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Sabahattin Ali

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Datei:Ardino (10).JPG
Büste des Sabahattin Ali, Ardino
Datei:Sabahattin Ali signature.jpg
Unterschrift von Sabahattin Ali

Sabahattin Ali<ref>Den Nachnamen Ali wählte Sabahattin nach dem Gesetz vom 28. Juni 1934 über die Einführung von Familiennamen.</ref> (geb. 25. Februar 1907<ref>Das Geburtsdatum 25. Februar 1907 wird in den meisten Quellen angegeben; daneben finden sich auch 1906 als Geburtsjahr sowie der 12. Februar und der 10. März als Geburtstag.</ref> in Eğridere<ref>YKY-Verlag: Sabahattin Ali</ref> im Osmanischen Reich, heute Ardino, Bulgarien; † 2. April 1948 in Kırklareli, Türkei) war ein sozialistischer türkischer Schriftsteller und Lehrer.<ref>Deniz Malaymar: Revealing the Translator as a Political and Cultural Agent: An Archival Research on Sabahattin Ali’s Translational Practices. TTR (Traduction, terminologie, rédaction), 22. Februar 2022, abgerufen am 29. Januar 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Familie[Bearbeiten]

Die Familie stammte aus der Schwarzmeerregion. Sein Großvater, genannt Salih Efendi<ref>İbrahim Alâettin Gövsa: Türk meşhurları ansiklopedisi. Yedigün, S. 332.</ref>, stammte aus Of und war Zahlmeister in der osmanischen Marine (Bahriye Alayemini).<ref name="Tabelle">Tabellarischer Lebenslauf (41 yıllık yaşamın öyküsü) in: Filiz Ali Laslo und Atilla Özkırımlı: Sabahattin Ali. Cem Yayınevi, Istanbul 1979ö S. 17–21</ref><ref name="Conkman"> Süheyla Conkman: Ağabeyim Sabahattin Ali (Mein Bruder Sabahattin Ali) in: Filiz Ali Laslo und Atilla Özkırımlı: Sabahattin Ali. Cem Yayınevi, Istanbul 1979, S. 23–29</ref> Einige Quellen schreiben fälschlicherweise, dass der Großvater der Hauptmann Mehmet Ali Bey gewesen sei<ref>Aziz Nesin: Sabahattin Ali Bibliyografyası. Gelincik, S. 12.</ref>. In einer Reportage mit Aliye Ali und Ramazan Korkmaz gab Sabahattin Ali jedoch an, seine Ehefrau stamme aus der Schwarzmeerregion und sein Großvater sei von dort erst später nach Istanbul gezogen.

Sabahattin Alis Vater Ali Selahattin Bey (1876–1926) war Hauptmann der Infanterie (Piyade yüzbaşı)<ref name="Tabelle" /> und heiratete die sechzehn Jahre jüngere Hüsniye Hanım, eine Tochter des aus Bandırma stammenden Leutnants Mehmet Ali<ref>Filiz Ali Laslo, Atilla Özkırımlı: Sabahattin Ali. Cem Yayinlari, S. 320.</ref>. Nach Sabahattin wurde 1911 sein Bruder Fikret geboren. Während des Ersten Weltkrieges wurde sein Vater nach Çanakkale als außerordentlicher Vorsitzender des Kriegsgerichts versetzt, wo die Familie die nächsten vier Jahre lebte. Sabahattin Ali schrieb hin und wieder in seinen Briefen und Schriften von den Jahren, die er in Çanakkale verbracht hatte. Später zog die Familie nach Izmir, wo der Vater in der Unterhaltungsbranche tätig werden wollte. Die zunächst laufenden Geschäfte wurden durch die Besetzung von Izmir unterbrochen. Die Familie zog nach Edremit, wo Sabahattins Schwester Süheyla, genannt Süha, geboren wurde (Saniye Süheyla Conkman, 1920 oder 1922–2017).<ref>Reşit Mazhar Ertüzün: Sabahattin Ali Olayının Gerçeği. Gür Yayınları, S. 175.</ref><ref>Sabahattin Ali: Hep Genç Kalacağım. Yapı Kredi Yayınları, S. 361.</ref>

Leben[Bearbeiten]

Die ersten Jahre[Bearbeiten]

