200–300 kg hochexplosiv-panzerbrechend<ref name="ihs2" /> oder Nukleargefechtskopf<ref name="kristensen2018">Hans M. Kristensen: Review of NASIC Report 2017: Nuclear Force Developments. In: fas.org. Federation of American Scientists (FAS), 30. Juni 2017, abgerufen am 11. September 2018 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
SS-N-26 Strobile ist der NATO-Code für einen Seezielflugkörper aus russischer Produktion. Die Systembezeichnung der russischen Streitkräfte ist P-800 Oniks und die Exportbezeichnung Jachont (in der englischen Transkription Yakhont). Der GRAU-Index für das Gesamtsystem lautet 3K55 und der Flugkörper wird 3M55 bezeichnet.
Die Entwicklung der SS-N-26 begann 1981 bei NPO Maschinostrojenija. Ziel war es, eine universell einsetzbare Anti-Schiff-Lenkwaffe zu entwickeln. Die neue Lenkwaffe sollte von Schiffen, U-Booten, Lkws und Flugzeugen einsetzbar sein. Vorerst bekam das System die Bezeichnung P-100 Bolid. Erste Tests wurden im Jahr 1987 durchgeführt.<ref name="militaryrussia">Militaryrussia: Комплекс П-800 / 3К55 Оникс / Яхонт - SS-N-26 STROBILE</ref> Für die Seeerprobung wurde eine Korvette der Projekt 1234 mit 2 × 6 Lenkwaffen ausgerüstet. Für die Unterwassererprobung wurde das U-Boot K-452 – ein Boot der Charlie-II-Klasse – mit 8 × 3 Lenkwaffen ausgerüstet.<ref name="dtig">Russian/Soviet Sea-based Anti-Ship Missiles DTIG, Nov, 2005, Zugriff: 12. August 2015 (englisch)</ref> Im Jahr 1998 wurde die SS-N-26 unter der Bezeichnung P-800 Oniks provisorisch in die Bewaffnung der russischen Marine aufgenommen.<ref name="janes">Duncan Lennox: Jane’s Strategic Weapon Systems.Jane’s Information Group, 2005, ISBN 0-7106-0880-2.</ref> Die angespannte finanzielle Situation der russischen Streitkräfte verhinderte aber bis auf weiteres eine Beschaffung. Erst 2002 konnten einige wenige Exemplare zu Testzwecken beschafft werden. In der Zwischenzeit wurde die SS-N-26 unter der Bezeichnung Jachont auf dem Exportmarkt angeboten. Bei der russischen Marine soll die SS-N-26 auf den sich in Entwicklung befindenden U-Booten der Granay-Klasse und den Fregatten der Admiral-Gorschkow-Klasse (Projekt 22350) zum Einsatz kommen.
Die P-800 Oniks kann als Seezielflugkörper gegen Überwasserschiffe und als Marschflugkörper gegen Landziele eingesetzt werden.<ref name="ihs">Nicholas de Larrinaga & Sean O'Connor: Russia reveals Bastion-P deployment, land attack role in Syria. In: Janes.com. IHS Jane’s 360, 15. November 2016, abgerufen am 15. November 2016 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Sie kann von Schiffen, U-Booten, Flugzeugen und Küstenstellungen aus gestartet werden. Die Lenkwaffen sind in Stahlbehältern untergebracht und werden direkt aus diesen abgefeuert. Der Startbehälter weist eine charakteristische zylinderförmige Geometrie auf, ist 8,90 m lang und hat einen Durchmesser von 0,71 m. Die Serienversion der P-800 Oniks kann auch aus VLS-Zellen gestartet werden. Vor dem Start müssen im Navigationssystem der Lenkwaffe die ungefähre Position sowie der Kurs des Zieles eingegeben werden. Diese werden mittels Sonar, Radar oder ELINT von der Startplattform aus ermittelt. Die Lenkwaffen können einzeln oder in kurzer Serie gestartet werden. Beim Start wird die Lenkwaffe zuerst durch den Feststoffbooster beschleunigt und steigt auf eine Höhe von rund 100 m. Nach dem Ausbrennen des Boosters wird dieser abgeworfen und das 3D55-Staustrahlmarschtriebwerk zündet.<ref name="militaryrussia"/> Danach nimmt die Rakete die vorprogrammierte Flughöhe ein. Es existieren zwei vorprogrammierte Flugprofile: Beim Standard-Flugprofil erfolgt der Marschflug in einer Höhe von 14.000 m bei einer Geschwindigkeit von Mach 2,3.