Oscar Toepffer
Oscar Toepffer (* 4. November 1896 in Hamburg; † 9. August 1982 ebenda<ref name=":1" />) war ein deutscher Jurist und war ab 1938 Beigeordneter und Senator des NS-Senates in Hamburg. Ab Ende Juni 1945 amtierte er kurzzeitig als Justizsenator im Hamburger Senat.<ref name=":1">Hans-Peter de Lorent: Biografie Oscar Toepffer: "Man wird eines Tages die Frage aufwerfen, ob der Führer als Staatsmann oder als Feldherr größer war." In: Landeszentrale für politische Bildung (Hrsg.): Täterprofile. Die Verantwortlichen im Hamburger Bildungswesen unterm Hakenkreuz und in der Zeit nach 1945. Band 2. Hamburg 2017, S. 51–81 (hamburg.de [PDF]).</ref>
Leben[Bearbeiten]
Oscar Toepffer wurde als Sohn des Kaufmanns Karl Johannes Oscar Toepffer und seiner Ehefrau Elisabeth geboren. Er besuchte von 1905 bis 1914 das Realgymnasium des Johanneums, wo er als hervorragender Schüler das Abitur ablegte. Sein Vater verstarb bereits während Oscar Toepffers Schulzeit. Toepffer meldete sich freiwillig zum Kriegsdienst für den Ersten Weltkrieg und wurde im August 1914 eingezogen, er war bis Kriegsende an der Front eingesetzt und diente zuletzt im Rang eines Leutnants.<ref name=":1" />
1919 begann er ein Studium der Rechts- und Staatswissenschaften in Jena und Hamburg, das er bereits im Mai 1921 mit dem ersten Staatsexamen abschloss. Das Referendariat absolvierte er bis Juli 1923 in Folge bei den Landherrenschaften sowie bei der Staatsanwaltschaft und beim Landgericht. Anschließend trat er als Jurist in den hamburgischen Staatsdienst ein und war wiederum bei der Landherrenschaft tätig, wo er nach seiner Assessorenzeit im Jahr 1925 zum Regierungsrat und 1929 zum Oberregierungsrat befördert wurde.<ref name=":1" />
Nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten wechselte Toepffer im März 1933 in die Wohlfahrtsbehörde. Im Februar 1934 wurde er im hamburgischen Staatsamt eingesetzt und im November desselben Jahres zum Regierungsdirektor befördert.<ref name=":0">Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Hamburg: Nazibiographien (37) - Oscar Toepffer. (PDF) Abgerufen am 1. August 2022.</ref> Toepffer profilierte sich<ref name=":1" /> mit der rechtlichen Ausgestaltung des Groß-Hamburg-Gesetzes<ref>Peter Ulrich Meyer: Prozess: Verhärtete Fronten im Streit um einen Hamburger NS-Senator. Hamburger Abendblatt, 27. Juli 2022, abgerufen am 1. August 2022.</ref> bei Bürgermeister Carl Vincent Krogmann und bei Reichsstatthalter Karl Kaufmann. Am 28. Juni 1937 beantragte er die Aufnahme in die NSDAP und wurde rückwirkend zum 1. Mai desselben Jahres aufgenommen (Mitgliedsnummer 4.177.601).<ref>Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/44910905</ref> Nach der Neuregelung der Hamburgischen Verfassung durch das neue Gesetz wurde Toepffer 1938 als Beigeordneter mit der Amtsbezeichnung Stadtrechtsrat Mitglied der Hamburger Regierung und war damit Leiter des Rechtsamtes und der Organisationsabteilung, des späteren Personalamts in Hamburg.<ref name=":1" />
Während des Zweiten Weltkriegs war Toepffer von September 1939 bis Kriegsende 1945 als Soldat unter anderem in Polen, Frankreich und Dänemark eingesetzt und wurde zum Hauptmann und 1942 zum Major befördert. Während dieser Zeit führte er für wenige Monate von 1940 bis Mai 1941 vertretungsweise für Karl Witt die Schulverwaltung.<ref name=":1" />
Nach Kriegsende hatte Toepffer im Zeitraum von Ende Juni bis Mitte November 1945, ernannt durch Bürgermeister Rudolf Petersen, wieder die Verantwortung für das Rechtsamt. Auch wurde ihm die neu eingerichtete Beratungsstelle für Wiedergutmachungsansprüche der in der Zeit des Nationalsozialismus wegen ihrer politischen oder weltanschaulichen Einstellung geschädigten Menschen unterstellt.<ref name=":1" />