Sabahattin Ali wurde am 25. Februar 1907 im ostrhodopischen Bezirk Eğridere des Sandschak Gümülcine im Vilâyet Edirne geboren.<ref>M. Behçet Yazar: Edebiyatçılarımız ve Türk edebiyatı. Kanaat Kitabevi, İstanbul 1989 (worldcat.org [abgerufen am 18. Juni 2019]).</ref> Sein Vater Ali Selahattin Bey benannte seine Kinder Sabahattin und Fikret nach den osmanischen Intellektuellen jener Zeit, Tevfik Fikret und Prinz Sabahaddin, mit denen er befreundet war.<ref name=":0">Korkmaz Ramazan: Sabahattin Ali - İnsan ve Eser.</ref>

Mit sieben Jahren besuchte Sabahattin Ali die Füyûzâtı Osmâniye-Schule in Doğancılar, Istanbul. Nach der Versetzung des Vaters zog die Familie nach Çanakkale und später dann nach Edremit<ref name="Tabelle"/>. Die Ehe der Eltern war nicht zuletzt auch deswegen belastet, weil der Vater fortschrittlichen und liberalen Gedanken anhing, die Mutter aber aus einer konservativen und streng religiösen Familie stammte<ref name="Conkman" /> und wegen psychischer Probleme mehrmals einen Suizid versuchte.<ref name=":1">Filiz Ali Laslo, Atilla Özkirimli: Sabahattin Ali. a.g.e, 1979, S. 321.</ref> Laut Ali Demirel, einem alten Freund von Sabahattin Ali, war sie Cholerikerin und kümmerte sich mehr um den Bruder Fikret. Sabahattin Ali sei in dieser Zeit ein Einzelgänger gewesen und habe nicht mit anderen Kindern gespielt. Lieber habe er zuhause gezeichnet oder Bücher gelesen.<ref name=":2">Asim Bezirci: Sabahattin Ali. Çınar Yayınları, 1987, S. 280.</ref> Er war jedoch einer der erfolgreichsten Schüler seiner Klasse. Der Freund seines Vaters Mehmet Sah Bey schenkte dem Kind viel Aufmerksamkeit und motivierte es, viel zu lesen.

Studium und Arbeit als Lehrer[Bearbeiten]

Nach dem Schulabschluss im Jahr 1921 lebte Sabahattin für ein Jahr bei seinem Onkel nach Istanbul und schrieb sich nach seiner Rückkehr nach Balıkesir für ein Lehramtsstudium am Institut „Balikesir Muallim Mektebi“ ein.<ref>Naili Pertev Boratev: Folklar ve Edebiyat. 1982.</ref> Während dieser Zeit begann er Gedichte und Geschichten zu schreiben und sandte einige dieser Texte an Zeitungen und Zeitschriften.<ref name=":1" /> Zudem brachte er mit seinen Freunden eine Schulzeitung heraus. Er führte ein Tagebuch und interessierte sich für Theater und Kino. Es fiel ihm schwer, sich in die Schuldisziplin einzuordnen, so besuchte er während der Schulzeit immer wieder Theater- oder Kinovorstellungen. Als der Schulleiter ihm deswegen drohte, ihn zu seiner Familie zurückzuschicken,<ref name=":0" /> unternahm er einen Suizidversuch, den er selbst als Bluff bezeichnete. Der Versuch wurde von einem Freund und seinen Lehrern verhindert.<ref name=":2" /> 1926 wechselte er für das letzte Ausbildungsjahr an die Lehrerschule in Istanbul und veröffentlichte erste Gedichte.<ref name="Tabelle" /> Mit Förderung seines Literaturlehrers Ali Canip Yöntem sandte er einige davon an Zeitschriften wie Caglayan und Akbaba.<ref>Erdal Bozdag: Yerel Bir Mecmua Örneği: Çağlayan Mecmuası (İnceleme - Fihrist). Dicle Üniversitesi Edebiyat Fakültesi Türk Dili ve Edebiyatı Bölümü.</ref> Sein Lehrerdiplom erhielt er im August 1927.<ref name=":0" /> Während dieser Zeit verschlechterte sich der Gesundheitszustand seiner Mutter.

