Plessa ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)<ref name="rězak">Filip Rězak, Deutsch-wendisches encyklopädisches Wörterbuch der Oberlausitzer Sprache, Bautzen 1920. Siehe auch: Arnošt Muka, Niedersorbische Namen der Städte und Dörfer, 1911–1928. (Sorbisches Institut)</ref>) ist eine Gemeinde im südbrandenburgischenLandkreis Elbe-Elster und Sitz des Amtes Plessa. Sie befindet sich etwa acht Kilometer östlich der Stadt Elsterwerda im Norden des Schradens, eines Niederungsgebiets der Schwarzen Elster.
Zur Gemeinde gehören die Ortsteile Döllingen ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)) und Kahla ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)) sowie der Wohnplatz Plessa-Süd.<ref>Plessa | Service Brandenburg. Abgerufen am 2. Mai 2024.</ref> Döllingen und Kahla wurden am 31. Dezember 2001 eingemeindet.<ref>StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2001</ref>
Ursprung und erste urkundliche Erwähnung[Bearbeiten]
Plessa wurde erstmals 1406 in der „Landbethe zu Hayn“<ref>ein Steuerverzeichnis</ref> mit einer Größe von 24 Hufen sowie zwei wüsten Hufen erwähnt.<ref name="Amt">Amt Plessa (Hrsg.): Amt Plessa – Eine Region in der reizvollen Niederlausitzer Heidelandschaft. Euroverlag, Cottbus 1996.</ref> Der Ortsname stammt vom altsorbischen Ples(o), was See bedeutet und vermutlich auf ein Altwasser der Schwarzen Elster hindeutet, die einst mit zahlreichen Nebenarmen die Landschaft des den Ort umgebenden Schradens durchfloss.<ref name="Der Schraden 1">Luise Grundmann, Dietrich Hanspach (Verf.): Der Schraden. Eine landeskundliche Bestandsaufnahme im Raum Elsterwerda, Lauchhammer, Hirschfeld und Ortrand. Hrsg.: Institut für Länderkunde Leipzig und der Sächsischen Akad. der Wissenschaften zu Leipzig. Böhlau Verlag, Köln / Weimar / Wien 2005, ISBN 3-412-10900-2, S.106–111.</ref> Der Ort gehörte zur Herrschaft Elsterwerda, und die Einwohner hatten dorthin ihre Abgaben zu leisten.<ref name="Der Schraden 1" />
Im Jahre 1540 erfolgte die erste Erwähnung einer ledigen hölzernen Kapelle ohne Altargerät und -schmuck. Gepredigt wurde zu dieser Zeit noch in sorbischer (wendischer) Sprache. 1792 errichtete man in Plessa schließlich eine steinerne Kirche, die allerdings wenige Jahre später am 25. Oktober 1811 einem verheerenden Dorfbrand zum Opfer fiel. Nur vier Gehöfte entgingen dem Großbrand. Neben der Kirche trug auch das Schulhaus große Schäden davon. 1814 wurde schließlich der bis in die Gegenwart erhalten gebliebene Kirchenbau errichtet, der 1818 eine Orgel erhielt.<ref name="Der Schraden 1" /><ref name="Amt" />
Vom Wiener Kongress bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs[Bearbeiten]
Nach dem Bau der Oberlausitzer Eisenbahn von Kohlfurt bis Falkenberg im Jahre 1874, die den Ort durchquert, hielten die Züge zunächst nicht hier, weil die Plessaer Bauern sich geweigert hatten, Land zum Bau der ein Jahr später eröffneten Bahnstrecke Berlin–Dresden abzugeben. Trotzdem begann im Ort bald die Industrialisierung. 1885 erhielt er einen eigenen Bahnhof und 1891 ein eigenes Bahnhofs-Empfangsgebäude. Kurz darauf erfolgte schließlich 1894 die Eröffnung der Braunkohlengrube „Agnes“ und drei Jahre später 1897 die Gründung der Plessaer Braunkohlenwerke GmbH. 1901 wurde nördlich der Eisenbahnstrecke eine Brikettfabrik in Betrieb genommen. Mit der Braunkohleindustrie kam auch der industrielle Aufschwung, und das Dorf begann nun zu wachsen. Betrug die Einwohnerzahl 1890 noch 1200, so war sie im Jahre 1910 bereits auf 2063 gewachsen. In diesem Jahr versorgte die Brikettfabrik als elektrische Zentrale das fast völlig ausgebaute Ortsnetz, wobei zwölf Elektromotoren und fast 400 Glühlampen angeschlossen waren. Der Plessaer Bergwerksdirektor Friedrich von Delius ließ 1924 nach eigenen Plänen die erste Abraumförderbrücke der Welt in der Grube „Agnes“ in Plessa in Betrieb nehmen. Dieser folgte 1927 die Inbetriebnahme des unweit der Brikettfabrik gelegenen, in nur neun Monaten Bauzeit errichteten Kraftwerks.
