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Pyrostilpnit

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Pyrostilpnit
Datei:Pyrostilpnite-217330.jpg
Pyrostilpnit in typisch fächerförmigen Aggregaten von St. Andreasberg, Harz, Niedersachsen (Sichtfeld ca. 2,5 mm)
Allgemeines und Klassifikation
IMA-Symbol

Psti<ref name="Warr" />

Andere Namen
  • edle Feuerblende<ref name="Breithaupt" />
  • diatome Feuerblende<ref name="Jahrbuch" />
  • Fireblende<ref name="Dana_1850" />
  • Pyrichrolite<ref name="Adam" />
  • Pyrochrotit<ref name="Frenzel" />
  • Pyrichrotites antimoneus<ref name="BreithauptParagenesis" />
Chemische Formel Ag3[SbS3]<ref name="StrunzNickel" />
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Sulfide und Sulfosalze
System-Nummer nach
Strunz (8. Aufl.)
Lapis-Systematik
(nach Strunz und Weiß)
Strunz (9. Aufl.)
Dana

II/D.01b
II/E.07-040

2.GA.10
03.04.02.02
Ähnliche Minerale Proustit, Pyrargyrit, Xanthokon, Samsonit, Quadratit<ref name="Pracejus" />
Kristallographische Daten
Kristallsystem monoklin
Kristallklasse; Symbol monoklin-prismatisch; 2/m
Raumgruppe P21/c (Nr. 14)Vorlage:Raumgruppe/14
Gitterparameter a = 6,84 Å; b = 15,84 Å; c = 6,24 Å
β = 117,1°<ref name="StrunzNickel" />
Formeleinheiten Z = 4<ref name="StrunzNickel" />
Häufige Kristallflächen {010}, {210}, {141}, {141}, {111}, {101}, {101}<ref name="Peacock" />
Zwillingsbildung nach {100} mit (100) als Zwillingsebene und [001] als Zwillingsachse<ref name="Peacock" />
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 2 bis 2,5<ref name="Breithaupt" />; VHN100g = 95–115 kg/mm², (Mittelwert 107)<ref name="Handbookofmineralogy" />
Dichte (g/cm3) 5,94 (gemessen); 5,97 (berechnet)<ref name="Handbookofmineralogy" />
Spaltbarkeit vollkommen nach (010)<ref name="Breithaupt" />
Bruch; Tenazität muschelig; in dünnen Plättchen etwas biegsam (flexibel)<ref name="Breithaupt" />
Farbe hyazinthrot<ref name="Breithaupt" /> bis bräunlichrot, orangerot und feuerrot<ref name="Mindat" />, immer heller als Pyrargyrit; im Durchlicht zitronengelb<ref name="Handbookofmineralogy" />
Strichfarbe gelb-orange<ref name="Handbookofmineralogy" />
Transparenz durchsichtig<ref name="Handbookofmineralogy" />
Glanz diamantähnlicher Perlmuttglanz<ref name="Breithaupt" />, Diamantglanz<ref name="Handbookofmineralogy" />
Kristalloptik
Brechungsindizes nα = enorm hoch
nβ = enorm hoch
nγ = enorm hoch
Doppelbrechung δ enorm hoch<ref name="Ramdohr" />
Optischer Charakter zweiachsig positiv<ref name="Handbookofmineralogy" />
Weitere Eigenschaften
Chemisches Verhalten durch Salzsäure zersetzt unter Abscheidung von Schwefel und Sb2O3<ref name="Hintze" />
Besondere Merkmale photosensitiv, wird unter Lichteinwirkung an der Oberfläche dunkler<ref name="Howie" />

Pyrostilpnit ist ein selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Sulfide und Sulfosalze“ mit der chemischen Formel Ag3[SbS3].<ref name="StrunzNickel" /> Damit ist das Mineral aus chemischer Sicht ein Silber-Sulfoantimonid.

Pyrostilpnit kristallisiert im monoklinen Kristallsystem und entwickelt bis 1 mm (in Ausnahmefällen bis 10 mm) lange, nach {010} tafelige sowie durch Elongation parallel [001] leistenförmige Kristalle. Durch subparallele Verwachsung entstehen fächer- bis büschelförmige Aggregate mit enorm hoher Lichtbrechung, Doppelbrechung und starkem Diamantglanz.

