SARah
SARah ist ein Aufklärungssatellitensystem der Bundeswehr für die abbildende Aufklärung. Es ist als Ersatz des Systems SAR-Lupe vorgesehen.<ref>Bundeswehr startet Teilbetrieb des ersten SARah-Satelliten. In: Bundeswehr-Journal, 7. Oktober 2023, ZDB-ID 2225315-4.</ref> Zur Bildgebung nutzen die SARah-Satelliten – wie das Vorläufersystem – Synthetic Aperture Radar (SAR).
Laut Konzeption besteht das System aus drei Satelliten und zwei Bodenstationen. Mit Stand Mai 2025 sind alle drei Satelliten und mindestens eine Bodenstation in Betrieb. Eine spätere Ergänzung um weitere Satelliten ist möglich.<ref name="SPON-2013" />
Entwicklung und Technik[Bearbeiten]
Mit der Entwicklung und der Fertigung des Systems zu einem Preis von 816 Millionen Euro wurde am 2. Juli 2013 die Bremer Firma OHB beauftragt. Das Projekt umfasst drei Satelliten, die alle zur Bildgebung Synthetic Aperture Radar (SAR) nutzen. Diese Technik ermöglicht, unabhängig von Licht- und Wetterverhältnissen hochauflösende Radarbilder der Erdoberfläche zu fertigen. Zwei der SARah-Satelliten (SARah 2 und 3) stammen direkt von OHB als Hauptauftragnehmer und beruhen technisch auf einer Weiterentwicklung der Reflektortechnologie des Vorgängersystems SAR-Lupe, mit dem die Bundeswehr schon seit 2008 Radaraufklärung betreibt. Sie wiegen jeweils 1,8 Tonnen und umkreisen die Erde in rund 500 Kilometern Höhe. Ein weiterer SARah-Satellit (SARah 1) wurde von Airbus Defence and Space als Unterauftragnehmer gebaut. Er beruht auf Phased-Array-Radar-Technologie von Astrium, wiegt etwa vier Tonnen und fliegt in rund 750 Kilometern Höhe.<ref>Robert Lehmann: Neues Satelliten-System für die Bundeswehr. BAAINBw, OHB System AG. In: Bundeswehr.de. Bundesministerium der Verteidigung, 9. Juli 2013, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 11. Juli 2013; abgerufen am 24. Mai 2025.</ref><ref>SARah 2, 3. Abgerufen am 22. Juli 2020.</ref> Im Vergleich zu SAR-Lupe soll mit dieser neuen Technik eine höhere Bildauflösung bei größerem Sichtfeld und durch mehr Speicher auch eine größere Bildanzahl pro Erdumlauf ermöglicht werden. Die mehrstündigen Lücken bei der Übertragung der Bilder, die entstehen, wenn ein Satellit sich nicht in Sichtweite der Bodenstation in Grafschaft befindet, sollen durch Aufbau einer zweiten Bodenstation im nordschwedischen Kiruna verkleinert werden.<ref>Gerhard Heiming: Satellitenaufklärungssysteme SARah komplett im All. In: esut.de. 26. Dezember 2023, abgerufen am 30. Juni 2024.</ref> Durch mehr Rechenkapazität sollen die Bilder auch schneller übertragen werden können.<ref name="SPON-2013">Otfried Nassauer: System "SARah": Bundeswehr plant Einsatz neuer Spionagesatelliten, Spiegel Online vom 26. Juni 2013; abgerufen am 8. Januar 2015.</ref> Das System ist für mindestens zehn Jahre Betriebsdauer ausgelegt.<ref name="esut" />
Start und Betrieb[Bearbeiten]
Nach ursprünglicher Planung hätten die SARah-Satelliten in den Jahren 2018 und 2019 ins All gebracht werden sollen.<ref>SARah – Aufklärungs-Satellit der Bundeswehr. Reuss, abgerufen am 1. Dezember 2020.</ref> Später hatten sich die Starttermine auf 2020–2021 verschoben,<ref>Neue Aufklärungssatelliten werden später gestartet. In: hartpunkt.de. 29. Januar 2019, abgerufen am 7. Februar 2019.</ref> dann auf 2022 und 2023.
