Sandohrwurm
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| Sandohrwurm | ||||||||||||
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| Datei:Labidura riparia 070819.jpg
Sandohrwurm (Labidura riparia) (Männchen) | ||||||||||||
| Systematik | ||||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Labidura riparia | ||||||||||||
| (Pallas, 1773) |
Der Sandohrwurm (Labidura riparia) ist ein Vertreter der Ohrwürmer (Dermaptera) und gehört der Familie Labiduridae an. Die ursprünglich in Afrika beheimatete Art wurde weltweit verschleppt und ist deshalb mittlerweile kosmopolitisch verbreitet.
Merkmale[Bearbeiten]
Der Sandohrwurm wird adult 18–38 mm lang<ref name="Steinmann"/> und besitzt lange, nur schwach gekrümmte Zangen. Beim Männchen haben diese hinter der Mitte einen kleinen Innenzahn, beim Weibchen sind sie fast ganz gerade und nur am Ende schwach gebogen. Die Fühler haben 25–32 Glieder. Bisher wurde nicht nachgewiesen, ob der Sandohrwurm fliegt. Manche Tiere besitzen gut ausgebildete Hinterflügel mitsamt Flugmuskulatur, bei anderen Exemplaren fehlen sie. Möglicherweise ist wie beim Gemeinen Ohrwurm nur ein Teil der Tiere flugfähig. Die Beine, die Zangen und die Seiten des Hinterleibs sowie des Halsschilds sind gelblich von der rotbraunen Grundfarbe abgesetzt. Die Art ist sehr variabel, so dass viele Formen ursprünglich unter anderen Namen beschrieben wurden. Es kommen sowohl sehr helle, weißlichgelbe Tiere vor als auch sehr dunkle, schwärzlich bis rötlichbraun gefärbte Individuen. Anhand der Musterung, vor allem auf den Elytren, lässt sich die Art jedoch gut erkennen.
- Nymphen
Die Zangen der Nymphen sind innen mit Zähnchen besetzt, bei männlichen Nymphen befindet sich in der Mitte ein stärkerer Zahn. Die Färbung ähnelt denen der Imagines, die Tiere sind hellgelb bis rotbraun gefärbt, die Augen trapezförmig und die Zangen stets länger als 2 mm. Es werden 5 Larvalstadien durchlaufen bis zur Adulthäutung. L1-Larven sind mit Zange 5,4–8,1 mm lang, besitzen 8 Antennenglieder und ihre Zange ist sehr schlank und gerade. L2-Nymphen sind 8–11,2 mm lang, besitzen 16–18 Antennenglieder und am Metanotum sind bereits die zukünftigen Flügelanlagen durch zwei stumpfe lappige Ausbuchtungen, die nach hinten gerichtet sind, erkennbar. L3-Nymphen sind 11–13 mm lang, besitzen 20–24 Antennenglieder und die Anlagen der Alae sind apikal gerundet. Der Zangeninnenrand weist feine unterschiedliche Zähnchen auf, dadurch sind auch bereits Geschlechtsbestimmungen möglich. L4-Nymphen sind 14–15 mm lang, besitzen 26–28 Antennenglieder und das Geäder der Alae (Flügelknospen) ist erkennbar. Die Ausbuchtung zwischen ihnen ist breit gerundet. Der Zangeninnenrand weist deutliche unterschiedliche Zähnchen auf. L5-Nymphen sind 16–20 mm lang, besitzen 27–32 Antennenglieder und die Anlagen der Alae sind apikal zugespitzt und fächerförmig geädert. Die Ausbuchtung zwischen ihnen ist spitzwinklig. In Mitteleuropa sind die Nymphen von Mai bis September zu finden.<ref name="Nymphen"/>
