Pfarrkirche Sierning
Die Pfarrkirche Sierning steht im Ort Sierning in der Marktgemeinde Sierning in Oberösterreich. Das römisch-katholische Kirchengebäude mit dem Patrozinium Hl. Stephan ist die Pfarrkirche der Pfarre Steyrtal (ehemals Dekanat Steyrtal) in der Diözese Linz. Die Kirche steht unter Denkmalschutz.
Geschichte[Bearbeiten]
Der Ortsname wird 777 erstmals urkundlich genannt (Stiftung des Benediktinerklosters Kremsmünster durch Herzog Tassilo III.), bezogen auf die Schenkung von dreißig Slawen und dem von ihnen gerodeten Land.<ref name="Mierau 1997">Heike Johanna Mierau: Vita communis und Pfarrseelsorge: Studien zu den Diözesen Salzburg und Passau im Hoch- und Spätmittelalter. Verlag Böhlau, 1997, S. 443.</ref> Es wird eine erste Taufkirche des 8. Jahrhunderts angenommen, vermutlich eine Holzkirche.<ref name="dioezese-linz">Geschichte der Pfarre: Pfarrkirche Sierning, St. Stephanus. dioezese-linz.at (abgerufen am 11. Juli 2018).</ref>
Auf der Synode von Mistelbach (datiert 985 oder 991) wurde von Bischof Pilgrim bei der Neuordnung des Bistums Passau ein Sprengel festgelegt, er verfügte wohl über die Altsiedlungen Sierninghofen und Fraunhofen und hatte hier vielleicht eine bischöfliche Eigenkirche, die eine eigene Pfarrstelle werden sollte.<ref name="Krawarik 2006">Hans Krawarik: Siedlungsgeschichte Österreichs: Siedlungsanfänge, Siedlungstypen, Siedlungsgenese. (= Geographie. Band 19). Verlag Lit, Wien / Berlin 2006, ISBN 3-8258-9040-6, S. 162.</ref> Aus dieser Mutterpfarre sind nicht weniger als 27 selbständige Tochterpfarren des Traunviertels hervorgegangen, darunter so bedeutende wie die ehemaligen Stifte Garsten und Gleink.
Das ursprünglich mit einer Holzdecke versehene Mittelschiff geht (bis zum Triumphbogen) auf das Jahr 1000 zurück, 1288 wurde das gotische Gewölbe fertiggestellt und 1487 die Erweiterung als dreischiffige gotische Hallenkirche mit angebauter Sakristei.<ref name=PS>Pfarrgemeinde Sierning: Pfarrkirche St. Stephanus auf dioezese-linz.at. Abgerufen am 17. April 2025</ref>
Die früheste Abbildung stammt aus der Topographia Austriae superioris modernae, erschienen 1674. Auf der Ansicht des Freisitzes Wahlmühle ist links im Hintergrund Sierning mit der Pfarrkirche zu sehen. Der Kirchturm trägt ein Keildach.<ref>Marktgemeinde Sierning: Station 10 - Kirche Sierning – Die Sierninger Pfarrkirche im Lauf der Zeit. Aufgerufen am 8. April 2025</ref>
Im Jahr 1785 wurden Schiedlberg und Thanstätten eine eigene Pfarre (Thanstätten, heute Schiedlberg).<ref name="Pillwein 1830">Benedikt Pillwein (Hrsg.): Geschichte, Geographie und Statistik des Erzherzogthums Oesterreich ob der Enns und des Herzogthums Salzburg. Mit einem Register, welches zugleich das topographische und genealogische Lexikon ist und der Kreiskarte versehen. Geographisch-historisch-statistisches Detail nach Distrikts-Kommissariaten. 1. Auflage. Dritter Theil: Der Hausruckkreis. Joh. Christ. Quandt, Linz 1830, S. 420 f. (Google eBookSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.). 2. Auflage 1843 (Google BookSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.) – insb. zur Frage der Pfarrherrschaft unter Joseph II.</ref> Die Pfarre war bis zur Säkularisation 1805 passauerisch.<ref name="Pillwein 1830" />
Im 17. Jahrhundert wurde der Turm barockisiert, 1777 die Innenausstattung, sowie der Friedhof von der Kirche weg an den Ortsrand verlegt. 1904 wurde bei der Neogotisierung auch der barocke Hochaltar durch den heutigen neugotischen ersetzt. 1969 erfolgte eine Generalrenovierung, bei der auch der Volksaltar aufgestellt wurde. Das moderne Pfarrheim Fokus an der Nordost- und Nordwestseite, das somit den Chor umschließt, stammt von 2017 und steht anstelle des abgetragenen „Karan-Hauses“, das 1788 bis 1789 am ehemaligen Friedhofsareal errichtet worden war. Durch die Territorialreform der Diözese Linz ist die Kirche seit dem 1. Jänner 2025 Pfarrkirche der Pfarre Steyrtal.<ref name=PS/>
Architektur[Bearbeiten]
Die gotische, dreischiffige Staffelkirche hat ein vierjochiges Langhaus, das Mittelschiff mit einem Netzrippengewölbe. Bis zum Triumphbogen geht das Mittelschiff (damals mit Holzdecke) auf das Jahr 1000 zurück.<ref name="Information">Information von Sierning. sierning.at > Gemeinde & Politik > Wissenswertes, abgerufen am 10. Juli 2018.</ref> Die Seitenschiffe sind aus dem 14. Jahrhundert. Das nördliche kreuzrippengewölbte Seitenschiff hat einen Fünfachtelschluss. Das südliche kreuzrippengewölbte Seitenschiff wurde südlich des Chores mit zwei weiteren netzrippengewölbten Jochen weitergeführt und hat einen Dreiachtelschluss. Der Turm in der nördlichen der Westfassade trägt einen Zwiebelhelm mit Laterne und ist circa 66 Meter hoch.
