Patellifolia
Die Seite Vorlage:Taxobox/styles.css hat keinen Inhalt.
| Patellifolia | ||||||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Datei:Patellifolia patellaris kz2.JPG | ||||||||||||
| Systematik | ||||||||||||
| ||||||||||||
| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Patellifolia | ||||||||||||
| A.J.Scott, Ford-Lloyd & J.T.Williams |
Patellifolia ist eine Pflanzengattung in der Unterfamilie Betoideae innerhalb der Familie der Fuchsschwanzgewächse (Amaranthaceae). Sie ist im westlichen Mittelmeerraum und Makaronesien verbreitet, mit einigen isolierten Vorkommen in Nordafrika und am Horn von Afrika. Sie ist mit den Rüben verwandt und daher von Interesse für die Pflanzenzüchtung der Kulturrüben.
Beschreibung[Bearbeiten]
Erscheinungsbild und Blätter[Bearbeiten]
Patellifolia-Arten wachsen als einjährige oder ausdauernde krautige Pflanzen. Die Stängel sind oft niederliegend oder aufrecht. Die wechselständig angeordneten Laubblätter sind in Blattstiel und Blattspreite gegliedert. Die einfache Blattspreite ist herzförmig oder spießförmig.<ref name="FloraIberica" />
Blütenstände und Blüten[Bearbeiten]
Der Blütenstand enthält zahlreiche Knäuel von je ein bis drei Blüten, welche in den Achseln von blattartigen Tragblättern sitzen. Die Blüten sind zwittrig und nicht mit den benachbarten Blüten verwachsen. Ihre Blütenhülle besteht aus fünf krautigen, leicht gekielten Tepalen, die unten verwachsen sind. Es sind fünf Staubblätter vorhanden, sie stehen vor den Tepalen, ihre Staubfäden sind an der Basis zu einem Diskus verbunden. Der Fruchtknoten ist halb-unterständig und trägt zwei Narben.<ref name="FloraIberica" />
Früchte und Samen[Bearbeiten]
Zur Fruchtzeit ist der Fruchtknoten etwas in die sich vergrößernde Basis der Blütenhülle eingesenkt. Die Tepalenzipfel verändern sich nicht und sind der Frucht angedrückt.<ref name="Kadereit2006" /> Die einzelnen Früchte sind fast kugelige Kapseln, die zur Reifezeit abfallen und sich mit einem runden Deckel öffnen. Der Same steht hochkant und enthält einen ringförmigen Embryo und reichlich Nährgewebe.<ref name="FloraIberica" />
Vorkommen[Bearbeiten]
Das Verbreitungsgebiet von Patellifolia umfasst hauptsächlich den westlichen Mittelmeerraum (Spanien, Marokko) und die Inseln von Makaronesien (Madeira, Kanarische Inseln, Kapverdische Inseln). Einige isolierte Vorkommen gibt es in Nordafrika (Ahaggar, Tassili n'Ajjer, Libyen), und am Horn von Afrika (Sokotra, Somalia).<ref name="Thulin2010" />
In ihrem Hauptverbreitungsgebiet sowie in Sokotra besiedeln Patellifolia-Arten meist küstennahe Lebensräume in Höhenlagen bis etwa 200 Metern. In den Gebirgen Nordafrikas findet man sie jedoch in größeren Höhenlagen von bis zu 2000 Metern, auch in Somalia wurden sie in Höhenlagen bei 1150 Metern gefunden.<ref name="Thulin2010" />
Systematik[Bearbeiten]
Die Pflanzenarten, die zu Patellifolia zählen, wurden erstmals 1927 von Woldemar Tranzschel als ein rangloses Taxon Patellares innerhalb der Gattung Beta zusammengefasst. Oskar Eberhard Ulbrich gruppierte sie 1934 in eine eigene Sektion Beta sect. Procumbentes.<ref name="Ulbrich" /> Die Gattung Patellifolia wurde 1977 von Andrew John Scott, Brian V. Ford-Lloyd und J. Trevor Williams aufgestellt, mit der Typusart Patellifolia webbiana.<ref name="Scott1977" /> Damit ersetzten die Autoren den ungültigen Namen Patellaria Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.J.T.Williams, A.J.Scott & Ford-Lloyd, den sie ein Jahr zuvor ausgewählt hatten. Dieser Name war jedoch illegitim, denn er war bereits seit 1789 für Patellaria Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Hoffmann (eine Gattung von Flechten) vergeben.<ref name="Tropicos" />
Von manchen Autoren wurde Patellifolia nicht als eigene Gattung anerkannt, sie verwendeten weiterhin den Namen Beta sect. Procumbentes. Molekulargenetische Studien von Kadereit et al. (2006) und Romeiras et al. (2016) wiesen jedoch tiefgreifende genetische Unterschiede zwischen Beta und Patellifolia nach und bestätigten den Rang als eine eigene Gattung.<ref name="Kadereit2006" /><ref name="Romeiras2016" />
Zur Gattung Patellifolia gehören ein bis drei Arten:
- Patellifolia patellaris Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.(Moq.) A.J.Scott & al. (Syn.: Beta patellaris Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Moq.), in trockenen Lebensräumen an Küsten oder auf Felsen, weit verbreitet in Makaronesien (Kanarische Inseln, Madeira, Kap Verde) und im westlichen Mittelmeerraum (Spanien, Balearen, Marokko, Sizilien), Nordafrika,<ref name="Romeiras2016" /> bis zum Horn von Afrika.<ref name="Thulin2010" />
- Patellifolia procumbens Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.(Chr.Sm.) A.J.Scott & al. (Syn.: Beta procumbens Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Chr. Sm.), in trockenen Lebensräumen an Küsten von Makaronesien (Kanarische Inseln, Madeira, Kap Verde).<ref name="Romeiras2016" />
- Patellifolia webbiana Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.(Moq.) A.J.Scott & al. (Syn.: Beta webbiana Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Moq.), endemisch auf Gran Canaria, in stickstoffreichen Ruderalstellen,<ref name="Romeiras2016" /> laut IUCN „Critically Endangered“ = „vom Aussterben bedroht“.<ref name="IUCN" />
Einige Autoren äußerten Zweifel daran, dass Patellifolia procumbens und Patellifolia webbiana getrennte Arten seien.<ref name="IUCN" /> Die Bestimmung der drei Arten ist schwierig und manche Merkmale, die bislang zur Artabgrenzung genutzt wurden, erwiesen sich als unzuverlässig. Daher schlugen Thulin et al. (2010) vor, alle drei Arten in einer einzigen, sehr variablen Art Patellifoia procumbens zusammenzufassen.<ref name="Thulin2010" /> Diesem Vorschlag wird beispielsweise in der Euro+Med Plant Base gefolgt.<ref name="Euro+Med" />
Patellifolia patellaris ließ sich jedoch nicht mit den anderen beiden Arten kreuzen, was für den Rang einer eigenen Art spricht, während Patellifolia procumbens und Patellifolia webbiana sich miteinander hybridisieren ließen.<ref name="Kadereit2006" /> Die Arten auf den Inseln sind erst vor relativ kurzer Zeit entstanden und haben sich durch ihre Isolierung nur wenig differenziert. Daher besitzen sie auch nur schwache genetische Barrieren gegenüber einer Hybridisierung.<ref name="Romeiras2016" />
Evolution[Bearbeiten]
Patellifolia scheint nach phylogenetischen Untersuchungen eine relativ alte Gattung zu sein.<ref name="Kadereit2006" /> Die Trennung von ihrer Schwestergattung Rüben (Beta) fand vermutlich schon früh im Späten Oligozän statt.<ref name="Romeiras2016" /> Dagegen sind die Arten vergleichsweise jung, sie entwickelten sich erst im späten Pliozän oder im frühen Quartär.<ref name="Kadereit2006" /><ref name="Romeiras2016" /> Das heutige Verbreitungsgebiet mit seinen isolierten Vorkommen spricht dafür, dass Patellifolia einst ein weit verbreitetes Taxon war, dessen Wuchsorte jedoch später getrennt wurden und das in vielen Regionen ausgestorben ist.<ref name="Thulin2010" />
Bedeutung für die Pflanzenzüchtung[Bearbeiten]
Patellifolia ist verwandt mit der wirtschaftlich bedeutenden Rübe (Beta vulgaris subsp. vulgaris, mit den Kultivargruppen Zuckerrübe, Rote Bete, Mangold, Futterrübe). Daher ist Patellifolia als Crop wild relative und potentieller Genspender von großem Interesse für die Resistenzzüchtung der Kulturrüben.<ref name="Romeiras2016" /> Die Pflanzen sind resistent gegen einige der schlimmsten Schädlinge und Krankheiten der Zuckerrübe, wie Cercospora-Blattflecken (verursacht durch Cercospora beticola), Curly Top Virus, Rhizomania-Virus und Mehltaupilze (Erysiphe polygoni).<ref name="Romeiras2016" /> Alle drei Arten erwiesen sich als hoch resistent gegen Rübenzystennematoden (Heterodera schachtii), wobei die Resistenz unterschiedlich stark ist. Während Patellifolia patellaris nicht komplett immun dagegen ist, konnten sich die Rübenälchen in den anderen beiden Arten nie bis zur Reife entwickeln.<ref name="Kadereit2006" />
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references> <ref name="Tropicos"> Patellaria bei Tropicos.org. Missouri Botanical Garden, St. LouisVorlage:Abrufdatum </ref> <ref name="IUCN"> A. Santos-Guerra, L. Frese: Patellifolia webbiana. In: The IUCN Red List of Threatened Species 2011: e.T172260A6859581. doi:10.2305/IUCN.UK.2011-1.RLTS.T172260A6859581.en. Abgerufen am 22. August 2016. </ref> <ref name="FloraIberica"> A. M. Gutiérrez Bustillo: Patellifolia. S. 482-484 - PDF. In: S. C. Bolibar: Flora Iberica. </ref> <ref name="Kadereit2006"> Gudrun Kadereit, Sandra Hohmann, Joachim W. Kadereit: A synopsis of Chenopodiaceae subfam. Betoideae and notes on the taxonomy of Beta. In: Willdenowia, Volume 36, 2006, S. 9–19. doi:10.3372/wi.36.36101 </ref> <ref name="Romeiras2016"> Maria M. Romeiras, Ana Vieira, Diogo N. Silva, Monica Moura, Arnoldo Santos-Guerra, Dora Batista, Maria Cristina Duarte, Octávio S. Paulo: Evolutionary and Biogeographic Insights on the Macaronesian Beta-Patellifolia Species (Amaranthaceae) from a Time-Scaled Molecular Phylogeny. In: PLoS One., 11, 3, 2016: e0152456. doi:10.1371/journal.pone.0152456 </ref> <ref name="Scott1977"> Andrew John Scott, Brian V. Ford-Lloyd, J. Trevor Williams: Patellifolia, nomen novum (Chenopodiaceae). In: Taxon, Volume 26, Issue 2–3, 1977, S. 284. doi:10.2307/1220567 </ref> <ref name="Thulin2010"> Mats Thulin, Andreas Rydberg, Joachim Thiede: Identity of Tetragonia pentandra and taxonomy and distribution of Patellifolia (Chenopodiaceae). In: Willdenowia, Volume 40, Issue 1, 2010, S. 5–11. doi:10.3372/wi.40.40101 </ref> <ref name="Ulbrich"> Oskar Eberhard Ulbrich: Chenopodiaceae. In: Adolf Engler, Karl Anton Eugen Prantl: Die natürlichen Pflanzenfamilien, 2. Aufl. Band 16c: S. 379–584, Duncker & Humblot, Berlin 1934, S. 455. </ref> <ref name="Euro+Med"> Pertti Uotila: Patellifolia. In: Chenopodiaceae (pro parte majore). 2011. In: Euro+Med Plantbase – the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity. </ref> </references>
Weblinks[Bearbeiten]
- Illustration von Patellifolia patellaris bei Flora Iberica.
- Thomas Meyer, Michael Hassler: Mittelmeer- und Alpenflora. Datenblatt mit Fotos.