Ryszard Bender
Ryszard Janusz Bender (* 16. Februar 1932 in Łomża; † 24. Februar 2016<ref>Zmarł prof. Ryszard Bender – były poseł i senator. In: rp.pl. 24. Februar 2016, abgerufen am 24. Februar 2016 (polnisch).</ref> in Lublin) war ein polnischer Historiker und Politiker (CD–SP, ZChN, AWS, RNK, LPR). Er war von 1976 bis 1980 und von 1985 bis 1989 Abgeordneter des Sejm der Volksrepublik Polen in der VII. und IX. Wahlperiode. Von 1991 bis 1993 und von 2005 bis 2011 gehörte er dem Senat der Republik Polen an.
Leben[Bearbeiten]
Bender lehrte an der Katholische Universität Lublin, an der er selbst 1955 sein Geschichtsstudium abgeschlossen hatte. Er war 1961 an der Universität Warschau promoviert worden und hatte sich 1969 an der Katholischen Universität Lublin habilitiert. 1977 wurde er zum außerordentlichen Professor und 1985 zum ordentlichen Professor ernannt. Als Historiker forschte er vor allem über den Januaraufstand (1863/64), dessen Ursachen wie z. B. den Novemberaufstand (1830/31) und dessen Auswirkungen bis hin zur Gegenwart.
Bender war 1956 Mitbegründer der antikommunistischen Jugendorganisation Związek Młodych Demokratów, war Mitglied von deren Hauptvorstand und leitete die Lubliner Ortsgruppe. 1976 war er maßgeblich an der Gründung des Lubliner Klubs der katholischen Intelligenz, der sich nicht der gleichnamigen polenweiten Organisation anschloss, beteiligt. 1983 wurde er Vorsitzender des Klubs (bis 2011). 2005 verbot Erzbischof Józef Życiński der Organisation die Selbstbezeichnung als „katholisch“, was zu einem Konflikt zwischen ihm und Bender führte. Bereits als Student stand Bender der katholischen Laien-Organisation Znak nahe, gehörte aber auch dem Zentralrat der Studentenorganisation Zrzeszenie Studentów Polskich an. Als sich die Znak 1976 auflöste, hielt Bender mit einigen Gleichgesinnten diese Ideale weiterhin hoch. Als Neo-Znak gingen sie dann 1980 im Polski Związek Katolicko-Społeczny (PZKS) auf, dessen Vizepräsident er von 1981 bis 1983 war. Von 1981 bis 1987 war er Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der Polnischen Bischofskonferenz und von 1989 bis 1996 Mitglied der bischöflichen Kommission „Justitia et Pax“. Er veröffentlichte unter anderem in den Zeitschriften Więź, Kultura und Tygodnik Powszechny. In den 1990er Jahren war er für Radio Maryja und TV Trwam tätig.
Von 1973 bis 1977 war Bender parteiloses Mitglied im Stadtrat von Lublin. Zwischen 1976 und 1980 war er unter Edward Gierek als Nachfolger von Stanisław Stomma auf Vorschlag der Znak Abgeordneter des Sejm. Als Als er 1980 der unabhängigen Gewerkschaft Solidarność beitrat, verlor Bender seinen Platz im Sejm. Bei der Parlamentswahl 1985 kehrte er als Kandidat des PZKS auf der Einheitsliste, die von der PZPR unter Wojciech Jaruzelski kontrolliert wurde in den Sejm zurück.<ref>Ergebnis in Monitor Polski 1985, Nr. 28, S. 324.</ref> Dieses Mandat hatte er bis 1989 inne. Er nahm 1989 als Vertreter der Opposition an den Gesprächen am runden Tisch teil. Bei der halbfreien Parlamentswahl (sog. „Vertragssejm“) im Juni 1989 kandidierte er im Wahlkreis Lublin als unabhängiger Bewerber, unterlag mit 15,4 % der Stimmen aber Tadeusz Mańka dem Kandidaten des Komitet Obywatelski „Solidarność“, der 65,0 % der Stimmen erhielt.<ref>Ergebnis in Monitor Polski 1989, Nr. 21, S. 292.</ref> Von 1989 bis 1991 war er stellvertretender Vorsitzender der Chrześcijańska Demokracja – Stronnictwo Pracy. 