Die Wegerichgewächse (Plantaginaceae), manchmal auch als Ehrenpreisgewächse (Veronicaceae) bezeichnet, sind eine Pflanzenfamilie in der Ordnung der Lippenblütlerartigen (Lamiales). Sie sind weltweit in allen Klimazonen vertreten.
Haare (Trichome) sind meist einfach, häufig drüsig, manchmal auch sternförmig. Das Fehlen vertikaler Gliederung in den Haaren wird als gemeinsames abgeleitetes Merkmal der Familie angesehen (Synapomorphie). Die Laubblätter stehen gegenständig, wechselständig oder schraubig, selten wirtelig. Bei den meisten Arten sind die Blattspreiten einfach, seltener zusammengesetzt; ganz bis fiederspaltig. Die Nervatur ist fiederig, bei Plantago jedoch vorwiegend parallel. Nebenblätter fehlen.
Die Blütenstände sind sehr vielfältig und umfassen sowohl offene als auch geschlossene Blütenstände; bei manchen Arten stehen die Blüten einzeln.
Die meist zwittrigen Blüten sind zygomorph und meist fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Einige Gattungen besitzen radiärsymmetrische Blüten (etwa Bacopa, Sibthorpia), bei anderen sind die Blüten reduziert (Callitriche). Als Ausnahmen sind Hippuris-Arten einhäusig getrenntgeschlechtlich (monözisch), und einige Arten von Plantago und Veronica subg. Hebe sind zweihäusig getrenntgeschlechtig (diözisch) oder gynodiözisch. Viele Arten sind protogyn vorweiblich.<ref>J. W. Kadereit: The Families and Genera of Vascular Plants. Vol. VII: Flowering Plants Dicotyledons, Springer, 2004, ISBN 3-540-40593-3, S. 327.</ref>
Es gibt meist fünf, manchmal vier Kelchblätter, die frei bis verwachsen sind. Es gibt meist fünf verwachsene Kronblätter, manchmal aufgrund der Verschmelzung der zwei oberen Kronlappen nur vier. Die Verschmelzung kann weitergehen zu nur zwei Lappen (Lagotis). Sibthorpia hingegen hat auch Kronlappen. Die Kronröhre kann entweder unauffällig sein oder sehr lang im Vergleich zu den Kronlappen. In einigen Veronica-Arten, die früher zu Besseya gestellt wurden, fehlt die Krone völlig. Die Blüten können bis mehrere Zentimeter groß werden und können durch Wind, Bienen, Fliegen oder Vögel bestäubt werden. Manche Blüten besitzen einen Nektar-Sporn, bei anderen verdeckt eine Ausstülpung der Unterlippe den Eingang (Maskenblume). Bei anderen ist der Eingang durch Haare verstellt.
Eine Nektarscheibe ist bei den meisten Gattungen vorhanden.
Das Androeceum bildet sich früh im Vergleich zur Kronröhre. Dies ist möglicherweise eine weitere Synapomorphie. Meist sind vier Staubblätter vorhanden, selten nur zwei oder eines (Hippuris, Callitriche). Ein fünftes Staubblatt ist manchmal reduziert als Staminodium vorhanden. Die Staubfäden sind mit der Kronröhre verbunden (adnat). Die Staubbeutel sind pfeilförmig, da die Pollensäcke unten auseinanderweichen. Der Pollen ist in der Regel tricolpat bis tricolporat und besitzt eine reticulate Exine.
Das Gynoeceum besteht aus zwei verwachsenen Fruchtblättern. Plantago subg. Littorella besitzt nur ein Fruchtblatt. Der Fruchtknoten ist oberständig und zeichnet sich durch zentralwinkelständige Plazentation mit großen, nicht unterteilten Plazenten aus. Die Samenanlagen sind zahlreich, seltener ist die Zahl bis auf eine pro Fach reduziert wie zum Beispiel bei Lagotis. Die Samenanlagen sind anatrop bis hemitrop, besitzen ein Integument und ein dünnwandiges Megasporangium. Es gibt einen Griffel mit einer zweilappigen oder kopfigen Narbe.
Die Kapselfrüchte sind meist septizid oder lokulizid, seltener porizid oder circumscissil und beinhalten einen bis viele Samen. Die eiförmigen Samen können geflügelt sein. Bei geflügelten Samen sind die Innenwände der Exotesta-Zellen verdickt.