Verbreitung[Bearbeiten]
Die ursprüngliche Verbreitung der Art liegt im tropischen Afrika. Mittlerweile ist sie durch Verschleppung weltweit verbreitet. Dies beinhaltet den südlichen Teil Nordamerikas, Mittelamerika, Südamerika, Afrika, Europa, weite Teile Asiens, Neuseeland, zahlreiche Inseln und je nach taxonomischer Auffassung Australien.<ref name="GBIF"/><ref name="iNaturalist"/>
In Europa ist die Art vor allem in Südeuropa zu finden, im Mittelmeergebiet, entlang der Atlantikküste bis nach Mittelfrankreich und rund um das Schwarze Meer. Nördlich der Alpen und generell in Mitteleuropa ist sie eher lokal zu finden. Nach Norden hin reicht das Verbreitungsgebiet bis an die Nordsee und Ostsee.<ref name="GBIF"/><ref name="iNaturalist"/>
In Deutschland lebt der Sandohrwurm vor allem an der Ostsee, in Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, dem Osten Niedersachsens und dem Nordosten Thüringens. Nach Westen hin reicht das Areal nachweisbar bis zum Ochtumsand bei Bremen<ref name ="Bremen"/>. In Ostdeutschland ist die Art häufig in Braunkohlebaugebieten zu finden.<ref name="GBIF"/><ref name="iNaturalist"/>
In Österreich gibt es Vorkommen östlich von Wien und am Neusiedler See, in der Schweiz an Arve, Rhone und Ticino. Darüber hinaus ist die Art an vielen Orten der Niederlande, Slowakei und Polens zu finden, seltener auch in Dänemark, Belgien und dem Nordosten Frankreichs. Im Nordosten reichen die Vorkommen bis nach Lettland, Litauen und Russland.<ref name="GBIF"/><ref name="iNaturalist"/>
Lebensweise[Bearbeiten]
Der Sandohrwurm lebt vor allem in feuchten, sandigen Böden an Fluss- und Meeresufern, aber auch in trockenen Bereichen wie Binnendünen, allerdings nur bei feuchtem Untergrund. Geeignete Sekundärhabitate bieten die Großtagebaue des Braunkohlebergbaus. Als thermophile Art bevorzugt er warme Lebensräume. Er ist nachtaktiv. Seine Nahrung besteht vor allem aus toten Insekten, vereinzelt werden auch geschwächte lebende Insekten erbeutet. Er legt Wohnröhren im Sand an, die sich durch eine charakteristische dreieckige Öffnung mit einer Breite von etwa drei Millimetern auszeichnen. Meist verlaufen die Gänge nur einige Zentimeter unter der Oberfläche, zur Überwinterung werden aber tiefere Gänge bis zu zwei Meter Tiefe gegraben.
Fortpflanzung[Bearbeiten]
Die Paarung erfolgt von Mai bis September, es werden 60–90 Eier abgelegt, die sorgfältig gepflegt werden. So verweilt das Weibchen beim Gelege, um es vor Feinden zu schützen und leckt die Eier ab, zum Schutz vor Schimmelpilzen. Die Larven zerstreuen sich nach der ersten Häutung und legen eigene Röhren an. Nach etwa hundert Tagen sind die Tiere erwachsen, sofern die Imaginalhäutung noch bis zum September erfolgt, ansonsten überwintern sie als Larven bzw. Nymphen.