Etymologie und Geschichte[Bearbeiten]

Im dritten Jahrgang des von der „Königlichen Bergacademie zu Freyberg“ herausgegebenen, 1827 erstmals erschienenen „Jahrbuchs für den Berg- und Hüttenmann“ führt ein anonymer Autor aus:<ref name="Jahrbuch" />

„Auf der siebenten Gezeugstrecke bey Churprinz Friedrich August Erbst. hat, jedoch als Seltenheit, und auf Neue Hoffinung Gottes Erbst. zu Bräunsdorf nur in Spuren ein neues hyazinthrothes Silbererz in dünnen, Fraueneis ähnlichen, Krystallen eingebrochen, dessen Hauptbestandtheile Schwefelsilber und Schwefelantimon sind, das seinen äußern Kennzeichen nach zwischen Rothspießglanzerz und Rothgiltigerz steht, und welches vom Herrn Professor Breithaupt mit dem systematischen Namen diatome Feuerblende bezeichnet worden ist.“

Der Entdecker des Pyrostilpnits ist demnach der berühmte Freiberger Mineraloge August Breithaupt, wodurch dieses Mineral zu dessen über 40 Mineralerstbeschreibungen zählt. Die erste Nennung des Namens „Feuerblende“ datiert damit interessanterweise in das Jahr 1829. Breithaupt beschrieb dieses neue Mineral im Jahre 1832 „vom Kurprinz bei Freiberg“ und nannte es „edle Feuer-Blende“.<ref name="Breithaupt" /> Gründe für die Wahl des Namens führte er nicht an, jedoch dürften für die Benennung der hohe Silbergehalt von knapp 60 % sowie der blendenartige Diamantglanz Pate gestanden haben. Der vollständige Name der Typlokalität ist „Churprinz Friedrich August Erbstolln“, Großschirma bei Freiberg.

Der heutige noch verwendete Name Pyrostilpnit stammt von James Dwight Dana. Er übersetzte Breithaupts Terminus als „Fireblende“ zuerst nur unvollständig ins Englische<ref name="Dana_1850" />, wählte aber später eine andere Sprache und benannte das Mineral nach den griechischen Wörtern πῦς [pyr] und στιλπνὀς [stilpnos] für „Feuer“ und „leuchten“ – zusammengesetzt also „dem Feuer gleich“ mit Bezug auf Farbe und Glanz.<ref name="Dana" />

Das Typmaterial des Minerals wird in der Mineralogischen Sammlung der Technischen Universität Bergakademie Freiberg unter den Katalog-Nummern 6200 (Holotyp) und 6205 (vermutlich Teil vom Holotyp) an den Standorten G 5,5 und G 5,6 aufbewahrt.<ref name="Typmineralkatalog" />

Klassifikation[Bearbeiten]

Bereits in der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Pyrostilpnit zur Mineralklasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort zur Abteilung „Komplexe Sulfide (Sulfosalze)“, wo er gemeinsam mit Xanthokon in der „Xanthokon-Reihe“ mit der Systemnummer II/D.01b steht.

In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer II/E.07-040. Dies entspricht der Abteilung „Sulfosalze (S : As,Sb,Bi = x)“, wo Pyrostilpnit zusammen mit Debattistiit, Eckerit, Manganoquadratit, Proustit, Pyrargyrit, Quadratit, Samsonit und Xanthokon eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer II/E.07 bildet.<ref name="Lapis" />

Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte<ref name="IMA-Liste-2009" /> 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Pyrostilpnit in die Abteilung „Sulfarsenide, Sulfantimonide, Sulfbismutide“ ein. Diese ist weiter unterteilt nach der Kristallstruktur und der möglichen Anwesenheit von zusätzlichem Schwefel. Das Mineral ist hier entsprechend seinem Aufbau und seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Insel-Sulfarsenide (Neso-Sulfarsenide) usw., ohne zusätzlichen Schwefel (S)“ zu finden, wo es zusammen mit Xanthokon die „Xanthokongruppe“ mit der Systemnummer 2.GA.10 bildet.

In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Pyrostilpnit die System- und Mineralnummer 03.04.02.02. Das entspricht ebenfalls der Klasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort der Abteilung „Sulfosalze“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Sulfosalze mit dem Verhältnis 3 > z/y und der Zusammensetzung (A+)i(A2+)j[ByCz], A = Metalle, B = Halbmetalle, C = Nichtmetalle“ in der „Xanthokongruppe“, in der auch Xanthokon eingeordnet ist.