Nach seinem Abschluss besuchte Ali seinen Onkel, einen Arzt in Ertüzün, der dann beruflich nach Yozgat wechselte und Ali in Yozgat eine Stelle als Grundschullehrer vermittelte.<ref>Reşit Mazhar Ertüzün: Sabahattin Âli olayının gerçeği: Benim bildiğim Sabahattin Âli. Gür Yayınları, İstanbul 1985 (worldcat.org [abgerufen am 18. Juni 2019]).</ref> Später zog die ganze Familie nach Yozgat. Trotz vieler Kontakte klagte Ali in seinem Brief vom 24. November 1927 an Nahit, eine enge Freundin in Istanbul, über Einsamkeit, vor allem, da viele Menschen Schwierigkeiten hatten, seine Texte zu verstehen.<ref name=":2" /> Die Beziehung zu Nahit begann für ihn mit einer Freundschaft, seine sich entwickelnde Liebe zu ihr blieb unerwidert. Diese Liebe wurde zum Hauptthema der Geschichte, die er in Yozgat schrieb. Das Gedicht Bir Macera (dt. „Ein Abenteuer“), das in der Servet-i Fünûn veröffentlicht wurde, war Nahit gewidmet. Der Autor schrieb über seine einseitige Liebe in seinen Gedichten Was haben wir gewonnen (1927), Ihre Liebe in meinem Herzen (1927), Für immer (1928), Liege und schlafe (1928), An alle Menschen (1928), Ausbruch (1928) und Branden (1928)<ref name=":0" /><ref name=":2" />.

Aufenthalt in Deutschland[Bearbeiten]

Nach einem Jahr in Yozgat beabsichtigte Ali, nach Istanbul zurückzukehren. Mitarbeiter des Bildungsministeriums ermutigten ihn, nach Europa zu gehen.<ref name=":0" /> Im November 1928 sandte ihn die Türkische Republik zur Fortbildung nach Deutschland.<ref>Melahat Togar: Arkadaşım Sabahattin Ali. Istanbul 1979.</ref> Nach fünfzehn Tagen in Berlin ließ er sich in Potsdam nieder, wo er bei einer alten Dame als Untermieter lebte und Deutschkurse besuchte. Ali vermisste Istanbul und seine unerwiderte Liebe Nahit. Am 1. Januar 1929 sandte er Nahit seine Gedichte als Weihnachtsgeschenk, erhielt jedoch keine Antwort. Nach dem Sprachkurs in Potsdam wechselte er in ein Berliner Internat.

Rückkehr in die Türkei und Ermittlungen[Bearbeiten]

Obwohl der Aufenthalt in Deutschland ursprünglich auf vier Jahre angelegt war, kehrte Ali schon nach zwei Jahren (1930) in die Türkei zurück und lebte bei Freunden in einem Internat in Istanbul. Später arbeitete er als Grundschullehrer in Orhaneli, Bursa. Im September 1930 legte er eine Deutschprüfung ab und unterrichtete Deutsch an der Mittelschule.<ref name=":2" /> Nach einer Anzeige wegen „kommunistischer Propaganda“ wurde er im Mai 1931 verhaftet, zwei Tage später ordnete das Gericht seine Freilassung an.<ref>Vakit. 27. Mai 1931.</ref> Die Ermittlungen wurden danach fortgesetzt, und Ali kam bis zum 9. September 1931 in Untersuchungshaft ins Aydın-Gefängnis. Drei Wochen später wurde er Deutschlehrer an der Mittelschule in Konya.<ref name=":0" /> Eine weitere Verhaftung erfolgte am 22. Dezember 1932 wegen eines Gedichts, das er bei einem Treffen vorgelesen hatte<ref name=":0" /> und das Angriffe gegen Mustafa Kemal Atatürk und Ismet Inönü enthielt.<ref>Sabahattin Ali neden öldürüldü? | soL Haber Portalı. 21. April 2017, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 21. April 2017; abgerufen am 18. Juni 2019.</ref><ref name=":0" /> Das Strafgericht in Konya verurteilte ihn wegen Beleidigung Atatürks zu einem Jahr Haft. Später wurde die Haftstrafe auf vierzehn Monate angehoben.<ref name=":0" /> Am 29. April 1933 wurde sein Diplom annulliert. Freunde berichteten, er habe im Sinop-Gefängnis nachts ständig gelesen und tagsüber auf eine Truhe geschrieben.<ref>Berin Taşan: Sabahattin Ali Sinop'ta. Soyut.</ref>

