Palmesel
Der Palmesel ist Teil des Brauchtums bei der Palmprozession der Römisch-katholischen Kirche am Palmsonntag.
Geschichte und Gestaltung[Bearbeiten]
Die Palmprozession mit grünen Zweigen und Hymnen erinnert an den festlichen Einzug Jesu Christi in Jerusalem auf dem Rücken eines Esels. Sie ist seit dem 7. Jahrhundert belegt. Seit dem 10. Jahrhundert ritten die Dorfpfarrer bei der Palmprozession auf einem Esel mit. In der Lebensbeschreibung des hl. Ulrich wird dieser Ritt ausführlich geschildert. Da sich der Esel dabei häufig recht störrisch verhielt, wurde er meist durch einen hölzernen Esel mit einer reitenden Christusfigur ersetzt. Der Palmesel-Umritt wurde vor allem zur Zeit der Aufklärung zurückgedrängt; seine Verwendung im Rahmen der kirchlichen Feier war zeitweilig vielerorts verboten. In Salzburg etwa verbot Erzbischof Hieronymus von Colloredo 1779 und erneut 1782 solche „theatralische Darstellungen“ des liturgischen Geschehens. Dies führte zur Zerstörung vieler Palmesel. 1897 soll es in ganz Bayern nur noch 50 erhaltene Palmesel gegeben haben.<ref>BR24 Retro: Palmesel – Brauchtum in Kößlarn 1984. 24. März 2024, abgerufen am 24. März 2024.</ref>
Beispiele[Bearbeiten]
In St. Martin in Landshut steht als Dauerleihgabe ein neuer Palmesel, im dortigen Heimatmuseum eine der frühesten mittelalterlichen Figuren. In der Königskapelle des Klosters Scheyern wird ein Palmesel aus dem Anfang des 14. Jahrhunderts aus Spanien gezeigt.<ref>https://www.kloster-scheyern.de/klosterrundgang/#koenigskapelle</ref> In Kößlarn wird ein Palmesel erstmals 1481 in einer Kirchenrechnung erwähnt. Der spätgotische Palmesel wurde erst im Jahr 2002 durch einen neuen ersetzt. Das Stadtmuseum Bozen verwahrt einen Palmesel von 1498, den Hans Klocker geschnitzt hat. Das Germanische Nationalmuseum in Nürnberg hat vier Palmesel in seiner Sammlung; davon sind zwei in der Dauerausstellung zu sehen.<ref>Recherche | Objektkatalog. Abgerufen am 29. März 2026.</ref> Darunter ist ein Palmesel, der von einem Schüler des Veit Stoß gefertigt wurde. Der Palmesel, fällt durch seine aufwendig detailliert ausgearbeitete Darstellung der Sehnen und Muskeln auf. Auf der Bodenplatte des Esels sind rote Mäntel und Weidenzweige zu erkennen. Jesus zeigt den Segensgestus und trägt ein schwarz–goldenes Gewand. Datiert wird der Esel um 1505.<ref>Christus auf dem Palmesel (Pl.O.154) | Objektkatalog. Abgerufen am 29. März 2026.</ref> Ein künstlerisch bedeutender Palmesel aus dem späten Mittelalter (stilistisch datiert: um 1530) steht seit 1915 in der Skulpturensammlung in Berlin.<ref>Christus auf dem Palmesel. In: sb.museum-digital.de. Abgerufen am 10. April 2022.</ref> Das Kloster Metten besitzt einen Palmesel aus der Barockzeit, ebenso die Pfarrei Zwiesel. Der Palmesel aus Puch bei Hallein im Land Salzburg stammt aus dem 17. Jahrhundert. In Tirol haben sich im kirchlichen Brauchtum gleich alte Palmesel in Thaur und in Hall in Tirol erhalten.