Kristallstruktur[Bearbeiten]

Pyrostilpnit kristallisiert im monoklinen Kristallsystem in der Raumgruppe P21/c (Raumgruppen-Nr. 14)Vorlage:Raumgruppe/14 mit den Gitterparametern a = 6,84 Å; b = 15,84 Å; c = 6,24 Å und β = 117,1° sowie vier Formeleinheiten pro Elementarzelle.<ref name="StrunzNickel" />

Die Baueinheiten der Kristallstruktur des Pyrostilpnits sind Sb-S-Pyramiden, Ag-S-Ketten und Ag-S-Netze, die über gemeinsame Schwefelatome miteinander verknüpft werden. Die Sb-Atome bilden mit drei S-Atomen eine trigonale SbS3-Pyramide derart, dass die Sb-Atome an den Spitzen der Pyramiden liegen, während deren Basis von den drei Schwefelatomen gebildet wird. Ag-Atome in den Ag-S-Ketten haben darüber hinaus fünf nächste Ag-Nachbarn im Abstand von 3,03–3,15 Å. Die Schwefelatome bilden deformierte pseudohexagonale dicht gepackte Schichten parallel (010). Insgesamt kann die Struktur des Pyrostilpnits als Überlagerung von vier dichtgepackten pseudohexagonalen Netzen aufgefasst werden, die so übereinander liegen, dass die Koordinationszahl 10 entsteht.

Modifikationen und Varietäten[Bearbeiten]

Pyrostilpnit ist neben dem Pyrargyrit die zweite Modifikation der Verbindung Ag3[SbS3]. Er stellt den monoklinen Dimorph zum trigonalen Pyrargyrit und gleichzeitig dessen Tieftemperaturmodifikation dar. Pyrargyrit und Pyrostilpnit sind damit Polymorphe, deren Inversionstemperatur unter 197 °C liegt, wobei diese Inversion ohne Bildung weiterer Phasen stattfindet.<ref name="Chang" /> Seit langem ist auch bekannt, dass Pyrostilpnit nur unterhalb von 192 ± 5 °C beständig ist.<ref name="Keighin" />

Bei neueren Arbeiten wurde die Transformationstemperatur mit 465 K (= 191,85 °C) bestimmt und dafür eine Enthalpie DRH von 40,32 kJ/mol ermittelt. Diese ist erheblich größer als z. B. bei ähnlichen Silbersulfosalzpaaren wie Trechmannit und Smithit, was darauf zurückgeführt wird, dass die strukturellen Unterschiede zwischen Pyrostilpnit und Pyrargyrit größer sind als die zwischen Trechmannit und Smithit, womit auch größere Transformationsenthalpien erforderlich sind.<ref name="MeyerScholz" />

Ungeachtet der niedrigen Inversionstemperatur lässt sich Pyrargyrit aus seinen Elementen erst bei Temperaturen > 350 °C synthetisieren.<ref name="Chang" /> Versuche zur Synthese von Pyrostilpnit waren hingegen bisher erfolglos, was möglicherweise am niedrigen Temperaturbereich seiner Stabilität liegt. Die tiefsten Temperaturen, bei denen Reaktionen in diesem System stattfinden, liegen bereits im Stabilitätsfeld des Pyrargyrits.<ref name="Chang" /> Der Schmelzpunkt für Ag3SbS3 (Pyrargyrit) liegt bei 485 °C.<ref name="Kullerud" />

Die Existenz einer vollständigen Mischkristallbildung zwischen Proustit und Pyrargyrit steht zumindest bei hohen Temperaturen<ref name="Toulmin" /> außer Frage und findet bei niedrigen Temperaturen zumindest teilweise statt.<ref name="GhosalSack" /> Neuere Untersuchungen deuten darauf hin, dass Proustit-Pyrargyrit-Mischkristalle beim Abkühlen re-equilibrieren und sich zu Phasen mit nahezu Endgliedzusammensetzung entmischen. Beispiele für eine intermediäre Zusammensetzung von Pyrargyrit-Proustit-Mischkristallen sind in der Natur selten. Sie müssen durch Abkühlung oberhalb des Solvus entstanden sein.<ref name="Bindi" /> Eine Mischkristallbildung für Pyrargyrit und Pyrostilpnit kann hingegen aufgrund der unterschiedlichen Raumgruppen beider Minerale ausgeschlossen werden. Allerdings sind reguläre Verwachsungen von Pyrostilpnit und Xanthokon beschrieben worden.<ref name="Dobrovolskaya" />

Eigenschaften[Bearbeiten]

Morphologie[Bearbeiten]

Pyrostilpnit bildet um 1–2 mm lange, nach {010} dünntafelige sowie durch Elongation parallel [001] leistenförmige Kristalle. Auf dem Pinakoid {010} ist häufig eine Streifung parallel [101] und mitunter auch parallel [101] zu erkennen.

Die wichtigsten Flächenformen sind {010}, {210}, {141}, {141}, {111}, {101}, {101}<ref name="Peacock" />, wobei aber meist nur das Pinakoid {010} deutliche Flächen erkennen lässt. Alle anderen Formen zeigen nur kleine, enge Flächen in der Zone [001] und den geometrisch äquivalenten Zonen [101] und [101].<ref name="Peacock" /> Bei diesen handelt es sich meist um flächenreichere Kristalle, wohingegen auch flächenarme Kristalle mit z. B. lediglich {010}, {111} und {111} existieren.

Durch subparallele Verwachsung entstehen büschel-, fächer- bis baumförmige Aggregate. Schon Breithaupt hatte diese Aggregate aufgrund der sehr ähnlichen Ausbildung mit „gebogenen Kristallen“ ähnlich denen des Desmins (Stilbit) verglichen. Zwillinge nach {100} mit (100) als Zwillingsebene und [001] als Zwillingsachse sind verbreitet.<ref name="Peacock" /><ref name="Handbookofmineralogy" /> Aus der Zwillingsbildung resultiert das pseudoorthorhombische Aussehen der Kristalle.

Gelegentlich werden auch größere Kristalle geborgen. Der größte bekannte Pyrostilpnit-Kristall stammt vom Andreaskreuzer Gang bei St. Andreasberg und ist 10 mm lang sowie 4 mm breit.<ref name="Luedecke" />

Physikalische Eigenschaften[Bearbeiten]

Die Kristalle des Pyrostilpnits sind leuchtend hyazinthrot oder bräunlichrot, orangerot und feuerrot, aber immer heller als Pyrargyrit. Die Strichfarbe des Minerals wird als gelborange beschrieben. Die durchsichtigen Kristalle weisen einen ausgeprägten diamantartigen Glanz auf, was sich auch in einer enorm hohen Lichtbrechung und Doppelbrechung widerspiegelt. Zahlenwerte für „beide bisher nicht genau bekannt“<ref name="Ramdohr" />. Auf den Flächen des Pinakoids {010} zeigt Pyrostilpnit dagegen einen perlmuttartigen Glanz.<ref name="Hintze" /> Das Mineral weist eine vollkommene Spaltbarkeit nach (010) sowie muscheligen Bruch auf, ist aber in dünnen Plättchen etwas biegsam (flexibel). Mit einer Mohshärte von 2 bis maximal 2,5 gehört Pyrostilpnit zu den weichen Mineralen, die sich ähnlich wie das Referenzmineral Gips (Härte 2) mit dem Fingernagel ritzen lassen. Die berechnete Dichte liegt bei 5,97 g/cm³.

Im reflektierten Licht (Anschliff) ist Pyrostilpnit grau<ref name="Pracejus" /> und deutlich weniger blau als Pyrargyrit. Das Reflexionsvermögen beträgt ca. 25 %. Der Reflexionspleochroismus ist kleiner als bei Pyrargyrit und auch in Öl nur an den Korngrenzen sichtbar. Gleiches gilt für die Anisotropieeffekte, die aber aufgrund der Innenreflexe nur schwer zu erkennen sind. Die Innenreflexe sind gelb bis gelbbraun sowie orangebraun, aber so gut wie niemals rot.<ref name="Ramdohr" /><ref name="Pracejus" />

Pyrostilpnit ist – ähnlich wie Proustit und Pyrargyrit – photosensitiv und wird unter Lichteinwirkung an der Oberfläche dunkler. Es empfiehlt sich daher, das Mineral möglichst nicht dem Sonnenlicht auszusetzen und es lichtgeschützt aufzubewahren.<ref name="Howie" />

Chemische Eigenschaften[Bearbeiten]