SARah 3<ref>https://www.n2yo.com/satellite/?s=52887</ref> (zeitweise „SARah 1“ genannt) wurde am 18. Juni 2022 mit einer Falcon-9-Rakete des US-amerikanischen Unternehmens SpaceX von der Vandenberg Space Force Base in Kalifornien gestartet.<ref name="rnd_240629">Die neuen „SARah“-Aufklärungssatelliten der Bundeswehr funktionieren nicht. In: Redaktionsnetzwerk Deutschland. 29. Juni 2024, abgerufen am 29. Juni 2024.</ref><ref>Tweet von SpaceX. Twitter, 16. Juni 2022, abgerufen am 4. Juni 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>SpaceX: SARah-1 Mission auf YouTube, 18. Juni 2022, abgerufen am 24. Mai 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value); Laufzeit: 24 min 20 s).Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)</ref> Nach einer Testphase und Abnahme durch die Bundeswehr ging der Satellit im Oktober 2023 in den Produktivbetrieb über, noch ohne die geplante zweite Bodenstation.<ref name="esut">Betriebsbeginn des SARah-Satelliten-Aufklärungssystems. Europäische Sicherheit und Technik, 9. Oktober 2023.</ref>
SARah 1 und 2<ref>https://www.n2yo.com/satellite/?s=58643</ref><ref>https://www.n2yo.com/satellite/?s=52887</ref> (zeitweise „SARah 2“ und „SARah 3“ genannt) wurden am 24. Dezember 2023 ebenfalls von SpaceX mit einer Falcon 9 gestartet.<ref>SpaceX launches twin radar satellites for German military from California. Spaceflight Now, 23./24. Dezember 2023.</ref> Anfang April 2024 wurden erstmals Probleme bei der Inbetriebnahme der beiden OHB-Satelliten bekannt.<ref>Fast blinde Spionage-Satelliten? Die nächste teure Panne der Bundeswehr. In: welt.de. 2. April 2024, abgerufen am 2. April 2024.</ref><ref name="rnd_240629" /> Sie konnten zunächst nicht in Betrieb genommen werden, da sich die Sensorarme nicht ausklappen ließen. Laut Medienberichten befanden sich die Satelliten vertragsgemäß bis zur Inbetriebnahme im Eigentum von OHB. Der Hersteller trug daher das finanzielle Risiko und wäre in der Pflicht gewesen, Ersatzsysteme zu bauen und ins All zu befördern, falls sich die Satelliten nicht in Betrieb hätten nehmen lassen. Der drohende Verlust der Satelliten sollte OHB bis zu 38 Millionen Euro kosten. Auf der Bilanzpressekonferenz im März 2025 gab OHB-Finanzchef Kurt Melching bekannt, man habe entsprechende Rückstellungen in der Bilanz gebildet.<ref>Christoph Barth: OHB muss Bundeswehrsatelliten ersetzen. Weser-Kurier, 20. März 2025, abgerufen am 30. März 2025.</ref>
Die satellitengestützte Aufklärungsfähigkeit der Bundeswehr konnte trotzdem aufrechterhalten werden, da die Satelliten des Vorläufersystems SAR-Lupe, die ihre ursprünglich geplante Lebensdauer bereits überschritten haben, weiterhin funktionieren.<ref>Matthias Gebauer, Christoph Seidler: Pleite im Weltall. In: Der Spiegel (online). 28. Juni 2024, abgerufen am 30. Juni 2024.</ref>
Im Mai 2025 konnten die verklemmten Radarantennen beider Satelliten gelöst werden. Die Geräte wurden in komplexen Flugmanövern so bewegt, dass sich die Blockaden lösten.<ref>Matthias Gebauer, Christoph Seidler: Rettungsmanöver im Weltall. In: Der Spiegel. Nr. 22, 24. Mai 2025, S. 21 (spiegel.de – gekürzte Version bei Spiegel Online mit anderem Titel).</ref>
Vergleichbare Radarsatelliten[Bearbeiten]
- Lacrosse (USA)
- COSMO-Skymed (Italien)
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references responsive />