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Peter Ullrich

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Vorlage:Hinweisbaustein Peter Ullrich (* 23. August 1976 in Naumburg (Saale))<ref>Alte Psychoanalytiker/-innen. Berufstätigkeit und Berufsausstieg von Therapeut/-innen im Alter. Quantitative und qualitative Zugänge. 2011, abgerufen am 27. September 2022.</ref> ist ein deutscher Soziologe und Kulturwissenschaftler.

Leben[Bearbeiten]

Nach einem Studium der Kulturwissenschaften, Soziologie und Germanistik an der Universität Leipzig, das er 2002 als Magister Artium abschloss, absolvierte Peter Ullrich ebendort Aufbaustudien in Philosophie, Logik- und Wissenschaftstheorie sowie ein Promotionsstudium im Doktorandenprogramm „Transnationalisierung und Regionalisierung vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart“. Mit einer Arbeit zum Thema „Der Nahostkonflikt und die Linke in Großbritannien und der BRD“ wurde er 2007 an der Freien Universität Berlin zum Dr. phil. in Soziologie promoviert. Danach arbeitete er als Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Universitätsklinikum der Universität Leipzig, wo er 2011 erneut promovierte (Dr. rer. med., Thema: Alte Psychoanalytiker/innen<ref>Peter Ullrich 2011: Alte Psychoanalytiker/-innen. Berufsausstieg und Berufstätigkeit von Therapeut/-innen im Alter. Quantitative und qualitative Zugänge, Univ. Leipzig, Diss., https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:15-qucosa-74797</ref>) und als Postdoc-Researcher am Deutschen Jugendinstitut in Halle.

Nach einer Zeit als Gastwissenschaftler am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung wechselte er 2012 an die Technische Universität Berlin. Dort ist er Mitarbeiter am Zentrum Technik und Gesellschaft und Fellow am Zentrum für Antisemitismusforschung. Am Zentrum Technik und Gesellschaft leitete er bis Mai 2020 den Forschungsbereich „Soziale Bewegungen, Technik, Konflikte“.<ref>Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Bereich Soziale Bewegungen, Technik, Konflikte (Memento vom 21. Februar 2014 im Internet Archive), auf tu-berlin.de</ref> Er ist außerdem Teil des Instituts für Protest- und Bewegungsforschung.<ref>Dr. Dr. Peter Ullrich, auf protestinstitut.eu, abgerufen am 6. Januar 2026</ref> Seit 2026 ist er Gastprofessor im Bereich Soziologie an der HWR Berlin.<ref>Peter Ullrich. In: hwr-berlin.de. Abgerufen am 26. März 2026.</ref>

Öffentliches Wirken und wissenschaftliche Kontroversen[Bearbeiten]

Antisemitismus und Antisemitismusdebatten[Bearbeiten]

Im Streit um Antisemitismusvorwürfe gegen die Partei „Die Linke“ im Jahre 2011 nahm er die Partei gegen Vorwürfe in Schutz. Generell kritisiert aber auch er Teile der politischen Linken für ihren Antisemitismus, andere für ihren Philosemitismus und ihre Israelsolidarität sowie rassistische Tendenzen.<ref>Peter Ullrich 2010: Der Nahostkonflikt – Spielfeld für einen neuen Antisemitismus von links? Ein internationaler Diskursvergleich. In: Hawel, Marcus; Blanke, Moritz (Hrsg.): Der Nahostkonflikt. Befindlichkeiten der deutschen Linken. Berlin: Dietz, S. 67–80; „Interview: Linker Antisemitismus?“, Telepolis, 11. Juni 2011, Peter Ullrich 2012: Debatten der deutschen Linken um den Nahostkonflikt – diskursive Grauzonen und die Fallstricke der Solidarität, Ein Gespräch mit Peter Ullrich, geführt von Peter Nowak, Globkult Magazin, 31. Mai 2012, Online</ref>