Aufgrund einer geringfügigen Tätigkeit Toepffers ab 1942 im Stiftungsrat der von Alfred Toepfer gegründeten Stiftung F. V. S., gegen welche die Britische Besatzungsmacht unter anderem wegen der Beziehungen des Stiftungsgründers zu hochrangigen NS-Funktionären ermittelte, wurde Toepffer verhört. Obwohl Bürgermeister Petersen der britischen Militärregierung gegenüber eine Erklärung über die Ehrenhaftigkeit Oscar Toepffers abgab, wurde dieser am 14. November 1945 aus dem Dienst entlassen.<ref name=":1" /> Im Rahmen seines Entnazifizierungsverfahrens im Oktober 1946 wurde ihm die Unbedenklichkeit bezüglich seiner Wiedereinstellung bescheinigt. Eine Wiedereinstellung wurde aber vom Hamburger Senat im Dezember 1946 abgelehnt mit der Begründung, es gebe keine Möglichkeit, Toepffer eine adäquate Position zu übertragen. 1952 wurde er aus dem Wartestand in den Ruhestand versetzt und erhielt eine Pension.<ref name=":1" />
Nach der Ablehnung seiner Wiedereinstellung erhielt er die Zulassung als Anwalt und vertrat unter anderem aus politischen Gründen entlassene ehemalige Nationalsozialisten bei der Durchsetzung ihrer Pensionsansprüche. Des Weiteren war er hauptsächlich im Bereich des Verwaltungsrechts tätig und beschäftigte sich dabei auch mit Gutachten für wichtige Gesetzesvorhaben, beispielsweise für ein neues Hochschulrahmengesetz.<ref name=":1" />
Oscar Toepffer arbeitete bis 1978 als Anwalt in seinem Haus in Wohldorf. Er starb am 9. August 1982.<ref name=":1" />
Klage gegen Veröffentlichung privater Briefwechsel[Bearbeiten]
Eine Enkelin Oscar Toepffers, die Rechtsanwältin Christel Sachs, klagte gegen die Veröffentlichung privater Briefwechsel ihres Großvaters in der Buchreihe „Täterprofile“ des Historikers Hans-Peter de Lorent, herausgegeben von der Landeszentrale für politische Bildung Hamburg. Die Buchreihe schildert in Portraits „Die Verantwortlichen im Hamburger Bildungswesen unterm Hakenkreuz und in der Zeit nach 1945“<ref name=":1" />.
Das Hanseatische Oberlandesgericht wies die Klage nach sechsjährigem Rechtsstreit 2024 in letzter Instanz ab.<ref name=":2">Urteil des Hanseatischen Oberlandesgerichts. In: hamburg.de. 16. September 2024, abgerufen am 10. September 2025.</ref>
Schriften[Bearbeiten]
- Festschrift zur Feier des hundertjährigen Bestehens der Firma J. C. Frese & Co. in Hamburg am 1. November 1929: 1829–1929, Hamburg 1929.
- Die wichtigsten hamburgischen Gesetze und Verordnungen, Otto Meissners Verlag, Hamburg 1948.
Siehe auch[Bearbeiten]
Literatur[Bearbeiten]
- Edith Raim: Justiz zwischen Diktatur und Demokratie. Wiederaufbau und Ahndung von NS-Verbrechen in Westdeutschland 1945–1949, Oldenbourg Verlag, München 2013, ISBN 978-3-486-70411-2.
- Sarah Schmidt: Das Staatsarchiv Hamburg im Nationalsozialismus, Hamburg University Press, Hamburg 2016, ISBN 978-3-943423-29-7.
- Uwe Schmidt: Nationalsozialistische Schulverwaltung in Hamburg. Vier Führungspersonen, Hamburg University Press, Hamburg 2008, ISBN 978-3-937816-49-4.
- Hans-Peter de Lorent: Täterprofile. Die Verantwortlichen im Hamburger Bildungswesen unterm Hakenkreuz und in der Zeit nach 1945. Band 2. Hamburg 2017, Landeszentrale für politische Bildung Hamburg, ISBN 978-3-946246-13-8.
Weblinks[Bearbeiten]
- Peter Gabrielsson: Zwischen Kapitulation und Senatsneubildung. Die Hamburgische Verwaltung in den ersten Nachkriegstagen 1945, abgerufen am 23. Februar 2017.
- Hans-Peter de Lorent: Täterprofile. Die Verantwortlichen im Hamburger Bildungswesen unterm Hakenkreuz, abgerufen am 23. Februar 2017.
- Biografien-Datenbank: NS‑Dabeigewesene
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references />
Oscar Toepffer | Rudolf Petersen | Christian Koch | Wilhelm Kröger | Edgar Engelhard | Wilhelm Kröger | Emilie Kiep-Altenloh | Gerhard Kramer | Peter Schulz | Ernst Heinsen | Hans-Joachim Seeler | Ulrich Klug | Gerhard Moritz Meyer | Frank Dahrendorf | Eva Leithäuser | Wolfgang Curilla | Lore Maria Peschel-Gutzeit | Klaus Hardraht | Wolfgang Hoffmann-Riem | Lore Maria Peschel-Gutzeit | Roger Kusch | Carsten-Ludwig Lüdemann | Till Steffen | Heino Vahldieck | Jana Schiedek | Till Steffen | Anna Gallina
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Toepffer, Oscar |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Jurist und Hamburger Justizsenator |
| GEBURTSDATUM | 4. November 1896 |
| GEBURTSORT | Hamburg |
| STERBEDATUM | 9. August 1982 |
| STERBEORT | Hamburg |