<ref name="ihs2" /> Die letzten 20–40 km werden im Tiefflug zurückgelegt. Die Reichweite bei diesem Flugprofil liegt bei 300 km. Daneben kann der Flug ins Ziel im Tiefflug mit Mach 1,6 in einer Höhe von 10–15 m erfolgen. Die Reichweite bei diesem Flugprofil liegt bei 120–150 km.<ref name="airwar">airwar.ru, Zugriff: 27. März 2014 (russisch)</ref> Der Flug ins Zielgebiet erfolgt autonom mit Hilfe der Trägheitsnavigationsplattform. Ein Radar-Höhenmesser sorgt für den nötigen Sicherheitsabstand zwischen der Lenkwaffe und der Meeresoberfläche. Aktualisierte Zieldaten können mittels eines Datenlinks von der Startplattform zur Lenkwaffe gesendet werden. Für den Zielanflug wird der bordeigene aktive Radarsuchkopf aktiviert. Dieser hat eine Erfassungsreichweite von 50–77 km.<ref name="militaryrussia" /> Wurde das Ziel durch den Radarsuchkopf erfasst, wird dieser abgeschaltet und die Rakete mit Hilfe des passiven Radarsuchkopfes zum Ziel geführt. Dieser orientiert sich an den elektromagnetischen Emissionen (Radar, Störsysteme) des Ziels. Verliert die Rakete das Ziel, wird der aktive Radarsuchkopf automatisch wieder aktiviert. Der Einschlag im Ziel erfolgt auf Wellenhöhe im Schiffsrumpf. Der Gefechtskopf zündet zeitverzögert, so dass er im Schiffsinneren explodiert. Aufgrund ihrer hohen Geschwindigkeit hat die P-800 Oniks eine hohe kinetische Energie, was ein großes Schadenspotential mit sich bringt.
Die Entwickler bedachten bei der Entwicklung, dass die meisten modernen Kriegsschiffe über effektive Maßnahmen zur Raketenabwehr verfügen. Sie gingen davon aus, dass ein Gegner den Start des Flugkörpers in rund 300 km Entfernung auffassen und Abfangversuche starten würde. Die P-800 Oniks verfügt daher über eine Reihe von Systemen zur Überwindung gegnerischer Abwehrmaßnahmen. Als erstes erreicht die Lenkwaffe eine hohe Fluggeschwindigkeit. Diese liegt bei Mach 1,6 im Tiefflug und bei Mach 2,3 in großer Flughöhe.<ref name="ihs2" /> Daneben wurde besonderer Wert auf den Schutz vor elektronischen Störmaßnahmen gelegt. Gemäß Hersteller ist die P-800 Oniks gegenüber elektronischen Störmaßnahmen weitgehend unempfindlich. Während des Zielanfluges führt die Rakete nach dem Zufallsprinzip abrupte Ausweichmanöver durch. Zusätzlich ist die Raketenoberfläche mit einer radarabsorbierenden Schutzschicht versehen.<ref name="rbase">rbase.new-factoria.ru, Zugriff: 27. März 2014 (russisch)</ref><ref name="dtig" />
Die Startplattformen können mit einem Feuerleitsystem ausgerüstet werden, das vergleichbar mit dem der SS-N-19 Shipwreck ist. Dieses wurde mit einem komplexen Softwarepaket ausgestattet, um den Kampf gegen einzelne Schiffe oder eine Schiffsgruppe zu koordinieren. Diese Software kommt zum Einsatz, wenn die Flugkörper in Salven gestartet werden. Die Flugkörper fassen Ziele selbstständig auf, ermitteln ihren Kampfwert und tauschen diese Informationen gegenseitig aus. Anhand dieser Daten wird untereinander der Angriffsplan koordiniert. Die jeweiligen Abwehrmaßnahmen gegen elektronische Gegenmaßnahmen und ECM (EloKa) sowie die notwendigen Manöver zum Umgehen der gegnerischen Luftabwehr (vor allem von Nahbereichsverteidigungssystemen) sind im Flugkörper eingespeichert. Sobald das Prioritätsziel einer Schiffsgruppe zerstört ist, greifen die übrigen Flugkörper der Salve die anderen Schiffe der Gruppe an. Es greifen somit nie zwei Flugkörper dasselbe Schiff an – es sei denn, es wird nicht zerstört, sodass eine andere P-800 Oniks darauf aufschaltet.<ref name="dtig" />
Der Ersteinsatz der P-800 Oniks erfolgte im Rahmen des russischen Militäreinsatzes im Bürgerkrieg in Syrien im November 2016. Der Einsatz erfolgte ab der fahrzeugbasierten Plattform K-300 Bastion gegen Ziele in Syrien.<ref name="ihs" />