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Die sekundären Inhaltsstoffe sind vielfältig. Vorherrschend sind Iridoide. In manchen Gruppen fehlen sie und sind dann oft durch verschiedene Glykoside ersetzt (etwa bei Gratioleae, Sibthorpia, Ellisiophyllum, Digitalis). Die Antirrhineae sowie Monttea besitzen Antirrhinosid. Bacopa, Gratiola und Stemodia enthalten Di- und Triterpen-Glukoside. Die meisten Gattungen bilden im Zellkern amorphe oder globuläre Proteinkörper.
Von den mitteleuropäischen Gattungen wurden traditionell nur Wegeriche (Plantago) und der Strandling (Littorella) zu den Wegerichgewächsen gestellt. Der größte Teil der anderen Gattungen und Arten wurde früher zu den Braunwurzgewächsen (Scrophulariaceae) gerechnet.
Phylogenetische Untersuchungen mit molekularbiologischen Methoden haben zu einer Aufteilung der Familie Scrophulariaceae und zu einer beträchtlichen Erweiterung der Plantaginaceae geführt.<ref name="Olmstead2001" /> Die Familie Plantaginaceae umfasst zwölf Triben mit 92 Gattungen, die zusammen rund 2000 Arten umfassen. Die Gliederung folgt Albach et al. 2005. Der nomenklatorisch korrekte Name der Familie gemäß dem ICBN ist Plantaginaceae, 2008 wurde jedoch vorgeschlagen, stattdessen Veronicaceae als Nomen conservandum zu definieren, um die Familie im weiten Umfang wie hier beschrieben deutlich von den Plantaginaceae im engen Sinn, wie sie bis 1998 bestanden und wie sie von manchen Autoren, die die Plantaginaceae im hier dargestellten Umfang in mehrere Familien aufteilen, umschrieben werden, unterscheiden zu können.<ref name="Reveal2008" />
Die Taxa der früheren Familien: Antirrhinaceae, Aragoaceae, Callitrichaceae, Chelonaceae, Digitalidaceae, Ellisiophyllaceae, Erinaceae, Linariaceae, Littorellaceae, Oxycladaceae, Psylliaceae, Scopariaceae, Sibthorpiaceae, Trapellaceae, Veronicaceae gehören heute zu dieser Familie.
Hier die zwölf Tribus der Plantaginaceae mit den enthaltenen Gattungen:<ref name="GRIN" />
Tribus Angelonieae Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Pennell: Sie enthält etwa sechs Gattungen:
Löwenmäuler (AntirrhinumDie Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.L.): Die 20 bis 30 Arten sind in Nordamerika und im Mittelmeerraum verbreitet.
Gloxinienwinden (AsarinaDie Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Mill.): Die bis zu 15 Arten sind in Nordamerika verbreitet und nur eine kommt in Europa vor:
Klaffmund (ChaenorhinumDie Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.(DC.) Rchb.): Die etwa 20 Arten sind in Europa, im Mittelmeerraum und in Westasien verbreitet. Darunter:
Leinkräuter (LinariaDie Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Mill.): Die etwa 150 Arten gedeihen in den gemäßigten Gebieten der Nordhalbkugel, besonders im Mittelmeerraum.
NuttallanthusDie Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.D.A.Sutton: Die etwa vier Arten sind von Nord- über Zentral- bis Südamerika verbreitet.
PseudorontiumDie Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.(A.Gray) Rothm.: Sie enthält nur eine Art:
Tannenwedel (HippurisDie Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.L.): Die nur zwei Arten sind in Gewässern in den gemäßigten Gebieten hauptsächlich der Nordhalbkugel weitverbreitet, darunter:<ref name="Euro+Med_Hippuris" /><ref name="FoC_Hippuris" />
Schildblumen, auch Schlangenkopf genannt (CheloneDie Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.L.): Die etwa fünf Arten sind in Nordamerika verbreitet.
Bartfaden (PenstemonDie Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Schmidel, inklusive PennellianthusDie Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Crosswh.): Die etwa 250 Arten sind in Nordamerika und im nordöstlichen Asien verbreitet.
TonellaDie Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Nutt. ex A.Gray: Die etwa zwei Arten sind im westlichen Nordamerika verbreitet.
