Samuel von Behr
Samuel von Behr (* um 1575; † 19. Februar 1621) war ein mecklenburgischer Politiker aus Vorpommern. Sein kurz nach seinem Tod geschaffenes Grabdenkmal im Doberaner Münster ist einzigartig.
Leben[Bearbeiten]
Behr entstammte dem rügenschen Zweig der ursprünglich niedersächsischen Familie von Behr und war der Sohn des herzoglich-pommerschen Landrats Hans von Behr, Erbherr auf Hugoldsdorf und Kavelsdorf, und dessen dritter Gemahlin Anna von Levetzow. Seine Bildung erwarb er sich auf den Universitäten Rostock,<ref>Immatrikulationseintrag von „Samuel Beher“ im Matrikelportal Rostock.</ref> wo er sich im September 1589 zusammen mit seinem Bruder Hugold (1573–1620)<ref name=":0">Immatrikulationseintrag von Hugoldus Behr im Matrikelportal Rostock.</ref> immatrikulierte, Marburg, Tübingen und Straßburg. Reisen brachten die Brüder nach Frankreich, England und in die Schweiz. Unter anderem studierte Behr Theologie, schöne Künste und Sprachen sowie Politik und Geschichte. Nachdem der Vater 1598 gestorben war, übernahm sein ältester Bruder Daniel die Verwaltung der Güter.<ref name=":1">Gustav Duncker: Die zweite mecklenburgische Hauptlandesteilung 1621. In: Jahrbücher des Vereins für Mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde, Band 73, 1908, S. 177–292</ref>
Samuel wie auch sein Bruder Hugold<ref name=":0" /> traten in den Staatsdienst. Samuel von Behr nahm zunächst in kaiserliche Kriegsdienste an zwei Feldzügen gegen die Türken teil. Dabei lernte er vermutlich den Markgrafen von Baden-Durlach Georg Friedrich kennen, dessen Hofmeister er bis ins Jahr 1606 war.<ref name=":1" /> Ab etwa 1606 war Samuel von Behr Hauslehrer des noch unmündigen mecklenburgischen Herzogs Adolf Friedrich I. Zunächst begleitete er den Herzog auf seinen Reisen und erwarb sich so sein enges Vertrauen. Nach Mecklenburg zurückgekehrt, wurde er Adolf Friedrichs Geheimer Rat und hatte die Regierungsgeschäfte zu erledigen. Ab 1608 stand er mit an der Spitze des mecklenburgischen Hofes zu Schwerin. Er wurde Kanzler und übernahm eine Zeitlang die Aufgaben eines Hofmarschalls.
Samuel von Behr verfasste in den Jahren 1611–1620 die Protokolle mit den persönlichen Entscheidungen des Herzogs und hatte somit auch direkten Einfluss auf die Gestaltung z. B. der neuen Hofordnung. Mit Otto von Preen, der als Geheimer Rat Adolf Friedrichs Bruder Johann Albrecht II. vertrat, verhandelte er im Namen des Herzogs jahrelang über die Zweite Mecklenburgische Hauptlandesteilung. Die Unterzeichnung des von ihm ausgearbeiteten Vertrags am 23. Februar 1621<ref>Gustav Duncker: Die zweite mecklenburgische Hauptlandesteilung. In: Jahrbücher des Vereins für meckl. Geschichte u. Altertumskunde 73. Schwerin 1908, S. 177–292; S. 289. </ref> erlebte er aber nicht mehr.
Behrs hohe Stellung dokumentieren zudem die Anordnungen bei seinem Tod 1621. Bereits an seiner Krankheit 1619/1620 hatte der Herzog großen Anteil genommen. Als Behr starb, beklagte Adolf Friedrich seinen Tod als den seines besten Freundes. Er beauftragte seinen „General-Baumeister“ Gerhart Evert Pilooth mit der Errichtung eines repräsentativen Grabmals in einer Chorkapelle im Doberaner Münster, der fürstlichen Grablege. Über dem Sarkophag errichtete der Leipziger Bildhauer Franz Julius Döteber eine lebensgroße Reiterfigur des Verstorbenen unter einem Baldachin.<ref name=":2">Detlef Witt: Das Grabmal des Geheimen Rates und Hofmeisters Samuel Behr von Franz Julius Döbeter und Daniel Werner im Doberaner Münster. in: Gerhard Weilandt/Kaja von Cossart (Hrsg.): Die Ausstattung des Doberaner Münsters. Kunst im Kontext. Michael Imhof Verlag. Petersberg, 2018, ISBN 978-3-7319-0176-1, S. 254–265; S. 255.</ref> Dieses für einen Vertreter des niedrigen Adels ungewöhnlich prächtige Grabmonument betont die enge Verbindung zwischen Behr und dem Herzog. Behr blickt in Richtung der Grabkapelle, die der Herzog für sich und seine Gemahlin in der Ostkapelle des Chorumganges in Auftrag gab und die ebenfalls von Döterber gestaltet wurde.<ref name=":3">Anja Levien: Einzigartiges Grabmal steht im Doberaner Münster. In: Ostseezeitung. 19. Juni 2019, abgerufen am 4. September 2026.</ref>
Grabmal[Bearbeiten]
