Optogenetik
Die Optogenetik ist eine biologische Technologie, um zelluläre Aktivität mit Licht kontrollieren zu können. Dazu werden Fremdgene in die Zielzellen eingeschleust, die zur Expression lichtempfindlicher Ionenkanäle, Transporter oder Enzyme führen. Im weiteren Sinne werden auch fluoreszierende Proteine zu den optogenetischen Werkzeugen gerechnet, die es erlauben, zelluläre Aktivität mit Licht zu messen. Die optogenetische Kontrolle der Aktivität von Nervenzellen hat bereits zu zahlreichen neuen Erkenntnissen über die Funktion neuronaler Schaltkreise geführt.<ref>Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Literatur“ ist nicht vorhanden. <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Vorlage:Webarchiv/WaybackSkriptfehler: Ein solches Modul „TemplatePar“ ist nicht vorhanden.Skriptfehler: Ein solches Modul „TemplUtl“ ist nicht vorhanden.</ref>
Geschichte und Protagonisten[Bearbeiten]
Grundlage für diese Forschungsrichtung war die Entdeckung von Rhodopsin in Bakterien (Bacteriorhodopsin) Anfang der 1970er Jahre durch Dieter Oesterhelt, der 2021 dafür von der Lasker Foundation einen Preis bekam.<ref>Yannick Ramsel: Man muss offen bleiben für den Zufall. Interview mit Dieter Oesterhelt. In: Die Zeit Nr. 40 vom 30. September 2021, S. 41 </ref>
Als führende Entwickler des Forschungszweiges der Optogenetik gelten Karl Deisseroth<ref>Kerri Smith: Method man: Karl Deisseroth is leaving his mark on brain science one technique at a time, in: Nature, Band 497 vom 30. Mai 2013, S. 550.</ref> und seine ehemaligen Mitarbeiter Edward Boyden<ref>Millisecond-timescale, genetically targeted optical control of neural activity.Nat Neurosci 8, 1263–1268 (2005). Boyden, E.S., Zhang, F., Bamberg, E., Nagel, G. & Deisseroth, K. Nat Neurosci 8, 1263–1268 (2005).</ref> und Feng Zhang<ref>Kerry Grens: Feng Zhang: The Midas of Methods. in: The Scientist Magazine.</ref>. Der entscheidende Durchbruch gelang durch die Entdeckung, dass sich lichtgesteuerte Kanäle aus einer Alge in Zellen anderer Organismen einbauen lassen und diese dadurch lichtempfindlich machen. Georg Nagel und Peter Hegemann veröffentlichten diese Entdeckung 2002<ref>Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Literatur“ ist nicht vorhanden.</ref> und 2003<ref>Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Literatur“ ist nicht vorhanden.</ref> und schickten ihr fluoreszenzmarkiertes genetisches Werkzeug an die Arbeitsgruppen von Karl Deisseroth, Roger Tsien und Alexander Gottschalk<ref>Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Literatur“ ist nicht vorhanden.</ref>. Zu den Wegbereitern der Optogenetik avant la lettre werden auch Gero Miesenböck und Boris Zemelman mit ihren Forschungen aus den Jahren 2002<ref>Boris V. Zemelman, Georgia A. Lee, Minna Ng und Gero Miesenböck: Selective Photostimulation of Genetically ChARGed Neurons, in: Neuron, Band 33, Nr. 1 vom 3. Januar 2002, S. 15–22.</ref> und 2003<ref>Boris V. Zemelman, Nasri Nesnan, Georgia A. Lee und Gero Miesenböck: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Vorlage:Webarchiv/WaybackSkriptfehler: Ein solches Modul „TemplatePar“ ist nicht vorhanden.Skriptfehler: Ein solches Modul „TemplUtl“ ist nicht vorhanden., in: PNAS, Band 100, Nr. 3 (2003), S. 1352–1357.</ref> gerechnet.<ref>Lief Fenno, Ofer Yizhar und Karl Deisseroth: The Development and Application of Optogenetics, in: Annual Review of Neuroscience, Band 34 (2011), S. 389–412, hier S. 390f.</ref> Die Optogenetik wurde von der Zeitschrift Nature Methods zur Methode des Jahres 2010 gekürt.<ref name="DOI10.1038/nmeth.f.321">Anonym: Method of the Year 2010. In: Nature Methods. 8, 2010, S. 1–1, doi:10.1038/nmeth.f.321.</ref> Die Pioniere der Optogenetik wurden 2013 mit dem Brain Prize ausgezeichnet.
