Zum Inhalt springen

Richard Easterlin

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Richard Ainley Easterlin (* 12. Januar 1926 in Ridgefield Park, New Jersey;<ref>Richard A. Easterlin. Population Association of America, 13. April 2019, archiviert vom Vorlage:IconExternal; abgerufen am 9. Januar 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> † 16. Dezember 2024 in Pasadena, Kalifornien)<ref>In Memoriam: Richard A. Easterlin (January 12, 1926 – December 16, 2024). International Society for Quality-of-Life Studies, 19. Dezember 2024, abgerufen am 22. Dezember 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> war ein US-amerikanischer Wirtschaftswissenschaftler und Hochschullehrer. Besondere Bekanntheit erlangte er über das nach ihm benannte Easterlin-Paradox über den Zusammenhang zwischen Einkommen und Glück.

Werdegang, Forschung und Lehre[Bearbeiten]

Easterlin studierte zunächst am Stevens Institute of Technology, an dem er 1945 seinen Abschluss als Master of Engineering machte. Anschließend ging er an die University of Pennsylvania. 1949 erhielt er den Master-of-Arts-Titel, vier Jahre später graduierte er an der Universität als Ph.D. Bis 1956 arbeitete er als Assistant Professor, anschließend als Associate Professor. 1960 wurde er an der Hochschule zum ordentlichen Professor berufen. 1978 übernahm er den William-R.-Kenan-Jr.-Lehrstuhl. 1982 folgte er einem Ruf der University of Southern California.

Easterlins Arbeitsschwerpunkte lagen in der Erforschung von Glück und Lebensqualität, der Demografie und im Bereich Wirtschaftsgeschichte. Insbesondere setzte er sich systemvergleichend mit dem Zusammenhang von Glücklichsein und Wirtschaftswachstum in sozialistischen und marktwirtschaftlichen Wirtschaftssystemen auseinander.

Das Easterlin-Paradox formulierte Eastlerin 1974 in seinem Artikel „Does Economic Growth Improve the Human Lot?“. Bei Untersuchungen von in verschiedenen Ländern gehaltenen Umfragen aus dem Zeitraum zwischen dem Ende des Zweiten Weltkrieges und 1970 beobachtete Easterlin einen schwächeren Zusammenhang zwischen subjektivem Glück und Einkommen innerhalb der Länder als bei Vergleichen zwischen verschiedenen Ländern. Es zeigte sich, dass langfristig betrachtet die Lebenszufriedenheit trotz steigenden Einkommen eines Landes nicht wächst. Er schlussfolgerte, dass relative Einkommen subjektive Zufriedenheit besser widerspiegeln als absolute Einkommen. In der Folge wurden seine Ergebnisse und Aussagen kontrovers diskutiert.

Easterlin erforschte die Kohorte der Baby-Boomer und den Zusammenhang zwischen Veränderungen in der Sterblichkeit respektive der Geburtenraten im Zuge des technologischen Fortschritts. Er formulierte die nach ihm benannte „Easterlin-Hypothese“, wonach die Anzahl der Kinder in Familien sich nach dem relativen Einkommen bestimmt, also dem Einkommen, das die Elterngeneration im Vergleich zum Einkommen der Großelterngeneration erlebte. Unter der Annahme, dass starke Geburtenjahrgänge stärkerer Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt ausgesetzt sind und deshalb ein niedriges relatives Einkommen haben werden, folgt auf einen Baby-Boom ein Baby-Bust, eine Generation mit niedrigeren Kinderzahlen. Diese Generation wiederum hat wegen ihrer Knappheit Vorteile auf dem Arbeitsmarkt, höhere relative Einkommen, so dass die Kinderzahl wieder steigt. Easterlin erwartete denn auch für die 1980er Jahre den Anfang eines neuen Babybooms.<ref>Easterlin RA (1978), What will 1984 be like? Socioeconomic implications of recent twists in age structure Demography 15: 397–432. PMID 738471 DOI:10.2307/2061197</ref><ref>Thomas Weiß (1986), Ökonomische Bestimmungsgrößen der Fertilität in westlichen Industrieländern. Materialien zur Bevölkerungswissenschaft, Sonderheft 5. Herausgeber: Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung, Wiesbaden, ISSN 0178-918X. S. 86–98.</ref>

Easterlin engagierte sich zudem in etlichen wissenschaftlichen Organisationen. 1978 wurde er in die American Academy of Arts and Sciences aufgenommen und saß der Population Association of America als Präsident vor, 1979 bis 1980 leitete er die Economic History Association. Ab 2004 war er Vizepräsident der International Society for Quality of Life Studies.

Für seine Arbeiten erhielt Easterlin diverse Auszeichnungen. Das Institut zur Zukunft der Arbeit verlieh ihm 2009 den IZA Prize in Labor Economics. 1978 wurde er Fellow der American Academy of Arts and Sciences, 1983 der Econometric Society und 2002 der National Academy of Sciences. 1993 wurde ihm der Irene-B.-Taeuber-Preis der Population Association of America verliehen. Seit 2022 zählte der Medienkonzern Clarivate ihn aufgrund der Zahl der Zitationen zu den Favoriten auf einen Nobelpreis (Clarivate Citation Laureates).<ref>Clarivate Reveals Citation Laureates 2022 – Annual List of Researchers of Nobel Class. In: Clarivate. Abgerufen am 21. September 2022 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Veröffentlichungen (Auswahl)[Bearbeiten]

  • (Mitautor): Population redistribution and economic growth, United States, 1870-1950. Zwei Bände. American Philosophical Society, Philadelphia 1957/1960.
  • The American baby boom in historical perspective. National Bureau of Economic Research, New York 1962.
  • Population, labor force and long swings in economic growth. The American experience. National Bureau of Economic Research, New York 1968.
  • (Mitautor): American economic growth. An economist's history of the United States. Harper & Row, New York 1972, ISBN 0-06-041557-6.
  • (Hrsg.): Population and economic change in developing countries. University of Chicago Press, Chicago 1980, ISBN 0-226-18026-3.
  • Birth and fortune. The impact of numbers on personal welfare. Basic Books, New York 1980, ISBN 0-465-00688-4 (2. Aufl. University of Chicago, Chicago 1987, ISBN 0-226-18032-8).
  • (Mitautor): Immigration. Belknap Press of Harvard University Press, Cambridge, Mass. 1982, ISBN 0-674-44439-6.
  • (mit Eileen M. Crimmins): The fertility revolution. A supply-demand analysis. University of Chicago Press, Chicago 1985, ISBN 0-226-18029-8.
  • Growth triumphant. The twenty-first century in historical perspective. University of Michigan Press, Ann Arbor 1998, ISBN 0-472-08553-0.
  • The reluctant economist. Perspectives on economics, economic history and demography. Cambridge University Press, New York 2005, ISBN 0-521-82974-7.
  • Happiness, growth, and the life cycle. Oxford University Press, Oxford 2010, ISBN 0-19-959709-X.
  • An economist's lessons on happiness. Farewell dismal science! Springer, Cham 2021, ISBN 978-3-030-61961-9.
  • (mit Kelsey James O’Connor): The happiness revolution in Europe. Cambridge University Press, Cambridge 2025, ISBN 978-1-009-49370-3.

Literatur[Bearbeiten]

  • Mark Blaug (Hrsg.): Who’s who in economics. 3. Auflage, Elgar, Cheltenham [u. a.] 1999, ISBN 1-85898-886-1, S. 329–330

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references />

Vorlage:Hinweisbaustein