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Phenelzin

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Strukturformel
Strukturformel von Phenelzin
Allgemeines
Freiname Phenelzin
Andere Namen
Summenformel C8H12N2
Kurzbeschreibung

weißer Feststoff (Sulfat)<ref name="HSDB" />

Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer
EG-Nummer 200-117-9
ECHA-InfoCard 100.000.108
PubChem 3675
ChemSpider 3547
DrugBank DB00780
Wikidata [[:d:Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 1492: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)|Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 1492: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)]]
Arzneistoffangaben
ATC-Code

N06AF03

Wirkstoffklasse

Antidepressivum

Wirkmechanismus

irreversibler Monoaminooxidase-Hemmer

Eigenschaften
Molare Masse 136,19 g·mol−1
Aggregatzustand

flüssig<ref name="HSDB" />

Schmelzpunkt

174 °C (Hydrochlorid)<ref name="HSDB">Eintrag zu Phenelzine in der Hazardous Substances Data Bank (via PubChem)Vorlage:Abrufdatum</ref>

Siedepunkt

74 °C (im Vakuum)<ref name="HSDB" />

Löslichkeit
  • löslich in Wasser (Sulfat)<ref name="HSDB" />
  • praktisch unlöslich in Ethanol, Chloroform, Diethylether (Sulfat)<ref name="S. Gangolli, Royal Society of Chemistry (Great Britain)">S. Gangolli, Royal Society of Chemistry (Great Britain): The Dictionary of Substances and Their Effects: O-S. Royal Society of Chemistry, 1999, ISBN 0-85404-833-2, S. 194 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref>
Brechungsindex

1,5494 (20 °C)<ref name="HSDB" />

Sicherheitshinweise
Bitte die Befreiung von der Kennzeichnungspflicht für Arzneimittel, Medizinprodukte, Kosmetika, Lebensmittel und Futtermittel beachten
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung<ref name="Sigma">Datenblatt Phenelzine sulfate salt bei Sigma-AldrichVorlage:Abrufdatum (PDF).</ref>

Sulfat

Gefahr

H- und P-Sätze H: 301
P: 301+310<ref name="Sigma" />
Toxikologische Daten
Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen (0 °C, 1000 hPa). Brechungsindex: Na-D-Linie, 20 °C

Phenelzin ist ein nicht-selektiver, irreversibler Monoaminooxidase-Hemmer (MAO-Hemmer) der Hydrazin-Klasse. Er wird als Antidepressivum und Anxiolytikum eingesetzt. Zusammen mit Tranylcypromin und Isocarboxazid ist Phenelzin einer der wenigen nicht-selektiven MAO-Hemmer.

In Deutschland, Österreich und in der Schweiz ist Phenelzin derzeit nicht erhältlich. Der Wirkstoff kann jedoch über internationale Apotheken bezogen werden.

Anwendungsgebiete[Bearbeiten]

Phenelzin wird vor allem bei depressiven Störungen eingesetzt. Patienten mit „atypisch“, „nicht-endogener“ und/oder „neurotisch“ depressiver Symptomatik reagieren besonders gut auf Phenelzin.<ref>Parke-Davis Division of Pfizer Inc. (2007). Nardil(R) (Phenelzine sulfate tablets, USP), labeling information. Abgerufen am 14. Dezember 2009 auf Website U.S. Food and Drug Administration.</ref> Das Medikament wird auch erfolgreich bei Patienten eingesetzt, die auf konventionelle Antidepressiva nicht ansprechen oder sich als „behandlungsresistent“ erwiesen haben.<ref>Fiedorowicz, J. G.; Swartz, K. L. (2004). The Role of Monoamine Oxidase Inhibitors in Current Psychiatric Practice. In: Journal of Psychiatric Practice; 10:239–248. doi:10.1097/00131746-200407000-00005. PMC 2075358 (freier Volltext). PMID 15552546</ref>