1991 wurde er als Mitglied der Zjednoczenie Chrześcijańsko-Narodowe (ZChN) für das Wahlbündnis Wyborcza Akcja Katolicka in der Woiwodschaft Łomża zum Senator gewählt,<ref>Ergebnis in Monitor Polski 1991, Nr. 41, S. 409.</ref> schied aber mit vorzeitiger Auflösung des Parlaments nach zwei Jahren aus. Im Senat war er Vorsitzender der ZChN-Fraktion. Bei den Selbstverwaltungswahlen 1998 (für das Wahlbündnis Akcja Wyborcza Solidarność, an dem sich die ZChN beteiligt hatte) und 2002<ref>Ergebnis auf der Seite der Wahlkommission, abgerufen am 14. September 2026.</ref> (für die Liga Polskich Rodzin (LPR)) wurde er jeweils in den Sejmik der Woiwodschaft Lublin gewählt. Zeitweise war er Vorsitzender des Sejmik. Von 1998 bis 2003 leitete er den Generalrat der Ruch Katolicko-Narodowy. Bei der Wahl 2005 wurde er für die LPR erneut in den Senat gewählt.<ref>Ergebnis auf der Seite der Wahlkommission, abgerufen am 14. September 2026.</ref> Im Dezember 2006 trat er aus der LPR aus und wurde Vorsitzender der Fraktion „Senatorski Klub Narodowy“. Zum dritten Mal wurde er in der Parlamentswahl 2007 als parteiloser Kandidat für die Prawo i Sprawiedliwość gewählt und verblieb im Senat bis zum Ende der vierjährigen Legislaturperiode 2011, als er nicht wieder kandidierte. Bei der Europawahl 2009 kandidierte er für die Libertas, die aber mit nur 1,1 % der Stimmen an der Sperrklausel scheiterte.<ref>Ergebnis auf der Seite der Wahlkommission, abgerufen am 14. September 2026.</ref>
Bender war einer der führenden Köpfe des nationalkatholischen Lagers, er berief sich auf die Nationaldemokraten der Zwischenkriegszeit.<ref>Profesor Bender, dr Ryba i ksiądz Guz nie wzięli się znikąd. KUL od początku był ostoją endeków i antysemitów gazeta.pl, 19. November 2022.</ref> Er war über viele Jahre Gastkommentator bei Radio Maryja.<ref>Zmarł prof. Ryszard Bender radiomaryja.pl, 24.2.2016,</ref> Ihm wurden antisemitische Äußerungen vorgeworfen; er behauptete unter anderem, dass das KZ Auschwitz ein Arbeitslager und kein Vernichtungslager gewesen sei.<ref>Tory ally who called Auschwitz a labour camp is honoured. In: theguardian.com. The Guardian, 26. Januar 2010, abgerufen am 24. Februar 2016 (englisch).</ref>
Bender war verheiratet und hatte drei Kinder.
Werke (Auswahl)[Bearbeiten]
Autor
- Reforma czynszowa w Ordynacji Zamoyskiej. LTN, Lublin 1995, ISBN 83-85491-74-0.
- Powstanie czy samorząd Rady miejskie i powiatowe w Lubelskiem. 1861–1863. LTN, Lublin 1998, ISBN 83-87833-04-5.
Herausgeber
- Cursus mille annorum. Prace ofiarowane profesorowi Eugeniuszowi Wiśniowskiemu. LTN, Lublin 2002.
- Cultura et Societas Christiana. Księga ku czci profesora Jerzego Kloczowskiego. LTN, Lublin 1992.
- Słownik biograficzny katolicyzmu społecznego w Polsce. ODSS 221991, ISBN 83-7012-026-1 (3 Bde.)
Weblinks[Bearbeiten]
- Ryszard Bender (polnisch)
- Website von Ryszard Bender (polnisch)
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Bender, Ryszard |
| ALTERNATIVNAMEN | Bender, Ryszard Janusz (vollständiger Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | polnischer Historiker und Politiker, Mitglied des Sejm |
| GEBURTSDATUM | 16. Februar 1932 |
| GEBURTSORT | Łomża, Polen |
| STERBEDATUM | 24. Februar 2016 |
| STERBEORT | Lublin, Polen |
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- Neuzeithistoriker
- Hochschullehrer (Katholische Universität Lublin)
- Sejm-Abgeordneter (Volksrepublik Polen)
- Senator (Dritte polnische Republik)
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