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Pagodenschnecke

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Pagodenschnecke
Datei:Pagodulina-pagodula 01.jpg

Pagodenschnecke (Pagodulina pagodula)

Systematik
Unterordnung: Landlungenschnecken (Stylommatophora)
Überfamilie: Pupilloidea
Familie: Fässchenschnecken (Orculidae)
Unterfamilie: Orculinae
Gattung: Pagodulina
Art: Pagodenschnecke
Wissenschaftlicher Name
Pagodulina pagodula
(Des Moulins, 1830)

Die Pagodenschnecke (Pagodulina pagodula) ist eine Schneckenart aus der Familie der Fässchenschnecken (Orculidae), die zur Unterordnung der Landlungenschnecken (Stylommatophora) gerechnet wird.

Merkmale[Bearbeiten]

Das gedrungene, walzenförmige Gehäuse ist 2,8 bis 3,3 mm hoch und 1,8 bis 2,2 mm breit (Wiese: 4,5 bis 6 × 2,3 bis 2,5 mm). Es besitzt 7 bis 8 gut gewölbte Windungen; die letzte Windung steigt im letzten Viertel zur Mündung hin an. Dadurch erreicht die Oberseite der Mündung fast die Naht der vorletzten Windung. Der Mundsaum ist geschlossen, die Mündungslippe ist nach außen gebogen und sehr fragil. In die Mündung ragen keine Zähne hinein. Sehr tief in der Mündung ist eine Spindelfalte und eine lange lamellenförmige Gaumenfalte ausgebildet. Sie sind von der Mündung aus gesehen nicht sichtbar, sondern erst nachdem ein Stück der Mündungswand heraus gebrochen ist. Der Gaumenfalte entspricht auf der Außenseite eine spiralige Furche. Das Gehäuse ist vergleichsweise dünnwandig und durchscheinend. Es ist schwach gelblich-braun oder hellhornbraun gefärbt. Die Oberfläche ist mit dichtstehenden, kräftigen und regelmäßigen, lamellenähnlichen Rippen versehen, die besonders bei frischen Gehäusen mit dem bloßen Auge seidig glänzend erscheinen.

Im männlichen Teil des Geschlechtsapparates tritt der Samenleiter apikal oder leicht seitlich in den vergleichsweise nur mäßig verdickten Epiphallus ein. Im Längsschnitt ist intern am proximalen Ende des Epiphallus noch ein rudimentäres Flagellum ausgebildet. Der geiselförmige Blindsack (Caecum) am Übergang Epiphallus/Penis ist sehr lang und erreicht fast die Länge des Epiphallus. Der Retraktormuskel setzt nicht ganz mittig noch in proximalen Hälfte des Epiphallus an. Der Penis zeigt intern längliche oder auch quer zur Längsachse verlaufende Faltenstrukturen. Im Lumen des Penis sind sehr kleine, tetragonale Kristalle eingelagert. Der Penis ist länger als der Epiphallus. Im weiblichen Teil sind Vagina und freier Eileiter etwa gleich lang, oder die Vagina etwas kürzer. Der Stiel der Spermathek ist kurz nach der Abzweigung vom Eileiter zu einer bohnenförmigen, seitlich ansetzenden Drüse verdickt. Die Blase ist länglich-eiförmig. Zwischen der Drüse am Stiel der Spermathek und der Blase zweigt ein langes, dünnes Divertikulum ab.

Geographische Verbreitung und Lebensraum[Bearbeiten]

Die Art kommt sehr zerstreut in Europa vor. Eines der Hauptvorkommen reicht von Südfrankreich bis nach Ostfrankreich (Haute Garonne, Dordogne, Puy de Dome, Moselle, Haut Rhin, Savoie, Elsass). Ein zweites größeres Vorkommen liegt in den Nördlichen Alpen von Berchtesgaden bis zum Wienerwald. Ein drittes größeres Vorkommen zieht sich von den Südostalpen über den Balkan bis nach Griechenland. Daneben gibt es isolierte Vorkommen in Südpolen, der Slowakei, Ukraine, Ungarn und Süditalien (Kalabrien). Es ist möglich, dass dieses große Verbreitungsgebiet z. T. auf Fehlbestimmungen beruht. Beispielsweise gehören die angeblichen Funde dieser Art im Rhodopen zur Unterart Pagodulina subdola brabeneci Hudec & Vasatko, 1971 der Südlichen Pagodenschnecke. Sehr wahrscheinlich kommt Pagodulina pagodula gar nicht in Bulgarien vor.<ref name="Irikov/Mollov" />

Die Art lebt sehr verborgen an feuchten, schattigen Standorten in Wäldern, zwischen Felsen und Kalkgeröll in der Laubstreu bzw. zwischen oder in den Felsen wachsenden Pflanzenpolstern auf kalkigem Untergrund.