Tribus Globularieae Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Rchb.: Sie enthält drei Gattungen:
CampylanthusDie Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Roth: Die etwa 17 Arten sind in Makaronesien, im nordöstlichen Afrika und am Persischen Golf verbreitet.
Tribus Gratioleae Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Benth. Sie enthält 16 bis 40 Gattungen mit etwa 320 Arten, die fast weltweit vorkommen, mit einem Schwerpunkt in der Neotropis und angrenzenden gemäßigten Gebieten.<ref name="Estes2008" />:
AchetariaDie Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Cham. & Schltdl.: Die etwa sieben Arten sind in der Neotropis verbreitet.
LimnophilaDie Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.R.Br.: Die 5 bis 36 Arten sind in den Tropen verbreitet (einige Arten wie Limnophila aromatica werden Sumpffreund genannt und als Aquarienpflanzen verwendet<ref>Hans-Georg Kramer: Pflanzenaquaristik á la Kramer. Tetra-Verlag, Berlin-Velten 2009, ISBN 978-3-89745-190-2, S. 162–171 (Limnophila aquatica, L. aromaticoides, L. browni, L. hippuroides, L. indica).</ref>).
MaeviellaDie Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Rossow: Es ist eine monotypische Gattung mit der einzigen Art:
PhilcoxiaDie Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.P.Taylor & V.C.Souza: Die etwa drei Arten sind in Brasilien verbreitet.<ref name="Fritsch2007" />
LittorellaDie Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.P.J.Bergius: Von den etwa drei Arten kommen zwei in Amerika und eine kommt in Europa vor; diese letztere ist der Strandling (Littorella unifloraDie Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.(L.) Asch.), der manchmal zu Plantago gestellt wird.
Wegeriche (PlantagoDie Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.L.): Die etwa 275 Arten weltweit verbreitet; manchmal inklusive Littorella.
Tribus Russelieae Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Pennell: Sie enthält nur zwei Gattungen:
SibthorpiaDie Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.L.: Die zwei bis fünf Arten kommen in Amerika, Afrika, Europa und Makaronesien vor.
Tribus Veroniceae Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Duby: Sie enthält je nach Umfang der Gattung Veronica 9 bis 16 Gattungen:<ref name="AlbachOnline" />
LagotisDie Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Gaertn.: Die etwa 20 Arten kommen in Asien vom Kaukasusraum bis Zentralchina und in Osteuropa vor.
Mänderle (PaederotaDie Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.L.): Die nur zwei Arten<ref name="AlbachOnline" /> kommen in Südeuropa und den Alpen vor.
Wulfenien (WulfeniaDie Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Jacq.): Etwa zwei Arten kommen in Südosteuropa, eine Art in Kleinasien und etwa drei Arten in Nordamerika vor.
WulfeniopsisDie Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.D.Y.Hong: Sie enthält nur eine Art oder zwei Arten:<ref name="AlbachOnline" />
D. C. Albach, H. M. Meudt, B. Oxelman: Piecing together the "new" Plantaginaceae. In: American Journal of Botany. Band 92, 2005, S. 297–315. Volltext online.
David C. Tank, Paul M. Beardsley, Scot A. Kelchner, Richard G. Olmstead: L. A. S. JOHNSON REVIEW No. 7.Review of the systematics of Scrophulariaceae s.l. and their current disposition. In: Australian Systematic Botany. Volume 19, S. 289–307. (dort Veronicaceae = Plantaginaceae im hier dargestellten Umfang)
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Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GRIN“ ist nicht vorhanden. im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland.
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<ref name="AlbachOnline">Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Classification of Veroniceae online. (Memento des Vorlage:IconExternal vom 11. Januar 2016 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.albach.gmxhome.de</ref>
<ref name="Olmstead2001">Richard G. Olmstead u. a.: Disintegration of the Scrophulariaceae. In: American Journal of Botany. Volume 88, 2001, S. 348–361, Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.(Volltext online.) (Memento des Vorlage:IconExternal vom 26. Juni 2010 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.amjbot.org</ref>
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James L. Reveal, Richard Olmstead, Walter S. Judd: Proposals to conserve the name Veronicaceae (Magnoliophytina), and to conserve it against Plantaginaceae, a "superconservation" proposal. In: Taxon. Band 57, 2008, S. 643–644.
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