Primmodell
In der Modelltheorie, einem Teilgebiet der mathematischen Logik, nennt man ein Modell einer Theorie Primmodell, wenn sich dieses Modell in jedes Modell dieser Theorie elementar einbetten lässt.
Definition[Bearbeiten]
Im Folgenden ist <math>\mathcal T</math> eine abzählbare Theorie ohne endliche Modelle.
<math>\mathfrak A</math> ist ein Primmodell der Theorie <math>\mathcal T</math> genau dann, wenn für alle <math>\mathfrak B</math> mit <math>\mathfrak B \models \mathcal T</math> eine Abbildung <math>\Phi</math> existiert mit <math>\Phi: \mathfrak {A \hookrightarrow B} </math>
Beispiele[Bearbeiten]
- Der algebraische Abschluss des Primkörpers <math>\mathbb F_p</math> (bzw. <math>\mathbb Q</math>) ist ein Primmodell der Theorie der algebraisch abgeschlossenen Körper der Charakteristik <math>p</math> (bzw. 0).
- <math>\mathbb Q</math> ist ein Primmodell der dichten linearen Ordnungen ohne Extrema.
Eigenschaften[Bearbeiten]
- Aus dem Satz von Löwenheim-Skolem folgt, dass ein Primmodell abzählbar ist.
- Ist <math>\mathcal T</math> <math>\aleph_0</math>-kategorisch, so ist das abzählbare Modell ein Primmodell.
- Zwei Primmodelle einer Theorie sind isomorph.
- Eine Theorie hat genau dann ein Primmodell, wenn die isolierten Typen dicht liegen.
Beispiel einer Theorie ohne Primmodell[Bearbeiten]
Folgende Theorie der Sprache <math>L</math> besitzt kein Primmodell: Die Sprache <math>L</math> enthält für jedes <math>s \in </math> <math>{}^{< \omega}2</math> ein einstelliges Prädikat <math>P_s</math>.
(Zur Notation: <math>{}^{< \omega}2</math> ist die Menge aller endliche Folgen, die nur aus Nullen oder Einsen bestehen.)
Die Axiome der Theorie sind (<math>s</math> durchläuft alle endlichen Folgen):
- <math>\forall x P_0 (x)</math>
- <math>\exists x P_s (x)</math>
- <math>\forall x ((P_{s0}(x) \lor P_{s1}(x))\leftrightarrow P_s(x))</math>
- <math>\forall x \neg(P_{s0}(x) \land P_{s1}(x))</math>
Die Theorie hat keine isolierten Typen und daher auch kein Primmodell.
Literatur[Bearbeiten]
- Wilfrid Hodges: Model theory. Cambridge University Press, 1993, ISBN 0-521-30442-3.
- Chang, Chen C., Keisler, H.Jerome: Model Theory. Amsterdam [u. a.], North-Holland, 1998.
- Prestel, Alexander: Einführung in die Mathematische Logik und Modelltheorie. Vieweg, Braunschweig 1986. (Vieweg-Studium; 60: Aufbaukurs Mathematik). ISBN 3-528-07260-1. 286 S.
- Philipp Rothmaler: Einführung in die Modelltheorie. Spektrum Akademischer Verlag, 1995, ISBN 978-3-86025-461-5.
Weblinks[Bearbeiten]
- Martin Ziegler: Skript Modelltheorie 1. (PDF; 649 kB)