2020 wurde der Mediziner Botond Roska für seine Forschung auf dem Gebiet der Optogenetik mit dem Körber-Preis ausgezeichnet. Er untersucht, wie geschädigte Netzhäute mit Gentherapie geheilt werden können. 2021 gelang es einem internationalen Forschungsteam erstmals, einem durch Retinitis pigmentosa erblindeten 58-jährigen Patienten mit einer optogenetischen Therapie partiell das Sehen wieder zu ermöglichen.<ref>Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Internetquelle“ ist nicht vorhanden. Skriptfehler: Ein solches Modul „DateTime“ ist nicht vorhanden. ehemals im Vorlage:Referrer (nicht mehr online verfügbar) (Skriptfehler: Ein solches Modul „Multilingual“ ist nicht vorhanden.).Vorlage:Toter Link/Core (Seite nicht mehr abrufbar. Suche im Internet Archive)Skriptfehler: Ein solches Modul „TemplatePar“ ist nicht vorhanden.Skriptfehler: Ein solches Modul „TemplatePar“ ist nicht vorhanden.</ref>
Beschreibung[Bearbeiten]
Es handelt sich bei dieser Technologie um eine Kombination von Methoden der Optik und der Genetik, mit dem Ziel, bestimmte funktionelle Ereignisse in spezifischen Zellen oder lebenden Geweben an- (Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:lang“ ist nicht vorhanden.) oder abzuschalten (Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:lang“ ist nicht vorhanden.). Hierbei werden lichtempfindliche Proteine auf gentechnischem Wege durch Manipulation der codierenden DNA (d. h. des entsprechenden Gens) verändert und anschließend in bestimmte Zielzellen bzw. -gewebe eingebracht. Unter Lichteinfluss ist es anschließend möglich, das Verhalten der in dieser Weise modifizierten Zellen zu kontrollieren.
Die Optogenetik erlaubt also eine gezielte und überaus schnelle (Millisekundenbereich) Kontrolle von exakt definierten Ereignissen in komplexen biologischen Systemen.<ref name="Deisseroth_2011">Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Literatur“ ist nicht vorhanden.</ref> Möglich werden hierdurch Untersuchungen auf Proteinebene (Anwendungen in der Molekularbiologie), auf Ebene von einzelnen Zellen (Zellbiologie) und definierten Geweben (Histologie) oder sogar auf Ebene von sich frei bewegenden Säugetieren (Verhaltensbiologie).
Die von der Wissenschaftszeitschrift Nature Methods zur „Methode des Jahres 2010“ erkorene Technologie wird in Tiermodellen für Parkinson und Epilepsie erprobt.<ref name="Deisseroth_2011" /><ref name="ZeitOnline_2011" /><ref name="NatureMethods_2011">Vorlage:Cite book/Name: [Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Internetquelle“ ist nicht vorhanden. Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Internetquelle“ ist nicht vorhanden.] Nature, Skriptfehler: Ein solches Modul „DateTime“ ist nicht vorhanden., archiviert vom Vorlage:Referrer (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL.Skriptfehler: Ein solches Modul „TemplatePar“ ist nicht vorhanden.Skriptfehler: Ein solches Modul „TemplatePar“ ist nicht vorhanden.Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref>
Optogenetische Verfahren werden heute schon genutzt, um unterschiedliche intrazelluläre Prozesse, wie z. B. die Lokalisation von Proteinen in bestimmten Regionen der Zelle oder die Produktion spezifischer Moleküle wie Second Messenger (sekundäre Botenstoffe), zu erforschen bzw. zu kontrollieren.<ref name="Toettcher_2011">Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Literatur“ ist nicht vorhanden.</ref> Durch diese gezielte Modifizierung der zellulären Signalkaskaden erfährt die Zellbiologie derzeit einen Erkenntniszuwachs über intrazelluläre Abläufe, wie er noch vor einigen Jahren kaum vorstellbar war. Auch in der Neurobiologie, wo das Verfahren erstmals entwickelt wurde, ermöglicht es bislang undenkbar detaillierte Einblicke in die Arbeitsweise des Nervensystems und des Gehirns.<ref name="ZeitOnline_2011">Vorlage:Cite book/Name: [Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Internetquelle“ ist nicht vorhanden. Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Internetquelle“ ist nicht vorhanden.] Zeit Online, Skriptfehler: Ein solches Modul „DateTime“ ist nicht vorhanden., archiviert vom Vorlage:Referrer (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL.Skriptfehler: Ein solches Modul „TemplatePar“ ist nicht vorhanden.Skriptfehler: Ein solches Modul „TemplatePar“ ist nicht vorhanden.Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref><ref name="DOI10.1038/nature12466">Silvana Konermann, Mark D. Brigham u. a.: Optical control of mammalian endogenous transcription and epigenetic states. In: Nature. 2013, doi:10.1038/nature12466.</ref>