Behrs Grabmal in der Klosterkirche Doberan zählt zu den repräsentativsten Grabmälern der Spätrenaissance bzw. des nordeuropäischen Manierismus.<ref name=":2" /> Der hölzerne, mit Zinn überzogene und mit Bärenköpfen verzierte Sarg wurde in einem Steinsarkophag gebettet, der seinerseits auf einem Podest steht und von einem Baldachin überdacht wird. Sarkophag und Baldachin sind nach Vorlage eines Stichs aus Hans Vredeman de Vries’ Perspective (1604) gestaltet. Die Säulenschäfte sind mit aufwändigen Reliefs, darunter Porträts von Behrs Eltern, aber auch Vanitassymbole, und lateinischen Sprüchen verziert.<ref>Detlef Witt: Das Grabmal des Geheimen Rates und Hofmeisters Samuel Behr von Franz Julius Döbeter und Daniel Werner im Doberaner Münster. in: Gerhard Weilandt/Kaja von Cossart (Hrsg.): Die Ausstattung des Doberaner Münsters. Kunst im Kontext. Petersberg 2018, S. 254–265; S. 259–262.</ref> Auf dem Sarkophag steht das hölzene Reitermonument. Es stellt Behr in Lebensgröße in „staatsmännischer Pose“ als Reiter im Harnisch dar. Zu seinen Füßen sitzt ein Hund. Mit dem Anbringen der Farbfassung 1626 durch den Schweriner Maler Samuel Lautenbergk war das Monument fertiggestellt.<ref>Detlef Witt: Das Grabmal des Geheimen Rates und Hofmeisters Samuel Behr von Franz Julius Döbeter und Daniel Werner im Doberaner Münster. in: Gerhard Weilandt/Kaja von Cossart (Hrsg.): Die Ausstattung des Doberaner Münsters. Kunst im Kontext. Petersberg 2018, S. 254–265; S. 256.</ref>
Das Denkmal wurde nur wenige Jahre nach seiner Fertigstellung durch plünderende Söldner im Dreißigjährigen Krieg beschädigt. Die in schriftlichen Quellen genannte kostbare Ausstattung mit silbernem Sattel, Zaumzeug, Steigbügeln, Sporen und vermutlich auch einem Degen wurde entwendet. Jahrhundertelang stand das beraubte Grabmal hinter einer hölzernen Abschrankung, bis der Kammerherr Hermann von Behr-Negendank, Majoratsherr u. a. auf Torgelow, Passow und Neverin, es 1886 durch den späteren grossherzoglich-mecklenburgischen Geheimen Hofbaurat Gotthilf Ludwig Möckel restaurieren ließ. Möckel erneuerte die fehlende Ausstattung anhand von Hans Burgkmairs Stichen zum Triumphzug Kaiser Maximilians I. Da der hölzerne Sarg im Inneren des Sarkophags beschädigt war, wurden Behrs Gebeine in eine Kiste umgebettet.<ref>Detlef Witt: Das Grabmal des Geheimen Rates und Hofmeisters Samuel Behr von Franz Julius Döbeter und Daniel Werner im Doberaner Münster. in: Gerhard Weilandt/Kaja von Cossart (Hrsg.): Die Ausstattung des Doberaner Münsters. Kunst im Kontext. Petersberg 2018, S. 254–265; S. 259.</ref> Eine Gedenktafel neben dem Reiterstandbild erinnert an diese Renovierung.
Am Ende des Zweiten Weltkrieges erlitt die Reiterfigur erneut Beschädigungen: Sie wurde umgestützt und ihrer Sporen beraubt.<ref>Anja Levien: Reiterstandbild im Münster wieder vollständig. In: muenster-doberan.de. 31. März 2020, abgerufen am 4. September 2026.</ref> 2013 bis 1019 wurde sie umfänglich restauriert.<ref name=":3" />
Literatur[Bearbeiten]
- Friedrich Lisch: Urkunden und Forschungen zur Geschichte des Geschlechts Behr, Band I bis IV, Schwerin 1861 bis 1863, Band I, 203 Seiten (books.google.de)
- Gottlieb von Rosen, Ulrich Behr Negendank (Graf): Hans Behr der Aeltere, Fürstlich Pommerscher Landrath, Erb-, Lehn- und Gerichts-Herr der Hugoldsdorfer Güter, und seine Söhne Daniel, Hugold und Samuel: Lebensbilder aus dem 16. u. 17. Jahrhundert. Berndt, 1896.
- Friedrich Schlie: Kunst- und Geschichts-Denkmäler des Grossherzogthums Mecklenburg-Schwerin, Band 3: Die Amtsgerichtsbezirke Hagenow, Wittenburg, Boizenburg, Lübtheen, Dömitz, Grabow, Ludwigslust, Neustadt, Crivitz, Brüel, Warin, Neubukow, Kröpelin und Doberan. Schwerin 1896, S. 659, archive.org
- Andrea Baresel-Brand: Grabdenkmäler nordeuropäischer Fürstenhäuser im Zeitalter der Renaissance: 1550–1650. Ludwig, 2007, ISBN 978-3-937719-18-4, S. 360 Anm. 623.
- Detlef Witt: Das Grabmal des Geheimen Rates und Hofmeisters Samuel Behr von Franz Julius Döbeter und Daniel Werner im Doberaner Münster. in: Gerhard Weilandt/Kaja von Cossart (Hrsg.): Die Ausstattung des Doberaner Münsters. Kunst im Kontext. Michael Imhof Verlag. Petersberg, 2018, ISBN 978-3-7319-0176-1, S. 254–265.
Weblinks[Bearbeiten]
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Behr, Samuel von |
| KURZBESCHREIBUNG | mecklenburgischer Politiker |
| GEBURTSDATUM | um 1575 |
| STERBEDATUM | 19. Februar 1621 |
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- Politiker (Mecklenburg)
- Politiker (17. Jahrhundert)
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- Hofmarschall (Mecklenburg-Schwerin)
- Familienmitglied des Adelsgeschlechts Behr
- Geboren im 16. Jahrhundert
- Gestorben 1621
- Mann