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Samuel Kummer

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Datei:Samuel Kummer.jpg
Samuel Kummer am Orgelspieltisch der Dresdner Frauenkirche (2009)

Samuel Kummer (* 28. Februar 1968 in Stuttgart; † 23. April 2024 in Dresden) war ein deutscher Organist und Kirchenmusiker. Er war von 2005 bis 2022 der erste Organist an der wiederaufgebauten Dresdner Frauenkirche.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Ausbildung[Bearbeiten]

Samuel Kummer besuchte als Schüler das Evangelische Schulzentrum in Michelbach an der Bilz<ref>Schwäbisch Hall: s. Abgerufen am 28. Dezember 2025.</ref> und bekam bis zum Abitur Orgelunterricht von Christoph Bossert. Sodann studierte er Kirchenmusik an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart. Seine Orgellehrer waren Werner Jacob und Ludger Lohmann; Orgelimprovisation studierte er bei Willibald Bezler, Hans Martin Corrinth und Wolfgang Seifen. Er erhielt Anregungen auch in Meisterkursen bei Marie-Claire Alain, Hans Fagius, Lorenzo Ghielmi und Daniel Roth.<ref>Samuel Kummer: Vita. In: samuelkummer.de. Abgerufen am 24. April 2024.</ref><ref>Samuel Kummer: Biographie. In: klassik-heute.de. Abgerufen am 25. April 2024.</ref>

1997 legte er das A-Examen mit einer Auszeichnung im Fach Orgelimprovisation ab. Im Anschluss daran absolvierte er das obligatorische Kirchenmusikpraktikum bei Dörte Maria Packeiser an der evangelischen Pauluskirche in Heidenheim.<ref name="hz.de">International bekannter Organist Samuel Kummer ist tot, Heidenheimer Zeitung, 25. April 2024.</ref>

Tätigkeiten[Bearbeiten]

Ab 1998 war Kummer als Bezirkskantor an der Martinskirche in Kirchheim unter Teck tätig.<ref>Zum Tod von Samuel Kummer: Ein Musiker von Rang aus Kirchheim. In: Der Teckbote, 25. April 2024.</ref> Im Jahr 2005 wechselte er an die wiederaufgebaute Frauenkirche in Dresden. Ab 2007 war er zudem Dozent für Orgelliteraturspiel und Liturgisches Orgelspiel an der Hochschule für Kirchenmusik Dresden.<ref>Dozenten: Frauenkirchenorganist Samuel Kummer Website der Hochschule für Kirchenmusik Dresden (archivierte Webseite, Stand April 2024).</ref>

An der Frauenkirche in Dresden konnte Kummer seine besonderen Orgelimprovisationsfähigkeiten in zahlreichen liturgischen und konzertanten Diensten entfalten. Er initiierte die Orgelreihen „Dresdner Orgelzyklus“, „Bachzyklus“ (mehrfache Gesamtaufführungen des Bach’schen Orgelwerks, eng am Kirchenjahr ausgerichtet), „Literarische Orgelnacht“ und „Orgelmusik bei Kerzenschein“.

Konzertengagements führten Kummer in die Niederlande, das Baltikum, Polen, Ungarn, Russland sowie die USA und Mittelamerika. Er wurde zu renommierten Konzertreihen wie dem Europäischen Orgelfestival nach Maastricht und dem Internationalen Bachfestival nach Warschau eingeladen.<ref name="carus" /> Auch als Juror bei Orgelwettbewerben war er gefragt.<ref name="bossert" />

Im Sommersemester 2024, nach der Kündigung in Dresden, übernahm er eine 50-prozentige Lehrstuhlvertretung der Professur von Christoph Bossert an der Hochschule für Musik Würzburg<ref name="bossert">Christoph Bossert: Abschied: Trauer um Samuel Kummer. In: hfm-wuerzburg.de. Abgerufen am 28. April 2024.</ref> und hätte künftig einen Lehrauftrag für Orgelimprovisation an der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar erfüllen sollen.<ref>Nachruf: Zum Tod von Samuel Kummer. In: mdr.de. 25. April 2024, abgerufen am 25. April 2024.</ref>

Kündigung in Dresden[Bearbeiten]