Seine gemeinsam mit Michael Kohlstruck am Zentrum für Antisemitismusforschung (ZfA) verfasste Studie „Antisemitismus als Problem und Symbol“ über verschiedenartige und konkurrierende Deutungen von Antisemitismus führte im Jahr 2015 zu einer Kontroverse. Das Berliner American Jewish Committee sah in der Studie einen aus seiner Sicht unzutreffenden Vorwurf, nach dem „jüdische und zivilgesellschaftliche Organisationen antisemitische Vorfälle übertrieben und instrumentalisierten“.<ref>AJC weist Vorwürfe von Antisemitismusforschern zurück | American Jewish Committee Berlin Office. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 20. Oktober 2017; abgerufen am 19. Oktober 2017.</ref> Die beiden Autoren, der Projektleiter Werner Bergmann, und die Leiterin des ZfA, Stefanie Schüler-Springorum, wiesen dies als politisch motiviert zurück. Das AJC habe den Kern der Analyse verkannt. Die Studie beinhalte keine Vorwürfe, sondern sei eine wissenschaftliche Darstellung der verschiedenen Positionen der Debatte und ihrer jeweiligen Hintergründe, also eine soziologische „Beobachtung der Beobachter“.<ref>Michael Kohlstruck, Peter Ullrich, Werner Bergmann, Stefanie Schüler-Springorum: Stellungnahme zur Kritik des AJC an der Studie „Antisemitismus als Problem und Symbol. Phänomene und Interventionen in Berlin“. (PDF) 12. Februar 2015, abgerufen am 19. Oktober 2017.</ref> Ullrich und Kohlstruck nahmen die Kontroverse wiederum zum Anlass für eine Analyse der „Muster der öffentlichen Kommunikation über Antisemitismus“ in der Zeitschrift conflict & communication online.<ref>Peter Ullrich, Michael Kohlstruck: Muster der öffentlichen Kommunikation über Antisemitismus. Das Beispiel der Rezeption der Studie „Antisemitismus als Problem und Symbol“. Band 16, Nr. 1, 2017, doi:10.14279/depositonce-5896 (regener-online.de [PDF; abgerufen am 19. Oktober 2017]).</ref>

Ein Schwerpunkt von Ullrichs Arbeiten zum Antisemitismus liegt im Bereich der Begriffsbildung, namentlich der Definitionen von Antisemitismus.<ref>Peter Ullrich, Sina Arnold et al. (Hrsg.): Was ist Antisemitismus? Begriffe und Definitionen von Judenfeindschaft. Wallstein, Göttingen 2024, ISBN 978-3-8353-5070-0.</ref> In einem Gutachten für die Rosa-Luxemburg-Stiftung und die Hilfsorganisation medico international kritisierte er die Arbeitsdefinition Antisemitismus der International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA). Er ist Mitverfasser der alternativen Definition Jerusalemer Erklärung zum Antisemitismus.<ref>Peter Ullrich: Jerusalem Declaration on Antisemitism (Jerusalemer Erklärung zum Antisemitismus). 2025 (clio-online.de [abgerufen am 6. Januar 2026]).</ref>

Den gesellschaftlichen Umgang mit Antisemitismus im Zusammenhang mit dem Nahostkonflikt, insbesondere seit dem Terrorangriff der Hamas auf Israel 2023 analysiert Ullrich als eine paradoxe Entwicklung, in der ein unterstützenswertes menschenrechtliches Anliegen (der Kampf gegen Antisemitismus) zum Motor und Katalysator von autoritären Entwicklungen (wie dem Abbau der Grundrechte) wird. Dies bezeichnet er als „autoritären Anti-Antisemitismus“.<ref>Peter Ullrich: Bitte keine Polizei – der «Fall ASH» und der autoritäre Anti-Antisemitismus. 2025 (blnreview.de [abgerufen am 6. Januar 2026]).</ref><ref>Peter Ullrich 2025: Hochschulproteste zum Gaza-Krieg, autoritärer Anti-Antisemitismus und das Ende der Kritik. In: Marcus Hawel, Stefan Kalmring, Nina Schlosser (Hrsg.): Wozu noch kritische Wissenschaft, Hamburg: VSA, S. 169–187</ref><ref>Peter Ullrich „Wird ausgerechnet Anti-Antisemitismus zu einem Katalysator der autoritären Wende?“, Luxemburg, 12/2024</ref>

