Rennwiese
Rennwiese, abgeleitet von [ein Ross] Rennen im Sinne von schnellem Reiten (vgl. Rennweg für militärischen Reitweg, oder Rennfahne für Reiterstandarte), ist eine mittelalterliche Bezeichnung für einen Turnierplatz, die später auch als Synonym für Pferderennbahnen genutzt wurde.
Zur Zeit der Ritterturniere wurden Rennwiesen bei vielen Burgen und Städten angelegt. Im städtischen Kontext oder innerhalb eines Burgareals wurden sie oft auch als Stechbahn bezeichnet. Dort fanden die traditionellen ritterlichen Scharfrennen (Tjoste) statt, Zweikämpfe in Rüstung zu Pferde, die auf zwei benachbarten Bahnen in vollem gegenläufigem Galopp den Sturz des Gegners aus dem Sattel mittels stumpfer Lanzen, den Rennspießen, zum Ziel hatten. König Heinrich II. von Frankreich starb 1559, nachdem ein Lanzensplitter durch seine Augenhöhle in den Schädel eingedrungen war. Ab Ende des 16. Jahrhunderts wurden sie durch das weniger gefährliche Ringstechen abgelöst. Bisweilen wurden auch Marktplätze, wie der Nürnberger „Große Markt“, mittels Holzzäunen und Sandstreu zu Rennwiesen umgestaltet.
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Stechbahn von 1586 im Residenzschloss Dresden (rechts), 1680
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Stallhof in der Dresdner Residenz mit den Ringstechsäulen, 2006
Funktionswandel[Bearbeiten]
Nachdem das Lanzenstechen mit dem Rennspieß aus der Mode gekommen war, wurden die Rennwiesen häufig für Pferderennen weiter genutzt. Manche Pferderennbahnen heißen wie die im Magdeburger Stadtteil Herrenkrug oder die beim Landgestüt Zweibrücken heute noch Rennwiese. Mitunter wurden sie wie in Reutlingen oder Oberstimm auch zu Sport- oder Festplätzen umfunktioniert.
Namensrelikte[Bearbeiten]
Rennwiesen finden sich noch in einigen Städten, vielerorts erinnern Flur- oder Straßennamen daran:
- Achern, Dettingen an der Erms, Karlsruhe, Löwenstein, Mannheim, Markgröningen oder Reutlingen in Baden-Württemberg,
- Berlin: An der Stechbahn
- Oberstimm in Bayern,
- Kaufungen in Hessen,
- Castrop-Rauxel und Kreuztal in Nordrhein-Westfalen,
- Zweibrücken in Rheinland-Pfalz,
- Lebach im Saarland,
- Magdeburg in Sachsen-Anhalt,
- Neukirch im Thurgau, Schweiz.
Siehe auch[Bearbeiten]
Literatur[Bearbeiten]
- Friedrich Kluge: Etymologisches Wörterbuch der Deutschen Sprache. 18. Aufl., de Gruyter, Berlin 1960, S. 596.