Anfang 2022 kündigte die Stiftung Frauenkirche Dresden Kummers Arbeitsverhältnis zum September 2022. Er soll oft unpünktlich oder abwesend gewesen sein.<ref>Samuel Kummer: Vom Star zur „Persona non grata“ - Kirchheim - Teckbote. 12. Januar 2024, abgerufen am 1. Januar 2026.</ref> Vor der Kündigung soll Kummer mehr als ein dutzend Mal abgemahnt worden sein. Angeblich gab es zahlreiche Gespräche mit ihm, die aber zu keiner Lösung führten. Kummer klagte gegen die Kündigung. Er bestritt, häufig unpünktlich gewesen zu sein. Er bestritt auch, „mehr als ein Dutzend wirksame Abmahnungen in 17 Jahren“ erhalten zu haben. Er verwies darauf, dass er ein enormes Arbeitspensum mit insgesamt rund 7000 Diensten sowie mit mehr als 30 Orgelkonzerten pro Jahr erfüllt habe.<ref name="Klempnow 2022-12-01">Bernd Klempnow: Stiftung Frauenkirche kündigt langjährigem Organisten. In: saechsische.de. 1. Dezember 2022, abgerufen am 2. Dezember 2022.</ref>

Im Dezember 2022 wurde berichtet, dass sechs namhafte Kirchenmusiker, unter anderem Holger Gehring, Martin Strohhäcker und Roderich Kreile, in einem offenen Brief für eine Rücknahme der Kündigung warben. Auch der frühere Geschäftsführer der Stiftung Frauenkirche, der Theologe und Politiker Frank Richter, sprach sich engagiert gegen die Kündigung aus.<ref>Frank Richter: Unterstützung für Samuel Kummer. 1. Dezember 2022, archiviert vom Vorlage:IconExternal; abgerufen am 1. Januar 2026.</ref> Im Dezember 2022 wurde eine diesbezügliche Online-Petition gestartet, die binnen einer Woche das Sammelziel von 800 Unterschriften und insgesamt mehr als 1300 Unterschriften erreichte.<ref>Petition Samuel Kummer soll Frauenkirchenorganist bleiben bei openpetition.de. Gestartet am 6. Dezember 2022, siehe Angaben zur Petition. Zur Solidarität mit Kummer siehe dort auch die mehr als 350 Beiträge unter „Kommentare“.</ref>

Im Juni 2023 urteilte das Arbeitsgericht Dresden, dass die Kündigung wirksam sei, und auch die mehr als ein Dutzend Abmahnungen seien zulässig gewesen. In einer mündlichen Verhandlung hatten sich die beiden Parteien nicht auf einen Kompromiss einigen können.<ref>Bernd Klempnow: Gericht bestätigt Kündigung des Frauenkirchen-Organisten. In: saechsische.de. 21. Juni 2023, abgerufen am 24. Juni 2023.</ref> Das Urteil wurde nicht rechtskräftig, da Kummer Berufung beim Landesarbeitsgericht eingelegt hatte; die Verhandlung sollte im Mai 2024 stattfinden.<ref>Entlassener Frauenkirche-Organist Samuel Kummer gestorben. In: nmz.de. 24. April 2024, abgerufen am 24. April 2024.</ref> Die Organistenstelle wurde Mitte Januar 2024 neu ausgeschrieben.<ref name="mdr" />

Tod[Bearbeiten]

Am 14. April 2024 spielte Kummer sein letztes Orgelkonzert. Dabei interpretierte er Werke von Bach und Max Reger auf der von ihm besonders geschätzten Link-Orgel der evangelischen Stadtkirche in Giengen an der Brenz.<ref name="hz.de" />

Samuel Kummer brach am 23. April 2024 im Dresdner Hauptbahnhof zusammen und starb im Alter von 56 Jahren.<ref name="mdr" /> Die Trauerfeier fand am 8. Mai 2024 in der Dresdner Christuskirche statt, anschließend erfolgte die Beisetzung auf dem Dresdner Johannisfriedhof.<ref>Homepage von Samuel Kummer, abgerufen am 12. Mai 2024</ref><ref>Bernd Klempnow: Misstöne auf Beerdigung von langjährigem Frauenkirchen-Organisten Samuel Kummer. In: Sächsische Zeitung, 8. Mai 2024.</ref> Am Abend gaben mehrere Organisten gemeinsam ein Gedenkkonzert in der Kreuzkirche zu Ehren von Samuel Kummer.<ref>»Fallenden Blüten weinen mit uns«. In: Neue (musikalische) Blätter. 12. Mai 2024, abgerufen am 30. Dezember 2025.</ref>

Niklas Jahn wurde Kummers Nachfolger an der Frauenkirche.<ref>Niklas Jahn wird neuer Frauenkirchenorganist. In: Frauenkirche Dresden. Abgerufen am 19. September 2024.</ref>

Kompositionen (Auswahl)[Bearbeiten]

Die genannten Kompositionen liegen zumeist als Manuskript vor.

