Samuel Carter (Bischof)
Samuel Carter SJ (mit vollem Taufnamen: Samuel Emmanuel Carter; * 31. Juli 1919 in Kingston; † 3. September 2002) war Erzbischof von Kingston in Jamaika.
Leben[Bearbeiten]
Samuel Carter war der Sohn von Wilfred und Marie Carter.<ref name="National Library of Jamaica">The National Library of Jamaica: Samuel Carter, 1919–2002, abgerufen am 2. April 2026.</ref> Seine Großeltern waren aus Britisch-Indien nach Jamaika eingewandert.<ref>Laxmi und Ajai Mansingh: Home away from home. 150 years of Indian presence in Jamaica 1845–1995. Ian Randle Publishers, Kingston 1999, ISBN 976-8123-38-9, S. 138.</ref> Er besuchte die von den Franciscan Sisters of Allegany geleitete St. Aloysius Primary School, danach das renommierte St. Simon’s College in seiner Heimatstadt.<ref>Vivian Crawford: Personalities in the development of Education in Jamaica. In: Public Opinion (Kingston), 8. November 2025, abgerufen am 2. April 2026.</ref> An diesem Gymnasium unterrichtete er von 1939 bis 1941 Latein. Von 1941 bis 1944 arbeitete er im Schatzamt und in der Finanzverwaltung der britischen Kronkolonie Jamaika.<ref name="National Library of Jamaica" />
In August 1944 trat Samuel Carter der Ordensgemeinschaft der Jesuiten bei. Er absolvierte das Noviziat der Jesuitenprovinz Neuengland, das damals auf dem einst Andrew Carnegie gehörenden großen Anwesen Shadowbrook in Lenox (Massachusetts) untergebracht war. 1946 legte er seine ersten Gelübde ab. Danach studierte er Philosophie am Weston College in Weston. Er schloss sein Studium 1950 mit dem Master of Arts (M.A.) ab. Anschließend unterrichtete er Soziologie am Holy Cross College in Worcester.<ref name="National Library of Jamaica" /> 1951 setzte er seine Studien am Weston College fort und erlangte dort das Lizentiat der Theologie.<ref>Father Carter, S.J. Opens IRJ Program. In: Newton College of the Sacred Heart, Boston (Hrsg.): 885, Jg. 3 (1955), Nr. 4 (April), S. 1.</ref> Am 19. Juni 1954 empfing er die Priesterweihe. Weitere postgraduale Studien folgten, zunächst das Studium der Theologie der Spiritualität (Ascetical Theology) am St. Bueno’s College in Tremeirchion (Denbighshire) in Wales, dann das Studium der Sozialarbeit an der Boston College Graduate School of Social Work mit dem Abschluss als Master of Social Work (MSW) 1958.<ref name="National Library of Jamaica" />
Nach seiner Heimkehr nach Jamaika 1958 arbeitete Carter in seiner Heimatstadt:<ref name="National Library of Jamaica" />
- in der Seelsorge, unter anderem als Kaplan an der Holy Trinity Cathedral des damaligen Bistums Kingston, als Pfarrer der Holy Cross Church und in der Strafgefangenenseelsorge im Fort Augusta Prison in Kingston
- in der Sozialarbeit, unter anderem in Initiativen zum Schutz von Kindern vor Gewalt und in der Weiterbildung von Bewährungshelfern
- in Bildungseinrichtungen: als Gründungsdirektor des Campion College von 1959 bis 1964, eines Gymnasiums der Jesuiten, und danach als Direktor des St. George’s College
Papst Paul VI. ernannte Samuel Carter am 1. Februar 1966 zum Weihbischof in Kingston in Jamaika und Titularbischof von Cenculiana. Der Erzbischof von Boston, Richard James Kardinal Cushing, weihte ihn am 25. April desselben Jahres zum Bischof; Mitkonsekratoren waren John Joseph McEleney SJ, Bischof von Kingston, und Richard Lester Guilly SJ, Bischof von Georgetown. Er war der erste aus Jamaika stammende katholische Bischof in Jamaika. Sein bischöflicher Wahlspruch war ein Vers aus dem Johannesevangelium: That all may be one („Damit alle eins seien“). (Vorlage:Bibel/Link)
Papst Paul VI. ernannte Samuel Carter am 1. September 1970 zum Erzbischof von Kingston in Jamaika. Er war der erste aus Jamaika stammende Erzbischof von Kingston.<ref>First Jamaican Native Appointed Archbishop. In: Jet, 22. Oktober 1970, S. 12.</ref> Carter beteiligte sich an der Bürgerbewegung zur Überwindung der durch die Feindschaft zwischen der Jamaica Labour Party (JLP) und der People’s National Party (PNP) beförderten Gewalt, ebenso an der Citizens’ Action for Free and Fair Elections (CAFFE). Er setzte sich für die Abschaffung der Todesstrafe ein (was ihm nicht gelang, doch bewirkten er und anderen, dass deren Vollzug schließlich ausgesetzt wurde) und für einen menschenwürdigen Strafvollzug.
Carter förderte die Ökumene und die gemeinsame Sozialarbeit der Konfessionen in Jamaika und in der Karibik.<ref>Gerry McLaughlin, Anna Kasafi Perkins: Reflections on the Black Power Statement. In: Anna Kasafi Perkins, Donald Chambers, Jacqueline Porter (Hrsg.): Justice and Peace in a Renewed Caribbean. Contemporary Catholic Reflections. Palgrave Macmillan, New York 2012, ISBN 978-1-349-43515-9, S. 41–60, hier S. 43.</ref> Er war Vorsitzender des Jamaikanischen Kirchenrates (Jamaica Conference of Churches) und einer der Urheber des Karibischen Kirchenrates (Caribbean Conference of Churches, CCC / Conferencia de Iglesias del Caribe / Conférence des Églises de la Caraïbe).<ref>Merlyn Hyde Riley: Tribute to the late Most Rev Samuel E. Carter. In: The Gleaner, 25. August 2019, S. 142.</ref> Bei der Gründungsversammlung 1973 wählten ihn die Bischöfe zum Vorsitzenden der CCC. Ebenso setzte sich Erzbischof Carter für die karibische Zusammenarbeit ein. 1976 berief ihn die University of the West Indies (UWI) in ihren Aufsichtsrat.<ref name="National Library of Jamaica" />
Erzbischof Carter war von 1984 bis 1991 Vorsitzender der Antilles Episcopal Conference (AEC).<ref>Metropolitan Archdiocese of Kingston in Jamaica, abgerufen am 1. Juni 2026.</ref> Er war maßgeblich dafür verantwortlich, dass diese Bischofskonferenz in Tunapuna bei Port of Spain ein gemeinsames Priesterseminar einrichtete. Er schlug vor, auch verheiratete Männer zu Priestern zu weihen.<ref>Georg Denzler: Das Papsttum und der Amtszölibat, Band 2: Von der Reformation bis in die Gegenwart. Hiersemann, Stuttgart 1976, ISBN 3-7772-7602-2, S. 361.</ref>
Am 11. November 1994 nahm Papst Johannes Paul II. seinen altersbedingten Rücktritt an.
Auszeichnungen[Bearbeiten]
Fünf Universitäten in den Vereinigten Staaten, darunter die Loyola University in Chicago, sowie die University of the West Indies ernannten Samuel Carter zu ihrem Ehrendoktor.<ref name="National Library of Jamaica" /> Das Boston College verlieh ihm 1976 das nach Sébastien Rasles benannte Rale Medallion.<ref name="National Library of Jamaica" /> Das Stipendienwerk Archbishop Samuel E. Carter, S.J. Foundation Fellowship trägt in Erinnerung an seine Verdienste um die Weiterentwicklung der schulischen Bildung in Jamaika seinen Namen.
Weblinks[Bearbeiten]
- Eintrag zu Samuel Carter auf catholic-hierarchy.orgVorlage:Abrufdatum (englisch)
- Eintrag zu Samuel Carter auf gcatholic.orgVorlage:Abrufdatum (englisch)
Fußnoten[Bearbeiten]
<references />
| Vorgänger | Amt | Nachfolger |
|---|---|---|
| John Joseph McEleney SJ | Erzbischof von Kingston in Jamaika 1970–1994 | Edgerton Roland Clarke |
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Carter, Samuel |
| ALTERNATIVNAMEN | Carter, Samuel Emmanuel |
| KURZBESCHREIBUNG | jamaikanischer Jesuit, katholischer Bischof |
| GEBURTSDATUM | 31. Juli 1919 |
| GEBURTSORT | Kingston |
| STERBEDATUM | 3. September 2002 |