Taxonomie[Bearbeiten]
Die Art wurde 1773 von Peter Simon Pallas als Forficula riparia erstbeschrieben. Es existieren zahlreiche Synonyme der Art. Dazu zählen:<ref name="GBIF"/><ref name="dermaptera speciesfile"/>
- Apterygida erythrocephala (Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Fabricius, 1793)
- Apterygida huseinae Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Rehn, 1901
- Apterygida huseine Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Rehn, 1901
- Forficesila affinis Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Guerin-Méneville, 1836
- Forficesila gigantea Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Burmeister, 1838
- Forficesila icterica Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Audinet-Serville, 1839
- Forficesila riparia Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Fischer, 1846
- Forficesila suturalis Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Burmeister, 1838
- Forficesila terminalis Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Audinet-Serville, 1838
- Forficula amurensis Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Motschulsky, 1859
- Forficula bidens Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Olivier, 1791
- Forficula bilineata Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Herbst, 1786
- Forficula bivittata Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Klug, 1838
- Forficula crenata Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Olivier, 1791
- Forficula erythrocephala Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Fabricius, 1793
- Forficula fischeri Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Motschulsky, 1846
- Forficula flavipes Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Fabricius, 1793
- Forficula gigantea Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Fabricius, 1787
- Forficula marginella Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Costa, 1839
- Forficula maxima Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Villiers, 1780
- Forficula pallipes Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Fabricius, 1775
- Labidura affinis (Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Guerin-Méneville, 1836)
- Labidura amurensis (Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Motschulsky, 1856)
- Labidura auditor Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Scudder, 1876
- Labidura bengalensis Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Dohrn, 1863
- Labidura bicolor (Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Motschulsky, 1846)
- Labidura bidens (Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Olivier, 1791)
- Labidura bilineata (Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Herbst, 1786)
- Labidura bivittata (Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Klug, 1838)
- Labidura clarki Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Kirby, 1891
- Labidura confusa Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Capra, 1929
- Labidura crenata (Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Olivier, 1791)
- Labidura distincta Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Rodzianko, 1897
- Labidura dubronyi Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Borg, 1904
- Labidura erythrocephala Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.de Bormans, 1900
- Labidura fischeri (Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Motschulsky, 1846)
- Labidura flavipes (Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Fabricius, 1793)
- Labidura gigantea (Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Fabricius, 1787)
- Labidura granulosa Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Kirby, 1891
- Labidura huseinae (Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Rehn, 1901)
- Labidura icterica Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Audinet-Serville, 1838
- Labidura karschi Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Borg, 1904
- Labidura leucotarsata Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Mjöberg, 1913
- Labidura marginella (Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Costa, 1839)
- Labidura mongolica Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Rehn, 1905
- Labidura morbida Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Audinet-Serville, 1831
- Labidura pluvialis Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Kirby, 1891
- Labidura pallipes (Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Fabricius, 1775)
- Labidura servillei Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Dohrn, 1863
- Labidura suturalis (Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Burmeister, 1838)
- Labidura terminalis (Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Audinet-Serville, 1838)
- Labidura truncata Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Kirby, 1903 – umstritten
- Psalis morbida Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Audinet-Serville, 1831
Weblinks[Bearbeiten]
Literatur[Bearbeiten]
- Harz, K. (1957): Die Geradflügler Mitteleuropas – Gustav Fischer Verlag, Jena, 494 Seiten (S. 451–453)
- Weidner, H. (1941): Vorkommen und Lebensweise des Sandohrwurms Labidura riparia – Zool. Anz. 133(9/10): 185–202.
- Jiří Zahradník: Der Kosmos Insektenführer 6. Auflage. Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co., Stuttgart 2002, ISBN 3-440-09388-3, S. 100.
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references> <ref name="GBIF"> Vorlage:Gbif.org in GBIF Secretariat (2022). GBIF Backbone Taxonomy. Checklist dataset doi:10.15468/39omei, abgerufen via GBIF.org am 21. April 2023. </ref> <ref name="iNaturalist"> Labidura riparia auf inaturalist.org, abgerufen am 21. April 2023 </ref> <ref name ="Bremen"> Handke, K.: Erstnachweis des Sandohrwurms Labidura riparia am Ochtumsand bei Bremen (Kreis Wesermarsch). In: Beitr. Naturkunde Niedersachsens. Band 42, 1989, S. 61–63. </ref> <ref name="Nymphen"> Danilo Matzke, Zum Vorkommen und Bestimmung heimischer Ohrwurmlarven (Dermaptera). Arthropoda Popularis 1:17–30. PDF </ref> <ref name="dermaptera speciesfile"> Labidura riparia im Dermaptera Species File, abgerufen am 27. April 2023. </ref> <ref name="Steinmann"> Henrik Steinmann – Dermaptera. Catadermaptera II. Walter de Gruyter, New York – Berlin, 1989 </ref> </references>