Nach seiner Freilassung besuchte Ali seine Verwandten in Istanbul und ging für eine Wiedereinstellung nach Ankara. Der Generaldirektor der Sekundarstufe und der stellvertretende Unterstaatssekretär<ref>Sabahattin Ali: İki Gözüm Ayşe/Sabahattin Ali'nin Özel Mektupları. Bilgi Yayınevi, Istanbul.</ref> wollten jedoch wegen seiner Kritik an Atatürk keine Verantwortung für seine Wiedereinstellung übernehmen. Ali arbeitete während dieser Zeit im Haus eines Onkels und machte kleine Übersetzungen.<ref name=":0" /> 1934 wurde er gebeten, ein Gedicht über Atatürk zu schreiben. Dieses Opus vom 13. Januar 1934 mit dem Titel Benim Aşkım („Meine Liebe“),<ref>Sabahattin Ali: Benim Aşkım. Varlik.</ref> das in der Zeitschrift Varlık veröffentlicht wurde, trug schließlich dazu bei, dass Ali mit der Genehmigung Atatürks zuerst kurzfristig in die Direktion der Abteilungen der Mittelschulen (Mai 1934) und dann langfristig in das Nationale Bildungs- und Ausbildungszentrum berufen wurde.

Hochzeit und Namensänderung[Bearbeiten]

Nachdem Alis ehemalige Angebetete Nahit geheiratet und seine Freundin Ayşe seinen Heiratsantrag abgelehnt hatte, begegnete er 1932 in Istanbul Aliye Başotaç, der Tochter des Apothekers Salih Başotaç, die er heiraten wollte.<ref name=":0" /> Zunächst hatte Aliyes Familie wegen Alis Gefängnisaufenthalten Bedenken gegen die Verbindung. Die standesamtliche Hochzeit fand am 16. Mai 1935 in Kadıköy statt. Anschließend zog Ali mit seiner Frau nach Ankara, wo er Deutschunterricht an einer weiterführenden Schule erteilte. In dieser Zeit ging es der Familie finanziell gut und Ali veröffentlichte einige Werke.

Die Familie von Sabahattin Ali nahm nach dem Familiennamensgesetz den Nachnamen Şenyuva an. Aber der Autor wollte Ali, den Vornamen seines Vaters, verwenden. Da die Verwendung des Namens Ali als Nachname von der Behörde abgelehnt wurde, entschied er sich für den Namen Alı.<ref name=":0" /> Nach Meinung des Literaturhistorikers Ramazan Korkmaz habe die Familie den Nachnamen „Şenyuva“ (glückliche Familie) wegen ihrer Probleme unpassend gefunden.

Leben nach dem Wehrdienst[Bearbeiten]

Im Alter von 30 Jahren trat Ali den Wehrdienst an, wobei er mehrmonatige Ausbildungen zum einfachen Soldaten und zum stellvertretenden Offizier durchlief. Seine Frau begleitete ihn an die jeweiligen Standorte. Während des Militärdienstes in Istanbul wurde 1937 seine Tochter Filiz Ali geboren, die später Pianistin und Musikwissenschaftlerin<ref>Sabahattin Ali'nin kızı Filiz Ali: Habire Düşünüyorum; 'Nerede Acaba!' Abgerufen am 24. Juli 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> wurde.

Nach Beendigung des Wehrdienstes arbeitete er in Ankara als Türkischlehrer.<ref name=":2" /> 1938 ging er als Übersetzer und Dramaturg (Assistent des deutschen Regisseurs Carl Ebert) an das staatliche Konservatorium in Ankara. und übersetzte während dieser Zeit auch Werke aus dem Deutschen, unter anderem von Gotthold Ephraim Lessing und E. T. A. Hoffmann. 1944 wurde er entlassen und zog nach Istanbul. Er schrieb für die Tageszeitung Tan, bis deren Redaktionsräume Ende 1945 von nationalistischen und islamistischen Studenten verwüstet wurde und die Zeitung eingestellt werden musste.

Ali knüpfte Kontakte mit diversen Literaten, darunter Sabahattin Eyüboğlu, Azra Erhat, Mediha (Berkes) Esenel und Niyazi Ağırnaslı. Daneben arbeitete er an seinen literarischen Werken und veröffentlichte 1939 den Roman Der Dämon in uns.<ref name=":3">Nihal Atsiz: İcimizdeki Şeytanlar. Arkadaş Basımevi.</ref> Das Werk wurde Thema politischer Debatten. Der nationalistisch-rassistische Schriftsteller Nihâl Atsız veröffentlichte ein 16-seitiges Pamphlet mit dem Titel İcimizdeki Şeytanlar (Die Dämonen in uns).<ref name=":3" /> 1944 wurde Nihâl Atsız von Ali wegen Beleidigung verklagt. Nach einem Strafverfahren wurden Nihâl Atsız und andere 1945 zu zehn Jahren Haft verurteilt, aber nach anderthalb Jahren in einem Berufungsverfahren freigesprochen.

Vor dem Zweiten Weltkrieg leistete Ali vier Monate lang seinen zweiten Wehrdienst in Istanbul ab. Er schrieb währenddessen Kürk Mantolu Madonna (Die Madonna im Pelzmantel). Er war zusammen mit Aziz Nesin Herausgeber einer populären Wochenschrift Marko Paşa, die wiederholt der Zensur ausgesetzt war. Nach der dritten Ausgabe wurden beide verhaftet, aber 1944 ohne Anklage wieder freigelassen.

Flucht und Tod[Bearbeiten]

1948 beschloss Ali, nach Edirne zu reisen, von wo aus er nach Bulgarien fliehen wollte, um einer politisch motivierten Verhaftung zuvorzukommen. Da ihm kein Reisepass ausgestellt wurde, versuchte er, ihn auf illegalem Weg zu erhalten. Ein Friseur namens Hasan, ein alter Freund aus dem Gefängnis, sollte ihm bei der Flucht nach Europa helfen. Er stellte Ali dem ehemaligen Offizier Ali Ertekin vor, der wegen eines Waffendiebstahls suspendiert worden war.<ref>Durin Ababey, Can Sen: Sabahattin Ali'nin Son Saatleri / Karanlıkta İki Gölge: Katil ve Kurban.</ref> Vermutlich am 1. oder 2. April 1948 (nach der Aussage des Täters<ref name="Tabelle" />) wurde Sabahattin Ali nahe der bulgarischen Grenze ermordet. Seine Leiche wurde am 16. Juni 1948 von einem Hirten in der Nähe des Dorfes Sazara gefunden. Hier befindet sich heute ein Gedenkstein.

Der mutmaßliche Täter Ali Ertekin wurde im Zuge von Ermittlungen der Istanbuler Polizei gegen eine Schleuserbande<ref name="Tabelle"/> kurz darauf verhaftet und am 12. Januar 1949 der Öffentlichkeit als Täter präsentiert. Dieser habe den Dichter aus nationalen Gefühlen getötet<ref name="Tabelle"/>. Er sagte aus, sie seien auf einem Lastwagen nach Kırklareli gefahren, um weiter nach Edirne zu kommen. Sabahattin habe auf eine kommunistische Revolution in der Türkei hingearbeitet und Ertekin provoziert, bis dieser ihn mit einem Stock zu Tode geprügelt habe.<ref name=":0" /> Eine andere Hypothese besagt, Ertekin habe ihn dem türkischen Geheimdienst ausgeliefert und Sabahattin sei an den Folterungen während eines Verhörs gestorben. Der Prozess gegen Ertekin begann am 30. April 1949 vor dem Kriminalgericht (Ağır Ceza Mahkemesi) in Kırklareli. Mit Urteil vom 15. Oktober 1950 wurde der Täter zu vier Jahren Freiheitsstrafe verurteilt, konnte aber von dem im gleichen Jahr beschlossenen Amnestiegesetz profitieren<ref name="Tabelle"/>.

Werk[Bearbeiten]

Sabahattin Alis Werk hat stark autobiographische Bezüge. Sein erster Roman Yusuf (1937) handelt von einem Jungen, der während des antiosmanischen Aufstands auf dem Balkan 1903 seine Eltern verliert, adoptiert wird, jedoch in der neuen Umgebung ein Fremder bleibt und seine Stiefschwester heiratet.

İçimizdeki Şeytan („Der Dämon in uns“) erschien 1939 zunächst in der Ankaraner Zeitung Ulus als Fortsetzungsroman und als Buch 1940. Es handelt sich um die Geschichte einer gescheiterten Liebe in den Studenten- und Literatenkreisen Istanbuls, einer Stadt, die sich um 1930 in einem radikalen Umbruch befand und erst langsam an die Reformen Atatürks gewöhnte. Das Buch erzeugte wegen seines willensschwach und haltlos erscheinenden männlichen Helden und seiner extrem selbstbewussten weiblichen Hauptfigur einen Skandal.

Sein Roman Die Madonna im Pelzmantel erschien zuerst 1940 als Fortsetzungsroman in einer türkischen Zeitung und 1943 als Buch unter dem Titel Kürk Mantolu Madonna. Die erste deutsche Übersetzung erschien 1973. Es handelt sich um die Geschichte eines jungen Türken, einer vermeintlich passiven „sympathischen Versagerfigur“ (ein häufiger Charakter der türkischen Literatur), der sich Ende der 1920er Jahre in Berlin in eine deutsche Jüdin verliebt. Diese Geschichte wird von einem Ich-Erzähler in einer Rahmenhandlung berichtet, die in Ankara spielt. Der inzwischen als Klassiker geltende Roman spielt mit widersprüchlichen Imagionationspaaren wie Orient – Okzident, Mann – Frau und Macht – Unterwerfung. Er reflektiert damit zugleich die Veränderungen der türkischen Gesellschaft und ihrer Rollenbilder, die sich denen des aggressiveren Westens annäherten, wie auch die heraufziehenden politischen Entwicklungen im Deutschland der 1930er Jahre.<ref>Béatrice Hendrich: Die Madonna im Pelzmantel: Der scheiternde Mann in der türkischen Romanliteratur. TRANS Nr. 25 Internet-Zeitschrift für Kulturwissenschaften Online</ref>

Bis in die frühen 1990er Jahre wurden die Werke Alis in der Bundesrepublik kaum rezipiert, da Übersetzungen nur in der DDR erschienen waren. Die Aufmerksamkeit für den Autor stieg erst mit dem wachsenden Interesse für die türkische Literatur insgesamt seit den 1990er Jahren. Die Kritiker zeigten sich verwundert: Die Romane seien „überraschend modern“ und „bemerkenswert offen“, und zu dem großstädtischen, kosmopolitischen Lebensgefühl, das sie vermitteln, meinte ein Rezensent, Der Müßiggänger „könne ebenso in Rom spielen“.<ref>Christine Dikici: Die Rezeption der türkischen Literatur im deutschen Sprachraum unter besonderer Berücksichtigung aktueller Übersetzungsvorhaben. Diss., Marmara-Universität Istanbul 2015. Online</ref>

Veröffentlichungen in deutscher Übersetzung[Bearbeiten]

  • Meisternovellen der Weltliteratur – Türkei: Sabahattin Ali. Übersetzt von Friedrich von Rummel. (= Stimmen der Völker, Heft 4.) Bavaria-Verlag, Gauting 1948.
  • Anatolische Geschichten. Übersetzt von Herbert Melzig. Verlag Volk und Welt, Berlin 1953.
  • Der Ochsenkarren. Geschichten aus Anatolien. Übersetzt von Peter Sindlinger und Hülya Wicher. Sindlinger-Burchartz, Nürtingen 1991, ISBN 3-928812-00-9.
  • Der Dämon in uns. Übersetzt von Ute Birgi-Knellessen. Unionsverlag, Zürich 2007, ISBN 3-293-10007-4.
  • Die Madonna im Pelzmantel. Roman. Übersetzt von Ute Birgi-Knellessen. Dörlemann Verlag, Zürich 2008, ISBN 978-3-908777-38-0.
  • Yusuf. Roman. Übersetzt von Ute Birgi-Knellessen. Dörlemann Verlag, Zürich 2014, ISBN 978-3-03820-002-4.

Literatur[Bearbeiten]

  • Filiz Ali: „Filiz hiç üzülmesin …“ Sabahattin Ali’nin objektifinden, kızı Filiz’in gözünden bir yaşam öyküsü. Sel, İstanbul 1995, ISBN 975-570-011-0.
  • Elisabeth Siedel: Sabahattin Ali, Mystiker und Sozialist. Beiträge zur Interpretation eines modernen türkischen Autors. Schwarz, Berlin 1983 (Islamkundliche Untersuchungen, Bd. 90), ISBN 3-922968-30-9 (Digitalisat).
  • Otto Spies: Die moderne türkische Literatur. In: Handbuch der Orientalistik: Turkologie, Brill, Leiden 1982, ISBN 90-04-06555-5, S. 369.

Weblinks[Bearbeiten]

Commons: Sabahattin Ali – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

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