Orbiculit
Der Orbiculit (auch manchmal 'Orbicularit') ist ein plutonisches Gestein mit rundlichen Gebilden (Plural: Orbicule) aus einem konzentrisch angeordneten Schalenaufbau in einer feinkristallinen Matrix. Im Aussehen sind die runden/ellipsoiden Zonen visuell durch mineralische Zusammensetzung, Farbe und Kristallgröße deutlich erkennbar und voneinander abgegrenzt. Die Größe der „Kugeln“ liegt typischerweise zwischen 5 und 10 cm, kann aber auch deutlich größer ausfallen. Solche Texturen finden sich in den Gesteinsarten Granit ('Kugelgranit'), Monzonit, Diorit ('Kugeldiorit'), Gabbroide und weiteren magmatischen Gesteinen. Die rundlich ausgeprägten Aggregate entstehen wahrscheinlich durch eine durch rapiden Druckverlust ausgelöste Kristallisation in der Schmelze um einen Kristallisationskern herum. Ihre Entstehungsweise ist jedoch noch nicht abschließend geklärt.
Finnische Vorkommen[Bearbeiten]
In Finnland gibt es ungefähr 90 bekannte Orbicularitvorkommen,<ref name="Lahti">Seppo I. Lahti (Hrsg.), Paula Raivio, Ilkka Laitakari: Orbicular Rocks in Finland. Geological Survey of Finland, Espoo 2005 (Seite nicht mehr abrufbar. Suche im Internet Archive).</ref> was ungefähr der Hälfte der weltweit bekannten Vorkommen entspricht. Der Grund dafür ist die Kombination granitoider Gesteine mit einer flächendeckenden geologischen Forschung in Finnland. Orbicularite eignen sich aufgrund ihres Aussehens hervorragend für dekorative Zwecke an Gebäuden und für Skulpturen. Aufgrund ihrer Seltenheit stehen die Vorkommen in Finnland unter Naturschutz.
Der Orbicularit ist das Wahrzeichen der südwestfinnischen Provinz Pirkanmaa. Es gibt dort 10 bekannte Vorkommen.
Weitere Vorkommen[Bearbeiten]
Trotz des seltenen Auftretens von Orbicularit, werden weltweit immer weitere kleinere Vorkommen entdeckt.
- im schwedischen Småland, Slättemossa als Quarz-Monzodiorit<ref>Orbiculit von Slättemossa in Schweden. Abgerufen am 16. Oktober 2019.</ref><ref>Anders Lindh, Helena Näsström: Crystallization of orbicular rocks exemplified by the Slättemossa occurrence, southeastern Sweden. In: Geological Magazine. Band 143, Nr. 5, 2006, ISSN 1469-5081, S. 713–722, doi:10.1017/S001675680600210X (cambridge.org [abgerufen am 16. Oktober 2019]).</ref>
- in Chile, Cordón de Lila als Granodiorit<ref>Hans Niemeyer Rubilar: La granodiorita orbicular del Cordón de Lila, región de Antofagasta, Chile. In: Andean Geology. Band 45, Nr. 1, 14. November 2017, ISSN 0718-7106, S. 104, doi:10.5027/andgeoV45n1-3114 (andeangeology.cl [abgerufen am 16. Oktober 2019]).</ref>
- in Chile, Santuario de la Naturaleza Granito Orbicular als Kugelgranit–Tonalit<ref>Luis Aguirre, F. Hervé, Mónica del Campo: An orbicular tonalite from Caldera, Chile. In: Journal of the Faculty of Science, Hokkaido University, Japan. Vol. 17 (2), 1976, S. 231–259.</ref>
- in Österreich im Granit- und Gneisplateau der Böhmischen Masse<ref>Peter Arthofer, Christian Kofler: Ein hervorragender Neufund eines Orbiculits im oberösterreichischen Mühlviertel. In: Oberösterreichische Geonachrichten. Jg. 21, 2006, S. 19–26 (Vorlage:ZOBODAT [PDF; 10,0 MB]).</ref>
Literatur[Bearbeiten]
- Hans-Peter Meyer: Zur Petrologie von Orbiculiten. (Dissertation) Karlsruhe 1989.
- Hans-Peter Meyer: Orbiculite – faszinierende granitoide Gesteine. Geowissenschaften, Jg. 15 (1997), Heft 12, S. 385–391, doi:10.2312/geowissenschaften.1997.15.385.
Weblinks[Bearbeiten]
- Finnland – Magmatite – Orbiculite (Kugelgesteine). Darstellung von Geschiebefunden auf www.skan-kristallin.de.
- Kugelgesteine – Orbiculite. Darstellung auf www.kristallin.de.
- Orbiculite bei www.mindat.org.
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references />