Der Zweite Weltkrieg forderte in Plessa 391 Tote. Der 24. und 25. April 1945 waren die schwärzesten Tage in der Geschichte des Ortes. Nach der Eroberung durch die Rote Armee zogen nochmals Kräfte der 10. SS-Panzer-Division „Frundsberg“ durch die Ortschaft und ermordeten eine unbekannte Anzahl von Kriegsgefangenen. Nach Abzug der SS-Division galt Plessa bei den sowjetischen Truppen als „Partisanendorf“. 724 Gebäude des Dorfes wurden niedergebrannt, zwischen dem 22. und 25. April 1945 starben 155 Einwohner.<ref>Siegfried Ressel: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Vorlage:Webarchiv/Wartung/TodayDer Wert des Parameters archive-today muss ein Datum der Form YYYYMMDD oder Zeitstempel der Form YYYY.MM.DD-hhmmss bzw. YYYYMMDDhhmmss sein. 3sat-Dokumentation, August 2009.</ref> An das Grauen dieser Tage erinnert ein Findling neben dem Denkmal für den 1. Weltkrieg auf dem Kirchvorplatz.
Das Kraftwerk, die Brikettfabrik und weitere Betriebe des Ortes wurden in den Nachkriegsjahren schließlich verstaatlicht, und kurz nach der Gründung der DDR war die Einwohnerzahl von Plessa im Jahre 1950 bereits auf 3453 gewachsen. In den folgenden Jahren begann auf den Bergbaufolgeflächen im Westen der Plessaer Heide die Anpflanzung von Obstgehölzen, und man versuchte, 32 Hektar der Fläche für den Obstbau nutzbar zu machen. Dabei bewährten sich vor allem die Anpflanzungen von Süßkirschen, die niedrigere Standortansprüche als andere Obstsorten haben.<ref>Autorengemeinschaft: Kohle, Wind und Wasser. Ein energiehistorischer Streifzug durch das Elbe-Elster-Land. Hrsg.: Kulturamt des Landkreises Elbe-Elster. Herzberg/Elster 2001, ISBN 3-00-008956-X, S.84.</ref> Am 1. Januar 1957 wurde der heutige Ortsteil Plessa-Süd (Grödener Schraden) eingemeindet.<ref name="Der Schraden 1" />
Ein schweres Unglück ereignete sich 1983 in der Plessaer Brikettfabrik. Bei einer Kohlenstaubverpuffung gab es mehrere Tote und Verletzte. Der Betriebsleiter sowie der Hauptabteilungsleiter wurden noch im Dezember des Jahres vom Bezirksgericht Cottbus wegen der Verletzung von Bestimmungen des Gesundheits- und Arbeitsschutzes jeweils zu Haftstrafen verurteilt.<ref>Schuldige an schwerer Havarie verurteilt. In: Neue Zeit. 10. Dezember 1983, S. 2.</ref>
2003–2024: Gottfried Heinicke (CDU)<ref>Kommunalwahlen 26.10.2003. Bürgermeisterwahlen. Landesbetrieb für Datenverarbeitung und Statistik Land Brandenburg, Potsdam 2004, S. 24. Abgerufen am 12. August 2024.</ref>
Die Flagge der Gemeinde besteht – bei Aufhängung an einem Querholz – aus drei Längsstreifen in den Farben grün – silber (weiß) – grün im Verhältnis 1 : 3 : 1 mit dem Wappen im Mittelstreifen.
