Pfohren
Pfohren Stadt Donaueschingen
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| Koordinaten: | Vorlage:Deutsches Bundesland/Code_type:city(1641)&title=Pfohren 47° 56′ N, 8° 33′ O
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| Höhe: | 687 m ü. NN | |||||
| Fläche: | 15,69 km² | |||||
| Einwohner: | 1641 (März 2022)<ref>Ortsteil Pfohren | Donauquellstadt Donaueschingen. Abgerufen am 20. Oktober 2024.</ref> | |||||
| Bevölkerungsdichte: | 105 Einwohner/km² | |||||
| Eingemeindung: | 1. Januar 1972 | |||||
| Postleitzahl: | 78166 | |||||
| Vorwahl: | 0771 | |||||
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Pfohren ist ein Dorf in Deutschland in Baden-Württemberg, gelegen im Schwarzwald-Baar-Kreis und heute Stadtteil der Großen Kreisstadt Donaueschingen. Der Ort zählt etwa 1.600 Einwohner.
Geographie[Bearbeiten]
Pfohren ist geographisch flussabwärts von Donaueschingen aus gesehen die erste Ortschaft an der jungen Donau nach dem Zusammenfluss der beiden Quellflüsse Brigach und Breg, dem sogenannten Donauzusammenfluss.<ref>Ernst Zimmermann (Hrsg.): Pfohren – Das erste Dorf an der jungen Donau. Aus der Geschichte einer Baargemeinde, Donaueschingen 2001, S. 420.</ref>
An die Gemarkung Pfohren grenzen die Gemarkungen folgender Ortschaften (im Uhrzeigersinn beginnend im Norden): Aasen, Oberbaldingen, Unterbaldingen, Gutmadingen, Neudingen, Sumpfohren, Hüfingen, Allmendshofen und Donaueschingen.<ref>Uebersichts-Plan der Gemarkung Pfohren, in: Ernst Zimmermann (Hrsg.): Pfohren – Das erste Dorf an der jungen Donau. Aus der Geschichte einer Baargemeinde, Donaueschingen 2001, S. 134f.</ref>
Geschichte[Bearbeiten]
Vor- und Frühgeschichte[Bearbeiten]
Die vom griechischen Historiker Herodot erwähnte keltische Siedlung Pyrene soll sich auf Pfohren beziehen. Damit wäre Pfohren die älteste schriftlich erwähnte Ortschaft Deutschlands.<ref>Friedrich Creuzer: Herodoti Musae, Bd. 4, Leipzig 1835, S. 556.</ref><ref>Thomas H. T. Wieners: Pfohren – der älteste schriftlich erwähnte Ort Deutschlands? Zur Lokalisierung der mysteriösen keltischen Siedlung Pyrene in Herodots Historien, in: Almanach 2011. Jahrbuch des Schwarzwald-Baar-Kreises, Bd. 35, S. 184–188.</ref><ref>Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Joachim Sturm auf der Homepage des Landratsamtes Schwarzwald-Baar-Kreis ( vom 4. Oktober 2013 im Internet Archive)</ref><ref>Thomas H. T. Wieners: Cheneinga marca & capella sancti Martini. Die Urmark Klengen und die Urkirche Kirchdorf im Spiegel der frühmittelalterlichen Urkundenüberlieferung des Klosters St. Gallen, in: Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart (Hrsg.): Das Brigachtal im frühen Mittelalter (= Archäologische Informationen aus Baden-Württemberg, Bd. 67), Weinstadt 2013 (ISBN 978-3-942227-14-8), S. 95–131, hier S. 96.</ref> Systematische archäologische Ausgrabungen haben in Pfohren bisher noch nicht stattgefunden. Es existieren allerdings einige Streufunde aus dem Bereich der Pfohrener Gemarkung, so etwa ein keltischer Eisenbarren.<ref>Michael Nick: Wein gegen Sklaven – Der keltische Handel, in: Andrea Bräuning, Andreas Burkhardt, Rolf Dehn, Eckhard Deschler-Erb, Saskia Dornheim, Andrea Hagendorn, Christoph Huth, Michael Nick, Norbert Spichtig, Holger Wendling und Jean-Jacques Wolf: Kelten an Hoch- und Oberrhein (= Führer zu archäologischen Denkmälern in Baden-Württemberg, Band 24), Konrad Theiss Verlag, Esslingen 2005, ISBN 3-8062-2034-4, S. 48–54, hier Abb. 52, S. 53.</ref>
Frühmittelalter[Bearbeiten]
Mit sieben im Stiftsarchiv St. Gallen überlieferten Urkunden ist Pfohren der für die Karolingerzeit am besten dokumentierte Ort<ref>Thomas H. T. Wieners: Zinsen für die Ewigkeit. Die Vergabungen im Schwarzwald-Baar-Kreis an das Kloster St. Gallen in fränkischer Zeit, in: Almanach 2006. Heimatjahrbuch des Schwarzwald-Baar-Kreises, F. 30, S. 157–159, hier S. 157.</ref> der gesamten Baar.<ref>Peter Erhart: Herr und Nachbar. Beziehungen zwischen dem Kloster St. Gallen und der Baar in der Karolingerzeit, in: Volkhard Huth, R. Johanna Regnath (Hrsg.): Die Baar als Königslandschaft, Ostfildern 2010, S. 127–160, hier S. 151.</ref> Seine erste urkundliche Erwähnung fand Pfohren am 4. Juni 817<ref>Urkundenbuch der Abtei Sanct Gallen, hrsg. v. Hermann Wartmann, Zürich 1863, Bd. 1, Nr. 226, S. 227f.</ref> als Forrun in einem Diplom Kaiser Ludwigs des Frommen.<ref>Die Pfohrener Übergabeurkunden an das Kloster St. Gallen aus der Karolingerzeit aus dem Mittellateinischen von Thomas H. T. Wieners, in: ders., Stephan Bäumle, Ernst Zimmermann: Otolf – Priester in Pfohren. 1150 Jahre Kirche in Pfohren. Festschrift zum 1150-jährigen Jubiläum der Ersterwähnung eines Priesters und der Kirche in Pfohren. Hüfingen 2005, S. 27–39, hier S. 27f.</ref> Pfohren war der namengebende Vorort einer Urmark. Die alte St. Michaelskirche, heutiges Patrozinium ist Johannes der Täufer, zählt zu den Urkirchen der Baar. Die Burg Pfohren aus dem 11./12. Jh. ist wüst gefallen.
Weimarer Republik und Zeit des Nationalsozialismus[Bearbeiten]
1932 wurde in Pfohren von der Abteilung 2/263 „Heinrich von Fürstenberg“ ein Lager des Reichsarbeitsdienstes zur Riedentwässerung gegründet. Nach kurzer Zwischenstation in Donaueschingen wurde dieses Arbeitslager schließlich 1935 komplett nach Hüfingen verlagert.<ref>Rüdiger Schell: Das RAD-Lager der Abt. 2/263 „Heinrich von Fürstenberg“ in Hüfingen und seine wechselvolle Geschichte, Hartung-Gorre-Verlag, Konstanz 2014, ISBN 978-3-86628-488-3.</ref>
Eingemeindung[Bearbeiten]
Am 1. Januar 1972 wurde Pfohren in die Stadt Donaueschingen eingegliedert.<ref></ref> Die Fläche der ehemaligen Gemeinde betrug 15,69 km².<ref name="Gemeindeverzeichnis1950">Vorlage:Gemeindeverzeichnis Deutschland 1950</ref> Seither bildet die Gemarkung der ehemaligen Gemeinde eine Ortschaft mit Ortschaftsrat unter Vorsitz eines Ortsvorstehers nach der Gemeindeordnung von Baden-Württemberg (§ 68 bis 71.).
Wappen[Bearbeiten]
Der Wappenschild zeigt zwei schräggekreuzte silberne Jagdspeere überlagert von einem goldbeschlagenen silbernen Jagdhorn auf rotem Grund, umgeben von einem blau-silbernen Wolkenfeh. Der Wolkenfeh verweist auf die jahrhundertelange Ortsherrschaft der Grafen und späteren Fürsten von Fürstenberg, die Jagdattribute stehen symbolisch für das örtliche fürstenbergische Jagdschloss, die Entenburg.<ref>Gottfried Vetter: Die Gemeinde. Einsatz für die Dorfgemeinschaft, in: Ernst Zimmermann (Hrsg.): Pfohren – Das erste Dorf an der jungen Donau. Aus der Geschichte einer Baargemeinde. Donaueschingen 2001, S. 19–24, hier S. 22.</ref>
Politik[Bearbeiten]
Liste der Vögte[Bearbeiten]
- 1496: Konrad Kuttler<ref>Gottfried Vetter: Die Gemeinde. Einsatz für die Dorfgemeinschaft, in: Ernst Zimmermann (Hrsg.): Pfohren – Das erste Dorf an der jungen Donau. Aus der Geschichte einer Baargemeinde. Donaueschingen 2001, S. 19–24, hier S. 20f.</ref>
- 1509: Michael Fritschi
- 1552–1585: Hans Fritschi
- 1587: Jacob Münzer
- 1648: Jacob Fritschi
- 1663: Ottmar Engesser
- 1668–1685: Jacob Fritschi
- 1700–1715: Jacob Engesser
- 1735: Gottlieb Engesser
- 1742: Joseph Hirt
- 1749: Christian Grieshaber
- 1757: Hans Höfler
- 1758: Christian Grieshaber
- 1768: Johannes Höfler
- 1774–1797: Johann Georg Seyfried
- 1798: Othmar Engesser
- 1809: Johann Fehrenbacher
- 1830–1831: Johann Engesser
Liste der Bürgermeister[Bearbeiten]
- um 1832: Josef Betz<ref name="Vetter21">Gottfried Vetter: Die Gemeinde. Einsatz für die Dorfgemeinschaft, in: Ernst Zimmermann (Hrsg.): Pfohren – Das erste Dorf an der jungen Donau. Aus der Geschichte einer Baargemeinde. Donaueschingen 2001, S. 19–24, hier S. 21.</ref>
- 1838–1848: Joseph Wiehl
- 1848–1849: Johann Bausch
- 1849–1852: Joseph Scherer
- 1852–1864: Joseph Wiehl
- 1865–1868: Adolf Welte
- 1868–1883: Karl Hasenfratz
- 1883–1913: Matthä Wolf
- 1913–1923: Heinrich Ohnmacht
- 1923–1933: Xaver Wolf
- 1933–1936: Martin Reichmann
- 1936–1941: Franz Straub
- 1941–1945: Hermann Engesser
- 1945: Siegfried Sigg
- 1945–1963: Franz Josef Engesser
- 1963–1971: Karl Ohnmacht
Liste der Ortsvorsteher[Bearbeiten]