Taxonomie und Systematik[Bearbeiten]

Das Taxon wurde 1830 von Charles Desmoulins als Pupa pagodula erstmals beschrieben.<ref name="Desmoulins" /> Es ist die Typusart der Gattung Pagodulina Clessin, 1876. Derzeit werden drei Unterarten unterschieden:<ref name="Fauna Europaea" />

  • Pagodulina pagodula altilis Klemm 1939,<ref name="Klemm" /> an der Grenze von Ostalpen/Westkarpathen
  • Pagodulina pagodula pagodula (Des Moulins 1830), Frankreich
  • Pagodulina pagodula principalis Klemm 1939,<ref name="Klemm" /> Nordostalpen und Westkarpathen

Gefährdung[Bearbeiten]

Nach der Einschätzung der IUCN ist die Art nicht gefährdet.<ref name="IUCN" /> In Deutschland ist die Art extrem selten.<ref name="Rote Liste Deutschland" />

Belege[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Klaus Bogon: Landschnecken Biologie, Ökologie, Biotopschutz. Natur Verlag, Augsburg, ISBN 3-89440-002-1, S. 114f.
  • Rosina Fechter, Gerhard Falkner: Weichtiere. (= Steinbachs Naturführer. 10). Mosaik-Verlag, München 1990, ISBN 3-570-03414-3, S. 146.
  • Edmund Gittenberger: Beiträge zur Kenntnis des Pupillacea VIII. Einiges über Orculidae. In: Zoologische Verhandelingen. 163, 1978, S. 3–44. (PDF)
  • Jürgen H. Jungbluth, Dietrich von Knore: Trivialnamen der Land- und Süßwassermollusken Deutschlands (Gastropoda et Bivalvia). In: Mollusca. 26(1), Dresden 2008, S. 105–156. ISSN 1864-5127
  • Michael P. Kerney, Robert A. D. Cameron, Jürgen H. Jungbluth: Die Landschnecken Nord- und Mitteleuropas. Paul Parey, Hamburg / Berlin 1983, ISBN 3-490-17918-8, S. 103.
  • Josef Harl, Helmut Sattmann, Anatolij A. Schileyko: Types of the Extant taxa of the landsnail genus Orcula Held 1837 (Gastropoda: Stylommatophora, Orculidae). In: Archiv für Molluskenkunde. 140(2), Frankfurt am Main 2011, S. 175–199.
  • Anatolij A. Schileyko: On the anatomy of Orculidae with special reference to the spermatophores (Gastropoda Pulmonata, Stylommatophora). In: Ruthenica. 22(2), 2012, S. 141–158. (PDF)
  • Anatolij A. Schileyko: Treatise on Recent terrestrial pulmonate molluscs, Part 1. Achatinellidae, Amastridae, Orculidae, Strobilopsidae, Spelaeodiscidae, Valloniidae, Cochlicopidae, Pupillidae, Chondrinidae, Pyramidulidae. In: Ruthenica. Supplement 2(1), Moskau 1998, S. 1–126. ISSN 0136-0027
  • Francisco W. Welter-Schultes: European non-marine molluscs, a guide for species identification = Bestimmungsbuch für europäische Land- und Süsswassermollusken. Planet Poster Ed., Göttingen 2012, ISBN 978-3-933922-75-5.
  • Vollrath Wiese: Die Landschnecken Deutschlands. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2014, ISBN 978-3-494-01551-4, S. 84.

Online[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references> <ref name="Desmoulins">Charles Des Moulins: Description d'une nouvelle espèce vivante de Pupa, du Périgord. In: Actes de la Société Linnéenne de Bordeaux. 4, 1830, S. 158–163 online bei www.biodiversitylibrary.org</ref> <ref name="Irikov/Mollov">Atanas Irikov, Velin Mollov: Terrestrial gastropods (Mollusca: Gastropoda) of the Western Rhodopes (Bulgaria). In: P. Beron (Hrsg.): Biodiversity of Bulgaria. 3. Biodiversity of the Western Rhodopes (Bulgaria and Greece). Pensoft, Sofia 2006, S. 753–832. (PDF)</ref> <ref name="Rote Liste Deutschland">J. H. Jungbluth, D. von Knorre (unter Mitarbeit U. von Bössneck, K. Groh, E. Hackenberg, H. Kobialka, G. Körnig, H. Menzel-Harloff, H.-J. Niederhöfer, S. Petrick, K. Schniebs, V. Wiese, W. Wimmer, M. L. Zettler): Rote Liste der Binnenmollusken [Schnecken (Gastropoda) und Muscheln (Bivalvia)] in Deutschland. In: Mitteilungen der Deutschen Malakozoologischen Gesellschaft. 81, Frankfurt am Main 2009, S. 1–28. Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.PDF (Memento des Vorlage:IconExternal vom 16. Juni 2013 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.dmg.mollusca.de (1,3 MB)</ref> <ref name="IUCN">[[[:Vorlage:IUCN/Weblink]] Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:IUCN“ ist nicht vorhanden.] in der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN 2011.11. Eingestellt von: G. Falkner, T. von Proschwitz, 2010. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple.</ref> <ref name="Fauna Europaea">Fauna Europaea: Pagodulina pagodula.</ref> <ref name="Klemm">Walter Klemm: Zur rassenmäßigen Gliederung des Genus Pagodulina Clessin. In: Zeitschrift für Wissenschaftliche Zoologie, Abteilung B, Archiv für Naturgeschichte (Zeitschrift für Systematische Zoologie) (Neue Folge). 8 (2), Leipzig 1939, S. 198–262.</ref> </references>

Weblinks[Bearbeiten]

Commons: Pagodenschnecke – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien