Peter Conradi

Peter Conradi (* 10. Dezember 1932 in Schwelm; † 11. März 2016 in Stuttgart)<ref>Peter Conradi. Traueranzeige. In: Stuttgarter Zeitung. 15. März 2016, abgerufen am 19. September 2026.</ref> war ein deutscher Politiker (SPD). Von 1972 bis 1998 war er Abgeordneter des Deutschen Bundestages.
Leben und Beruf[Bearbeiten]
Peter Conradi, Sohn des Architekten Helmuth Conradi, besuchte von 1947 bis 1949 die Odenwaldschule im südhessischen Oberhambach. 1951 legte er in Stuttgart sein Abitur ab. Anschließend absolvierte er bis 1952 ein Zimmermannspraktikum. Von 1952 bis 1953 folgte ein sozialwissenschaftliches Studium in den Vereinigten Staaten. Nach der Rückkehr nach Deutschland wechselte er sein Studienfach und schrieb sich in der TH Stuttgart ein, um dort von 1953 bis 1961 Architektur zu studieren.<ref name=munzinger>Peter Conradi im Munzinger-Archiv, abgerufen am 17. Juli 2026 (Artikelanfang frei abrufbar).</ref>
Im Jahre 1961 erhielt Peter Conradi sein Ingenieursdiplom, Fachrichtung Architektur. Nachdem er von 1961 bis 1963 bei der Hochbauverwaltung Baden-Württemberg gearbeitet hatte, wurde er zum Regierungsbaumeister ernannt. In den Jahren von 1963 bis 1967 war er Assistent an der Universität Stuttgart und wechselte anschließend bis 1972 wieder zur Hochbauverwaltung. Dort war er von 1967 bis 1972 Leiter des Staatlichen Hochbauamts und stieg 1972 zum Oberregierungsbaudirektor auf.<ref name=munzinger />
Partei[Bearbeiten]
Peter Conradi war seit 1959 Mitglied der SPD. Von 1958 bis 1960 gehörte er auch dem Sozialistischen Deutschen Studentenbund (SDS) an,<ref name=munzinger /> zu dem die SPD 1961 nur ein Jahr später einen Unvereinbarkeitsbeschluss fasste. Von 1966 bis 1969 war Conradi Vorstandsmitglied des SPD-Kreisverbandes Stuttgart. 1968 rückte er in den Landesvorstand der SPD Baden-Württemberg auf, aus dem er 1972 wieder ausschied. Anschließend war er von 1972 bis 1977 Kreisvorsitzender der SPD Stuttgart.<ref>Conradi, Peter. In: Katalog der Deutschen Nationalbibliothek. Abgerufen am 14. September 2026.</ref>
Von 1972 bis 1974 war Conradi als Mitglied der SPD-Kommission Bodenrechtsreform erstmals in einem bundespolitischen Gremium vertreten. Von 1979 bis 1993 gehörte er dem Parteirat der SPD an und von 1984 bis 1993 war er Mitglied der SPD-Kontrollkommission.<ref>Peter Conradi. In: Der Spiegel 49/1987. 29. November 1987, abgerufen am 14. September 2026.</ref>
Weitere Engagements[Bearbeiten]
Conradi war Mitglied der Arbeiterwohlfahrt,<ref>Günther Röder: AWO-Abschlussfeier mit Jubilarehrung: Ortsverein feierte im Seniorenzentrum Pfostenwäldle alljährliche Abschlussfeier. In: feuerbach.de. 14. Januar 2016, abgerufen am 17. Juli 2026.</ref> von Amnesty International, von Transparency International,<ref>Peter Conradi: Ein weites Feld — Verhaltenskodizes in der Politik. (PDF; 205 kB) In: Rundbrief 29. Transparency International – Deutsches Chapter e. V., Februar 2004, S. 4, abgerufen am 17. Juli 2026.</ref> er war im Vorstand des Trägervereins der Odenwaldschule,<ref>Eine (sehr) kurze Geschichte der Odenwaldschule. Altschülerverein der Odenwaldschule, abgerufen am 13. September 2026.</ref> und er war Stifter der Stiftung Pfadfinden.<ref>Stifterinnen und Stifter. Stiftung Pfadfinden, abgerufen am 17. Juli 2026.</ref>
Im Februar 2005 setzte sich Peter Conradi als Mitglied der Deutschen Parlamentarischen Gesellschaft (DPG) für einen Erhalt der Bonner Villa Dahm im ehemaligen Bonner Regierungsviertel ein. Er suchte damals mit den Architektinnen des Bonner Kongresszentrums (IKBB/WCCB) nach einer Lösung.<ref>„Die Villa Dahm könnte eine Bar aufnehmen“. In: General-Anzeiger. Bonn, 9. Februar 2005, abgerufen am 13. September 2026.</ref> Wegen Mehrkosten konnte der Abriss jedoch letztlich nicht verhindert werden.<ref>Villa Dahm. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. Abgerufen am 14. September 2026.</ref>
Im Oktober und November 2010 nahm er auf Seite der Projektgegner an der Schlichtung zu Stuttgart 21 teil.<ref name=faerber-husemann>Renate Faerber-Husemann: Zum Tod von Peter Conradi: Seine kritische Stimme wird fehlen. In: vorwärts. 16. März 2016, abgerufen am 17. Juli 2026.</ref> Dabei sagte er:
„Das politische System Deutschlands wird in 20 Jahren dem der Schweiz viel ähnlicher sein.“<ref>Ruth Spitzenpfeil: Eine Lösung des Bahnhofstreits wird zur Schicksalsfrage in Baden-Württemberg: Schlichtung um „Stuttgart 21“ – und was dann? In: Neue Zürcher Zeitung. 26. November 2010, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 21. Februar 2025.</ref>
Als Parlamentarier war Conradi maßgeblich an wichtigen baulichen Entscheidungen des Bundestags beteiligt.<ref>Stefan Rethfeld: Baumeister im Unsichtbaren: Zum Tod von Peter Conradi. In: BauNetz. 22. März 2016, abgerufen am 10. September 2026.</ref> Er setzte sich auch als einer der Hauptverfechter für Christos Projekt der Verhüllung des Reichstags ein („Wir werden nicht hierher gewählt, um zu entscheiden, was Kunst ist. Wir entscheiden hier, ob der Reichstag für diese Aktion freigegeben wird.“)<ref>Deutscher Bundestag, Plenarprotokoll 12/211, 25. Februar 1994, (online) (PDF; 1,9 MB) </ref> und konnte erleben, dass der Bundestag am 25. Februar 1994 dem Projekt in freier Abstimmung zustimmte.
Öffentliche Ämter[Bearbeiten]
Conradi unterlag bei der Wahl zum Stuttgarter Oberbürgermeister 1974 gegen Manfred Rommel (CDU).<ref name=schulz-braunschmidt>Wolfgang Schulz-Braunschmidt: Zum Tod von Peter Conradi: Streitbarer Genosse, aufrechter Demokrat. In: Stuttgarter Zeitung. 11. März 2016, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 16. März 2016.</ref><ref>Markus Hoecker: Die Oberbürgermeisterwahl in Stuttgart 1996: Parteipolitik und Wahlkampfstrategie; die kommunale Persönlichkeitswahl im Spannungsfeld der modernen Parteiendemokratie. Univ., Diss., Stuttgart 2005, S. 45–47, urn:nbn:de:bsz:93-opus-22162 (uni-stuttgart.de [PDF; 646 kB]).</ref> Zuvor hatte Conradi sich im parteiinternen Bewerbungsverfahren gegen Jürgen Hahn durchgesetzt. Von 1972 bis 1998 war er Mitglied des Deutschen Bundestages. Bevor er 1998 aus dem Parlament ausschied, gehörte er dem Ältestenrat an und war als stellvertretendes Mitglied im Innenausschuss, im Haushaltsausschuss sowie im Ausschuss für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau vertreten.<ref>Peter Conradi, MdB. In: Abgeordnete der 13. Legislaturperiode. SPD-Bundestagsfraktion, 23. September 2013, abgerufen am 14. September 2026.</ref>
Von 1999 bis 2004 war Conradi Präsident der Bundesarchitektenkammer.<ref name=faerber-husemann /><ref name=chrismon>Peter Conradi. Autorenportrait. In: chrismon.de. Abgerufen am 17. Juli 2026.</ref> Er engagierte sich in der Initiative Bürgerbahn statt Börsenbahn, die sich die Verhinderung der geplanten Teilprivatisierung der Deutschen Bahn AG zum Ziel gesetzt hatte.
Veröffentlichungen[Bearbeiten]
- Literatur von und über Peter Conradi im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Werke von und über Peter Conradi in der Deutschen Digitalen Bibliothek
- Wohnen in Deutschland - Not im Luxus. Hoffmann und Campe, Hamburg 1994, ISBN 3-455-11022-3.
- (Ohn)Macht der Politik – die Sicht eines Parlamentariers. In: Hermann Glaser (Hrsg.): Karlsruher Gespräche 1998: (Ohn)Macht der Politik (= Caroline Y. Robertson-Wensauer [Hrsg.]: Problemkreise der angewandten Kulturwissenschaft. Band 2, Nr. 1). Univ.-Verl., Karlsruhe 1998, ISBN 978-3-9805595-2-2, S. 89–93 (kit.edu [PDF; 459 kB]).
- Peter Conradi: Ein soziales Bodenrecht – eine ungelöste / unlösbare Aufgabe? (PDF; 264 kB) In: Zeitschrift für Sozialökonomie, 120 / März 1999, S. 19–23 (überarbeitete Fassung eines gleichnamigen Buchkapitels des Autors: Ein soziales Bodenrecht – eine ungelöste / unlösbare Aufgabe? In: Beate Dieterich, Hartmut Dieterich (Hrsg.): Neue Perspektiven des Bodenrechts. Birkhäuser, Berlin; Boston 1997, ISBN 978-3-7643-6394-9, S. 26–34, doi:10.1515/9783035602579.26.).
Literatur[Bearbeiten]
- Rudolf Vierhaus, Ludolf Herbst (Hrsg.), Bruno Jahn (Mitarb.): Biographisches Handbuch der Mitglieder des Deutschen Bundestages. 1949–2002. Band 1: A–M. K. G. Saur, München 2002, ISBN 3-598-23782-0, doi:10.1515/9783110969054.119, S. 124–125.
- Renate Faerber-Husemann: Zum Tod von Peter Conradi: Seine kritische Stimme wird fehlen. In: Vorwärts, 16. März 2016 (vorwaerts.de).
- Gottfried Knapp: Leidenschaftlich vernünftig. Zum Tod von Peter Conradi. In: Süddeutsche Zeitung, 18. März 2016 (online).
Weblinks[Bearbeiten]
- Biografie beim Deutschen Bundestag
- Peter Conradi im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar)
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Conradi, Peter |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Politiker (SPD), MdB |
| GEBURTSDATUM | 10. Dezember 1932 |
| GEBURTSORT | Schwelm |
| STERBEDATUM | 11. März 2016 |
| STERBEORT | Stuttgart |