Channelrhodopsin als Beispiel für einen optogenetischen Schalter[Bearbeiten]
Ein Beispiel, wie die Optogenetik auf molekularer Ebene eingesetzt wird, ist die Verwendung einer genetisch modifizierten Form des Channelrhodopsins (ChR2) als „Schalter“-Molekül. Channelrhodopsine sind von Natur aus eigenständige, lichtgesteuerte Ionenkanäle. Sie sind trotz struktureller Verwandtheit keine so genannten G-Protein-gekoppelten Rezeptoren. Es ist nun möglich, das in den Intrazellularraum hineinreichende C-terminale Ende des ChR2-Proteins zu ersetzen oder zu verändern (modifizieren), ohne dass die Funktion des Proteins als Ionenkanal beeinträchtigt wird. Die genetisch modifizierten Fusions-Proteine können anschließend mit Hilfe einer Reihe von Transfektionstechniken (virale Transfektion, Elektroporation, Genkanone) in erregbaren Zellen wie Neuronen eingebracht und dort zur Expression (Produktion) gebracht werden. Vitamin A, die Vorstufe des lichtabsorbierenden Chromophors Retinal, ist in Wirbeltier-Zellen meist schon vorhanden, so dass sich erregbare Zellen, die ein Channelrhodopsin exprimieren, durch Beleuchtung einfach depolarisieren lassen. Dies erlaubt wiederum den Einsatz von modifizierten Channelrhodopsinen, beispielsweise für Anwendungen wie die Photostimulation von Neuronen. Das blauempfindliche ChR2 in Kombination mit der durch Gelblicht-aktivierbaren Chlorid-Pumpe Halorhodopsin erlauben das An- und Abschalten der neuronalen Aktivität innerhalb von Millisekunden.<ref name="ZhangDeisseroth2007">Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Literatur“ ist nicht vorhanden.</ref>
Wird ChR2 mit einem Fluoreszenzlabel markiert, können durch Licht angeregte Axone und Synapsen im intakten Gehirngewebe identifiziert werden.<ref name="ZhangOertner2007">Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Literatur“ ist nicht vorhanden.</ref> Diese Technik lässt sich zur Aufklärung der molekularen Ereignisse während der Induktion synaptischer Plastizität einsetzen.<ref name="ZhangOertner2008">Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Literatur“ ist nicht vorhanden.</ref> Mit Hilfe von ChR2 wurden weitreichende neuronale Bahnen im Gehirn kartiert.<ref name="PetrenauSvoboda2007">Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Literatur“ ist nicht vorhanden.</ref> Dass sich das Verhalten transgener Tiere, die ChR2 in einem Anteil ihrer Neuronen exprimieren, durch intensive Beleuchtung mit Blaulicht berührungslos kontrollieren lässt, wurde bereits für Nematoden, Taufliegen, Zebrafische und Mäuse gezeigt.<ref name="Douglass2008">Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Literatur“ ist nicht vorhanden.</ref><ref name="Huber2008">Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Literatur“ ist nicht vorhanden.</ref> Eine überraschende Entdeckung war, dass sich durch gezielte Mutationen die Ionenselektivität von ChR2 von Kationen (Na+, K+) auf Anionen (Cl−) umstellen lässt.<ref>Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Literatur“ ist nicht vorhanden.</ref> Anionen-leitende Channelrhodopsine werden verwendet, um neuronale Aktivität mit Licht zu unterdrücken.<ref>Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Literatur“ ist nicht vorhanden.</ref><ref>Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Literatur“ ist nicht vorhanden.</ref>
Literatur[Bearbeiten]
- Edward Boyden und T. Knopfel (Hrsg.): Optogenetics: Tools for Controlling and Monitoring Neuronal Activity (= Progress in Brain Research, Band 196), Elsevier, Amsterdam 2012. (Link zum kostenfreien ersten Kapitel: A comprehensive concept of optogenetics)
- [1] The Brain Prize 2013 jointly awarded to Ernst Bamberg, Edward Boyden, Karl Deisseroth, Peter Hegemann, Gero Miesenböck and Georg Nagel for ‘…their invention and refinement of optogenetics. …’
- Optogenetik – Chancen in der Anwendung, BT-Drs. 19/9084Skriptfehler: Ein solches Modul „TemplatePar“ ist nicht vorhanden.
- Sébastien Tremblay et al., An Open Resource for Non-human Primate Optogenetics, Neuron, Volume 108, Issue 6, 2020, Pages 1075-1090.e6, https://doi.org/10.1016/j.neuron.2020.09.027.
Weblinks[Bearbeiten]
- Licht ist besser! Interview mit Peter Hegemann
- Channelrhodopsin mediating optical activation of neurons (englisch)
- Von den Lichtrezeptoren einzelliger Algen zur lichtgesteuerten Maus (allgemeinverständliche Vorlesung)
- Optogenetics: Method of the Year 2010
- Neue Möglichkeiten durch Optogenetik. Studiogespräch mit Peter Hegemann
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references />