Zum Inhalt springen

Wegerichgewächse

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Plantaginaceae)

Die Seite Vorlage:Taxobox/styles.css hat keinen Inhalt.

Wegerichgewächse
Datei:Veronica chamaedrys Ehrenpreis.jpg

Gamander-Ehrenpreis (Veronica chamaedrys)

Systematik
Eudikotyledonen
Kerneudikotyledonen
Asteriden
Euasteriden I
Ordnung: Lippenblütlerartige (Lamiales)
Familie: Wegerichgewächse
Wissenschaftlicher Name
Plantaginaceae
Juss.

Die Wegerichgewächse (Plantaginaceae), manchmal auch als Ehrenpreisgewächse (Veronicaceae) bezeichnet, sind eine Pflanzenfamilie in der Ordnung der Lippenblütlerartigen (Lamiales). Sie sind weltweit in allen Klimazonen vertreten.

Beschreibung[Bearbeiten]

Datei:Illustration Veronica officinalis0.jpg
Illustration von Ehrenpreis (Veronica officinalis, links, und Veronica teucrium, rechts)

Die Familie Plantaginaceae s. l. ist morphologisch sehr heterogen.

Vegetative Merkmale[Bearbeiten]

Es sind meist einjährige oder ausdauernde krautige Pflanzen, selten sind es Sträucher (Veronica subg. Hebe, Aragoa). Einige Gattungen sind Wasserpflanzen (Hippuris, Callitriche). Parasiten oder Halbparasiten fehlen in dieser Familie.

Haare (Trichome) sind meist einfach, häufig drüsig, manchmal auch sternförmig. Das Fehlen vertikaler Gliederung in den Haaren wird als gemeinsames abgeleitetes Merkmal der Familie angesehen (Synapomorphie). Die Laubblätter stehen gegenständig, wechselständig oder schraubig, selten wirtelig. Bei den meisten Arten sind die Blattspreiten einfach, seltener zusammengesetzt; ganz bis fiederspaltig. Die Nervatur ist fiederig, bei Plantago jedoch vorwiegend parallel. Nebenblätter fehlen.

Generative Merkmale[Bearbeiten]

Die Blütenstände sind sehr vielfältig und umfassen sowohl offene als auch geschlossene Blütenstände; bei manchen Arten stehen die Blüten einzeln.

Die meist zwittrigen Blüten sind zygomorph und meist fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Einige Gattungen besitzen radiärsymmetrische Blüten (etwa Bacopa, Sibthorpia), bei anderen sind die Blüten reduziert (Callitriche). Als Ausnahmen sind Hippuris-Arten einhäusig getrenntgeschlechtlich (monözisch), und einige Arten von Plantago und Veronica subg. Hebe sind zweihäusig getrenntgeschlechtig (diözisch) oder gynodiözisch. Viele Arten sind protogyn vorweiblich.<ref>J. W. Kadereit: The Families and Genera of Vascular Plants. Vol. VII: Flowering Plants Dicotyledons, Springer, 2004, ISBN 3-540-40593-3, S. 327.</ref>

Es gibt meist fünf, manchmal vier Kelchblätter, die frei bis verwachsen sind. Es gibt meist fünf verwachsene Kronblätter, manchmal aufgrund der Verschmelzung der zwei oberen Kronlappen nur vier. Die Verschmelzung kann weitergehen zu nur zwei Lappen (Lagotis). Sibthorpia hingegen hat auch Kronlappen. Die Kronröhre kann entweder unauffällig sein oder sehr lang im Vergleich zu den Kronlappen. In einigen Veronica-Arten, die früher zu Besseya gestellt wurden, fehlt die Krone völlig. Die Blüten können bis mehrere Zentimeter groß werden und können durch Wind, Bienen, Fliegen oder Vögel bestäubt werden. Manche Blüten besitzen einen Nektar-Sporn, bei anderen verdeckt eine Ausstülpung der Unterlippe den Eingang (Maskenblume). Bei anderen ist der Eingang durch Haare verstellt. Eine Nektarscheibe ist bei den meisten Gattungen vorhanden.

Das Androeceum bildet sich früh im Vergleich zur Kronröhre. Dies ist möglicherweise eine weitere Synapomorphie. Meist sind vier Staubblätter vorhanden, selten nur zwei oder eines (Hippuris, Callitriche). Ein fünftes Staubblatt ist manchmal reduziert als Staminodium vorhanden. Die Staubfäden sind mit der Kronröhre verbunden (adnat). Die Staubbeutel sind pfeilförmig, da die Pollensäcke unten auseinanderweichen. Der Pollen ist in der Regel tricolpat bis tricolporat und besitzt eine reticulate Exine.