Pyrostilpnit zeigt in chemischer Hinsicht ein dem Pyrargyrit vergleichbares Verhalten.<ref name="Hintze" /> Dieser ist vor dem Lötrohr auf Kohle unter Spritzen zur Kugel schmelzbar, die Kohle mit Sb2O3 beschlagend. Die Kugel gibt nach längerem Erhitzen in der Oxidationsflamme oder mit Soda in der Reduktionsflamme ein Silberkorn. Im offenen Röhrchen schwefelige Dämpfe und ein weißes Sublimat von Sb2O3; im Kölbchen ein rotes Sublimat von Antimonoxisulfid. Gibt beim Schmelzen mit Ammoniumnitrat eine Lösung von Silbersulfat und einen Rückstand von Sb2O3 + Sb2O5. Durch Salzsäure zersetzt unter Abscheidung von Schwefel und Sb2O3. Von Kalilauge beim Erwärmen schwarz gefärbt; Salzsäure fällt dann aus der Lauge orangefarbene Flocken von Schwefelantimon.<ref name="Hintze" />

Bildung und Fundorte[Bearbeiten]

Pyrostilpnit bildet sich durch hydrothermale Vorgänge in niedrig temperierten silber- und antimonhaltigen Erzgängen, wo er in Paragenese vor allem mit Pyrargyrit, aber auch Stephanit, Akanthit, Silber, Miargyrit, Xanthokon, Andorit und Fizelyit<ref name="Handbookofmineralogy" /> sowie den Gangarten Quarz und Calcit vorkommt.

In seiner „Paragenesis der Mineralien“ gibt Breithaupt Sukzessionen (Altersfolgen) der mit Pyrostilpnit vorkommenden Minerale an. In die heutige Nomenklatur übersetzt ist die Abfolge (vom ältesten bis zum jüngsten Mineral) folgende:

  • Grube „Neue Hoffnung Gottes“, Bräunsdorf bei Freiberg: 1) Quarz, 2) Pyrargyrit, 3) Pyrostilpnit
  • Freiberger Revier: 1) Quarz, 2) Pyrargyrit, 3) Pyrostilpnit, 4) Quarz („gewöhnlicher“ ohne den zweiten Quarz)
  • Revier St. Andreasberg: 1) älterer Calcit, 2) gediegen Arsen, 3) Calcit, 4) gediegen Arsen, 5) Galenit, 6) „Hypargyrit“ (Miargyrit?) 7) Pyrostilpnit (z. B. vom „Samsoner Hauptgang“)
  • Revier St. Andreasberg: 1) Quarz, 2) Pyrostilpnit<ref name="BreithauptParagenesis" />

Der niedrigen Umwandlungstemperatur in Pyrargyrit entsprechend ist Pyrostilpnit also häufig eine der jüngsten oder die überhaupt jüngste Bildung und sitzt z. B. auf den Stufen von St. Andreasberg auf Pyrargyrit, gediegen Arsen, Calcit, Galenit, Quarz oder sogar direkt auf dem Nebengestein (Tonschiefer).<ref name="Luedecke" />

Als seltene Mineralbildung ist Pyrostilpnit nur von wenigen Fundorten beschrieben worden, obwohl er in kleiner Menge unter den jüngsten Bildungen in seiner Paragenese relativ häufig auftritt.<ref name="Ramdohr" /> Bisher (Stand 2016) sind ca. 90 Fundorte bekannt. Als Typlokalität gilt der „Churprinz Friedrich August Erbstolln“, Großschirma bei Freiberg, Erzgebirge, Sachsen.<ref name="MindatAnzahl" /><ref name="Fundorte" />

Datei:Pyrostilpnite-190545.jpg
Pyrostilpnit-Kristall von ca. 5,5 mm Länge von St. Andreasberg, Harz, Niedersachsen

