Otto Isakower
Otto Isakower (geboren 2. Juni 1899 in Wien, Österreich-Ungarn; gestorben 10. Mai 1972 in New York City) war ein US-amerikanischer Arzt, Psychiater und Lehr-Psychoanalytiker mit österreichischen Wurzeln.
Leben[Bearbeiten]
Otto Isakower war jüdischer Abstammung. Er studierte Medizin an der Universität Wien, wo er im Jahr 1923 promoviert wurde. Er arbeitete zusammen mit Paul Schilder und Heinz Hartmann in der psychiatrischen Klinik von Julius Wagner-Jauregg und spezialisierte sich an der Wiener medizinischen Fakultät auf dem Fachgebiet der Psychiatrie. Nach psychoanalytischen Sitzungen bei Paul Federn wurde er 1925 Mitglied der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung (WPV) und arbeitete als Lehranalytiker. 1934 wurde er stellvertretender Geschäftsführer von Eduard Hitschmann<ref name="EM">Elke Mühlleitner: Biographisches Lexikon der Psychoanalyse. Die Mitglieder der Psychologischen Mittwoch-Gesellschaft und der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung 1902–1938. Edition Diskord, Tübingen 1992, ISBN 3-89295-557-3, S. 166–167.</ref> im Ambulatorium des Wiener Psychoanalytischen Instituts. Beim 14. Internationalen Psychoanalytischen Kongress in Marienbad im Jahr 1936 hielt Isakower einen Vortrag zum Thema „Depersonalisation infolge Wiederauftretens eines frühes Ichstadiums“.<ref name="EM" /> 1938, im Jahr des Anschlusses Österreichs, floh er wie Sigmund Freud vor den Nationalsozialisten nach London. In London heiratete er die aus Auschwitz stammende Salomea Gutmann<ref>Elke Mühlleitner: Gutmann-Isakower, Salomea. In: Brigitta Keintzel, Ilse Korotin (Hrsg.): Wissenschafterinnen in und aus Österreich. Leben – Werk – Wirken. Wien : Böhlau, 2002, ISBN 3-205-99467-1, S. 269f.</ref>, die seit 1928 Mitglied der WPV war. Isakower wurde Mitglied der Britischen Psychoanalytischen Vereinigung. Er arbeitete in Liverpool und Manchester und wurde Mitherausgeber der von Anna Freud in London weitergeführten Gesamtausgabe der Gesammelten Werke Sigmund Freuds. Im Jahr 1940 wanderte das Ehepaar Isakower in die USA aus und verbrachte den Rest seines Lebens in New York City. Isakower wurde Mitglied der „New York Psychoanalytic Society“, wo er als Traumforscher und Lehranalytiker arbeitete. Er beschäftigte sich mit der Pädagogik der Psychoanalyse. Isakowers Leidenschaft galt der historischen Forschung. Nach dem Tod von Isakower übergab seine Witwe die Bibliothek sowie einen Teil ihres gemeinsamen Vermögens dem Hadassah University Medical Center in En Kerem, einem Vorort von Jerusalem.<ref name="EM" />
Isakower Phänomen[Bearbeiten]
Nach Isakower ist das „Isakower-Phänomen“ benannt, ein Phänomen der visuellen Vorstellung eines herannahenden und sich wieder entfernenden Objektes, das seine Patienten kurz vor dem Einschlafen erlebten.<ref>René A. Spitz: Die Urhöhle. Zur Genese der Wahrnehmung und ihrer Rolle in der psychoanalytischen Theorie., in: Psyche. Eine Zeitschrift für psychologische und medizinische Menschenkunde. IX. Jahrgang, 11. Heft, Berlin / Heidelberg, Februar 1956, S. 642.</ref>
Schüler[Bearbeiten]
Zu den Schülern von Otto Isakower gehört der in Lublin geborene US-Psychoanalytiker Zvi Lothane (* 1934).
Mit seiner Lehre der Techniken der Traumdeutung beeinflusste Isakower mehrere Generationen von Psychoanalytikern in New York City.<ref>Alain de Mijolla: Isakower, Otto. In: Encyclopedia.com, 26. Oktober 2020. Digitalisat, abgerufen am 30. Oktober 2020.</ref>
Werke[Bearbeiten]
- 1936: Beitrag zur Pathopsychologie der Einschlafphänomene.
- 1938: A Contribution to the Pathopsychology of Phenomena Associated with Falling Asleep.
- mit Michael Josef Eisler: De l’autre: trois références du Séminaire III de Jacques Lacan. Documents de la bibliothèque de l'école de la cause freudienne. E.C.F–A.C.F 1996.
Literatur[Bearbeiten]
- Eduard Kronengold (1973). Otto Isakower (1899–1972). In: International Journal of Psycho-Analysis, 54, S. 369.
- Zvi Lothane: Listening with the third ear as an instrument in Psychoanalysis: The contributions of Reik and Isakower. In: Psychoanalytic Review. 68, 1981, S. 487–503.
- Alain de Mijolla (2002). Isakower, Otto. In: Mijolla (ed.). Dictionnaire international de la psychanalyse. Paris: Calmann-Lévy.
- Franziska Roeder: Die „Traumleinwand.“ Bertram D. Lewins psychoanalytische Traumtheorie im Vergleich zum Kinoerlebnis. Studienarbeit, Humboldt-Universität Berlin, Institut für Kulturwissenschaft, Sommersemester 2009, zu Otto Isakower und dem Isakower-Phänomen S. 5.
- Jörg Peter Disse: Desiderius. Eine Philosophie des Verlangens. Kohlhammer Stuttgart 2016, S. 203 f. Digitalisat
Weblinks[Bearbeiten]
- Leo Baeck Institute, Center for Jewish History: Guide to the Otto Isakower Collection 1914–1974
- Library of Congress: Otto Isakower and Salomea Isakower papers, 1880–1975
- Vorlage:Deutsches Exilarchiv
- Psychoanalytic Electronic Publishing: Otto Isakower 1899–1972, abgerufen am 10. April 2020
- Alain de Mijolla: Isakower, Otto. In: Encyclopedia.com, 26. Oktober 2020. Digitalisat, abgerufen am 30. Oktober 2020.
- psyalpha: Otto Isakower
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Isakower, Otto |
| ALTERNATIVNAMEN | Isakover, Otto |
| KURZBESCHREIBUNG | US-amerikanischer Psychiater und Psychoanalytiker |
| GEBURTSDATUM | 2. Juni 1899 |
| GEBURTSORT | Wien |
| STERBEDATUM | 10. Mai 1972 |
| STERBEORT | New York City |
- Wikipedia:Seite mit Skriptfehlern
- Wikipedia:Defekter Dateilink
- Psychiater
- Psychoanalytiker
- Person um Sigmund Freud
- Mediziner (20. Jahrhundert)
- Sachbuchautor
- Person (Wien)
- Person (New York City)
- Österreichischer Emigrant zur Zeit des Nationalsozialismus
- Person (Cisleithanien)
- US-Amerikaner
- Österreicher
- Geboren 1899
- Gestorben 1972
- Mann