Das Gynoeceum besteht aus zwei verwachsenen Fruchtblättern. Plantago subg. Littorella besitzt nur ein Fruchtblatt. Der Fruchtknoten ist oberständig und zeichnet sich durch zentralwinkelständige Plazentation mit großen, nicht unterteilten Plazenten aus. Die Samenanlagen sind zahlreich, seltener ist die Zahl bis auf eine pro Fach reduziert wie zum Beispiel bei Lagotis. Die Samenanlagen sind anatrop bis hemitrop, besitzen ein Integument und ein dünnwandiges Megasporangium. Es gibt einen Griffel mit einer zweilappigen oder kopfigen Narbe.

Die Kapselfrüchte sind meist septizid oder lokulizid, seltener porizid oder circumscissil und beinhalten einen bis viele Samen. Die eiförmigen Samen können geflügelt sein. Bei geflügelten Samen sind die Innenwände der Exotesta-Zellen verdickt.

Die Chromosomengrundzahl variiert zwischen x = 6 und x = 11.

Inhaltsstoffe[Bearbeiten]

Vorlage:Hinweisbaustein Die sekundären Inhaltsstoffe sind vielfältig. Vorherrschend sind Iridoide. In manchen Gruppen fehlen sie und sind dann oft durch verschiedene Glykoside ersetzt (etwa bei Gratioleae, Sibthorpia, Ellisiophyllum, Digitalis). Die Antirrhineae sowie Monttea besitzen Antirrhinosid. Bacopa, Gratiola und Stemodia enthalten Di- und Triterpen-Glukoside. Die meisten Gattungen bilden im Zellkern amorphe oder globuläre Proteinkörper.

Datei:Maypurpleflower.jpg
Tribus Angelonieae: Angelonia angustifolia
Datei:Asarina procumbens-IMG 1545.jpg
Tribus Antirrhineae: Asarina procumbens
Datei:Chaenorrhinum origanifolium.jpg
Tribus Antirrhineae: Chaenorrhinum origanifolium

Systematik[Bearbeiten]

Von den mitteleuropäischen Gattungen wurden traditionell nur Wegeriche (Plantago) und der Strandling (Littorella) zu den Wegerichgewächsen gestellt. Der größte Teil der anderen Gattungen und Arten wurde früher zu den Braunwurzgewächsen (Scrophulariaceae) gerechnet.

Phylogenetische Untersuchungen mit molekularbiologischen Methoden haben zu einer Aufteilung der Familie Scrophulariaceae und zu einer beträchtlichen Erweiterung der Plantaginaceae geführt.<ref name="Olmstead2001" /> Die Familie Plantaginaceae umfasst zwölf Triben mit 92 Gattungen, die zusammen rund 2000 Arten umfassen. Die Gliederung folgt Albach et al. 2005. Der nomenklatorisch korrekte Name der Familie gemäß dem ICBN ist Plantaginaceae, 2008 wurde jedoch vorgeschlagen, stattdessen Veronicaceae als Nomen conservandum zu definieren, um die Familie im weiten Umfang wie hier beschrieben deutlich von den Plantaginaceae im engen Sinn, wie sie bis 1998 bestanden und wie sie von manchen Autoren, die die Plantaginaceae im hier dargestellten Umfang in mehrere Familien aufteilen, umschrieben werden, unterscheiden zu können.<ref name="Reveal2008" />

Die Taxa der früheren Familien: Antirrhinaceae, Aragoaceae, Callitrichaceae, Chelonaceae, Digitalidaceae, Ellisiophyllaceae, Erinaceae, Linariaceae, Littorellaceae, Oxycladaceae, Psylliaceae, Scopariaceae, Sibthorpiaceae, Trapellaceae, Veronicaceae gehören heute zu dieser Familie.

Hier die zwölf Tribus der Plantaginaceae mit den enthaltenen Gattungen:<ref name="GRIN" />

Datei:Galvezia speciosa4.jpg
Tribus Antirrhineae: Gambelia speciosa
Datei:Mohavea brevifolia 1.jpg
Tribus Antirrhineae: Mohavea breviflora
Datei:Hippuris vulgaris kz.JPG
Tribus Callitricheae: Gewöhnlicher Tannenwedel (Hippuris vulgaris)
Datei:Penstemon hirsutus - Hairy Beard Tongue 2.jpg
Tribus Cheloneae: Penstemon hirsutus
Datei:Digitalis purpurea.jpg
Tribus Digitalideae: Roter Fingerhut (Digitalis purpurea)
Datei:GlobulariaNudicaulis.jpg
Tribus Globularieae: Nacktstängelige Kugelblume (Globularia nudicaulis)
Datei:Starr 010818-0006 Bacopa monnieri.jpg
Tribus Gratioleae: Kleines Fettblatt (Bacopa monnieri)
Datei:Breitwegerich.jpg
Tribus Plantagineae: Breitwegerich (Plantago major)
Datei:Tetranema roseum.jpg
Tribus Russelieae: Tetranema roseum
Datei:Ellisiophyllum pinnatum.jpg
Tribus Sibthorpieae: Ellisiophyllum pinnatum
Datei:Veronica speciosa kz1.jpg
Tribus Veroniceae: Veronica speciosa
Datei:Pseudolysimachion subsessile in Mount Ibuki 2011-08-28.jpg
Tribus Veroniceae: Veronica subsessilis