Neben der Behandlung der Major-Depression, wird es auch erfolgreich bei der Behandlung der Dysthymie<ref>Vallejo, J.; Gasto, C.; Catalan, R.; Salamero, M. (1987). Double-blind study of imipramine versus phenelzine in Melancholias and Dysthymic Disorders. In: The British Journal of Psychiatry; 151:639–642. doi:10.1192/bjp.151.5.639. PMID 3446308</ref>, bipolaren Depressionen<ref>Quitkin, F. M.; Mcgrath, P.; Liebowitz, M. R.; Stewart, J.; Howard, A. (1981). Monoamine oxidase inhibitors in bipolar endogenous depressives. In: Journal of Clinical Psychopharmacology; 1:70–74. doi:10.1097/00004714-198103000-00005. PMID 7028797</ref>, Panikstörung<ref>Buigues, J.; Vallejo, J. (1987). Therapeutic response to phenelzine in patients with panic disorder and agoraphobia with panic attacks. In: Journal of Clinical Psychiatry; 48:55–59. PMID 3542985</ref>, soziale Phobie<ref>Blanco, C.; Schneier, F.; Schmidt, A.; Blanco-Jerez, C.; Marshall, R.; Sánchez-Lacay, A.; Liebowitz, M. (2003). Pharmacological treatment of social anxiety disorder: a meta-analysis. In: Depression and Anxiety; 18:29–40. doi:10.1002/da.10096. PMID 12900950</ref>, Bulimie<ref>Walsh, B. T.; Gladis, M.; Roose, S. P.; Stewart, J. W.; Stetner, F.; Glassman, A. H. (1988). Phenelzine vs placebo in 50 patients with bulimia. In: Archives of General Psychiatry; 45:471–475. doi:10.1001/archpsyc.1988.01800290091011. PMID 3282482</ref> und posttraumatischen Belastungsstörungen (PTSD)<ref>Frank, J. B.; Kosten, T. R.; Giller El, E. L.; Dan, E. (1988). A randomized clinical trial of phenelzine and imipramine for posttraumatic stress disorder. In: The American Journal of Psychiatry; 145:1289–1291. PMID 3048121</ref> angewendet.

Wirkungsweise[Bearbeiten]

Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Siehe auch“ ist nicht vorhanden. Phenelzin ist ein nicht-selektiver und irreversibler Inhibitor des Enzyms Monoamin-Oxidase (MAO). Es hemmt sowohl der jeweiligen Isoformen von MAO, MAO-A und MAO-B, und zwar fast gleich, mit leichter Präferenz für die erstere. Durch die Hemmung verhindert Phenelzin den Abbau der Monoamin-Neurotransmitter Serotonin, Melatonin, Noradrenalin, Adrenalin und Dopamin, sowie die Neuromodulatoren Phenylethylamin, Tyramin, Octopamin und Tryptamin. Dies führt zu einer Erhöhung der extrazellulären Konzentrationen der jeweiligen Botenstoffe.

Wechselwirkungen[Bearbeiten]

Die Kombination mit Sympathomimetika (Ephedrin, Amphetamin), Reserpin führt zu unkontrollierter Wirkungsverstärkung mit der Gefahr der Bluthochdruckkrise. Tyraminhaltige Nahrungsmittel (gereifter Käse, Rotwein etc.) können hypertensive Krisen auslösen (tyraminarme Diät notwendig). Es kann zur Ausbildung eines Serotonin-Syndroms in der Kombinationstherapie mit bestimmten Medikamenten, welche die Serotonin-Aktivität erhöhen (Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, Venlafaxin, trizyklische Antidepressiva, 5-HT1-Agonisten), kommen.

Über die Wechselwirkungen von irreversiblen MAO-Hemmern mit Narkosemitteln wurde in einzelnen Fällen berichtet (instabiler Kreislauf, komatöse Zustände). Für fast alle Opiod-Präparate wird allgemein die gleichzeitige Anwendung mit MAO-Hemmern als eine Kontraindikation beschrieben. Zwischen der Anwendung von MAO-Hemmern und Opioiden sollten mindestens 14 Tage liegen. Besondere Vorsicht ist bei Tramadol, Pethidin, Fentanyl<ref>ROTE-HAND-BRIEF Serotonin-Syndrom unter Fentanyl</ref> aber auch Dextromethorphan gegeben.<ref>Walter E. Haefeli: Wechselwirkungen in der Schmerztherapie mit Opioiden. Forum Schmerz Bulletin 2011.</ref>

Unter Einnahme von Phenelzin kann ein Vitamin B6 Mangel auftreten. Phenelzin und deren Metaboliten (Phenylethylidenhydrazin) reagieren mit Vitamin B6 zu einem biologisch inerten Metaboliten. Aus diesem Grund ist eine Supplementierung mit Vitamin B6 in Form von Pyridoxin unter Einnahme von Phenelzin empfohlen.

Unerwünschte Nebenwirkungen[Bearbeiten]

Als häufige Nebenwirkungen können Schwindel, Sehstörungen, Mundtrockenheit, Kopfschmerzen, Lethargie, Sedierung, Somnolenz, Schlaflosigkeit, Appetitlosigkeit, Gewichtszunahme oder -verlust, Übelkeit und Erbrechen, Durchfall, Verstopfung, Harnverhalt, Mydriasis, Muskelzittern, Hyperthermie und Schwitzen, Bluthochdruck oder Hypotonie, orthostatische Hypotonie, Parästhesien, Hepatitis und sexuelle Dysfunktion auftreten. Als seltene Nebenwirkungen sind Hypomanie oder Manie, Psychosen und akutes Leberversagen beschrieben.

Handelsnamen[Bearbeiten]

Monopräparate

Nardil (USA), Nardelzine (GB, ES, BE)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references />