Werk GmbH & Co. KG in Leer.<ref>Verbände: Ukena tritt Präsidentenposten bei Nordmetall an. In: Die Zeit. 23. November 2020, abgerufen am 17. September 2026.</ref>
- Hauptgeschäftsführer: Nico Fickinger (seit Januar 2014), zuvor Geschäftsführer für Kommunikation und Grundsatzfragen bei Gesamtmetall.<ref>Nico Fickinger wird Hauptgeschäftsführer bei Nordmetall. In: politik&kommunikation. 22. August 2013, abgerufen am 17. September 2026.</ref>
Weblinks[Bearbeiten]
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references />