Quellen[Bearbeiten]

  • Die Familie Plantaginaceae bei der APWebsite. (Abschnitte Systematik und Beschreibung)
  • D. C. Albach, H. M. Meudt, B. Oxelman: Piecing together the "new" Plantaginaceae. In: American Journal of Botany. Band 92, 2005, S. 297–315. Volltext online.
  • David C. Tank, Paul M. Beardsley, Scot A. Kelchner, Richard G. Olmstead: L. A. S. JOHNSON REVIEW No. 7. Review of the systematics of Scrophulariaceae s.l. and their current disposition. In: Australian Systematic Botany. Volume 19, S. 289–307. (dort Veronicaceae = Plantaginaceae im hier dargestellten Umfang)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references> <ref name="GRIN"> Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GRIN“ ist nicht vorhanden. im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. </ref> <ref name="AlbachOnline">Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Classification of Veroniceae online. (Memento des Vorlage:IconExternal vom 11. Januar 2016 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.albach.gmxhome.de</ref> <ref name="Olmstead2001">Richard G. Olmstead u. a.: Disintegration of the Scrophulariaceae. In: American Journal of Botany. Volume 88, 2001, S. 348–361, Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.(Volltext online.) (Memento des Vorlage:IconExternal vom 26. Juni 2010 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.amjbot.org</ref> <ref name="Reveal2008"> James L. Reveal, Richard Olmstead, Walter S. Judd: Proposals to conserve the name Veronicaceae (Magnoliophytina), and to conserve it against Plantaginaceae, a "superconservation" proposal. In: Taxon. Band 57, 2008, S. 643–644. </ref> <ref name="Estes2008"> Dwayne Estes, Randall L. Small: Phylogenetic Relationships of the Monotypic Genus Amphianthus (Plantaginaceae Tribe Gratioleae) Inferred from Chloroplast DNA Sequences. In: Systematic Botany. Volume 33, Issue 1, 2008, S. 176–182. doi:10.1600/036364408783887375 </ref> <ref name="Albach2010"> D. C. Albach, Heidi M. Meudt: Phylogeny of Veronica in the Southern and Northern Hemispheres based on plastid, nuclear ribosomal and nuclear low-copy DNA. In: Molecular Phylogenetics and Evolution. Volume 54, 2010, S. 457–471. </ref> <ref name="Euro+Med_Hippuris"> Pertti Johannes Uotila, 2009+: Hippuris. Datenblatt Hippuris. In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity. </ref> <ref name="FoC_Hippuris"> Jiarui Chen, Michele Funston: Hippuridaceae. Hippuris Linnaeus. - textgleich online wie gedrucktes Werk, In: Wu Zheng-yi, Peter H. Raven, Deyuan Hong (Hrsg.): Flora of China. Volume 13: Clusiaceae through Araliaceae. Science Press und Missouri Botanical Garden Press, Beijing und St. Louis 2007, ISBN 978-1-930723-59-7. </ref> <ref name="FoC_Scrofella"> Deyuan Hong, Hanbi Yang, Cun-li Jin, Manfred A. Fischer, Noel H. Holmgren, Robert R. Mill: Scrophulariaceae A. L. Jussieu. Scrofella Maximowicz. S. 61 - textgleich online wie gedrucktes Werk, In: Wu Zheng-yi, Peter H. Raven, Deyuan Hong (Hrsg.): Flora of China, Volume 18: Volume 18: Scrophulariaceae through Gesneriaceae. Science Press und Missouri Botanical Garden Press, Beijing und St. Louis 1998, ISBN 0-915279-55-X. </ref> <ref name="Fritsch2007"> P. W. Fritsch, F. Almeda, A. B. Martins, B. C. Cruz, D. Estes: Rediscovery and Phylogenetic Placement of Philcoxia minensis (Plantaginaceae), with a Test of Carnivory. In: Proceedings of the California Academy of Science. Volume 58, 2007, S. 447–467 ISSN 0068-547X. </ref> </references>

Weblinks[Bearbeiten]

Commons: Wegerichgewächse – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien