Roland Korn
| Dipl.-Ing. Roland Korn |
|---|
| 1971 |
| Passfoto monochrom |
| 4 × 3 cm |
| Deutsche Digitale Bibliothek |
Roland Korn (* 11. Mai 1930 in Saalfeld/Saale; † 20. Juli 2026 in Gera) war ein deutscher Architekt. Er war verantwortlich für zahlreiche Repräsentationsbauten in Ost-Berlin wie das Staatsratsgebäude, das Hotel Stadt Berlin oder die gesamte Wohnsiedlung Berlin-Marzahn. Nach der Wende 1989/1990 arbeitete er als freiberuflicher Architekt. Ab 1998 zog er sich aus der aktiven Bautätigkeit zurück.<ref name="Leben" />
Leben[Bearbeiten]
Roland Korn wurde als Sohn eines Installateurs in Saalfeld geboren und absolvierte nach seinem Schulabschluss zunächst eine Maurerlehre, bevor er von 1948 bis 1951 an der Fachschule für Bauwesen in Gotha studierte. Danach war er als Bauingenieur für den VEB (Z) Projektierung in Berlin tätig. Bis 1955 arbeitete Roland Korn mit dem Innenarchitekten Hans Erich Bogatzky bei Kurt W. Leucht, dem Generalprojektanten für die erste sozialistische Stadt Stalinstadt.<ref>Falk Jaeger: Protagonist der Ostmoderne. Am Staatsratsgebäude und Alex individuell im Kollektiv: Zum Tod des Berliner Stadtarchitekten Roland Korn. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28. Juli 2026, S. 12.</ref>

Von 1959 bis 1961 wurde die Elbeschwimmhalle in Magdeburg nach den Plänen von Roland Korn, der als Sieger aus einem Architektenwettbewerb hervorgegangen war, errichtet. Direkt nach der Inbetriebnahme des Gebäudes wechselte er zum VEB Berlin-Projekt und übernahm die Kollektivleitung für das Amtsgebäude des Staatsrats der DDR, das 1964 fertiggestellt wurde. Korn war hier insbesondere für den Einbau des Schloss-Portals und des Balkons zuständig.
Das nächste große Projekt seines Entwurfskollektivs unter Leitung von Hans Grotewohl waren die Umbaupläne für den Alexanderplatz im Jahr 1964, als Teil der DDR-Gesamtstrategie zum „beschleunigten Wiederaufbau der Stadtzentren der wichtigsten Städte der DDR“. Hier war Korn für ein neues Hotel, das sowohl ein bauliches Pendant zum gleichzeitig entstehenden Fernsehturm als auch das „höchste bewohnbare Gebäude der DDR“ werden sollte.<ref name="MAZ">Jan Sternberg: Mister Alex. Er baute das Forum-Hotel am Berliner Alexanderplatz, das Staatsratsgebäude, wirkte am Palast der Republik mit und mag noch heute Marzahn. Niemand prägte Ost-Berlins Architektur so wie Roland Korn. Heute lebt er auf dem Land in Brandenburg. Artikel in der Märkischen Allgemeinen vom 8./9. Mai 2010 (Seite dauerhaft nicht mehr abrufbar, festgestellt im Mai 2019. Suche im Internet Archive)</ref>
Im gleichen Jahr erhielt Korn das Angebot, als Chefarchitekt nach Bagdad zu gehen. Mit der Zustimmung zu den Umgestaltungsplänen des Berliner Architektenkollektivs wurde der Auslandseinsatz hinfällig, außerdem hatte der Berliner SED-Chef Paul Verner entschieden: „Der Korn fährt nicht nach Bagdad.“ So projektierte Korn nun gemeinsam mit Heinz Scharlipp (1916–1974) und Hans Bogatzky das spätere Interhotel Stadt Berlin. 1968 bis 1971 entstand ebenfalls am neuen Alexanderplatz unter seiner Leitung gemeinsam mit Johannes Briske und Roland Steiger das Haus des Reisens. Bei diesem 17-geschossigen Gebäude ließ Korn Anklänge an ein Wikingerschiff in die Gestaltung der Fassade einfließen.<ref name="MAZ" /> Nach einem parallel zu diesen Planungen und Bauüberwachungen absolvierten Studium an der Hochschule für Architektur und Bauwesen Weimar holte ihn die damalige chilenische Regierung unter Salvador Allende in ihr Land. Hier bestand sein Auftrag darin, Fertighäuser aus Holz zu entwerfen, die kurzfristig und ohne Hilfsmittel aufzubauen sind, damit die Slums verschwinden sollten. Nach einem Jahr schickte ihn der DDR-Botschafter mit Hinweis auf den bevorstehenden Putsch („Fahren Sie wieder zurück, die Lage ist nicht sicher.“) in die DDR zurück. Bei seiner Rückkehr 1973 avancierte Korn offiziell zum Chefarchitekten von Ost-Berlin. Die größte Herausforderung war nun die Errichtung eines völlig neuen Stadtbezirks mit Wohnraum für 250.000 Personen (heute die Stadtteile Marzahn und Hellersdorf). Zur Vorbereitung wurden von den Planern Vergleichsstudien in Prag, Moskau und sogar in der Gropiusstadt absolviert.<ref name="MAZ" /><ref name="Leben" />
Während anschließend der großflächige Massenwohnungsbau mit industriell vorgefertigten Hausteilen in Marzahn begann und noch bis 1989 ausgeführt wurde, erhielt das Kollektiv um Korn Aufträge zum Bau des Domhotels und des Nikolaiviertels. Hier erfolgte eine Rückkehr zu historischen Stadtstrukturen und mehr individuell gestalteten Plattenelementen.