Soziale Bewegungen und Polizei[Bearbeiten]

Ullrich forscht über polizeilichen Umgang mit Protesten, insbesondere Videoüberwachung von Demonstrierenden und deren Gegenreaktionen.<ref>Zentrum Technik und Gesellschaft: Videoüberwachung von Versammlungen und Demonstrationen. Praxis und Wissensformen von Polizei und Protestierenden (ViDemo). Abgerufen am 19. Oktober 2017.</ref> Er ist Sprecher des Arbeitskreises „Soziale Bewegungen und Polizei“<ref>AK Soziale Bewegungen und Polizei – Institut für Protest- und Bewegungsforschung. Abgerufen am 19. Oktober 2017.</ref>.

Im Vorfeld des G20-Gipfels in Hamburg 2017 kritisierte Ullrich die Hamburger Polizei und die Haltung des Innensenators Andy Grote (SPD), der sagte, sich im Zweifel auch über politische Entscheidungen hinweg zu setzen. Er sah darin einen Freibrief für die Polizei Hamburg, denn Grote habe deutlich gemacht, die Behörde könne machen, was sie wolle. Laut Ullrich sei dieses Vorgehen bei sozialen Konflikten oft zu beobachten. „Die Polizei wird vorgeschoben - und aus dem eigentlichen Konflikt zwischen Protestierenden und Politik wird ein Konflikt zwischen Protestierenden und Polizei.“ Somit sei die Politik aus der Schusslinie. Durch solch massiven Polizeieinsätze wie in Hamburg käme es auch zu einer Polarisierung in der Gesellschaft insgesamt. „Ein Teil der Menschen kritisiere die Polizei massiv, während Personen aus dem konservativ-ordnungspolitischen Milieu eine noch härtere Gangart einforderten“, sagte er gegenüber der ARD. Dieses Dilemma versuche die Polizei Hamburg und die Hamburger Politik auf Kosten der Demonstranten aufzulösen – indem sie mit aller Härte durchgreife. „Abwägungen finden gar nicht mehr statt, da ist jedes Maß verlorengegangen.“ Ullrich bezeichnete dies als eine „höchst problematische Situation“. Die Polizei sei eigentlich durch Gesetz und Gerichtsurteile verpflichtet, sich „versammlungsfreundlich“ zu verhalten.<ref>G20: „Die Polizei ist in einem Dilemma“. tagesschau.de, abgerufen am 18. Juli 2017.</ref>

Wie andere Protest- und Polizeiforscher<ref>#NoG20: Eskalation mit Ansage. Das ipb in den Medien – Institut für Protest- und Bewegungsforschung. Abgerufen am 19. Oktober 2017.</ref> fordert auch Ullrich eine unabhängige Untersuchung der Vorfälle.<ref>G20 – warum eskalierte der Gipfel? Interview mit ipb-Forscher Peter Ullrich – Institut für Protest- und Bewegungsforschung. Abgerufen am 19. Oktober 2017.</ref>

Mitgliedschaften[Bearbeiten]

Ullrich ist Mitglied des Konzils der Deutschen Gesellschaft für Soziologie<ref>Dr. Dr. Peter Ullrich. Deutsche Gesellschaft für Soziologie, abgerufen am 22. November 2023.</ref> und nach eigenen Angaben<ref>Peter Ullrich: Über mich. Abgerufen am 22. November 2023.</ref> Mitglied des Beirates der Zeitschrift Diskurs und Advisor von Discussing World Politics. 2023 trat Ullrich der Partei Die Linke bei.<ref>Peter Ullrich: „Ist es wie bei der Impfung? Gilt und wirkt der Beitritt zur @dieLinke nur mit öffentlicher Ankündigung? Nun denn. I did it.“ In: Twitter. 21. November 2023, abgerufen am 22. November 2023.</ref>