- 1972–1989: Karl Ohnmacht<ref name="Vetter21" />
- 1990: Franz Scherer
- 1991–2014: Gottfried Vetter<ref>Melanie Löffler: Gerhard Feucht ist neuer Ortsvorsteher, in: Südkurier vom 25. Juli 2014.</ref>
- seit 2014: Gerhard Feucht
Sagen[Bearbeiten]
Rund um die Burg Entenburg rankt sich die Sage, dass in ihren Mauern der Geist des angeblich im Pfohrener Ried erstickten Kaisers Karl III. als sogenannter ‚Schnufer‘ spuke.<ref>Johannes Künzig: Schwarzwald Sagen. S. 273, Diederichs Verlag, 1930.</ref>
Verkehr[Bearbeiten]
In Pfohren gab es schon früh eine Poststation für die Teilstrecken der Postrouten Hausach–Hornberg–Krummenschiltach–Villingen–Donaueschingen–Pfohren – Geisingen–Tuttlingen und Neustadt–Unadingen–Donaueschingen–Pfohren–Geisingen–Tuttlingen.<ref>Walter Leibbrand: Postrouten (Postcourse) in Baden-Württemberg (1490–1803), in: Historischer Atlas von Baden-Württemberg, herausgegeben von der Kommission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg in Verbindung mit dem Landesvermessungsamt Baden-Württemberg, Stuttgart 1972–1988, hier Karte X,2 (1979).</ref>
Persönlichkeiten[Bearbeiten]
Söhne und Töchter des Ortes[Bearbeiten]
- Joseph Weißhaar (1814–1870), Gastwirt, Politiker und Anführer einer badischen Freischaartruppe
- Martin Reichmann (1907–2000), Politiker
Persönlichkeiten, die vor Ort gewirkt haben[Bearbeiten]
- Hermann Dischler (1866–1935), Maler, lebte und malte 1896 in Pfohren
Literatur[Bearbeiten]
- Ernst Zimmermann (Hrsg.): Pfohren – Das erste Dorf an der jungen Donau. Aus der Geschichte einer Baargemeinde. Donaueschingen 2001, ISBN 3-00-008750-8.
- Thomas H. T. Wieners: Irdische Güter für himmlischen Lohn. Die Pfohrener Vergabungen an das Kloster St. Gallen in fränkischer Zeit, in: Almanach 2005. Heimatjahrbuch des Schwarzwald-Baar-Kreises, Folge 29, S. 160–163.
- Thomas H. T. Wieners, Stephan Bäumle, Ernst Zimmermann (Hrsg.): Otolf – Priester in Pfohren. 1150 Jahre Kirche in Pfohren. Festschrift zum 1150-jährigen Jubiläum der Ersterwähnung eines Priesters und der Kirche in Pfohren. Hüfingen 2005, ISBN 3-00-016373-5.
- Thomas H. T. Wieners: Wandel am Rande. Ein Heiligenfestverzeichnis des 17. Jahrhunderts als Quelle für den Wechsel des Pfohrener Pfarrpatroziniums, in: Schriften des Vereins für Geschichte und Naturgeschichte der Baar, Band 52 (2009), S. 159–166.
- Thomas H. T. Wieners: Capellae regiae. Pfohren und Kirchdorf, zwei Urkirchen der Baar – Otolf und Ruotbert, zwei Priester der königlichen Hofkapelle, in: Volkhard Huth, R. Johanna Regnath (Hrsg.): Die Baar als Königslandschaft. Tagung des Alemannischen Instituts vom 6.–8. März 2008 in Donaueschingen (= Veröffentlichung des Alemannischen Instituts Freiburg i. Br., Band 77), Ostfildern 2010 (ISBN 978-3-7995-0851-3), S. 161–176.
- Thomas H. T. Wieners: Pfohren – der älteste schriftlich erwähnte Ort Deutschlands? Zur Lokalisierung der mysteriösen Siedlung Pyrene in Herodots Historien, in: Almanach 2011. Jahrbuch des Schwarzwald-Baar-Kreises, Folge 35, S. 184–188.
Einzelnachweise[Bearbeiten]
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