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Propranolol

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Strukturformel
Datei:Propranolol Enantiomers.png
(R)-Propranolol (oben) und (S)-Propranolol (unten), 1:1-Stereoisomerengemisch
Allgemeines
Freiname Propranolol
Andere Namen
  • (RS)-1-(Isopropylamino)-3-(naphthalen-1-yloxy)propan-2-ol (IUPAC)
  • rac-1-(Isopropylamino)-3-(naphthalen-1-yloxy)propan-2-ol
  • (±)-1-(Isopropylamino)-3-(naphthalen-1-yloxy)propan-2-ol
  • DL-1-(Isopropylamino)-3-(naphthalen-1-yloxy)-2-propanol
Summenformel C16H21NO2
Kurzbeschreibung

weißer Feststoff (Hydrochlorid)<ref name="alfa">Datenblatt Vorlage:Linktext-Check bei Alfa AesarVorlage:Abrufdatum (Seite nicht mehr abrufbar).</ref>

Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer
EG-Nummer 208-378-0
ECHA-InfoCard 100.007.618
PubChem 4946
ChemSpider 4777
DrugBank DB00571
Wikidata [[:d:Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 1492: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)|Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 1492: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)]]
Arzneistoffangaben
ATC-Code

C07AA05

Wirkstoffklasse

nicht kardioselektiver Betablocker

Eigenschaften
Molare Masse
  • 259,34 g·mol−1(Propranolol)
  • 295,80 g·mol−1(Propranolol-Hydrochlorid)
Schmelzpunkt
  • 96 °C (freie Base Propranolol)<ref name="ChemIDplus" />
  • 163–164 °C (Propranolol-Hydrochlorid)<ref name="MerckIndex">The Merck Index. An Encyclopaedia of Chemicals, Drugs and Biologicals. 14. Auflage. 2006, ISBN 0-911910-00-X, S. 1348.</ref>
pKS-Wert

9,46<ref name="ChemIDplus">Eintrag zu Vorlage:Linktext-Check in der ChemIDplus-Datenbank der United States National Library of Medicine (NLM)Vorlage:Abrufdatum (Seite nicht mehr abrufbar)</ref>

Löslichkeit

Wasser: 61,7 mg·l−1 (25 °C)<ref name="ChemIDplus" />

Sicherheitshinweise
Bitte die Befreiung von der Kennzeichnungspflicht für Arzneimittel, Medizinprodukte, Kosmetika, Lebensmittel und Futtermittel beachten
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung<ref name="Sigma">Datenblatt Vorlage:Linktext-Check bei Sigma-AldrichVorlage:Abrufdatum (PDF).</ref>

Hydrochlorid

Achtung

H- und P-Sätze H: 302
P: keine P-Sätze<ref name="Sigma" />
Toxikologische Daten

660 mg·kg−1 (LD50, Ratte, oral)<ref name="ChemIDplus" />

Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen (0 °C, 1000 hPa).

Propranolol ist ein Arzneistoff aus der Substanzgruppe der Betablocker und wird unter anderem zur Behandlung der arteriellen Hypertonie (Bluthochdruck) und bei Herzrhythmusstörungen eingesetzt. Es wurde in den 1960er Jahren von James Whyte Black entwickelt,<ref>J.W. Black, A.F. Crowther, R.G. Shanks, L.H. Smith, A.C. Dornhorst: A new beta-adrenergic receptor antagonist. In: The Lancet, 1964, 283, S. 1080–1001.</ref> der 1988 für seine Beiträge zum Verständnis biochemischer Prinzipien der Arzneimitteltherapie den Nobelpreis für Medizin erhielt.<ref>James W. Black: Autobiography. nobelprize.org</ref>

Eigenschaften[Bearbeiten]

Propranolol ist sehr gut fettlöslich und hat eine gute ZNS-Gängigkeit. Pharmazeutisch eingesetzt wird es in Form seines Salzsäuresalzes (Hydrochlorids). Propranololhydrochlorid ist löslich in Wasser und Ethanol (96 Prozent) und praktisch unlöslich in Heptan.<ref>Monografie Propranolol hydrochloride. In: European Pharmacopoeia. 10th Edition (Ph. Eur. 10.0). EDQM Council of Europe, 2019.</ref>

Pharmakodynamik[Bearbeiten]

Betablocker blockieren spezifisch sympathische β-Adrenozeptoren, ohne sie zu aktivieren (keine intrinsische Aktivität). Propranolol gehört zu den alten, nicht herzselektiven Betablockern, die neben β1-auch an β2-Adrenozeptoren binden.

Pharmakokinetik[Bearbeiten]

Propranolol unterliegt einem ausgeprägten First-Pass-Effekt, und daher beträgt die Bioverfügbarkeit nur ca. 30 %. Der Abbau findet in der Leber statt.