Der Haupteingang befindet sich an der Südwestseite und hat einen neugotischen Portalvorbau. Die doppelflügelige Bronzetür stammt von 1969. Zwei Nebenportale führen von der nordwestlichen und südöstlichen Seite in die Seitenschiffe. Im Spitzbogen des südöstlichen Seitenportales befindet sich ein marmornes Hochrelief von 1908 mit der Heimkehr des verlorenen Sohnes. Das Kriegerdenkmal neben dem südöstlichen Seitenportal stammt von Maximilian Stockenhuber. Es zeigt ein Hochrelief des heiligen Georg und darunter die Inschrift: „Den Opfern der Kriege 1914 – 1918, 1939 – 1945“.<ref name=PS></ref>
Die Bedeutung des Steinkopfes an der südöstlichen Fassade ist ungeklärt. Er wird „Heidenkopf“ oder „Römerkopf“ genannt und soll nach alter Ansicht von einer römischen Statue stammen. Die unter ihm eingemeißelte Jahreszahl 1487 lässt jedoch eher auf das Porträt des Baumeisters der damaligen Kirchenerweiterung schließen.<ref name=PS></ref>
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Südöstliches Seitenportal
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Nordwestliches Seitenportal
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Kriegerdenkmal
Ausstattung[Bearbeiten]
Der neugotische Hochaltar hat eine spätgotische Mensa. Die Mensa des südlichen Seitenaltars ist von 1288. Der nördliche Seitenaltar stammt von 1620 bis 1626 und wurde aus der Stiftskirche Garsten hierher übertragen und verändert. Die Kanzel ist aus dem ersten Drittel des 18. Jahrhunderts.
Der gotische Taufstein steht im Chor.<ref>Hier wurde am 7. April 1801 um 10 [Uhr] früh Theresia Helm getauft.</ref>
In der Taufkapelle an der Rückwand des nördlichen Seitenschiffes (Abschluss zum Turm) befindet sich eine Kreuzigungsgruppe. Das barocke Kruzifix stammt von 1680, die beiden gotischen Schnitzfiguren stammen von um 1480. Die gotischen Figuren stellen Maria und Johannes dar.<ref name=PS/>
In der 2013 eingerichteten Gedenkkapelle (Abschluss des südlichen Seitenschiffes) befinden sich eine neugotische Pietà von 1910 und eine modern gestaltete Stele für ungeboren verstorbene Kinder. Gestalterin der Gedenkkapelle ist Barbara Ambrosz.<ref name=PS/>
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Marienaltar im südlichen Seitenschiff
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Die Kanzel
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Kreuzigungsgruppe
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Gedenkkapelle mit Pietà und Stele
Literatur[Bearbeiten]
- Sierning, Pfarrkirche hl. Stephan. In: Erwin Hainisch, Neubearbeitet von Kurt Woisetschläger: Die Kunstdenkmäler Österreichs. Dehio Oberösterreich. 6. Auflage. Verlag Anton Schroll & Co., Wien 1977, S. 316.
Weblinks[Bearbeiten]
Anmerkungen und Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references />
Koordinaten: 48° 2′ 39,8″ N, 14° 18′ 34,5″ O
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- Wikipedia:österreichbezogen
- Sierning
- Stephanus-Märtyrer-Kirche
- Kirchengebäude in Oberösterreich
- Pfarrkirche in der Diözese Linz
- Dekanat Steyrtal
- Gegründet im 8. oder 9. Jahrhundert
- Gegründet im 9. oder 10. Jahrhundert
- Ersterwähnung im 10. Jahrhundert
- Gotische Kirche
- Gotisches Bauwerk in Oberösterreich
- Barockisierte Kirche
- Baudenkmal (Oberösterreich)
- Bauwerk im Bezirk Steyr-Land
- Kirchengebäude in Europa