  • Begleitsätze in Tasten-Spiele – Das Klavierbuch zum Evangelischen Gesangbuch. Strube, München 2002<ref>Tasten-Spiele – Strube Verlag. Abgerufen am 30. Dezember 2025.</ref>
  • Orgeltranskription von Sätzen des Deutschen Requiems von Brahms
  • Phantasie über „Christ lag in Todesbanden“ (2016)
  • Choral varié über „Es kommt ein Schiff geladen“ (2016)
  • Symphonischer Choral „Ein feste Burg ist unser Gott“ (2017)
  • Choralbearbeitung „Mit Fried und Freud ich fahr dahin“, Canon alla quinta (2017), Christoph Bossert gewidmet. Nach Kummers Tod spielte Bossert diese Choralbearbeitung zum Gedenken an Kummer.<ref>Samuel Kummers Choralbearbeitung „Mit Fried und Freud ich fahr dahin“, Canon alla quinta (2017). Christoph Bossert an der Klais-Orgel der HfM Würzburg. Video bei YouTube (3:29 Min.).</ref>
  • Neun Meditationen über „Vater unser im Himmelreich“ (2017)
  • Introduktion und Fuge über den Namen L-A-D-E-G-A-S-T (2018)
  • Präludium über den Choral „Du meine Seele singe“ (2020)<ref>Frauenkirche Dresden: Gottesdienst zum Sonntag Kantate 2020 aus der Frauenkirche Dresden. 10. Mai 2020, abgerufen am 30. Dezember 2025.</ref>
  • Ergänzung der unvollendeten Fuga a 3 Soggetti in der Kunst der Fuge: Ausbau der unvollständig überlieferten Fuge mit drei Themen zu einer Fuge mit vier Themen (Einspielung 2020)<ref>CD-Booklet zu Kummers Einspielung der Kunst der Fuge (PDF; 2,9 MB). Zu Kummers Ergänzung der Fuga a 3 Soggetti siehe S. 34. Zum Jahr der Einspielung siehe S. 2.</ref>
  • „Perpetuum mobile“ (2024)

Einspielungen[Bearbeiten]

  • Frauenkirche Dresden – Orgelmusik von Bach & Duruflé. Carus (2005, Neuauflage 2021)
  • Louis Vierne: Symphonies No. 3 and 5. Carus (2008)
  • 300 Jahre Silbermann-Orgel St. Georg Kirche Großkmehlen. Jubal (2018)
  • Bach: The Art of Fugue. Aeolus (2021). Kummer spielte die Fuga a 3 Soggetti zweifach ein: in der überlieferten unvollendeten Form und in der von ihm vollendeten Fassung.<ref>Bach: The Art of Fugue. Samuel Kummer bei aeolus-music.com.</ref>

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Würdigungen (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Der Musikwissenschaftler Bernhard Schrammek schrieb in seiner Rezension zu Kummers Einspielung der Kunst der Fuge: „Samuel Kummer spielt virtuos, mitreißend, überlegt – er ist immer Herr über das Stück; bei Stimmkreuzungen auch mal mit einer Hand auf zwei Manuelen [sic] gleichzeitig.“<ref>Die Kunst der Fuge mit Samuel Kummer bernhard-schrammek.de, 2. August 2021</ref>
  • Nach Kummers Tod würdigte ihn Markus Kaufmann, Kantor an der Nikolaikirche Leipzig, mit den Worten: „Samuel Kummer konnte als Organist und Komponist mit Händen und Füßen die Gegenwart Gottes zum Klingen bringen. Über sein Wirken als international geschätzter Musiker hinaus, gab er seine Idee des Orgelspiels weiter – empathisch, ideenreich und stets mit dem profunden Blick auf den gesamten Menschen.“<ref>Nachruf zum Tode von Organist Samuel Kummer, nikolaikirche.de</ref>
  • Aus einem Nachruf des Musikredakteurs Claus Fischer für den MDR: „Er ist weltweit zugange gewesen, immer geachtet, anerkannt, vor allem seine Qualitäten bei der Orgelimprovisation. Das kann ja nun bei Weitem nicht jeder!“<ref> Samuel Kummer: Ehemaliger Organist der Dresdner Frauenkirche unerwartet gestorben mdr.de, 24. April 2024</ref>

Weblinks[Bearbeiten]

Nachrufe

Videos auf YouTube

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references> <ref name="carus">Samuel Kummer. In: carus-verlag.com. Abgerufen am 24. April 2024.</ref> <ref name="mdr">Dresden: Ehemaliger Organist der Frauenkirche gestorben. In: mdr.de. 24. April 2024, abgerufen am 24. April 2024.</ref> </references>

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