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Palmesel aus Steinen SZ, um 1055,
Landesmuseum Zürich -
Palmesel im Franziskanermuseum, Villingen
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Hans Klocker, Jesus auf dem Palmesel, Stadtmuseum Bozen, 1498
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Detail des Palmesels der Kirche in Bad Oberdorf
Übertragener Sinn[Bearbeiten]
Die Bezeichnung „Palmesel“ wurde auch im übertragenen Sinn auf Menschen mit ähnlich ungebührlichem Verhalten angewandt. So nannte man lange Zeit den Buben, der mit seinem Palmwedel als letzter die Kirche betrat, den Palmesel. In Würzburg war hingegen üblich, den Kirchenbesuchern, die entgegen der Tradition in abgetragener Kleidung zum Gottesdienst erschienen, einen mit Kreide eingestaubten Stoffesel auf die Kleidung zu drücken, sie sinnbildlich als „Palmesel“ zu kennzeichnen. Heute wird dasjenige Familienmitglied – meist nur der Bub – als Palmesel gehänselt, das als letztes am Palmsonntag aufsteht.<ref>Öst. Rundfunk. »Am Palmsonntag ist das der Palmesel, am Gründonnerstag folgt ihm der ›Gründonnerstagslackl‹, danach sind der ›Karfreitagsratsch‹, der ›Feuerhund‹ am Karfreitag, das ›Stinkige Ei‹ oder die ›Osterflade‹ am Ostersonntag und das ›Ostermontagstier‹ an der Reihe«. – Abg. Palmsonntag 2020. Inhalte nicht mehr abrufbar, kein Archivlink auffindbar am 29. März 2026</ref><ref>Manuel Horeth: Vom Palmesel zum Frühaufsteher. 6. April 2025, abgerufen am 29. März 2026.</ref><ref>Helga Mäckle: Palmesel: Das bedeutet er im Brauchtum und für Langschläfer. Südwest Presse, 4. August 2022, abgerufen am 29. März 2026.</ref>
Literatur[Bearbeiten]
- Clemens Kosch: Auswahlbibliographie zum Thema Palmesel, auf dli.institute, abgerufen am 21. September 2026
- Josef Anselm Adelmann: Christus auf dem Palmesel. In: Zeitschrift für Volkskunde, Band 63, 1967, S. 182–200. (Digitalisat auf digi-hub.de, abgerufen am 21. September 2026).
- Rolf Wilhelm Brednich: Palmchristus, Palmesel. In: Lexikon der Christlichen Ikonographie, Bd. 3, Herder, Rom u. a. 1971, Sp. 363 f. (Digitalisat).
- Max Harris: Christ on a donkey. Palm Sunday, triumphal entries, and blasphemous pageants. Leeds 2019.
- Lisa Sophie Nowroth: Christus auf dem Palmesel. Beobachtungen zur Gewandung mittelalterlicher und frühneuzeitlicher Christusdarstellungen an Palmesel-Bildwerken. In: Ursula Prinz u. a. (Hrsg.): Von Goldemail bis Stahlbeton. Neue Forschungen zur Kunstgeschichte. Kiel 2026, S. 155–166.
- Adolf Reinle: Die Ausstattung deutscher Kirchen im Mittelalter. Darmstadt 1988, S. 211–214.
- Richard von Strele: Der Palmesel. Eine culturhistorische Skizze. In: Zeitschrift des deutschen und österreichischen Alpenvereins. Band 28, 1897, S. 135–154.
- Ernst Alfred Stückelberg: Palmsonntagsfeier im Mittelalter. In: Festbuch zur Eröffnung des Historischen Museums in Basel. Basel 1894, S. 17–36.
- Johannes Tripps: Vom König und dem Esel. Palmsonntagsprozessionen im Mittelalter. In: Dagmar Preising, Michael Rief (Hrsg.): Praymobil. Mittelalterliche Skulpturen in Bewegung. Imhof Verlag, Petersberg 2026, S. 70–77.
Siehe auch[Bearbeiten]
Weblinks[Bearbeiten]
- Palmeselprozession in Thaur
- Palmesel-Umgang von Thaur nach Rum, auf YouTube
- Palmesel in Petersthal, auf YouTube
- Der Kößlarner Palmesel, auf YouTube
- Palmesel - Brauchtum in Kößlarn 1984
- Ritt auf dem Palmesel, (PDF; 68 kB)
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references />