Samuel Hafenreffer
Samuel Hafenreffer, ab 1642 Hafenreffer von Trachenstett (* 26. April 1587 in Herrenberg; † 26. September 1660 in Tübingen) war ein deutscher Arzt, Mediziner und Hochschullehrer an der Universität Tübingen.
Leben[Bearbeiten]
Samuel Hafenreffer war ein Sohn des evangelischen Theologen Matthias Hafenreffer und der Agatha geb. Brenz (1554–1599), einer Tochter des Reformators Johannes Brenz. Er wurde 1600 in Tübingen immatrikuliert, bekam 1601 den Bacc. art. und 1604 den Mag. art. Hafenreffer gehörte in Tübingen zum Freundeskreis des chiliastischen Juristen und Theosophen Tobias Heß. Zu diesem Kreis zählten beispielsweise auch Johann Valentin Andreae, Christoph Besold, Wilhelm Bidembach von Treuenfels, Abraham Hölzel, Thomas Lansius und Wilhelm Schickard.
Nach seinem Studium der Medizin war er drei Jahre Hauslehrer der Söhne des Freiherrn Johann Ulrich von Starhemberg in Österreich. Zur weiteren Ausbildung studierte er 1612 an der Universität Wittenberg, danach in Basel und Straßburg. 1614 wurde er in Tübingen zum Dr. med. promoviert. 1614 war er Physikus in Kirchheim/Teck sowie in Österreich. 1620 arbeitete er in Tübingen, 1642 in Biberach und 1647 erneut in Kirchheim/Teck. 1648 folgte er einem Ruf als ordentlicher Professor für Medizin in Tübingen. 1653, 1656/57 und 1659/60 war er Rektor der Universität Tübingen. Sein Porträt hängt daher in der Tübinger Professorengalerie.
Samuel Hafenreffer erhielt am 15. Januar 1642 von Kaiser Ferdinand III. durch Diplom den Adelsstand und das Prädikat von Trachenstett verliehen.<ref>Gustav Adelbert Seyler: Abgestorbener Württemberger Adel. Verlag Bauer und Raspe, Nürnberg 1911, S. 161.</ref>
Wissenschaftliche Tätigkeiten[Bearbeiten]
Samuel Hafenreffer veröffentlichte 1660 eine Definition von Juckreiz (pruritus), einer unangenehmen Empfindung der Haut, welche ein Kratzen mit den Fingernägeln oder anderen Hilfsmitteln provoziert.<ref name="Bolognia">Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref> Er gilt als der Autor des ersten Buches über Hautkrankheiten im deutschen Kulturraum.<ref>Georg Alexander Rost: Samuel Hafenreffer, Autor des ersten Lehrbuchs der Dermatologie im deutschen Kulturraum. In: Zeitschrift für Haut- und Geschlechtskrankheiten 14, 1953; Albrecht Scholz: Geschichte der Dermatologie in Deutschland. Springer, Berlin 1999, S. 3.</ref>
Er benutzte die 300 Jahre zuvor entstandene Notenschrift zur Aufzeichnung der Frequenzen und Qualitäten des menschlichen Pulses und beschrieb diesen als die „süßeste Melodie des Lebens“.<ref>Eintrag Puls in Werner E. Gerabek: Enzyklopädie Medizingeschichte. Walter de Gruyter, Berlin 2005. S. 1202.</ref>
In einem seiner Bücher veröffentlichte er eine Tarantella, ein Musikstück zu Heilung der angeblich von apulischen Taranteln gebissenen Tanzwütigen. Der Tarantismus kommt auch heute noch in Apulien vor.
Schriften (Auswahl)[Bearbeiten]
- Samuel Hafenreffer: Monochordon symbolico-biomanticum. Abstrusissimam pulsuum doctrinam, ex harmoniis musicis dilucidè, Figurisq[ue] oculariter demonstrans, de Causis & Prognosticis inde promulgandis fideliter instruens, & jucundè per Medicam praxin resonans. Balthasar Kühn, Ulm 1640, OCLC 492457006 (online bei der Bayerischen Staatsbibliothek).
- Beschreibung des Brunnens von Niedernau: Samuel Hafenreffer: Littvs Avstriaco-Neccaricvm Medicamentorvm, Daß ist Kurtze vn[d] Eigentliche Beschreibung deß Edlen vn[d] kostbaren Saurbrunnens zu Nideraw bey Rottenburg am Necker : mit was Edlen Kräfften derselbe durch die Mineralia begabet … Johann Geng, Costantz am Bodensee 1642, OCLC 314978785 (online bei der Bayerischen Staatsbibliothek).
Literatur[Bearbeiten]
- Reinhold Scholl: Die Bildnissammlung der Universität Tübingen, 1477 bis 1927. (= Schriften des Vereins für Württembergische Familienkunde, Heft 2.) Verlag von K. Ad. Emil Müller, Stuttgart 1927, S. ??.
- Georg Alexander Rost: Samuel Hafenreffer, Autor des ersten Lehrbuchs der Dermatologie im deutschen Kulturraum. In: Zeitschrift für Haut- und Geschlechtskrankheiten 14, 1953, S. 227–230.
- Peter Lyncker: Samuel Hafenreffer, 1587-1660 Leben, Werk, seine Bedeutung für die Dermatologie. Huth, Tübingen 1966. Med. Dissertation Tübingen 1966.
Weblinks[Bearbeiten]
- Werke von und über Samuel Hafenreffer in der Deutschen Digitalen Bibliothek
- Eintrag Samuel Hafenreffer in der Bilddatenbank der Universität Tübingen
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Hafenreffer, Samuel |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Mediziner und Hochschullehrer |
| GEBURTSDATUM | 26. April 1587 |
| GEBURTSORT | Herrenberg |
| STERBEDATUM | 26. September 1660 |
| STERBEORT | Tübingen |
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- Hochschullehrer (Eberhard Karls Universität Tübingen)
- Rektor (Eberhard Karls Universität Tübingen)
- Mediziner (17. Jahrhundert)
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- Person (Württemberg bis 1803)
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