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten]

Monografien[Bearbeiten]

  • Gegner der Globalisierung? Protest-Mobilisierung zum G8-Gipfel in Genua, Hochschulschriften Bd. 6, Leipzig/Schkeuditz: GNN, 2003.
  • Begrenzter Universalismus. Sozialismus, Kommunismus, Arbeiter(innen)bewegung und ihr schwieriges Verhältnis zu Judentum und Nahostkonflikt, Berlin: AphorismA, 2007
  • Die Linke, Israel und Palästina. Nahostdiskurse in Großbritannien und Deutschland, Berlin: Dietz, 2008. (PDF)
  • Königsweg der Befreiung oder Sackgasse der Geschichte? BDS | Boykott, Desinvestition und Sanktionen. Annäherungen an eine aktuelle Debatte. AphorismA Verlagsbuchhandlung, Berlin 2011, Reihe: Kleine Texte, Nr. 38 (zus. mit Kathrin Vogler und Martin Forberg).
  • Die Mitte im Umbruch. Rechtsextreme Einstellungen in Deutschland, Bonn: Dietz, 2012 (von Decker, Oliver; Kiess, Johannes; Brähler, Elmar, unter Mitarbeit von Benjamin Schilling und Peter Ullrich).(Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.PDF (Memento vom 6. Juni 2014 im Internet Archive))
  • Linke, Nahostkonflikt, Antisemitismus. Wegweiser durch eine Debatte. Eine kommentierte Bibliografie, Reihe „Analysen“, Berlin: Rosa-Luxemburg-Stiftung, 2012. (PDF)
  • Deutsche, Linke und der Nahostkonflikt. Politik im Antisemitismus- und Erinnerungsdiskurs, Göttingen: Wallstein, 2013<ref>Peter Ullrich: Deutsche, Linke und der Nahostkonflikt: Politik im Antisemitismus- und Erinnerungsdiskurs. Wallstein, Göttingen 2013, ISBN 978-3-8353-2467-1 (ssoar.info [abgerufen am 19. Oktober 2017]).</ref>.
  • Antisemitismus als Problem und Symbol. Phänomene und Interventionen in Berlin, Berlin: Landeskommission Berlin gegen Gewalt, 2015 (zus. mit Michael Kohlstruck)<ref>Michael Kohlstruck, Peter Ullrich: Antisemitismus als Problem und Symbol: Phänomene und Interventionen in Berlin (= Berliner Forum Gewaltprävention. Nr. 52). 2. Auflage. Berlin 2015 (tu-berlin.de [PDF; abgerufen am 19. Oktober 2017]).</ref>.

Herausgeberschaften[Bearbeiten]

  • Europa – Transnationale Normierung und nationales Beharren (hrsg. zus. mit Thomas Kachel), Berlin: Dietz, 2005.
  • Kritik mit Methode? Forschungsmethoden und Gesellschaftskritik (hrsg. zus. mit Freikamp, Ulrike; Leanza, Matthias; Mende, Janne; Müller, Stefan; Voß, Heinz-Jürgen), Berlin: Dietz 2008.
  • Kontrollverluste. Interventionen gegen Überwachung (hrsg. von Leipziger Kamera), Münster: Unrast Verlag, 2009
  • Prevent and Tame. Protest under (Self-)Control (hrsg. zus. mit Florian Heßdörfer und Andrea Pabst), Berlin: Dietz, 2010.
  • Conceptualising Culture in Social Movement Research (hrsg. zus. mit Britta Baumgarten und Priska Daphi), Basingstoke: Palgrave Macmillan, 2014.
  • Was ist Antisemitismus? Begriffe und Definitionen von Judenfeindschaft (hrsg. zus. mit Sina Arnold, Anna Danilina, Klaus Holz, Uffa Jensen, Ingolf Seidel und Jan Weyand), Wallstein, Göttingen 2024.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

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