Die Plasmahalbwertszeit beträgt 3 bis 4 Stunden.<ref>G. Geisslinger, S. Menzel, T. Gudermann, B. Hinz, P. Roth (Hrsg.): Mutschler Arzneimittelwirkungen. 11. Auflage. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2020, S. 355.</ref>

Anwendungsgebiete[Bearbeiten]

Propranolol wird ebenso wie andere Betablocker eingesetzt, z. B. für die Behandlung von

Daneben können nichtselektive Betablocker auch bei Migräne sowie essentiellem Tremor (hier als Mittel der ersten Wahl) angewandt werden. Bei der Behandlung von posttraumatischen Belastungsstörungen wird Propranolol als Off-Label-Use gegen Intrusionen und Übererregbarkeit eingesetzt.<ref>Traumatisierung, Posttraumatische Belastungsstörung (PTSD), Anpassungsstörung, akute Belastungsreaktion. Psychiatriegespräch.de</ref> Für den Einsatz gegen körperliche Angstsymptome gibt es keine ausreichenden Nachweise der Wirksamkeit, nach denen eine routinemäßige Anwendung empfohlen werden könnte.<ref name="PMID26487439">S. A. Steenen, A. J. van Wijk, G. J. van der Heijden, R. van Westrhenen, J. de Lange, A. de Jongh: Propranolol for the treatment of anxiety disorders: Systematic review and meta-analysis. In: Journal of psychopharmacology, Februar 2016, Band 30, Nummer 2, S. 128–139; doi:10.1177/0269881115612236, PMID 26487439, PMC 4724794 (freier Volltext) (Review).</ref>

Nebenwirkungen[Bearbeiten]

  • Initialer Blutdruckanstieg,
  • Auslösung von Asthmaanfällen,
  • Synkopen,
  • periphere Durchblutungsstörungen.<ref>DAZ, 26. März 2009, Nr. 13.</ref>

Stereochemie[Bearbeiten]

Arzneimittel enthalten den Arzneistoff als Racemat (1:1-Gemisch der Enantiomere), wobei aus grundsätzlichen Überlegungen die Verwendung des besser bzw. nebenwirkungsärmer wirksamen Enantiomers zu bevorzugen wäre. Der Bedeutung der Enantiomeren-Reinheit von synthetisch hergestellten Wirkstoffen wird zunehmend Beachtung gegeben, denn die beiden Enantiomeren eines chiralen Arzneistoffes zeigen fast immer eine unterschiedliche Pharmakologie und Pharmakokinetik. Das wurde früher aus Unkenntnis über stereochemische Zusammenhänge oft ignoriert.<ref>Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Literatur“ ist nicht vorhanden.</ref> Das aktive Stereoisomer (Eutomer) ist die (S)-Form von Propranolol.<ref name="Agustiana">Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Literatur“ ist nicht vorhanden.</ref>

Verwendung als Dopingmittel[Bearbeiten]

Dank seiner Eigenschaft, die Herzfrequenz zu senken und dem natürlichen physiologischen Tremor entgegenzuwirken, wird Propranolol auch als verbotenes Dopingmittel im Schießsport eingesetzt. Bekanntester Fall ist der nordkoreanische Pistolenschütze Kim Jong-su, dem bei den Olympischen Sommerspielen 2008 in Peking seine Silbermedaille mit der Freien Pistole und seine Bronzemedaille mit der Luftpistole nach einem positiven Test auf Propranolol aberkannt wurde.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Zwei neue Dopingfälle bei Olympia. (Memento vom 25. Februar 2009 im Internet Archive) ARD, 15. August 2008; Olympia-Berichterstattung.</ref>

Trivia[Bearbeiten]

In der DDR war die Einnahme einer Überdosis Propranolol (Obsidan) eine häufig gewählte Suizidmethode.<ref>Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Literatur“ ist nicht vorhanden.</ref>

Seit 1990 wird Propranolol in der Liste der unentbehrlichen Arzneimittel der Weltgesundheitsorganisation geführt.

Propranolol spielt eine zentrale Rolle in Hugh Howeys Romanserie Silo.

Handelsnamen[Bearbeiten]

Monopräparate
Beta-Tablinen (D), Dociton (D), Inderal (A, CH), Indobloc (D, historisch)., Obsidan (D), Propra (D), Prophylux (D), Saggitol (D, historisch), Syprol (UK) und Generika (D, CH),

Kombinationspräparate
Beta-Turfa (D), Dociretic (D), Dociteren (D), Pertenso (D), Propra comp (D), Triamteren tri-comp (D), Hemangiol

Literatur[Bearbeiten]

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Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references />

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