Das 1926 erbaute Kraftwerk Plessa ist ein weitgehend original erhaltenes, heute museales Braunkohlekraftwerk, das bis 1992 in Betrieb war. 1998 wurde es als Erlebnis-Kraftwerk unter dem Motto Kraftwerk im Wandel in die Projektliste der Internationalen Bauausstellung Fürst-Pückler-Land aufgenommen und sein Abriss verhindert.
Mit dem Ende der Braunkohleindustrie im Lauchhammerrevier übernahm die kleine Kommune das Kulturhaus unsaniert. Wenige Jahre später waren die eigenen Mittel zur Sanierung des Hauses aufgebraucht.
Seit 2008 setzte das bürgerschaftliche Engagement aller Generationen das Haus nach eigenen Kräften instand. Ludwig Güttler (der Cheforganisator des Wiederaufbaus der Dresdner Frauenkirche) hat seine Erfahrungen eingebracht. So konnten die Bürger den Abriss des Hauses verhindern. Sie arbeiten schrittweise die baurechtlichen Auflagen ab und haben das Haus wieder attraktiv für Veranstaltungen gemacht. Seitdem gestaltet die Bevölkerung das Programm in ihrem Kulturhaus selbst.
Neben den Gastspielen großer Ensembles wie dem Brandenburgischen Staatsorchester Frankfurt ist das Kulturhaus Werkstatt für professionelle und Freizeitkreative. Das zweite im Großen Saal aufgenommene Musikalbum mit der Fünf-Nationen-Band „Rue Lascar“ hat eine Dokumentarfilmproduktion umrahmt
Die Elstermühle ist eine Wassermühle, welche ursprünglich aus zwei Mühlen, einer Schneide- sowie einer Getreidemühle bestand. Sie besitzt eine leerlauffähige Schauanlage und ein kleines Museum, außerdem befindet sich im Nebengebäude ein kleines Sägewerk. Im Gebäude der Mühle hat das Büro des Fördervereins Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft e. V. seinen Sitz.
Der Pomologische Schau- und Lehrgarten ist ein Projekt des Naturparks Niederlausitzer Heidelandschaft. Auf einer Fläche von drei Hektar wachsen hier über 150 alte und neuere Hauptobstarten, wie Apfel, Birne, Kirsche und Pflaume und auch sogenanntes Beiobst wie Nüsse und Pfirsich. Hier kann man die Entwicklung der Obstbäume von ihrer Wildform bis zu den neuesten Züchtungen verfolgen und ebenso verschiedene Wuchs- und Kronenformen betrachten.
Bertzitturm, ca. 35 m hohe Investitionsruine der Braunkohleveredlung aus dem Jahre 1920. Geplant war eine Braunkohle-Tieftemperaturverkohlung der Kohle aus der nahen Grube Ada. Es handelt sich um einen Stahlskelettbau. Die Treppe ist aufgrund baulicher Mängel gesperrt und daher nur unter größter Vorsicht zu besteigen.
In Plessa und der näheren Umgebung haben sich Bräuche aus wendischer Vorzeit mit denen der deutschen Bevölkerung vermischt und zum Teil bis in unsere Tage erhalten. Ein Beispiel ist der Karneval in Plessa. Ein weiterer Brauch aus wendischer Zeit, der in vielen Dörfern der Umgebung gepflegt wird, ist das Zempern.
Mit Plessa verbundene Persönlichkeiten[Bearbeiten]
Berthold von Ploetz (1844–1898), preußischer Politiker und Rittergutsbesitzer in Döllingen.<ref></ref>
Friedrich von Delius (1881–1967), langjähriger Direktor der Plessaer Braunkohlenwerke
Thilo Koch (1920–2006), Fernsehjournalist, in Plessa aufgewachsen, legte 1939 als Jahrgangsbester sein Abitur am Elsterschloß-Gymnasium in Elsterwerda ab
Axel Peschel (* 1942), Radrennfahrer, begann seine Karriere bei Aktivist Plessa<ref>lr-online.de</ref>