Neben seiner Typlokalität fand sich Pyrostilpnit in Deutschland noch in den Gruben „Vereinigt Feld“ und „Himmelsfürst“, Brand-Erbisdorf, „Beschert Glück“ bei Zug, „Neue Hoffnung Gottes“, Bräunsdorf, „Himmelfahrt“ bei Freiberg, „Segen Gottes“ bei Gersdorf, „Sauberg“ bei Ehrenfriedersdorf und auf dem „Katharina Flachen“ in der „Fundgrube Türk“, Schneeberg, alle im Erzgebirge. Herrliche Kristalle stammen aus verschiedenen Gruben wie „Samson“, „Gnade Gottes“, „Franz-August“, „Bergmannstrost“, „Theuerdank“, „St. Andreaskreuz“, „Jacobsglück“ und „Claus-Friedrich“, alle im Revier St. Andreasberg, Niedersachsen, Harz. Ferner vom „Fischbacher Werk“, Niederfischbach, Rheinland-Pfalz, und „Grube Brüderbund“, Eiserfeld, Nordrhein-Westfalen, beide im Siegerland. Schließlich aus der „Grube Clara“ im Rankachtal und der Grube „Wenzel“ im Frohbachtal bei Oberwolfach sowie den Gruben „Tannenboden“ bei Wieden, „Teufelsgrund“ am Belchen, „Ludwig“ bei Hausach und „Hornbühl“ bei Waldkirch, alle im Schwarzwald, Baden-Württemberg.

Aus der Arsengrube am Unteren Rotgüldensee, Rotgülden, Murwinkel, Lungau, Salzburg, Österreich. Fundorte in der Schweiz sind nicht bekannt.

Aus der Grube „Anna“, Lagerstätte Březové Hory, sowie aus der „Urangrube No. 7“ bei Třebsko, Příbram, Mittelböhmische Region, Tschechien, sowie aus den Gruben von Banská Štiavnica (Schemnitz), Okres Banská Bystrica, Slowakei. Von Hiendelaencina, Guadalajara (hier auf Freieslebenit), Kastilien-La Mancha, Spanien, und von St Teath, Cornwall, England, Vereinigtes Königreich.

Aus der „Van Silver Mine“ (Silver Tunnel) bei Whistler im Vancouver Mining Division, aus der „Silvana Mine“ bei Sandon, beide British Columbia, und von Cobalt, Ontario, alle in Kanada. In den Vereinigten Staaten aus dem Silver City District, Owyhee County, Idaho; aus der „Bulldog Mine“ und der „Wagon Wheel Gap Mine“, Creede Quadrangle, Mineral Co., Colorado; sowie aus der „Kelly Mine“ bei Randsburg und der „Coyote Mine“, beide San Bernardino County, Kalifornien. Vom „Cerro de Potosí“ (Cerro Rico) bei Potosí und Colquechaca (Aullagas), Provinz Chayanta sowie aus Tatasí, alle Departamento Potosí, Bolivien. Aus den Gruben von Chañarcillo südlich Copiapó, Provinz Copiapó, Región de Atacama, Chile.

Aus der „Kushikino Mine“, Präfektur Kagoshima, Japan und der „Mongon Tolgoi Mine“, Horqin Right Middle Banner, Hinggan, Innere Mongolei, China.

In Australien aus Broken Hill, New South Wales und aus der „Long Tunnel Mine“, Heazlewood Distrikt, Tasmanien.<ref name="Fundorte" />

Weitere Fundort liegen in Australien, Bulgarien, Tschechien, Frankreich, Griechenland, Ungarn, Italien, Kosovo, Mexiko, Marokko, Russland und den Vereinigten Staaten.<ref name="Fundorte" />

Verwendung[Bearbeiten]

Mit einem Ag-Gehalt von knapp 60 Gew.-%<ref name="Handbookofmineralogy" /> ist Pyrostilpnit ein reiches Silbererz und in der Vergangenheit zusammen mit anderen Silbererzen sicher auch verhüttet worden. Aufgrund seiner extremen Seltenheit ist das Mineral jedoch für Sammler wesentlich interessanter. Otto Luedecke verweist auf einen vom Jacobsglücker Gang bei St. Andreasberg stammenden, in der Sammlung der damaligen Bergakademie Clausthal befindlichen Pyrostilpnit-Kristall von 5 mm im Durchmesser, für den der damals (1882) geradezu ungeheuerliche Preis von 1000 Mark geboten worden sein soll.<ref name="Luedecke" />

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • A. Kutoglu: Die Struktur des Pyrostilpnits (Feuerblende) Ag3SbS3. In: Neues Jahrbuch Mineralogie Monatshefte. Band 1968, 1968, S. 145–160.
  • Otto Luedecke: XXXIV. Ueber Feuerblende von St. Andreasberg. In: Zeitschrift für Krystallographie und Mineralogie. Band 6, 1882, S. 570–579 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden. [abgerufen am 13. Februar 2026]).

