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Reculver

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Datei:1685mapRoachS.jpg
Reculver um 1685
Datei:Site of Roman Fort at Reculver and disused church - geograph.org.uk - 335776.jpg
Gelände des ehemaligen Reculver mit den Türmen der alten Marienkirche
Datei:Reculver vicarage as inn.jpg
Die aufgegebene Pfarrhaus in Reculver als zeitweiser Ersatz für das Hoy and Anchor Inn 1809:<ref name="MotA" /> Das ursprüngliche Gasthaus stand nur wenig nördlich der Kirche und westlich des ehemaligen römischen Forts.

Reculver war ein – heute abgesiedeltes – Dorf etwa fünf Kilometer östlich von Herne Bay in der englischen Grafschaft Kent. Das Dorfareal, das u. a. in der Antike mit einem Hilfstruppenkastell und im Mittelalter mit einem Kloster bebaut war, ging Anfang des 19. Jahrhunderts durch Küstenerosion an die See verloren. Heute ist an dieser Stelle nur noch die Ruine der später erbauten Marienkirche zu sehen. Die Reste des Geländes, auf dem einst das Dorf Reculver stand, werden von English Heritage verwaltet.

Geschichte[Bearbeiten]

Herkunft des Namens[Bearbeiten]

Die früheste dokumentierte Form des Ortsnamens, Regulbium, ist keltischen Ursprungs und bedeutet im Deutschen „an der Landspitze“ oder „große Landzunge“. Im Altenglischen wurde daraus Raculf, manchmal auch Raculfceastre. Daraus entwickelte sich das heutige Reculver.<ref name="Ekwall383" /><ref name="Mills285" /><ref name="Glover155" /><ref name="JessupB190" /><ref name="Bemerkung1" /> Die Form Raculfceastre enthält das altenglische Element ceaster (engl.: chester), das vielfach auf eine römische Siedlung oder eingefriedete Stadt verweist.<ref name="Ekwall92xxvii" />

Römisches Fort[Bearbeiten]

Während der Eroberung Britanniens, die 43 n. Chr. begann, bauten die Römer ein „kleines Fort“, Regulbium, an dieser Stelle und legten eine Straße nach Canterbury etwa 13,7 Kilometer südwestlich dieses kleinen Forts an, was die Anwesenheit der Römer in Reculver von diesem Zeitpunkt an nachweist. Der Bau eines großen Forts oder Castrum begann Ende des 2. Jahrhunderts. Das Kastell wurde im späten 4. Jahrhundert wieder aufgegeben.

Verlust an die See[Bearbeiten]

In der Spätantike und im Mittelalter war das neben dem römischen Fort entstandene Dorf prosperiert und eine Marienkirche erbaut worden. Eadberht II., König von Kent, soll 764 in Reculver bestattet worden sein, so der Chronist Thomas Elmham im 15. Jahrhundert.<ref>Julia Barrow, Andrew Wareham (Hrsg.): Myth, Rulership, Church and Charters: Essays in Honour of Nicholas Brooks. Ashgate, 2008, ISBN 978-0-7546-5120-8, S. 78–79.</ref>

Zu Beginn der Neuzeit allerdings hatte die Siedlung mit Landverlusten durch Küstenerosion zu kämpfen. Um 1540, als John Leland einen Besuch dort aufzeichnete, hatte sich die Küstenlinie im Norden sich auf wenig mehr als 400 Meter von der „Stadt, [die] damals aber eher [nur noch] ein Dorf [war]“, zurückgezogen. Wenig später, 1576, beschrieb der Altertumsforscher William Lombarde Reculver als „arm und einfach“. 1588 gab es in Reculver 165 Teilnehmer an der heiligen Kommunion und 1640 waren es 169, aber eine Landkarte von etwa 1630 zeigt, dass die Kirche nur noch etwa 150 Meter von der Küste entfernt stand. Im Januar 1658 wurde den örtlichen Friedensrichtern eine Petition über die „Übergriffe der See (…), [die] seit Michaelmas [29. September 1657] Land von sechs Ellen (30 Meter) geraubt haben und zweifellos mehr Schaden anrichten werden“ überreicht.<ref name="GoughC204" /> Die Tatsache, dass es in den 1660er-Jahren nicht mehr möglich war, zwei „Bier-Geschäfte“ im Dorf zu erhalten, weist klar auf die Bevölkerungsabnahme hin,<ref name="GoughF188" /> und Ende des 18. Jahrhunderts wurde das Dorf größtenteils aufgegeben und die Bewohner zogen nach Hillborough etwa 2 Kilometer südwestlich von Reculver aber noch im selben Pfarrsprengel um.<ref name="Kelly67" /><ref name="Harris36" /> John Pridden schreibt 1787, dass in Reculver die einzigen erhältlichen Waren „trockene Kekse, schlechtes Bier, sauerer Käse oder schwacher Schwarzgebrannter“ gewesen seien.<ref name="Pridden164" />