Nach 1989 war Korn zunächst im neu gegründeten Senat von Berlin als Architekt tätig, schied aber 1992 aus und arbeitete bis 2000 als freier Architekt. In diesen Jahren entwarf er Einfamilienhäuser, eine Wohnanlage im Bezirk Lichtenberg<ref name="IRS" /> und etliche Büroprojekte. Er verstarb im Alter von 96 Jahren.<ref name="Leben" />
Roland Korn war verheiratet und hat(te) einen Sohn. Der Sohn Thomas Korn wurde ebenfalls Architekt.<ref name="Leben" /><ref>Thomas Korn Architekturbüro, abgerufen am 23. Juli 2026-</ref>
Werkauswahl[Bearbeiten]
- Staatsratsgebäude, 1961–1964<ref name="Leben" />
- Interhotel Stadt Berlin heute Park Inn Berlin-Alexanderplatz, 1968–1971<ref name="Leben" />
- Haus des Reisens, 1968–1971<ref name="Leben" />
- Mühlenkiez, 1970er Jahre<ref name="Leben" />
- Nikolaiviertel; hier sorgte Korns Team dafür, dass die industriell vorgefertigten Platten so gestaltet wurden, dass damit die historischen Giebel, Arkaden und Fassaden nachempfunden werden konnten.<ref name="Leben" />
Ehrungen (Auswahl)[Bearbeiten]
- Ehrenmitgliedschaft im BDA, 2017
- Schinkelmedaille, 1964
- Nationalpreis Erster Klasse für Wissenschaft und Technik, 1969
- Goethepreis der Stadt Berlin, 1980
Literatur[Bearbeiten]
- Philipp Meuser: Schlossplatz Eins: European School of Management and Technology = Schlossplatz One: European School of Management and Technology. DOM Publishers, Berlin 2006, ISBN 3-938666-03-X
- Philipp Meuser: Roland Korn. In: Dietrich Fürst et al. (Hrsg.): Vom Baukünstler zum Komplexprojektanten. Architekten in der DDR. Institut für Regionalentwicklung und Strukturplanung, Erkner 2000, ISBN 3-934669-00-X, S. 127/128
- Korn, Roland. In: Wer war wer in der DDR? 5. Auflage. Band 1. Ch. Links, Berlin 2010, ISBN 978-3-86153-561-4, S. Vorlage:VonBis (bundesstiftung-aufarbeitung.de).
Weblinks[Bearbeiten]
- Videointerview mit Roland Korn in Berliner Portraits – Erzählungen zur Architektur der Stadt, 18. Juni 2018
- Roland Korn. In: archINFORM.
- Literatur von und über Roland Korn im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Lars von Törne: Alexanderplatz: Ein Platz – immer im Werden, nie vollendet. In: tagesspiegel.de. 6. Oktober 2007, abgerufen am 28. Januar 2019.
- Roland Korn - Deutsche Digitale Bibliothek. In: deutsche-digitale-bibliothek.de. Abgerufen am 11. November 2024.
- Gespräch mit Nikolaus Bernau zum Tod des DDR-Architekten Roland Korn
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references responsive> <ref name="Leben">Susanne Lenz: Roland Korn ist tot: Der letzte Chefarchitekt der Hauptstadt der DDR prägte Ost-Berlin. In: Berliner Zeitung. 22. Juli 2026, abgerufen am 23. Juli 2026 (Was man zum Leben braucht, Berl. Zeitung, Printausgabe, 23. Juli 2026. S. 11).</ref> <ref name="IRS">IRS: Berlin-Lichtenberg, Modellfoto. Abgerufen am 23. Juli 2026 (Wartungsarbeiten an der Website des Leibniz-Instituts für Raumbezogene Sozialforschung (IRS) e.V.; (23. Juli 2026)).</ref> </references>
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Korn, Roland |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Architekt |
| GEBURTSDATUM | 11. Mai 1930 |
| GEBURTSORT | Saalfeld/Saale |
| STERBEDATUM | 20. Juli 2026 |
| STERBEORT | Gera |