Weblinks[Bearbeiten]

Commons: Pyrostilpnite – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references> <ref name="Adam"> Gilbert Joseph Adam: Tableau Mineralogique. 1. Auflage. Dunod, Paris 1869, S. 60. </ref> <ref name="Bindi"> </ref> <ref name="Breithaupt"> August Breithaupt: Vollständige Charakteristik des Mineral-System’s. 3. Auflage. Arnoldische Buchhandlung, Dresden und Leipzig 1832, S. 285, 333 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.). </ref> <ref name="BreithauptParagenesis"> August Breithaupt: Die Paragenesis der Mineralien. Mineralogisch, geognostisch und chemisch beleuchtet, mit besonderer Rücksicht auf Bergbau. 1. Auflage. J. G. Engelhardt, Freiberg 1849, S. 152, 251, 253 und 255 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.). </ref> <ref name="Chang"> </ref> <ref name="Dana"> James Dwight Dana, George Jarvis Brush: A System of Mineralogy. Descriptive mineralogy, comprising the most recent discoveries. 5. Auflage. John Wiley & Son, New York 1869, S. 93–94 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.). </ref> <ref name="Dana_1850"> James Dwight Dana: A system of mineralogy comprising the most recent discoveries. 3. Auflage. George P. Putnam, New York und London 1850, S. 543 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.). </ref> <ref name="Handbookofmineralogy"> </ref> <ref name="Dobrovolskaya"> </ref> <ref name="Frenzel"> August Frenzel: Mineralogisches Lexicon für das Königreich Sachsen. 1. Auflage. Verlag von Wilhelm Engelmann, Leipzig 1817, S. 252–253 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.). </ref> <ref name="Fundorte"> Fundortliste für Pyrostilpnit beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 13. Februar 2026. </ref> <ref name="GhosalSack"> </ref> <ref name="Hintze"> Carl Hintze: Handbuch der Mineralogie. Erster Band. Erste Abtheilung. 1. Auflage. Veit & Co., Leipzig 1904, S. 1075–1078 (online verfügbar bei archive.org – Internet Archive [abgerufen am 15. Februar 2025]). </ref> <ref name="Howie"> </ref> <ref name="IMA-Liste-2009"> Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 29. Juli 2024; abgerufen am 30. Juli 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Jahrbuch"> Anonymus: Mineralogische neue Erfahrungen und Vorkommnisse im Jahre 1827. In: Jahrbuch für den Berg- und Hüttenmann auf das Jahr 1829. Band 1829. Gerlachische Buchdruckerey, Freyberg 1829, S. 151–154 (online verfügbar in Jahrbuch für den Berg- und Hüttenmann auf das Jahr 1829, S. 152 ff. in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.). </ref> <ref name="Keighin"> </ref> <ref name="Kullerud"> Gunnar Kullerud (1966): Phase relations in sulfide-type systems. In: Sydney P. Clark, JR. (Ed.), Handbook of Physical Constants (Geological Society of America Memoir 97), S. 323–344, New York (Geological Society of America). </ref> <ref name="Lapis"> Stefan Weiß: Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9. </ref> <ref name="Luedecke"> Otto Luedecke: XXXIV. Ueber Feuerblende von St. Andreasberg. In: Zeitschrift für Krystallographie und Mineralogie. Band 6, 1882, S. 570–579 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden. [abgerufen am 13. Februar 2026]). </ref> <ref name="MeyerScholz"> </ref> <ref name="Mindat"> Pyrostilpnite. In: mindat.org. Abgerufen am 15. Februar 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="MindatAnzahl"> Localities for Pyrostilpnite. In: mindat.org. Abgerufen am 15. Februar 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Peacock"> </ref> <ref name="Pracejus"> Bernhard Pracejus: The ore minerals under the microscope, An optical guide. 2. Auflage. Elsevier, Amsterdam 2015, ISBN 978-0-444-62725-4, S. 568–569. </ref> <ref name="Ramdohr"> Paul Ramdohr: Die Erzmineralien und ihre Verwachsungen. 4. Auflage. Akademie-Verlag, Berlin 1975, S. 846–847. </ref> <ref name="StrunzNickel"> Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung Nägele u. Obermiller, Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 119. </ref> <ref name="Toulmin"> </ref> <ref name="Typmineralkatalog"> Pyrostilpnit. Abgerufen am 15. Februar 2025. </ref> <ref name="Warr"> </ref> </references>