Die Sorge um die Erosion der Klippe, auf der die Kirche steht, und um eine mögliche Überflutung des Dorfes veranlasste die Ablaufkanalkommission, Küstenschutzeinrichtungen installieren zu lassen, die bis 1783 aus Pfeilern und Brettern bestanden. Dann wandten sie ein System von Sir Thomas Page an, um die Kirche zu schützen: Die Küstenschutzeinrichtungen hatten sich nämlich als kontraproduktiv erwiesen, da das Meerwasser sich hinter ihnen staute und die Klippe weiter unterspülte.<ref name="NorthamptonMercury" /><ref name="DuncombeB7790" /> Davor hatten laut John Duncombe „die Ablaufkanalkommission und die Nutzer, die Steuern bezahlten, nur Interesse daran, das Bodenniveau zu sichern, das überflutet werden musste, wenn der Hügel vom Wasser abgetragen wäre“.<ref name="DuncombeB90" /> Im Jahre 1787 war Reculver „zu einem unwichtigen Dorf geschrumpft, das nur dünn mit Häusern von Fischern und Schmugglern bedeckt war“.<ref name="Pridden163" /><ref name="Bemerkung8" /><ref name="Nepos319" /><ref name="Coastguard" /><ref name="GoughC205" />

Im September 1804 führte eine Sturmflut zur Zerstörung von fünf Häusern, von denen eines „ein altes Gebäude, unmittelbar gegenüber dem Pub [war], das so aussah, als sei es Teil eines mönchischen Baus gewesen“.<ref name="KentishGazette" /> Im Folgejahr waren laut den Aufzeichnungen des Pfarreiangestellten John Brett „die Kirche und das Dorf Reculver in Sicherheit,“<ref name="GoughA135" /> aber 1806 begann die See, auf das Dorf überzugreifen. 1807 bauten örtliche Bauern die Küstenschutzeinrichtungen ab und danach wurde „das Dorf vollständig der Gnade der See preisgegeben“.<ref name="GoughA135" />

Heute steht die Kirchenruine unter der Verwaltung von English Heritage und das Dorf ist fast vollständig verschwunden.

Einzelnachweise und Bemerkungen[Bearbeiten]

<references> <ref name="Ekwall383"> E. Ekwall: The Concise Oxford Dictionary of English Place-Names. 4. Ausflage. Oxford University Press, Oxford 1960, ISBN 978-0-19-869103-7, S. 383. </ref> <ref name="Mills285"> A. D. Mills: A Dictionary of English Place-Names. Oxford University Press, Oxford 1998, ISBN 978-0-19-280074-9, S. 285. </ref> <ref name="Glover155"> J. Glover: The Place Names of Kent. Batsford, 1976, ISBN 978-0-7134-3069-1, S. 155. </ref> <ref name="JessupB190"> R. F. Jessup: Reculver in Antiquity. Heft 10. Ausgabe 38 (1936). ISSN 0003-598X, S. 190. </ref> <ref name="Bemerkung1"> Es gibt noch viele weitere altenglische Formen dieses Namens. </ref> <ref name="Ekwall92xxvii"> E. Ekwall: The Concise Oxford Dictionary of English Place-Names. 4. Ausflage. Oxford University Press, Oxford 1960, ISBN 978-0-19-869103-7, S. 92, Tafel XXVII. </ref> <ref name="GoughC204"> H. Gough: Coast erosion and Reculver in Kent Archaeological Review. Heft 149 (2002). ISSN 0023-0014, S. 204. </ref> <ref name="GoughF188"> H. Gough: The two names of a Reculver inn in Kent Archaeological Review. Heft 195 (2014). ISSN 0023-0014, S. 188. </ref> <ref name="Kelly67"> </ref> <ref name="Harris36"> S. Harris: Richborough and Reculver. English Heritage, London 2001, ISBN 978-1-85074-765-9, S. 36. </ref> <ref name="Pridden164"> </ref> <ref name="MotA"> </ref> <ref name="NorthamptonMercury"> Saturday and Sunday’s posts. In: Northampton Mercury. 21. Juli 1783, abgerufen am 8. Mai 2014 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="DuncombeB7790"> </ref> <ref name="DuncombeB90"> </ref> <ref name="Pridden163"> </ref> <ref name="Bemerkung8"> 1821 wurde Reculver als wichtige Station des „Smuggling Preventive Service“ beschrieben. </ref> <ref name="Nepos319"> </ref> <ref name="Coastguard"> Coastguard. The National Archives, 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 12. Dezember 2011; abgerufen am 19. April 2014 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="GoughC205"> H. Gough: Coast erosion and Reculver in Kent Archaeological Review. Heft 149 (2002). ISSN 0023-0014, S. 205. </ref> <ref name="KentishGazette"> Canterbury, September 28. In: Kentish Gazette. 28. September 1804, abgerufen am 8. Mai 2014 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="GoughA135"> H. Gough: A fresh look at the Reculver parish clerk's story in Archaeologica Cantiana. Heft 99 (1983). ISSN 0066-5894, S. 135. </ref> </references>

Weblinks[Bearbeiten]

Commons: Regulbium – Sammlung von Bildern

Koordinaten: 51° 23′ N, 1° 12′ O

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