Otto Binder (Manager)
Otto Binder (* 2. Jänner 1910 in Wien, Österreich-Ungarn;<ref>Geburtenbuch der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, 1910, Geburtsbuch 66, Nr. 35 (Faksimile bei FamilySearch, kostenlose Registrierung erforderlich).</ref> † 15. Februar 2005 ebenda) war von 1959 bis 1981 Generaldirektor der Wiener Städtischen Wechselseitigen Versicherungsanstalt. Er war ein Zeitzeuge der Verbrechen der Nationalsozialisten.
Leben und Werk[Bearbeiten]
Otto Binder, der seinen Vater, den Kaufmann Julius Binder (1873–1915)<ref>Geburtenbuch der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, E 1872 Okt.-1874 Sep., Geburtsbuch 32, Nr. 5174 (Faksimile bei FamilySearch, kostenlose Registrierung erforderlich).</ref> im Ersten Weltkrieg verloren hatte, fand schon früh den Weg in die sozialistische Jugendbewegung, die für ihn Familienersatz wurde, Ort der Assimilation und Inbegriff der Solidarität.<ref>Centropa: Hochzeitsfoto von Otto Binders Eltern Julius und Hermine Binder, 23. September 2025.</ref> Ab 1928 war er Obmann der Sozialistischen Arbeiter-Jugend Innere Stadt (SAJ). Nach seiner berufsbedingten Übersiedlung als Angestellter der Wiener Städtischen Versicherung nach Salzburg war er von 1931 bis 1934 Obmann der SAJ Salzburg-Stadt. Im April 1934 wurde er wegen Betätigung für die bereits verbotene Sozialdemokratische Arbeiterpartei vorübergehend verhaftet und von seinem Arbeitgeber entlassen. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde er erneut verhaftet und zunächst im Konzentrationslager Dachau interniert, später im KZ Buchenwald. Binder war jüdischen Glaubens.<ref>"First Lady" will sie nicht genannt werden. Standard, 8. Juli 2004, abgerufen am 5. Juni 2025.</ref>
Nach einjähriger Haft gelang es dem Matteotti-Komitee in Paris, eine Ausreisegenehmigung für Binder zu erlangen. Er emigrierte nach Schweden, erlernte den Beruf des Metallarbeiters und war später als Angestellter der schwedischen genossenschaftlichen Versicherungsgruppe Folksam tätig. In Schweden heiratete Binder auch seine langjährige Gefährtin Anni Pusterer (1913–2000).<ref> Pfarre Saalfelden, Taufbuch XVII, 1911–1916, S. 178., abgerufen am 26. November 2025.</ref><ref>Otto Binder: Wien - retour. Bericht an die Nachkommen. böhlauWien, 1997, ISBN 3-205-98674-1.</ref> Das Paar hatte drei Kinder, von denen zwei im Exil geboren wurden. Die Tochter Margit (* 1943) ist seit 1968 mit dem früheren Bundespräsidenten Heinz Fischer verheiratet, der Sohn Lennart (* 1948) arbeitet als Rechtsanwalt und Menschenrechtsaktivist in Wien, Tochter Marianne kam 1953 in Wien zur Welt<ref>Margit Fischer: Was wir weitergeben. Brandstätter Verlag, 2015, ISBN 978-3-85033-925-4.</ref>. Zum Freundeskreis der Binders in Schweden zählten unter anderen die Ehepaare Kreisky, Reitbauer, Böhm und Stern.
Nach dem Krieg erfuhr Otto Binder, dass seine Mutter Hermine Binder (geb. Weissenstein) (1880–1942), sowie seine Tante in Maly Trostinez; seine Schwester, Hedwig Binder (1908–1942) in Auschwitz umgekommen war.<ref>profil: Das Auschwitz der Wiener Juden, 28. September 2025.</ref>
1949 kehrte er mit seiner Frau und seinen Kindern nach Wien zurück. Otto Binder fand wiederum eine Anstellung bei der Wiener Städtischen Versicherungsanstalt, war maßgeblich am Bau des Wiener Ringturms beteiligt<ref>Austria Presse Agentur: Wiener Städtische: Generaldirektor i.R. Otto Binder: 1910 – 2005, 16. Februar 2005</ref> und wurde 1959 als Nachfolger Norbert Liebermanns zum Generaldirektor des Unternehmens ernannt. Die 22 Jahre seiner Leitung waren von einem Aufschwung des Unternehmens gekennzeichnet. Binder war auch Präsident des Aufsichtsrates der Austrian Airlines und im Aufsichtsrat anderer Unternehmungen vertreten. Auch im Ruhestand nahm Otto Binder regen Anteil am politischen Leben. Als Zeitzeuge stellte er sich Diskussionen und Gesprächen im öffentlichen Raum zur Verfügung. 2004 erlebte er die Wahl seines Schwiegersohnes zum österreichischen Bundespräsidenten. Noch wenige Tage vor seinem Tod nahm er an öffentlichen Veranstaltungen teil. Er wurde am Friedhof der Feuerhalle Simmering bestattet (Abt. 5, Ring 2, Gruppe 5, Nr. 70).<ref name="verstorbenensuche">Vorlage:Verstorbenensuche Wien</ref>
Buchpublikation[Bearbeiten]
- Wien – retour. Bericht an die Nachkommen. Salzburg – Buchenwald – Stockholm. Wien: Böhlau, 3. erg. Auflage 2010, ISBN 978-3-205-78534-7
Literatur[Bearbeiten]
- Binder, Otto, in: Werner Röder, Herbert A. Strauss (Hrsg.): Biographisches Handbuch der deutschsprachigen Emigration nach 1933. Band 1: Politik, Wirtschaft, Öffentliches Leben. München: Saur, 1980, S. 65
Nachweise[Bearbeiten]
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Binder, Otto |
| KURZBESCHREIBUNG | österreichischer Generaldirektor und Holocaust-Überlebender |
| GEBURTSDATUM | 2. Januar 1910 |
| GEBURTSORT | Wien |
| STERBEDATUM | 15. Februar 2005 |
| STERBEORT | Wien |
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- Österreichischer Emigrant zur Zeit des Nationalsozialismus
- Häftling im KZ Dachau
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