Rechtstadt
Die Rechtstadt (polnisch Główne Miasto, „Hauptstadt“ ) ist der historisch bedeutsamste Stadtteil von Danzig.
Lage[Bearbeiten]
Die Rechtstadt liegt in der Innenstadt von Danzig. Sie grenzt im Nordosten an die Danziger Altstadt, im Osten an die Speicherinsel, im Süden an die Danziger Vorstadt.
Bezeichnungen[Bearbeiten]
Für diesen Teil des historischen Danzig sind mehrere Bezeichnungen überliefert:<ref>Główne Miasto Gedanopedia (polnisch)</ref>
- Neustadt – 1345 nova civitas, 1379 nuwe stad; zur Unterscheidung zur Altstadt (alden stad)
- Neudanzig – 1402 nüwe Danczk, später neye Gdanczk
- Rechtstadt – 1406 rechte stat, 1635 prawe miasto; seitdem die meist verwendete Bezeichnung bis 1945; zeigt an, dass das Recht maßgeblich von dieser Stadt ausging
- Hauptstadt – 1526 principalis civitas, 1584 primaria civitas, seit 1945 Główne Miasto.
Geschichte[Bearbeiten]
Die ältesten Siedlungsspuren in der Rechtstadt stammen aus dem 10. Jahrhundert, in dem ein Friedhof an der später errichteten Nikolaikirche unterhalten wurde.<ref>Anfänge von Danzig Gedanopedia (polnisch)</ref> Dieser gehörte wahrscheinlich zu einer Siedlung an der alten Burg auf dem Hagelsberg (Grodzisko). Außerdem wurden Reste eines Hauses aus dieser Zeit am späteren Rechtstädtischen Rathaus gefunden, das an einem wichtigen Handelsweg nach Süden lag.
Von vor 1190 ist der Bau der Nikolaikirche bekannt, an der 1227 ein Dominikanerkloster gegründet wurde, das erste in Pommerellen. Es ist nicht sicher, welche Danzig genannte Siedlung um 1227 (jedoch vor 1263) das Stadtrecht nach lübischem Recht erhielt, neuere archäologische Funde deuten eher auf die Danziger Altstadt.<ref>vgl. Peter Oliver Loew: Danzig. Biographie einer Stadt. Beck, München 2011, ISBN 978-3-406-60587-1 </ref> Die Rechtstadt (Neustadt) wurde jedenfalls nach der Eroberung Danzigs durch den Deutschen Orden als erste 1343 mit dem Stadtrecht nach Kulmer Recht versehen, die Altstadt erst 1377, die Jungstadt 1380. In dieser Zeit gab es drei selbstständige Städte im Gebiet Danzig.<ref>Wie auch in Thorn, Elbing, Königsberg etc. existierten so administrativ und auch baulich durch Stadtmauern oder Gräben getrennte Städte mit unterschiedlichen Stadträten direkt nebeneinander. </ref>
1440 war die Rechtstadt eine der Gründungsmitglieder des Preußischen Bundes gegen die Herrschaft des Deutschen Ordens. Seit 1455 war sie alleiniger Sitz des Stadtrats und der Bürgermeister von Danzig. Sie blieb seitdem dessen politischer, wirtschaftlicher und kultureller Mittelpunkt.
1945 wurde fast die gesamte Rechtstadt wie auch die übrige Innenstadt zerstört. In den 1950er Jahren begann ein historisierender Wiederaufbau, der eine idealisierte Rekonstruktion nach Vorbildern des 16. und 17. Jahrhunderts, der Zeit der polnischen Herrschaft über Danzig, beinhaltete. Das „preußische“ 19. Jahrhundert blieb hierbei bewusst unberücksichtigt während englische, niederländische, italienische und französische Einflüsse betont wurden. Der Wiederaufbau beschränkte sich weitgehend auf eine Blockrandbebauung und die straßenseitige Fassadengestaltung, nur bei einzelnen architektonisch bedeutsamen Gebäuden wurden auch das Innere rekonstruiert. In der Regel entsprechen die Wohnungszuschnitte nicht der Außenfassade, der Zugang erfolgt über im Innenhof angeordnete Treppenhäuser. Die Innenhöfe wurden zur Errichtung von Spielplätzen, Kindergärten oder Heizhäusern genutzt und blieben ansonsten unbebaut. Auf die Wiederherstellung kleinerer Quer- und Seitenstraßen wurde verzichtet, ebenso fehlen Straßenzüge im Umfeld einzelner Baudenkmäler wie etwa der Marienkirche, auf die zugunsten gewünschter Sichtachsen verzichtet wurde.<ref>Jacek Friedrich: Neue Stadt in altem Gewand – Der Wiederaufbau Danzigs 1945-1960. Hrsg.: Böhlau Verlag. 2010, ISBN 978-3-412-20312-2, S. 38 ff., 235 ff.</ref><ref>Konstanty Kalinowski: Rückgriff auf die Geschichte. Der Wiederaufbau der Altstädte in Polen – Das Beispiel Danzig. In: Deutsches Polen-Institut (Hrsg.): Die Schleifung – Zerstörung und Wiederaufbau historischer Bauten in Deutschland und Polen. 2005, ISBN 3-447-05096-9, S. 80 ff.</ref>
Bauwerke und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]
Viele der wichtigen historischen Bauwerke und Sehenswürdigkeiten Danzigs befinden sich in der Rechtstadt.
Kirchen
- Marienkirche
- Nikolaikirche, als einzige Kirche 1945 weitgehend unbeschädigt
- Johanneskirche
- Heilig-Geist-Kirche, ehemals mit Heilig-Geist-Spital (profaniert)
Weitere Bauwerke
- Rechtstädtisches Rathaus in der Langgasse
- Artushof am Langen Markt
- Zeughaus am Kohlenmarkt
- Haus der Georgsbruderschaft
Tore
- Hohes Tor
- Peinkammertor
- Langgasser Tor (Goldenes Tor)
- Krantor (Breites Tor )
- Heilig-Geist-Tor
- Johannistor
- Frauentor
- Koggentor (Grünes Tor)
- Häkertor
Kulturstätten
- Theater am Kohlenmarkt (Küstentheater)
- Shakespeare-Theater, 2014 im elisabethanischen Stil erbaut
Straßen
- Langgasse (Königsweg) mit Langen Markt
- Frauengasse (Marienstraße)
- Breite Gasse
- Heilige-Geist-Gasse
- Johannisgasse
- Kohlenmarkt
- Dominikswall (Jagiellonenwall)
- An der Reitbahn (Wojciech-Bogusławski-Straße)
Literatur[Bearbeiten]
- Erich Keyser, Ernst Bahr: Die Baugeschichte der Stadt Danzig. Böhlau, 1972, ISBN 3-412-95972-3.
Weblinks[Bearbeiten]
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references />
Koordinaten: 54° 20′ 55,9″ N, 18° 39′ 10,4″ O
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